Rede vom BalkonAssange wirft den USA "Hexenjagd" vor

Vom Balkon der ecuadorianischen Botschaft hat sich Assange erstmals seit zwei Monaten öffentlich geäußert. Barack Obama solle die "Hexenjagd" auf WikiLeaks beenden. von afp und dpa

Der WikiLeaks-Gründer Julian Assange spricht vom Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London.

Der WikiLeaks-Gründer Julian Assange spricht vom Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London.  |  © Carl Court/ AFP/ Getty Images

WikiLeaks-Gründer Julian Assange hat sich in einer öffentlichen Ansprache in London für die Unterstützung Ecuadors bedankt. Ecuador hatte dem Australier, der vor zwei Monaten in Ecuadors Londoner Botschaft geflohen war, am Donnerstag diplomatisches Asyl gewährt . Fragen über seine Zukunft ließ Assange jedoch offen.

Es war Assanges erster öffentlichen Auftritt seit seiner Flucht in die Botschaft. Er erschien auf dem Balkon der Botschaft und verließ damit nicht das Hoheitsgebiet Ecuadors. Hätte er das getan, wäre er Gefahr gelaufen, von der britischen Polizei festgenommen und an Schweden übergeben zu werden.

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Assange werden in Schweden Sexualdelikte vorgeworfen, die er bestreitet. Gegen ihn läuft bisher noch kein Ermittlungsverfahren. Der WikiLeaks-Gründer fürchtet, bei einer Auslieferung an Schweden anschießend an die USA ausgeliefert und dort wegen der Veröffentlichung brisanter Dokumente auf der Plattform WikiLeaks zum Tode verurteilt zu werden. Nach übereinstimmenden Angaben aus den USA, Schweden und Großbritannien hat Washington jedoch bisher keine Schritte unternommen, um seine Auslieferung zu erreichen.

Die USA sei auf dem Weg, die Pressefreiheit zu unterdrücken

In seiner Rede forderte Assange den US-Präsidenten Barack Obama auf, die "Hexenjagd" auf seine Internetplattform WikiLeaks sowie auf Informanten zu beenden. Die USA seien auf bestem Wege, die Pressefreiheit weltweit zu unterdrücken. Wie WikiLeaks seien die Meinungsfreiheit und "die Gesundheit all unserer Gesellschaften" bedroht.

Vor der Botschaft Ecuadors standen mehrere Hundert Sympathisanten, Medienvertreter und Neugierige. Auch eine Hundertschaft der Polizei war vor Ort. Kurz vor dem Auftritt hatte Assanges Anwalt gesagt, ein weiterer juristischer Schritt sei geplant. Details dazu gab es nicht.

Die britische Sunday Times hatte zuvor unter Berufung auf nicht namentlich genannte Vertraute von Assange berichtet, er sei bereit, sich den schwedischen Behörden zu stellen, wenn er eine Garantie bekomme, nicht an die USA ausgeliefert zu werden. Das bestätigte auch ein Sprecher von WikiLeaks: Schweden müsse "ohne Einschränkung" garantieren, dass Assange niemals an die USA ausgeliefert werde. Eine solche Garantie wäre "eine gute Ausgangsbasis", sagte der Sprecher.

Er verwies zugleich auf die Gesprächsbereitschaft Assanges gegenüber den schwedischen Behörden. Assange sei "seit fast zwei Jahren" bereit, sich ihren Fragen zu stellen. Schweden habe seine Angebote bisher abgelehnt, ihn per Videoschalte oder persönlich in der ecuadorianischen Botschaft in London zu befragen, in die er vor acht Wochen geflüchtet war.

Leserkommentare
  1. ...wollte man unbedingt nicht an die Russen ausgeliefert werden oder im Krieg gefangen genommen werden.

    Heute will man nicht an die USA ausgeliefert werden...

    Zeiten ändern sich !

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    • joG
    • 19. August 2012 16:42 Uhr

    ....dass ein so bizarrer Auftritt dazu führt, dass Leute das so sehen können. Wie verwirrt muss man sein einer solchen Verschwörungstheorie auf den Leim zu gehen?

    wenn einem irgendwas nicht gepasst hat. Heute muss man schon nach Ecuador reisen, oder wenigstens eine seiner Botschaften aufsuchen....
    Für Asylsuchende und Computerfetischisten: Die befindet sich in Berlin, Allianzgebäude!

