Eine Demonstrantin mit einem Bild von Julian Assange in London © Dan Kitwood/Getty Images

Ecuador hat wegen des Konflikts mit Großbritannien um die Ausreise von Wikileaks-Gründer Julian Assange ein Treffen der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) beantragt. Die Regierung in Quito habe bei einem Dringlichkeitstreffen der OAS eine Beratung der Außenminister für den 23. August vorgeschlagen, sagte der Präsident des ständigen Rates der OAS, der Jamaikaner Stephen Vasciannie. Darüber solle noch am Freitag entschieden werden.

Ecuador hatte zuvor beschlossen, dem vor acht Wochen in seine Londoner Botschaft geflüchteten Australier Asyl zu gewähren . Assange solle damit vor Verfolgungsrisiken vor allem in den USA geschützt werden, sagte Ecuadors Außenminister Ricardo Patiño. Großbritannien will Assange jedoch kein freies Geleit gewähren.

Die ecuadorianische OAS-Botschafterin María Isabel Salvador sagte, die Regierung ihres Landes wolle, dass die Außenminister der Organisation über die "ausdrücklichen Drohungen" der britischen Regierung gegenüber Assange berieten. Wegen des diplomatischen Streits zwischen beiden Ländern hatte Ecuador auch die Union Südamerikanischer Nationen (Unasur) eingeschaltet und ein Treffen der Außenminister für Sonntag anberaumt. Am Wochenende kommt auch das lateinamerikanische Staatenbündnis der Bolivarischen Alternative für unser Amerika (Alba) zu Beratungen über den Fall Assange zusammen.

Demonstranten vor britischer Botschaft in Quito

Die Briten hatten damit gedroht, sie könnten auf der Grundlage eines Gesetzes von 1987 auch in die Botschaft Ecuadors eindringen und Assange dort festnehmen. Später nahm das Außenministerium die Ankündigung zurück. Dennoch berief der ecuadorianische Parlamentspräsident Fernando Cordero den Kongress zu einer Sondersitzung ein.

In Quito versammelten sich etwa 50 Demonstranten vor der britischen Botschaft, um gegen die Regierung Großbritanniens zu protestieren. Polizisten riegelten das Botschaftsgebäude ab, um es vor den Demonstranten zu schützen, berichtete die Zeitung El Comercio .

Der Gründer der Internet-Enthüllungsplattform, gegen den aus Schweden ein EU-weiter Haftbefehl wegen Sexualdelikten vorliegt, sollte nach Skandinavien ausgeliefert werden. Assange bestreitet die Vorwürfe der sexuellen Belästigung und Vergewaltigung und vermutet ein Komplott. Der Australier sagt, er könne von Schweden in die USA abgeschoben werden, wo ihm lebenslange Haft wegen Geheimnisverrats drohe.

Die von Assange maßgeblich betriebene Plattform Wikileaks hatte eine Vielzahl vertraulicher diplomatischer Depeschen aus den USA veröffentlicht, die Einblicke in die US-Außenpolitik und in den Umgang mit den Kriegen im Irak und in Afghanistan gewähren. Die Quelle der Informationen war mutmaßlich der US-Soldat Bradley Mannings, der in den USA nach Angaben von Assange seit 800 Tagen in Militärhaft sitzt.

Assange hatte in Großbritannien in einem eineinhalb Jahre langen Prozess versucht, die Auslieferung gerichtlich zu verhindern. Weil sein Protest gegen die Auslieferung auf allen Instanzen scheiterte, flüchtete er sich in die ecuadorianische Botschaft.