Wir Amis / US-Wahlkampf : Warum die Abtreibung Amerika spaltet

Konservative Frauen in den USA sehen die Abtreibung so: Wer ein ungeborenes Kind ermordet, zerstört eine werdende Familie.
Abtreibungsgegner und Pro-choice-Unterstützer treffen vor dem Supreme Court in Washington aufeinander. © Chip Somodevilla/Getty Images

Wenn es um Abtreibung geht, sollten es doch eigentlich Frauen sein, die das Recht darauf fordern. Das wäre logisch. Immerhin geht es ja um ihren Körper und um ihr Leben.

Doch wir Amis pfeifen auf Logik: Eine repräsentative Gallup-Meinungsumfrage von 2011 ergab: Fast ebenso viele Frauen wie Männer lehnen das Recht auf Abtreibung ab und fordern dagegen striktere Gesetze.

Das Thema ist ein Dauerbrenner in den USA und sehr viel emotionaler als solch langweilige Probleme wie Arbeitslosigkeit oder Armut. Und in diesen Tagen könnte es für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney zum Stolperstein werden.

Romney hatte wohl gehofft, der Wahlkampf würde sich vor allem um die Wirtschaft drehen. Seitdem sich aber ein Senator aus Missouri lautstark gegen Abtreibung auch im Falle einer "wirklichen" Vergewaltigung äußerte , ist das heiße Thema wieder da.

Eric T. Hansen

© [M] Ralf IlgenfritzEric T. Hansen ist Amerikaner, Buchautor (Planet Germany) und Satiriker, der sein halbes Leben in Deutschland lebte, heute in Berlin. Sein aktuelles Buch ist Die ängstliche Supermacht: Warum Deutschland endlich erwachsen werden muss. Auf ZEIT ONLINE erklärt er einmal in der Woche die Eigenheiten seiner Heimat – und der Deutschen.

Viele Republikaner fürchten, die neu aufgekommene Debatte könne die National Republican Convention in dieser Woche überschatten, während der sie Romney offiziell zum Präsidentschaftskandidaten ausrufen wollen. Das freut natürlich die Demokraten. Denn sie hoffen, dass sich viele Frauen angewidert von der recht extremen Abtreibungspolitik der Republikaner abwenden. Es kann aber gut sein, dass die Demokraten sich da falsche Hoffnungen machen.

Zum Verständnis: Abtreibung ist in den USA legal. Seit der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes 1973 darf sie kein Bundesstaat mehr verbieten. Allerdings nimmt das Recht darauf mit dem Fortschritt der Schwangerschaft ab: In den ersten drei Monaten darf eine Frau frei entscheiden. Danach ist eine Abtreibung nur noch möglich, wenn beispielsweise ihre Gesundheit gefährdet ist. Es gibt eine ganze Reihe weiterer Ausnahmen, aber das ist die Faustregel.

Ironischerweise hat der Streit erst seit diesem Urteil richtig begonnen, und die beiden Seiten ("Pro-Life" und "Pro-Choice") bekämpfen sich bis aufs Blut, manchmal sogar mit Waffengewalt.

Deshalb gehört es offiziell zu den langfristigen Zielen der Republikaner , das Gesetz rückgängig zu machen. Weil aber die Entscheidung vom Obersten Gerichtshof getroffen wurde, gibt es nur noch eine Möglichkeit: Ein Verfassungszusatz muss her. Dies ist aber dermaßen unwahrscheinlich, dass der republikanische Wunsch, Abtreibung wieder illegal zu machen, eher im Bereich der kriminellen Fantasie liegt.

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Kommentare

176 Kommentare Seite 1 von 16 Kommentieren

Da besteht aber ein eklatanter Bruch zwischen tatsächlichen...

und vorgeblichen Werten. Denn wer sagt "In Amerika ist das Leben kein absoluter Wert, die Familie aber schon." der muss sich fragen lassen, wie das mit der Unabhängigkeitserklärung zu vereinbaren ist. Denn die postuliert ganz eindeutig und unmissverständlich das Leben als absoluten Wert.

