US-WahlkampfWarum die Abtreibung Amerika spaltet

Konservative Frauen in den USA sehen die Abtreibung so: Wer ein ungeborenes Kind ermordet, zerstört eine werdende Familie. von 

Abtreibungsgegner und Pro-choice-Unterstützer treffen vor dem Supreme Court in Washington aufeinander.

Abtreibungsgegner und Pro-choice-Unterstützer treffen vor dem Supreme Court in Washington aufeinander.  |  © Chip Somodevilla/Getty Images

Wenn es um Abtreibung geht, sollten es doch eigentlich Frauen sein, die das Recht darauf fordern. Das wäre logisch. Immerhin geht es ja um ihren Körper und um ihr Leben.

Doch wir Amis pfeifen auf Logik: Eine repräsentative Gallup-Meinungsumfrage von 2011 ergab: Fast ebenso viele Frauen wie Männer lehnen das Recht auf Abtreibung ab und fordern dagegen striktere Gesetze.

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Das Thema ist ein Dauerbrenner in den USA und sehr viel emotionaler als solch langweilige Probleme wie Arbeitslosigkeit oder Armut. Und in diesen Tagen könnte es für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney zum Stolperstein werden.

Romney hatte wohl gehofft, der Wahlkampf würde sich vor allem um die Wirtschaft drehen. Seitdem sich aber ein Senator aus Missouri lautstark gegen Abtreibung auch im Falle einer "wirklichen" Vergewaltigung äußerte , ist das heiße Thema wieder da.

Eric T. Hansen

Eric T. Hansen ist Amerikaner, Buchautor (Planet Germany) und Satiriker, der sein halbes Leben in Deutschland lebte, heute in Berlin. Sein aktuelles Buch ist Die ängstliche Supermacht: Warum Deutschland endlich erwachsen werden muss. Auf ZEIT ONLINE erklärt er einmal in der Woche die Eigenheiten seiner Heimat – und der Deutschen.

Viele Republikaner fürchten, die neu aufgekommene Debatte könne die National Republican Convention in dieser Woche überschatten, während der sie Romney offiziell zum Präsidentschaftskandidaten ausrufen wollen. Das freut natürlich die Demokraten. Denn sie hoffen, dass sich viele Frauen angewidert von der recht extremen Abtreibungspolitik der Republikaner abwenden. Es kann aber gut sein, dass die Demokraten sich da falsche Hoffnungen machen.

Zum Verständnis: Abtreibung ist in den USA legal. Seit der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes 1973 darf sie kein Bundesstaat mehr verbieten. Allerdings nimmt das Recht darauf mit dem Fortschritt der Schwangerschaft ab: In den ersten drei Monaten darf eine Frau frei entscheiden. Danach ist eine Abtreibung nur noch möglich, wenn beispielsweise ihre Gesundheit gefährdet ist. Es gibt eine ganze Reihe weiterer Ausnahmen, aber das ist die Faustregel.

Ironischerweise hat der Streit erst seit diesem Urteil richtig begonnen, und die beiden Seiten ("Pro-Life" und "Pro-Choice") bekämpfen sich bis aufs Blut, manchmal sogar mit Waffengewalt.

Deshalb gehört es offiziell zu den langfristigen Zielen der Republikaner , das Gesetz rückgängig zu machen. Weil aber die Entscheidung vom Obersten Gerichtshof getroffen wurde, gibt es nur noch eine Möglichkeit: Ein Verfassungszusatz muss her. Dies ist aber dermaßen unwahrscheinlich, dass der republikanische Wunsch, Abtreibung wieder illegal zu machen, eher im Bereich der kriminellen Fantasie liegt.

Leserkommentare
  1. und vorgeblichen Werten. Denn wer sagt "In Amerika ist das Leben kein absoluter Wert, die Familie aber schon." der muss sich fragen lassen, wie das mit der Unabhängigkeitserklärung zu vereinbaren ist. Denn die postuliert ganz eindeutig und unmissverständlich das Leben als absoluten Wert.

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    • Cherti
    • 28. August 2012 10:38 Uhr

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare zum konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/au.

  2. Es wird defacto nichts "abgetrieben", sondern es wird bewußt ein lebendiges Wesen abgetötet um es am Wachstum, Entwicklung und der späteren Geburt zu hindern.

