Im Kampf um die nordsyrische Stadt Aleppo hat Präsident Baschar al-Assad seine Truppen zur "Entscheidungsschlacht" gerufen. In einer schriftlichen Botschaft zum Tag der Armee lobte er die Militärangehörigen für ihre Ausdauer in der Bekämpfung "krimineller terroristischer Banden". "Das Schicksal unseres Volkes und unserer Nation, ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hängen von dieser Schlacht ab", hieß es in der Botschaft.

Wo Assad sich aufhielt und wann er sich geäußert hat, war unklar. Zwei Wochen lang hat sich der Präsident nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt – seit bei einem Anschlag in der Hauptstadt Damaskus vier seiner führenden Sicherheitskräfte getötet wurden . Die Soldaten hätten durch ihren Kampf gegen die Terroristenbanden bewiesen, dass sie die Anwälte der Werte des Volkes seien, sagte Assad im Armee-Magazin einer Meldung der staatlichen Nachrichtenagentur Sana zufolge.

Die Kämpfe in Aleppo gehen unterdessen unvermindert weiter. Die Aufständischen sollen drei Polizeiwachen eingenommen haben. Am Morgen waren laute Explosionen zu hören. Aus Hubschraubern feuerten Soldaten auf die Rebellen-Truppen. Die Armee versuchte, die Rebellen zurückzudrängen. Diese kontrollieren nach eigenen Angaben einen weiten Bogen, der ein Viertel im Osten und Südwesten der Wirtschaftsmetropole umfasst. In den vergangenen Tagen konzentrierten sich die Gefechte auf den südwestlichen Stadtteil Salaheddine.

Rebellen erhalten Unterstützung aus der Türkei

Die syrische Armee setzt bei den Kämpfen nach Angaben von UN-Beobachtern Kampfflugzeuge ein. Die UN-Beobachter in Aleppo hätten am Dienstag gesehen, dass ein Kampfflugzeug auf die zweitgrößte syrische Stadt geschossen habe, sagte die Sprecherin der UN-Beobachtermission in Syrien , Sausan Ghosheh. Die syrischen Truppen hatten am Wochenende eine Offensive in Aleppo gestartet, der im Konflikt zwischen Staatsführung und Rebellen möglicherweise entscheidenden Stadt.

Einem Bericht von NBC News zufolge haben die Rebellen fast zwei Dutzend Boden-Luft-Raketen auf dem Weg über das Nachbarland Türkei erhalten. Von der Grenze hatte sich die syrische Armee zurückgezogen, Rebellen kontrollieren mehrere Übergänge. Die schweren Waffen könnten eine Wendung zugunsten der Aufständischen bringen, wenn es ihnen damit gelingt, Hubschrauber und Kampfflugzeuge der Armee abzuschießen.
Die türkische Führung, die sich zunehmend sorgt, dass die Kämpfe auf ihr eigenes Staatsgebiet übergreifen könnten , ließ Medienberichten zufolge an der Grenze zu Syrien Panzer-Übungen abhalten.

Aufständische richten offenbar Gefangene hin

Immer mehr Syrer flüchten über die Grenze in die Türkei . Alleine am Mittwochmorgen seien 317 Syrer über die Landesgrenze gekommen. Unter ihnen seien auch Offiziere der syrischen Streitkräfte, berichtete die türkische Nachrichtenagentur Anadolu. Einige Ankömmlinge waren bei Kampfhandlungen im Grenzgebiet verwundet worden. Dem Bericht zufolge wurden 25 Verletzte in das Krankenhaus von Reyhanli gebracht; fünf Schwerverletzte kamen in das Krankenhaus der Provinzhauptstadt Antakya. Zwei Oberste und 22 einfache Soldaten der syrischen Armee wurden in das Auffanglager Apaydin gebracht, die übrigen Flüchtlinge nach Sanliurfa.

Die Aufständischen richteten in Aleppo offenbar mehrere Getreue von Präsident Assad hin. Aktivisten veröffentlichten auf Youtube ein Video, auf dem mutmaßliche Rebellen zu sehen sind, die mehrere Gefangene erschießen. Auf ihren Wahrheitsgehalt hin konnten die Aufnahmen nicht überprüft werden. Der Inhalt eignet sich zudem nach Einschätzung unserer Redaktion nicht zum Veröffentlichen. Doch sollten sie stimmen, haben sich die Rebellen ähnlicher Verbrechen schuldig gemacht, die Assads Kämpfern in der Hauptstadt Damaskus vorgeworfen wurden.