Verharmlosende Bezeichnung "Abtreibung"

Es wird defacto nichts "abgetrieben", sondern es wird bewußt ein lebendiges Wesen abgetötet um es am Wachstum, Entwicklung und der späteren Geburt zu hindern.

Eine generelles Verbot der Tötung ungeborenen Lebens ist jedoch genauso falsch wie eine generelle Erlaubnis einfach die Konsequenz des eigenen Handelns "zu entsorgen".

Auch hier kommt es immer auf den Einzelfall an: Wenn zu einem hohen Prozengrad feststeht, das z.B. das Kind mit schwersten Behinderungen zur Welt kommen wird, dann können solche Extremmaßnahmen in betracht gezogen werden.
Stellt sich aber heraus, dass die Mutter nur mal vergessen hat die Pille zu nehmen oder der Vater nicht schnell genug mit dem Kondom war, ist die Tötung Ihres ungeborenen Kindes unrechtmäßig.

Man muss sich auch den Konsequenzen seines eigenen Handelns stellen und kann diese nicht einfach mit einem Arztbesuch "entsorgen".

Freiheit für Bauchspeicheldrüsen?

"Eine weitere Frage ist doch: Wenn wir heute in Deutschland über die Beschneidungsriten bei Babys / Kleinkindern der Juden und Moslems streiten - Warum streiten wir nicht über das Recht auf Leben bei ungeborenen Kindern ?"
Weil lebende Menschen entsprechende Recht haben - ein paar Zellen hingegen nicht. Oder wollen Sie Ihrer Bauchspeicheldrüse ein separates Klagerecht einräumen?

Antwort 18. Meinung anderen aufzwingen ?

Weil die Beschneidung ausschließlich das Kind trifft und nicht die Eltern in Mitleidenschaft zieht. Abgesehen davon ist dieses Kind bereits geboren und empfindet Schmerz, etc.
Eine ungewollte Schwangerschaft aber hat zunächst Auswirkung auf die Mutter, lange bevor sich da ein denkendes, fühlendes Leben entwickelt. Und aus diesem Grund hat sie meiner Meinung nach auch das Recht, darüber zu entscheiden. Selbstverständlich ist eine Abtreibung ein extremer Schritt und sollte sehr gut bedacht werden, aber ich finde es absolut unmöglich, dass andere Menschen über diese persönliche und ohnehin schon so schwerwiegende Situation entscheiden wollen.

Ein Embryo ist Teil der Frau ...

... und noch nicht weit genug ausgebildet, um lebensfähig zu sein. Das ist der Unterschied. Bei einem Neugeborenen hat man ein Lebewesen, welches aus dem Körper der Frau ist und damit ein eigenständiges Lebewesen darstellt. Ein Embryo ist Teil der schwangeren Frau. Es kann nicht alleine überleben - selbst mit modernster Technik nicht. Das Leben der Frau ist das des Embryos. Da es dadurch ein Teil ihrer selbst ist, sollte sie das recht haben, was damit geschieht.

Keine Definitionsfrage

"Wieso ist ein Embryo kein lebender Mensch für Sie ?"
Weil er nicht lebt. Genau das unterscheidet einen Menschen von einem Embryo - die Lebensfähigkeit.

"Ein Embryo / Fötus kann hören, fühlen, ißt, nimmt seine Umwelt wahr..."
Nein - das tut er nicht. In dem Stadium, in dem in Deutschland und auch in den USA Abtreibung zu Recht legal ist, hat der Embryo weder Ohren, noch ein funktionierendes Gehirn oder sonstige Sinnesorgane, mit dem er irgend etwas wahrnimmt.

"Wie lautet Ihre Definition für ein schützenswertes Lebewesen ?"
Es muss leben.

@John McLane

"Ein Embryo / Fötus kann hören, fühlen, ißt, nimmt seine Umwelt wahr..."

Und genau das ist esoterischer Unfug. Das ist in einem späten Stadium der Schwangerschaft gegeben, aber im ersten Trimester schlichtweg hanebüchene Ignoranz. Ohne Nervensystem gibt's kein Höhren, Fühlen, Wahrnehmen. Und Essen? Hallo? Die Versorgung durch die Nabelschnur kann mitnichten als Essen bezeichnet werden, denn Essen ist die Aufnahme von un-, bestenfalls anverdauten Nahrungsmitteln, nicht die Aufnahme von Nährstoffen durch Zellen aus dem Blut. Selbst die notwendigen Organe existieren in den ersten paar Monaten noch nicht, geschweige denn, dass sie funktionsfähig wären.