    Eine generelles Verbot der Tötung ungeborenen Lebens ist jedoch genauso falsch wie eine generelle Erlaubnis einfach die Konsequenz des eigenen Handelns "zu entsorgen".

    Auch hier kommt es immer auf den Einzelfall an: Wenn zu einem hohen Prozengrad feststeht, das z.B. das Kind mit schwersten Behinderungen zur Welt kommen wird, dann können solche Extremmaßnahmen in betracht gezogen werden.
    Stellt sich aber heraus, dass die Mutter nur mal vergessen hat die Pille zu nehmen oder der Vater nicht schnell genug mit dem Kondom war, ist die Tötung Ihres ungeborenen Kindes unrechtmäßig.

    Man muss sich auch den Konsequenzen seines eigenen Handelns stellen und kann diese nicht einfach mit einem Arztbesuch "entsorgen".

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    "Stellt sich aber heraus, dass die Mutter nur mal vergessen hat die Pille zu nehmen oder der Vater nicht schnell genug mit dem Kondom war, ist die Tötung Ihres ungeborenen Kindes unrechtmäßig."

    Schön, dass Sie eine eigene Meinung haben. Nicht schön, dass Sie diese anderen aufzwingen wollen.
    Gerade die Republikaner fordern doch allenthalben, der Staat möge sich soweit wie möglich aus dem Leben der Bürger heraushalten. Warum bleibt es in diesem Fall dann nicht dabei?

    ZITAT 1: "Es wird defacto nichts "abgetrieben", sondern es wird bewußt ein lebendiges Wesen abgetötet um es am Wachstum, Entwicklung und der späteren Geburt zu hindern." ZITATENDE

    ZITAT 2: "Auch hier kommt es immer auf den Einzelfall an: Wenn zu einem hohen Prozengrad feststeht, das z.B. das Kind mit schwersten Behinderungen zur Welt kommen wird, dann können solche Extremmaßnahmen in betracht gezogen werden." ZITATENDE

    Können Sie bitte die Kohärenz Ihrer zwei Kommentare erläutern? Mir will einfach nicht in den Kopf, wie Zitat 1 den absoluten Wert des Lebens propagiert und in Zitat 2 dann "lebensunwertes Leben" definiert wird, das dann selbstverständlich getötet werden darf.

    Vielen Dank im Voraus.

    • 42317
    • 28. August 2012 11:41 Uhr

    Der Zustand des werdenden Kindes kann nicht der einzige Entscheidungsfaktor sein. In den USA ist eine soziale Mindestversorgung quasi nicht vorhanden. Wie eine junge Frau aus den so genannten bildungsfernen Schichten, die selbst kaum weiter weiß, auch noch ein Kind menschenwürdig versorgen können soll, erklären die Konservativen auch nicht. Die weiblichen Abtreibungsgegner scheinen vornehmlich gerade diejenigen zu sein, die erstens keine 12-Stunden-Schichten sechs Tage die Woche in einem billigen Diner arbeiten und sich zweitens um ihr nächstes Abendessen oder um die nächste Miete generell keine Sorgen machen müssen.

    Ich pflichte Ihnen bei.
    Erschreckend,daß bei über 100.000 Abtreibungen pro Jahr
    gerade mal 4,5% medizinisch indiziert sind.
    In den Nachkriegsjahren haben Familien bei bitterer Armut
    ihre Kinder, meist mehrere, auch groß gebracht.
    Heute ist nicht mal eins zumutbar ?

    "lebendiges Wesen abgetötet um es am Wachstum, Entwicklung und der späteren Geburt zu hindern."

    Das ist auch der Fall, wenn wir Kaviar essen. wir essen sogar bereits geborene "lebendige Wesen". Niemand streitet ab, dass ein weniger Wochen alter Foetus "lebendig" ist. Sondern lediglich, dass er bereits als Mensch zu sehen ist. Er ist ein zukünftiger Mensch. "Zukünftige" Menschen werden jedoch bereits verhindert, wenn man keinen Sex vor der Ehe propagiert. Was bis dahin alles hätte gezeugt werden können...

