Wenn es um Abtreibung geht, sollten es doch eigentlich Frauen sein, die das Recht darauf fordern. Das wäre logisch. Immerhin geht es ja um ihren Körper und um ihr Leben.

Doch wir Amis pfeifen auf Logik: Eine repräsentative Gallup-Meinungsumfrage von 2011 ergab: Fast ebenso viele Frauen wie Männer lehnen das Recht auf Abtreibung ab und fordern dagegen striktere Gesetze.

Das Thema ist ein Dauerbrenner in den USA und sehr viel emotionaler als solch langweilige Probleme wie Arbeitslosigkeit oder Armut. Und in diesen Tagen könnte es für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney zum Stolperstein werden.

Romney hatte wohl gehofft, der Wahlkampf würde sich vor allem um die Wirtschaft drehen. Seitdem sich aber ein Senator aus Missouri lautstark gegen Abtreibung auch im Falle einer "wirklichen" Vergewaltigung äußerte , ist das heiße Thema wieder da.

Viele Republikaner fürchten, die neu aufgekommene Debatte könne die National Republican Convention in dieser Woche überschatten, während der sie Romney offiziell zum Präsidentschaftskandidaten ausrufen wollen. Das freut natürlich die Demokraten. Denn sie hoffen, dass sich viele Frauen angewidert von der recht extremen Abtreibungspolitik der Republikaner abwenden. Es kann aber gut sein, dass die Demokraten sich da falsche Hoffnungen machen.

Zum Verständnis: Abtreibung ist in den USA legal. Seit der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes 1973 darf sie kein Bundesstaat mehr verbieten. Allerdings nimmt das Recht darauf mit dem Fortschritt der Schwangerschaft ab: In den ersten drei Monaten darf eine Frau frei entscheiden. Danach ist eine Abtreibung nur noch möglich, wenn beispielsweise ihre Gesundheit gefährdet ist. Es gibt eine ganze Reihe weiterer Ausnahmen, aber das ist die Faustregel.

Ironischerweise hat der Streit erst seit diesem Urteil richtig begonnen, und die beiden Seiten ("Pro-Life" und "Pro-Choice") bekämpfen sich bis aufs Blut, manchmal sogar mit Waffengewalt.

Deshalb gehört es offiziell zu den langfristigen Zielen der Republikaner , das Gesetz rückgängig zu machen. Weil aber die Entscheidung vom Obersten Gerichtshof getroffen wurde, gibt es nur noch eine Möglichkeit: Ein Verfassungszusatz muss her. Dies ist aber dermaßen unwahrscheinlich, dass der republikanische Wunsch, Abtreibung wieder illegal zu machen, eher im Bereich der kriminellen Fantasie liegt.