    • Elite7
    • 19. August 2012 20:13 Uhr

    will man auch heute nicht unbedingt ausgeliefert werden. Und ich denke nicht, dass man großer Verschwörungstheoretiker sein muss, um zu wissen, dass ihn in Amerika wohl die nächste Anklage erwarten würde. Und in leere Versprechungen machen sind die doch ganz gut. Und ich würde mich auch nicht von Land zu Land weiterreichen lassen. Außerdem ist das ja auch eine Art Protest gegen die Einmischung der USA in alles und deren Angriffe auf die Presse- und Informationsfreiheit.

  2. "Die USA seien auf bestem Wege, die Pressefreiheit weltweit zu unterdrücken." ...durch Einflussnahme auf die Presse, Rundfunk und Fernsehen..., aber war das nicht immer schon so?

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    • joG
    • 19. August 2012 17:01 Uhr

    ....sie sehr wenig US Medien aufnehmen und ganz und gar die Einstellung der amerikanischen Elite zu Informationen und deren Ausbreitung verstehen. Weitgehend waren die Amerikaner ok mit den Enthüllungen, wenn auch einige Aufregung in manchen Kreisen herrschte. Generell ist die Qualität und der Grad der Meinungsfreiheit in den USA so viel hoher als hier, dass man sich das hier kaum Glauben könnte. Da dürfen Sie sich durch das Geschwafel kirre machen lassen. Das sehen Sie nur uninformiert aus..

    • joG
    • 19. August 2012 19:07 Uhr

    ....die Meinung und Analysen der Akteure ....
    Hier ein sehr interessanter link: http://www.nytimes.com/20...

  3. Freie Meinungsäusserung für alle und Offenlegung aller Daten der Staaten.

    Das ist doch das mindeste, für einen Rechtsstaat.

    Zumindest verlangt man das doch von der Schweiz betreffend der Geheimen Daten der Banken oder?

    Also soll Borjans, Steinbrück und der Sigi mal Tacheles reden, mit den Amis.

    hier haben wir es ja nur mit einem Datenverbreiter zu tun, das ist doch erlaubt.

    Er könnte sogar jemanden beauftragen und dafür bezahlen und das wäre völlig legitim.

    Warum also sind die Amerikaner hinter ihm her?

    • joG
    • 19. August 2012 16:42 Uhr

    ....dass ein so bizarrer Auftritt dazu führt, dass Leute das so sehen können. Wie verwirrt muss man sein einer solchen Verschwörungstheorie auf den Leim zu gehen?

    Antwort auf "Früher wollte..."
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    Entfernt. Kein konstruktiver Kommentar. Die Redaktion/kvk

    ...wie verwirrt muß man sein.......................

    Möglicherweise wäre naiv die richtige Bezeichnung für die,die glauben dass andere verwirrt sind.

    ist natürlich ein Totschlagargument, mit dem man jeder Diskussion aus dem Weg gehen kann. Aber so einfach sollte man es sich nicht machen. Zumindest sollte man die drängendsten Fragen beantworten können:

    Wie wahrscheinlich ist es, dass ausgerechnet der Staatsfeind Nr.1 einer Weltmacht, die alle Hebel in Bewegung setzt, um seiner habhaft zu werden, zufällig auch zwei Frauen vergewaltigt hat?

    Wenn Schweden Herrn Assange ohnehin selbst einen Vergewaltigungsprozess machen will, warum kann es dann nicht garantieren, dass er nicht an einen Drittstaat ausgeliefert wird?

    • S0T86
    • 19. August 2012 17:29 Uhr

    Es war eine Errungenschaft der Aufklärung, den Menschen dazu zu verleiten den Staatsapparat kritisch zu hinterfragen.

    Mittlerweile aber ist jede dieser Fragen wieder "Verschwörungstheorie".

    was an dem Auftritt bizarr war,wer verwirrt ist und welche Verschwörungstheorie Sie wittern,damit Ihr Beitrag nicht nur mit leeren Worthülsen gefüllt ist.

    1. Die USA, die Staatsfeinde fern jeden Rechts in ihren Spezialgefängnissen a la Guantanamo behandeln, klagen ihn trotz verstößen nicht offiziell an
    2. Schweden sieht ihn plötzlich als Verdächtigen für eines der medienwirksamsten Verbrechen überhaupt, weigert sich ihn woanders zu befragen als in Schweden und garantiert nicht, ihn nirgendwo anders hin zu schaffen
    3. GB droht mit einem Bruch internationalen Rechts und Verletzung der staatlichen Souveränität Ecuadors um einen in Schweden verdächtigen, nicht Angeklagten Sexualverbrecher zu verhaften...

