In einem Dorf im Süden Afghanistans haben Kämpfer der radikalislamischen Taliban nach Behördenangaben mindestens 17 Zivilisten enthauptet. Unter den Opfern seien auch zwei Frauen, sagte ein Sprecher der Provinzverwaltung von Helmand. Ihm zufolge hat sich die Tat am Sonntagabend im Bezirk Kajaki ereignet. Die Guardian -Korrespondentin Emma Graham-Harrison in Afghanistan twitterte , dass nicht bei allen Toten die Köpfe abgetrennt wurden, ihnen aber allen die Kehle aufgeschnitten wurde.

Dem Sprecher der Provinzverwaltung zufolge ist die Suche nach den Tätern eingeleitet worden. Ein ranghoher Polizeibeamter in der Provinz bestätigte die Angaben.

Die britische Zeitung Guardian schreibt unter Berufung auf Beamte, dass die Opfer von den Taliban-Kämpfern getötet wurden, weil sie auf einer Feier mit Frauen und Männern waren, tanzten und Musik hörten. Männer und Frauen halten sich in Afghanistan normalerweise nicht gemeinsam auf, es sei denn, sie sind verwandt. Feierlichkeiten für beide Geschlechter sind der Zeitung zufolge sehr selten und werden streng geheim gehalten. Die Taliban äußerten sich zunächst nicht zu der Tat.

In der Region sind Aufständische der Taliban aktiv, die in der Vergangenheit immer wieder für die Enthauptung von Dorfbewohnern verantwortlich gemacht wurden. Die Taliban sollen den Zivilisten dabei in den meisten Fällen vorgeworfen haben, für die afghanischen und US-geführten Nato-Truppen spioniert zu haben.

Ein Stammesältester im benachbarten Bezirk Musa Kala sagte, in den vergangenen Monaten hätten Enthauptungen in der Region zugenommen. Allein im Fastenmonat Ramadan seien drei Menschen geköpft worden, zudem sei der Sohn eines Stammesältesten enthauptet worden. Die Tötungen erfolgten demnach nach großangelegten Militäreinsätzen der afghanischen und Nato-Truppen in der Gegend.

Mehr Angriffe auf ausländische Soldaten

Die Taliban griffen am Sonntag auch einen Militärposten in Helmand an. Dabei wurden mindestens zehn afghanische Soldaten getötet.

Die internationale Schutztruppe Isaf musste ebenfalls Verluste hinnehmen. Ein Soldat der afghanischen Armee hat am Montag zwei Angehörige der Isaf erschossen. Einem Sprecher zufolge wurde bei der Schießerei in der östlichen Provinz Laghman auch der mutmaßliche Täter getötet. Zur Identität der Isaf-Soldaten äußerte sich der Sprecher wie üblich nicht.

Angriffe von Afghanen in Polizei- oder Armeeuniformen auf ausländische Soldaten haben zuletzt deutlich zugenommen. Die Isaf zählte seit Jahresbeginn etwa 30 Vorfälle mit fast 40 Toten.