Gerne - Leben vs. Leiden

Mit den beiden Zitaten rutschen wir in die Diskussion der Sterbehilfe.

Darf ein todkranker Mensch, der sein restliches Leben nur noch Leiden ertragen wird bzw. im Halbkoma des Medikamentencocktails dahinvegetiert, seinen eigenen Tod wünschen ?

Und noch einen Schritt weiter: Wenn der todkranke Patient nicht mehr ansprechbar ist und seit Jahren im Koma liegt, darf dann ein Familienangehöriger über Leben und Tod entscheiden ?

Ich finde: Ja.

Es liegt ein eindeutiger Grund vor, einen Menschen nicht länger zu quälen, und weitere Leiden von ihm fern zu halten.

Das Gleiche gilt bei einem ungeborenem Leben: Wenn das Kind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit den Rest seines Lebens an irgendwelchen Maschinen hängen wird und sein Leben nur noch mit Leiden und Schmerzen verbunden ist - Dann darf auch die Tötung dieses Lebens in Betracht gezogen werden.
Man versucht im Interesse des Kindes zu handeln.

Wenn aber das Kind gesund ist und seine Eltern es nur töten wollen, weil Sie nicht aufgepasst haben oder angeblich nicht mit einem Kind klar kommen würden - Dann ist die Tötung dieses Kindes unrechtmäßig da hman hier im Interesse der Eltern handelt - Und nicht des Kindes.

die lieben eltern

"...Dann ist die Tötung dieses Kindes unrechtmäßig da hman hier im Interesse der Eltern handelt - Und nicht des Kindes."

Das kann man ebenfalls nur als positiv bezeichnen, oder denken Sie wirklich, dass Eltern, die aus, wie sie sagen, lapidaren Gründen eine Abtreibung wollen, gute und liebevolle Eltern währen, die ihrem Kind eine best mögliche Sozialisation ermöglichen?

Ich gebe die Frage nach dem Herkunftsplaneten an Sie zurück, denn es kommt so rüber, als ob Abtreibung eine Art Alltagshandlung, zwischen Friseur und Einkauf gelegen, wäre. Bitte halten Sie sich vor Augen, welche Frauen abtreiben. Für deren vielschichtige und komplexe Gründe müssten Sie doch eigentlich im Übermaß Verständnis aufbringen können und empathisch sein, wenn Sie schonen eine Zellklumpen emotional einschließen können. Frauen mit sozialen und persönlichen Problemen, die in Folge dessen ungewollt, vielleicht auch mehrfach, schwanger werden, weil sie sich in einem Milieu bewegen, wo die Herren keine Verantwortung übernehmen und selbst nicht genug Selbstbewusstsein und Chancen haben, sie der Aufgabe "Kind" zu stellen. Legen Sie die mal die ZEIT bei Seite und fahren Sie in eine sozial-schwache Gegend. Die Leidtragenden sind immer die Kinder, weil sie unschuldig in dieses Umfeld geboren werden und von Anfang an keine Chancen haben. Wie könnten Sie das mit ihrem ja ach so humanistischen Gewissen vereinbaren, wenn Sie die Mütter aus diesem Milieu zwingen, noch mehr Kinder austragen zu müssen?

Vollkommener Unsinn

Ein Querschnittsgelähmter Mensch hat ein funktionierendes Nervensystem, er kann mit seiner Umwelt interagieren und sich mit dieser austauschen. Ein Dialysepatient ist auf unterstützende Maßnahmen angewiesen, um seinen Körper langfristig funktionsfähig zu erhalten, aber er ist dennoch in der Lage, selbstständig zu leben.

Ihr Kommentar zeugt von einer erschreckenden Unkenntnis einfachster medizinischer Sachverhalte und trieft nur so vor Polemik. Lächerlich.