    • Unno
    • 30. August 2012 1:05 Uhr

    Sie schreiben: "Stellt sich aber heraus, dass die Mutter nur mal vergessen hat die Pille zu nehmen oder der Vater nicht schnell genug mit dem Kondom war, ist die Tötung Ihres ungeborenen Kindes unrechtmäßig." - Für diesen Fall gibt es die Pille danach. Werten Sie dies auch als Tötung?

  3. und dann (als Mann) verkünden, die Forderung auf ein Recht zur Abtreibung müsse doch wohl Anliegen der /aller?) Frauen sein und Unverständnis zeigen, dass es (total unlogisch !)auch Frauen gibt, die kein liberales Abtreibungsrecht wollen.
    Für solche Plattheiten und die Herabsetzung derer, die seine Vorstellungen nicht teilen, ist das Thema dann doch zu vielschichtig und auch zu persönlich.

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    Nur noch mal ein Trost: es handelt sich um eine Satire!

    • Marobod
    • 28. August 2012 10:26 Uhr

    "Ironischerweise hat der Streit erst seit diesem Urteil richtig begonnen, und die beiden Seiten ("Pro-Life" und "Pro-Choice") bekämpfen sich bis aufs Blut, manchmal sogar mit Waffengewalt."

    Das ist mehr als witzig, hauptsache wir knueppeln auf einen ein mit dem ueberzeuger, das er ja meiner Meinung ist...

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    • Obscuro
    • 28. August 2012 11:19 Uhr

    Ich halte uns sogar für schlimmer.
    Der große Vorteil der Deutschen ist dabei, das wir die einzigartige Fähigkeit besitzen dem Thema einfach aus dem weg zu gehen.

    Beispiel: Ein Bekannter hat ein Behindertes Kind und keiner würde auf den Gedanken kommen zu fragen wieso sie es nicht abgetrieben haben.
    Das macht man einfach nicht. Weil es einen nichts angeht oder einfach egal ist.
    Anders herum hätte auch niemand in Frage gestellt wieso sie es abgetrieben haben.
    Es hat einen nicht zu interessieren. Wissen sie was passiert wenn einer doch mal fragen sollte oder sogar einen Standpunkt bezieht, er wird ausgestoßen.

    Es hat schon was verlogenes wenn so mancher den Tod von Kinderschändern fordert aber selbst 2 Kinder abgetrieben hat. Das übelste ist es dann wenn gleiche Person "erschüttert" ist das man darüber diskutiert Kinder im Mutterleib nach verehrbaren Krankheiten zu untersuchen und das dann auch noch Eugenik zu nennen.

    Aber so sind wir Deutschen und da ich ein Guter Deutscher bin werde ich das Thema auch weiterhin Ignorieren.
    Zumindest dort wo ich mit anderen verhalten eingetretene Pfade verlassen würde.

    MFG Obscuro

  4. Wenn der Herr aber nicht familiengründungswillig ist und sich aus dem Staub macht? Mutter plus Kind = Familie? Das würd mich mal interessieren.

    Eine Leserempfehlung
    • R.Heyer
    • 28. August 2012 10:29 Uhr
    6. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

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    • Cherti
    • 28. August 2012 10:48 Uhr

    "Fakt ist Gesellschaften die ihre Kinder töten haben keine Zukunft."
    Aber mit dem Töten anderer Kinder haben Sie kein Problem?
    Tatsächlich ist eines der Hauptprobleme der Menschheit die Überbevölkerung. Immer mehr Menschen in die Welt zu setzen, nur um seine Vormachtsstellung zu verteidigen, genug Soldaten zu haben, Renten zu erwirtschaften oder die Sozialsystem zu finanzieren, weil man Unternehmen daran immer weniger beteiligen will, ist das Dümmste, was man sich vorstellen kann.
    [...]

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich und achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke, die Redaktion/au.

    • Cherti
    • 28. August 2012 10:31 Uhr
    7. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Polemik. Äußern Sie sich sachlich und respektvoll. Danke, die Redaktion/au.

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    Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde mittlerweile entfernt. Danke, die Redaktion/au.

    • Cherti
    • 28. August 2012 10:38 Uhr
    8. [...]

    Entfernt. Bitte verfassen Sie sachliche Kommentare zum konkreten Artikelinhalt. Danke, die Redaktion/au.

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  • Schlagworte USA | Abtreibung | Recht | Mafia | Mitt Romney | Mord
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