Was für ein bizarres Theater. Jetzt sollen sich also 35 Außenminister amerikanischer Staaten damit beschäftigen, ob sich ein australischer Staatsbürger aus London einem Verhör in Schweden unterziehen muss: Ecuador hat im diplomatischen Streit mit Großbritannien um das Asylgesuch Julian Assanges die Organisation amerikanischer Staaten angerufen.

Als nächstes wird der Name Assange vermutlich Einzug in die UN-Charta für Menschenrechte halten. Oder in die Bibel. Selten ist es einem einzelnen Paranoiker gelungen, die ganze Welt derart für sich einzuspannen.

Julian Assange hatte einmal eine große Idee: Alle Informationen müssen frei zugänglich sein, und versteckte Informationen sollten aufgedeckt werden. Wenn dann alles offenliegt, können wir endlich diese Welt und ihre Machtstrukturen verstehen und zum Besseren wenden. WikiLeaks war das Mittel dazu, ein höchst wirksames zumal. Die Veröffentlichung der diplomatischen Depeschen der USA beispielsweise hat politische Prozesse rund um den Globus beeinflusst und verändert. Leider nicht nur zum Guten.

WikiLeaks ist nahezu bedeutungslos

Doch mit dieser Idee hat Assange heute so gut wie nichts mehr zu tun. Das Projekt WikiLeaks dümpelt nahe der Bedeutungslosigkeit vor sich hin. Übrig geblieben ist ein Mann, der sich davor drückt, sich seiner menschlichen Fehlbarkeit zu stellen. Zugegeben auf recht kreative Art und Weise.

Man muss sich vergegenwärtigen, was der Anlass für die ganze Absurdität der aktuellen Ereignisse war: Zwei Schwedinnen werfen Assange vor, sich an ihnen sexuell vergangen zu haben. In einem Fall soll er gegen den Willen der Frau kein Kondom benutzt haben. Im zweiten soll er die Frau im Schlaf vergewaltigt haben. Bislang allerdings ist Assange deshalb gar nicht angeklagt. Der schwedische Staatsanwalt will ihn lediglich zu den Vorwürfen vernehmen.

Das Auslieferungsersuchen, das die schwedischen Behörden an Großbritannien stellten, um dieses Verhör möglich zu machen, ist streng geprüft worden. Assange durfte alle Rechtsmittel in vollem Umfang ausnutzen. Sogar an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte hätte er sich noch wenden können.