@John McLane

"Wenn aber das Kind gesund ist und seine Eltern es nur töten wollen, weil Sie nicht aufgepasst haben oder angeblich nicht mit einem Kind klar kommen würden - Dann ist die Tötung dieses Kindes unrechtmäßig da hman hier im Interesse der Eltern handelt - Und nicht des Kindes."

Erstens Mal ist das eine Behauptung - es bedeutet, dass es für das Kind besser ist, ungeliebt und ungewollt aufzuwachsen. Eine Gesellschaft, die ein derartiges Wertsystem vertritt muss sich nicht wundern, wenn der Prozentsatz der Gesellschaft, die sich im Gefängnis befindet, absolut atemberaubend ist, denn man züchtet gezielt gescheiterte Existenzen heran.

Zweitens erwarte ich bei einer derartigen Argumentation auch den Einsatz dafür, sich für das sofortige Verbot jeglicher Forschungsarbeit mit menschlichen Zellen einzusetzen. Denn letztendlich sind die auch nicht wirklich drastisch anders von einem Embryo im Frühstadium. Ich fürchte nur, die gesundheitlichen Konsequenzen, die das nach sich ziehen würde, will keiner wirklich akzeptieren. In Forscbungslaboren werden täglich Unmengen menschlichen "Lebens" vernichtet wenn nach abgeschlossenem Experiment die Zellen abgetötet werden. Seltsamerweise hört man darüber von den Embryonen-Verteidigern nichts...

Dialysepatienten...

...wird selbstverständlich geholfen, da hier deren bereits erhaltenes Leben geschützt und verlängert werden soll.

Ein Embryo hat aber im den zur Diskussion stehenden Zeitraum nichts weiter als das Potenzial zum Leben; es fühlt nicht, es empfindet kein Schmerz, es hat noch nicht einmal ausgebildete Sinnesorgane - es wächst und wird erst (und das nicht einmal mit Gewissheit) zu einem Lebewesen.

@John McLane

" dürfte man jeden Dialysepatienten und jeden Querschnittsgelähmten problemlos entsorgen dürfen, da diese Menschen nicht nach Ihrem Sinne "leben".

Ziemlich krass"

Nein, darf man nicht, aber danke, dass Sie so deutlich zugeben, dass ihre Argumentation auf grober Unkenntnis von Biologie auch nur auf Schulniveau fußt.

Dialysepatienten und Querschnittsgelähmte haben ein voll entwickeltes Nervensystem und voll entwickelte Organe. Einige davon haben den Betrieb wieder eingestellt, das ändert aber nichts daran, dass sie da sind, dass diese Menschen fühlen und denken. Und genau das tut ein Embryo nicht.

Weitere Faktoren

Der Zustand des werdenden Kindes kann nicht der einzige Entscheidungsfaktor sein. In den USA ist eine soziale Mindestversorgung quasi nicht vorhanden. Wie eine junge Frau aus den so genannten bildungsfernen Schichten, die selbst kaum weiter weiß, auch noch ein Kind menschenwürdig versorgen können soll, erklären die Konservativen auch nicht. Die weiblichen Abtreibungsgegner scheinen vornehmlich gerade diejenigen zu sein, die erstens keine 12-Stunden-Schichten sechs Tage die Woche in einem billigen Diner arbeiten und sich zweitens um ihr nächstes Abendessen oder um die nächste Miete generell keine Sorgen machen müssen.

Bei der Tötung ungeborenen Lebens...

... geht mehr um nur die Mutter.

Es geht auch um das Leben des ungeborenen Kindes, das hier zur Debatte steht.

Und hier ist der Knackpunkt: Wiegen die persönlichen Befindlichkeiten der Mutter mehr, als das Leben Ihres Kindes ?

Und hier bitte keine Sonderfälle wie Vergewaltigung, Behinderung des Kindes, gesundheitlichen Schäden der Mutter, u.s.w. einbringen. Diese Fälle müssen separat betrachte und bewertet werden.

Es geht um den Fall, bei dem eine gesunde Mutter ein gesundes, ungeborenes Kind töten möchte - Aus persönlichen Gründen.