    Wer nicht sieht was da passiert ist blind, hier wird ein Systemgegner unter dem Vorwand der Rechtsstaatlichkeit aus der Öffentlichkeit entfernt!
    Ihn wegen des Schwedischen Delikts zu verurteilen könnte schon ausreichen um ihm seine Öffentlichkeitswirkung zu entziehen - wie das in Schweden alles ablief allein spricht Bände.
    Das hat mit Verschwöhrung nichts zu tun, es ist offensichtlich was da passiert, allein schon aufgrund Englands Verhalten - derartiges Verhalten wäre höchstens bei versteckten Kriegsverbrechern und nachweisbaren Terroristen angebracht...
    Glaubt hier irgendwer ernsthaft wegen eines einzelnen Sexualdeliktes in Schweden würden sich die Lateinamerikanischen Staaten an einen Tisch setzen ???

    zu welchen Methoden die USA traditionell fähig ist lässt folgende Dokumentation erahnen!

    http://www.youtube.com/wa...

    Interessant auch, um die Aussage: "Sie haben noch nicht gemerkt, dass Lateinamerika frei und souverän ist" besser einschätzen zu können.

    • AndreD
    • 19. August 2012 18:32 Uhr

    Ich bin völlig verwirrt!!!

    Die einen schreiben, dass Assange ein Paranoiker ist.
    Die anderen schreiben, dass die USA paranoid und panisch auf die Veröffentlichung von Wikileaks reagiert haben.
    Dritte schreiben, dass die Lateinamerikaner paranoid gegenüber dem angeblichen Einfluss der USA sind.
    Ein Vierter schreibt, dass die USA viel zu viel Einfluss in Lateinamerika haben.

    Wir sollten das alles mal ordnen!

    viele grauenhafte dinge sind erst durch "verschwöhrungstheorien" ans licht gekommen. seien sie nicht so naiv

    • AndreD
    • 19. August 2012 18:39 Uhr

    Indem Schweden garantiert, Assange unter KEINEN UMSTÄNDEN an die USA auszuliefern.

    die sich gegen die Verbrechen der USA empören. Die Südamerikaner haben die Nase von der amerikanischen Aggressionspolitik gestrichen voll.

    für einen Spleen mit dem Begriff der "Verschwörungstheorie"?

    Man wirft ihn in die Runde, und all diejenigen, die glauben, es besser zu wissen, fühlen sich dadurch ermächtigt, eine Unzahl von Fakten und Argumenten zu ignorieren.

    Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, welch gewaltigen politischen Nutzen der Begriff der Verschwörungstheorie birgt? Man kann damit jeden, der eine abweichende Auffassung vertritt, mit einem Wort mundtot machen - ist ja eh alles nur konspirativer Quatsch.

    Früher hat man diesen Begriff benutzt, um Ideen von Marsmenschen, Illuminaten oder einer jüdischen Weltverschwörung zu markieren, die auf Vermutungen über Vermutungen über Vermutungen aufbauten.

    Heute sind immer häufiger diejenigen, die als erste "Verschwörungstheorie, lächerlich!" kreischen, auch diejenigen, die auf fatalste Weise evidente Fakten leugnen: daß Assange sich in nie dagewesener Weise mit Großmächten und Geheimdiensten angelegt hat, daß Diffamierungsversuche und falsche Anschuldigungen in der Geschichte x-mal benutzt wurde, um Kritiker mundtot zu machen - und daß die persönliche Eitelkeit und Arroganz eines Einzelnen rein gar nichts mit den positiven oder negativen Auswirkungen seiner Taten zu tun haben.

    Ich bin zunehmend geneigt, immer mehr Menschen oder Gruppierungen wenigstens anzuhören, denen verschwörungstheoretische Anliegen nachgesagt werden. Denn nichts ist blöder und blindsüchtiger, als jemanden "Verschwörungstheoretiker" zu nennen und danach mit dem Denken aufzuhören.

    • joG
    • 19. August 2012 20:48 Uhr
    • joG
    • 19. August 2012 20:55 Uhr

    ....wäre es sicher hilfreich die Darstellung der Situation um die Dokumente von eine der Personen zu lesen, der sie in den USA publizierte. Vor allen das letzte Drittel ist für die Einstellung zu freier Meinungsäußerung wichtig. Der erste Teil beschreibt die Ereignisse.
    http://www.nytimes.com/20...