Wiegt die persönliche Entscheidung der Mutter mehr als das Leben des Kindes ???

Und: Das Kind ist ja irgendwie "entstanden". Wieso hat zum Entstehungszeitpunkt die Mutter / der Vater nicht an die Konsequenzen Ihres Handelns gedacht ?

Richtig: Man kann das "Problem" hinterher immer noch mit einem Arztbesuch aus der Welt schaffen.

Als intelligentes Lebewesen sollte jeder die Konsequenzen seines Handelns das auf freiem Willen beruht, akzeptieren - Und nicht einfach "entsorgen".

Das ungeborene Kind zu töten ist nämlich nur das "Symptom" zu lindern, aber die Ursache, das unverantwortliche Handeln der beiden Elternteile, wird dadurch nicht aus der Welt geschafft.

denkt man ihre Argumentation weiter, wäre dann der Verzicht einer Frau auf Kontakt mit männlichem Sperma, sowohl live , als auch in tiefgekühlter Form nicht auch eine Verhinderung neuzugebärenden Lebens? Rein fiktiv (schönes Wort)betrachtet.

Natürlich nur , wenn sie gesund ist......

Alles in Allem ist es eine persönliche Entscheidung der Frau, mit der diese auch zu leben hat. Trauer, Schmerz, Verlustgefühl, Erleichterung sind die Gefühle dieser Frau, ihre Gefühle sind ihre Gefühle und nicht das Maß aller Dinge.

Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/au.

Sie sagen:

"lebendiges Wesen abgetötet um es am Wachstum, Entwicklung und der späteren Geburt zu hindern."

Das ist auch der Fall, wenn wir Kaviar essen. wir essen sogar bereits geborene "lebendige Wesen". Niemand streitet ab, dass ein weniger Wochen alter Foetus "lebendig" ist. Sondern lediglich, dass er bereits als Mensch zu sehen ist. Er ist ein zukünftiger Mensch. "Zukünftige" Menschen werden jedoch bereits verhindert, wenn man keinen Sex vor der Ehe propagiert. Was bis dahin alles hätte gezeugt werden können...

@Karen

Da haben Sie völlig recht. Auch, was an künftigen Leben alles verhindert wird, wenn Männer onanieren! Das geht schon mal gar nicht. Und wenn Frauen nach einer Abtreibung ins Gefängnis kommen, die können dort ja gar nicht mehr gebären. Also, wenn es hier um die Ermöglichung von möglichst viel Leben geht, da sollte man an die Diskussion noch ganz anders herangehen. Man könnte beispielsweise Gesetze erlassen, wonach schwangere Frauen berechtigt sind, das Gehalt das Erzeugers zu pfänden. Ich bin sicher, da würde noch viel, viel mehr Leben entstehen.

Verantwortung für das eigene Handeln

Viele Menschen, die heute ohne wirklich medizinisch notwendigen Grund Ihr ungeborenes Kind abtreiben, sind Kinder Ihrer Zeit in dem nur das "ICH" im Vordergrund steht.

Und wenn das "ICH" durch ein "ES" in seiner absoluten Bewegungsfreiheit eingeschränkt zu werden droht, dann muss das "ES" verschwinden.

Das aber das "ES" ohne "ICH" + "ICH" nicht zustande gekommen wäre und damit die Verantwortung für das eigene Handeln bei jedem slebst liegt, arauf kommt der Egoist / die Egoistin nicht.

Man kann heutzutage eben jedes "Problem" mit Geld aus der Welt schaffen, ohne sich selbst den Konsequenzen des eigenen Handelns zu stellen.

Wobei Konsequenz in Bezug auf ein Kind sehr hart formuliert ist.

Logische Konsequenz: Wer sein "ICH" dermaßen in den Vordergrund stellt, sollte sich im Vorfeld klar darüber werden, welche Folgen gewisse Handlungen nach sich ziehen werden.

Noch einmal gilt: Wer mit 16 Jahren ein Auto fahren darf, sollte auch Wissen, das bei ungeschütztem Sex ein Kind entstehen kann. Genauso wie ich am Lenkrad des Autos die Verantwortung trage, genauso trage ich diese Verantwortung am Lenkrad meines Sexualtriebes.

Konsequenzen des eigenen Handelns

Woher wollen Sie das denn wissen? Woher wollen Sie denn wissen, ob abtreibende nicht auch an die Konsequenz ihrer Handlung nachdenken.

Aus dem Mund eines Abtreibungsgegners klingt es immer so, als wäre eine Abtreibung etwas banales, beiläufiges fast schon alltägliches für die betroffenen Eltern in spe (oder zumindest für die Schwangeren). Das mag bei einem extrem kleinen Teil der Menschen auch zustimmen, bei dem überwiegenden Teil ist dies allerdings ernsthaft bedachter Schritt, der mitunter auch in (vielleicht lebenslangen) Gewissensbissen und Vorwürfen endet.

Nicht immer ist die Welt vorhersehbar und vollständig planbar. Heute kann die Welt Rosa sein und morgen schon in Scherben liegen. Heute kann ich mir noch ein Kind und Familie wünschen und morgen kann ich vielleicht noch nicht einmal mich selbst über die Runde kriegen. Eventuell fehlt den Eltern einfach noch die kognitive Reife für einen solchen Schritt - die Natur ist da ja ziemlich gemein und stattet uns erst mit einem Sexualtrieb aus, bevor das Gehirn wirklich reif ist (was vor ein paar tausend Jahren praktisch war, heute aber im Wege steht). Und gerade dann bedeutet eine Abtreibung nicht nur Egoismus, sondern eine durchdachte schwerwiegende Entscheidung die einem Kind ein entbehrliches Leben unter Umständen erspart - es geht dabei nicht um einen selbst, sondern tatsächlich um das Wohle des Kindes.

Ihr Stereotyp der wildrumschnakselnden, abtreibungswütigen, egoistischen Frau von heute trifft nicht die Mehrheit.

Blödsinn

"Noch einmal gilt: Wer mit 16 Jahren ein Auto fahren darf, sollte auch Wissen, das bei ungeschütztem Sex ein Kind entstehen kann. Genauso wie ich am Lenkrad des Autos die Verantwortung trage, genauso trage ich diese Verantwortung am Lenkrad meines Sexualtriebes."

Was für ein durch und durch blödsinniges Argument! In den USA setzen sich verschiedene Rechtsgerichtete Politkerinnen (man beachte das "-innen") wie z.B. Michelle Bachmann oder Sarah Palin dafür ein, dass es keinen Aufklärungsunterricht mehr in der Schule geben darf. In einigen Staaten ist das schon Realität. Die 16-jährigen wissen also gerade nicht Bescheid über Dinge wie Schwangerschaften oder auch sexuell übertragbare Krankheiten.

Mal abgesehen davon, dass man in den USA zwar mit 16 Auto fahren darf, eine Tätigkeit, mit der man potentiell andere Menschen gefährdet, aber erst mit 21 Alkohol trinken darf, eine Tätigkeit, die für sich allein genommen andere Menschen deutlich weniger gefährdet als das Autofahren.

Spermiendiskussion

"Was an künftigen Leben alles verhindert wird, wenn Männer onanieren!"

Seltsame Blüten treibt das hier - habe herzlich gelacht. Und wenn dieses Argument nun schon in der Welt ist, dann mag man bitte auch bedenken, dass von den hunderttausenden Spermien im Ernstfall nur eine einzige zum Erfolg beiträgt. Und an allen empfängnislosen Tagen sind sogar alle verschwendet. Monthy Python wusste das schon in den 70ern ("Every sperm is sacred").

Und jetzt am besten über so einen Unsinn nicht mehr weiter nachdenken.

Verhältnis entbehrrungsreiches Leben vs. Menschenleben

Für Sie wiegt ein entbehrungsreiches Leben mehr, als das Leben eines Menschen.

Ansichtssache.

Die überwältigende Mehrheit unserer Vorfahren mußten ein entbehrungsreiches Leben führen, denken Sie nur mal an Mittelalter oder die Zeit während den Weltkriegen.

Ihrer Logik nach hätten diese Menschen erst Recht keine Kinder zu Welt bringen dürfen.