    Also geht es noch? Meinten Sie tatsächlich ,daß es eine Verschwörungstheorie ist,wenn man das Gebahren der US-Justiz einschliesslich Militärjustiz auch nur ansatzweise infrage stellt oder auch berechtigenderweise kritisiert? Wo gibt es das,da werden Menschen nach 20 Jahren Einzelhaft und Todeszelle noch hingerichtet,weil es vielleicht dem Gouverneur stimmen bringt.Zurecht muss Assange um sein Leben fürchten,oder man packt ihn lebenslang in Einzelhaft in ein Militärgefängnis,sollte er in das -gelobte Land der Freiheit-ausgeliefert werden.Man muss übrigens keinem auf dem Leim gehen,wenn von Tatsachen die Rede ist.Es mag ja ehrenhaft sein,sich für die -USA -ins Zeug zu legen,aber bitte nicht mit Scheuklappen vor den Augen.

    Wenn Sie so etwas eine Verschwörungstheorie nennen ist das schon ein Totschlagargument.

    Schauen Sie sich mal an, was mit Bradley Manning, der mutmaßlichen Quelle von Assange passiert ist. Hier geht es nicht rechtsstaatlich zu.

  4. denn gäbe es die mediale Aufmerksamkeit für seinen Fall nicht, wäre die Botschaft schon lange gestürmt.

    Und genau diese Aufmerksamkeit ist es, die uns noch verblieben ist und oft genug auch leidet, weil sie immer erst dann einsetzt, wenn prominente Namen betroffen sind.

    Die Spieltriebe der Politik, ihrer Gegner und die wenig demokratischen Mitteln dazwischen sind so neu nicht, aber man tut sich in den Zeiten des Internets schwerer damit, sie zu verstecken.

    Man muss Assange wirklich nicht mögen, aber es lohnt sich enorm, den Spielfeldrand zu beobachten. Um die Vorwürfe aus Schweden geht es schon lange nicht mehr.

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    • forscch
    • 19. August 2012 18:11 Uhr

    ... befindet sich in Virginia, USA, dort sitzt seit Ewigkeiten Bradley Manning und hätte gern nur die Hälfte der weltweiten Aufmerksamkeit für Assange..

  5. Klar ist es eine Verschwörungstheorie, zu meinen, Russland und die USA sind lupenreine Demokratien, zumindest gemessen an Deutschland. ...und ja, ich halte Wikileaks für demokratisch, und nein, ich halte das System USA nicht für demokratisch im eigentlichen Sinne.....

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    ich halte die USA für eine lupenreine Demokratie. Es ist nur so, daß das System von seinen Bürgern viel mehr Beteiligung und Bildung erwartet als vorhanden ist. Jeder kann sich beteiligen aber niemand ist dazu gezwungen. Man darf dort sogar Gott anrufen, er möge das Land vom Präsidenten erlösen. Man darf aber "Demokratie" nicht mit "Sozialstaat" oder "Rechtsstaat" verwechseln. Ein feiner Unterschied.

    Natürlich ist die USA kein Sozialstaat und sicher nur begrenzt ein Rechtsstaat, aber eine Demokratie? Wenn ein Staat nur die Eliten unterstützt, um mit der tumben Masse Demokratie zu üben, dann ist das schon recht durchschaubar. Gibt es eigentlich den Begriff Demokratie ligth ?

  6. ...könnte man auf die Idee kommen, dass die USA indessen gar keine Befürworter der Pressefreiheit sind, soeben ihr Konzept völlig umgestaltet haben und ab sofort "Meinungsfreiheit" nicht mehr tolerieren...

  7. 1.Bisher gibt es noch kein laufendes Ermittlungsverfahren.

    Kann mir vielleicht mal jemand erklären was dieses ganze Affentheater dann soll?

    2.Nach übereinstimmenden Angaben der USA,Schweden und Großbritannien hat Washington noch keine Schritte unternommen..........

    Für wie naiv halten diese Regierungsvertreter eigentlich die Bevölkerung?

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    darauf vorbereitet, dass die USA (NACH Auslieferung
    an Schweden natürlich) ein Auslieferungsgesuch
    stellen werden.

    Es gibt bereits ein Schreiben der US Grand Jury,
    das eine Anklagevorbereitung u.a. wegen "espionage"
    belegt. (Die Kürzel im Briefkopf beweisen dies).

    "Espionage" kann in den USA schlimmstenfalls mit
    der Todesstrafe geahndet werden.

    Würden Sie Ihr Leben drauf wetten?

    http://www.bild.de/politi...

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