Spinnen wir Ihren Gedanken weiter, dann landen wir bei dem Punkt, das sich nur diejenigen Menschen Fortpflanzen sollten, die dem Kind ein reiches, behagliches, sozial tadellos ausgestattetes Leben bieten können. Alle anderen sollten Ihr Kind lieber abtreiben.

Also keine Chance für die nächste Generation etwas aus sich zu machen und ggfs. sozial aufzusteigen.

Hört sich für mich nach Sozialdarwinismus an...

Können, dürfen , müssen

Die Entscheidungsfreiheit ist die Krux. Will ich, wenn ich in sozial schwierigen Umständen bin, ein Kind bekommen, trau ich mir und meinem Umfeld zu, dass das Kind es gut hat? Oder fühl ich mich selbst schon so abgehängt und resigniert, dass ich nicht auch noch ein Kind damit belasten und mich erst recht überfordern würde?
Jeder soll Kinder kriegen dürfen. Aber eben nicht müssen.

Völlig falsch!

>Ihrer Logik nach hätten diese Menschen erst Recht keine Kinder zu Welt bringen dürfen.

Sie können entweder nicht richtig lesen, oder Sie wollen es nicht verstehen.

Es geht nicht darum, dass ich Menschen Rechte abspreche, sondern Ihnen welche gebe. Menschen sollen das Recht haben (und auch behalten) darüber zu entscheiden ob sie den gezeugten Zellklumpen austragen, oder abtreiben möchten. Das ist für mich eine ganz individuelle Entscheidung die die entsprechenden Eltern in spe treffen müssen und ihnen niemand diktieren darf. Dafür müssen die, die Entscheidung treffen, auch die Konsequenzen tragen.

Ganz im Gegenteil zu ihrer Position, die Rechte anderer einschränken möchte und das, ohne die Konsequenz dafür zu tragen.

>Hört sich für mich nach Sozialdarwinismus an...

Und für mich nach Polemik ihrerseits. Sie können natürlich jederzeit meine Worte in ihre gewünschte Richtung weiterspinnen, leider führt dies zu nichts. Aber wenn Sie sich besser fühlen ;)

Nicht angreifen bitte

Ich bin die letzte, die es toll findet, wenn aus purer Nachlässigkeit bei der Verhütung abgetrieben werden soll. Aber im Endeffekt haben wir es doch da auch: verhüten ist erlaubt, um vielleicht diese Überforderungssituation zu vermeiden. Dennoch gibt es nie eine Garantie, dass es eben nicht zu einer Schwangerschaft kommt. Warum soll dann die Entscheidungsfreiheit an dem Punkt beschnitten werden?

Die gleichen Rechte?

Diese wird das ungeborene Kind wohl erst mit seiner vollendeten Geburt erhalten, da es erst dann, wie die Mutter, subjektive Rechtsfähigkeit besitzt.

Wenn Ihre Frage darauf abzielt, wann das "Kind" ein zumindest objektives Recht auf Leben hat, dann werden wir uns fürchterlich gut streiten können. Ich gehe davon aus, dass diese bei Ihnen bereits mit der Nidation beginnt. Bei mir mit der grundsätzlichen Lebensfähigkeit, bzw. mit der Anlage sämtlicher relevanten inneren Organe, sprich dann, wenn aus Embryo ein Fetus wurde.

Bis zur Geburt, hat allerdings die Mutter, in meinen Augen eine höhere Priorität auf das Recht auf Leben, da diese bereits über vollständige Grundrechte verfügt, während dem Kind im Mutterleib lediglich objektive Grundrechte innewohnt.

Und da ein Embryo für mich noch kein objektives Recht auf Leben besitzt, obliegt es ganz der Mutter eine entsprechende Entscheidung zu treffen, ein Recht auf Einmischung oder Einschränkung in dieser Entscheidungsgewalt, sehe ich persönlich nicht. Im ersten Trimester einer Schwangerschaft wäre eine Abtreibung demnach straffrei.

"Abtreibungsbefürworter"

Tut mir Leid, ich mag dieses Wort nicht und würde mich nicht im geringsten als "Abtreibungsbefürworter" bezeichnen wollen, da es klingt als wäre man für die Abtreibung (aktiv), wobei ich dagegen eher schlicht gegen (fundamentalistische) Abtreibungsgegner bin.

Ich "befürworte" Abtreibungen in keinster Weise, ich bin nur der Meinung dass es nicht sein kann, wenn diese Art der Entscheidung von der Gesellschaft vordiktiert wird (ohne dass diese die Konsequenz tragen möchte), denn es ist eine zutiefst persönliche Entscheidung.

Wenn ich etwas befürworte, dann ist es die persönliche Entscheidungsfreiheit.

Entscheidungsbefürworter

Lassen Sie mich raten: Da ein Lebewesen im Bauch seiner Mutter nicht sprechen und seine Entscheidung nicht kundtun kann, freiwillig abgetrieben zu werden, macht dies die Mutter im Namen Ihres Kindes.

Das Hauptziel eines jeden Lebens auf dieser Welt ist es zu leben. Punkt.

Wenn ich anfange irgendwo auf der Zeit- und Entwicklungsskala zwischen Empfängnis und Geburt den Punkt zu setzen, bis zu dem ich das ungeborene Leben töten kann, erhebe ich den Anspruch darauf festzulegen, wann überhaupt Leben beginnt.

Ich kann das nicht.
Es ist mir nicht möglich zu sagen ab dem 57. Tag beginnt für mich Leben oder ab dem 150. Tag oder 3 Tage vor der Geburt.

Und bisher konnte mir niemand mit absoluter Gewissheit sagen, WANN Leben im Mutterleib beginnt.

Und im Zweifelsfall halte ich mich an den Richterspruch: In dubio pro reo - Im Zweifallsfall für den Angegklagten. Und der Angeklagte ist das ungeborene Leben, das auf die Urteilsverkündung und bei Schuldspruch auf die Todesstrafe durch die eigene Mutter / eigenen Vater wartet.

Wir Amis pfeifen auf Logik

und dann (als Mann) verkünden, die Forderung auf ein Recht zur Abtreibung müsse doch wohl Anliegen der /aller?) Frauen sein und Unverständnis zeigen, dass es (total unlogisch !)auch Frauen gibt, die kein liberales Abtreibungsrecht wollen.
Für solche Plattheiten und die Herabsetzung derer, die seine Vorstellungen nicht teilen, ist das Thema dann doch zu vielschichtig und auch zu persönlich.

Amerika, Amerika

"Ironischerweise hat der Streit erst seit diesem Urteil richtig begonnen, und die beiden Seiten ("Pro-Life" und "Pro-Choice") bekämpfen sich bis aufs Blut, manchmal sogar mit Waffengewalt."

Das ist mehr als witzig, hauptsache wir knueppeln auf einen ein mit dem ueberzeuger, das er ja meiner Meinung ist...

Sind wir besser?

Ich halte uns sogar für schlimmer.
Der große Vorteil der Deutschen ist dabei, das wir die einzigartige Fähigkeit besitzen dem Thema einfach aus dem weg zu gehen.

Beispiel: Ein Bekannter hat ein Behindertes Kind und keiner würde auf den Gedanken kommen zu fragen wieso sie es nicht abgetrieben haben.
Das macht man einfach nicht. Weil es einen nichts angeht oder einfach egal ist.
Anders herum hätte auch niemand in Frage gestellt wieso sie es abgetrieben haben.
Es hat einen nicht zu interessieren. Wissen sie was passiert wenn einer doch mal fragen sollte oder sogar einen Standpunkt bezieht, er wird ausgestoßen.

Es hat schon was verlogenes wenn so mancher den Tod von Kinderschändern fordert aber selbst 2 Kinder abgetrieben hat. Das übelste ist es dann wenn gleiche Person "erschüttert" ist das man darüber diskutiert Kinder im Mutterleib nach verehrbaren Krankheiten zu untersuchen und das dann auch noch Eugenik zu nennen.

Aber so sind wir Deutschen und da ich ein Guter Deutscher bin werde ich das Thema auch weiterhin Ignorieren.
Zumindest dort wo ich mit anderen verhalten eingetretene Pfade verlassen würde.

MFG Obscuro