ChinaJustiz macht kurzen Prozess mit Gu Kailai

Die Ehefrau des Ex-Spitzenfunktionärs Bo Xilai soll einen Briten vergiftet haben. Am Morgen begann der Mordprozess in Ostchina – am Nachmittag war er bereits zu Ende.

Vor dem Gerichtsgebäude in Hefei

Vor dem Gerichtsgebäude in Hefei

In der ostchinesischen Stadt Hefei ist der Mordprozess gegen die Ehefrau des ehemaligen Spitzenpolitikers Bo Xilai nach wenigen Stunden beendet worden. Gu Kailai und ihrem Assitenten wird vorgeworfen, den britischen Geschäftsmann Neil Heywood vergiftet zu haben. Nach der Verhandlung sagte ein Vertreter des Gerichts, Gus Verteidigung habe der Mordanklage "nicht widersprochen". Das Urteil soll zu einem späteren Zeitpunkt fallen. Angeklagt ist neben Gu ihr Hausangestellter Zhang Xiaojun.

Die Angeklagte durfte ihren Verteidiger nicht selbst auswählen. Die Regierung entschied, wer Gu im Mordprozess verteidigen soll. Ein Einspruch der Mutter der Angeklagten gegen diese Praxis wurde abgewiesen. Beobachter rechnen damit, dass Gu des Mordes schuldig gesprochen wird, ihr aber die Todesstrafe erspart bleibt.

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Überall auf der Welt wird der Prozess mit großem Interesse verfolgt. Es geht auch um die Frage, wie gerecht Chinas Justiz arbeitet. Staatsmedien nannten das Verfahren einen Test für die Rechtsstaatlichkeit Chinas, während Beobachter vielmehr von einem politischen Prozess sprachen.

Demonstranten vor Gericht festgenommen

Der Spitzenpolitiker Bo Xilai war nach dem Bekanntwerden der Affäre im März unter anderem aus dem Politbüro der Kommunistischen Partei ausgeschlossen worden. Bo galt lange als aussichtsreicher Kandidat für einen der höchsten Führungsposten in der Kommunistischen Partei Chinas.

Gu Kailai wird beschuldigt, den Briten Heywood in einem Luxushotel getötet zu haben. Sie und ihr Sohn Bo Guagua hatten nach Angaben der Ermittler Streit mit dem Geschäftsmann. Gu soll mit Hilfe Heywoods versucht haben, Geld ins Ausland schaffen. Als der Plan drohte aufzufliegen, soll sie Heywood umgebracht haben – aus Angst, die Ereignisse würden der Karriere ihres Mannes schaden. Der Tod Heywoods war zunächst vertuscht worden. Am Freitag müssen sich dafür mehrere Polizisten aus Chongqing vor Gericht verantworten.

Vor dem Gerichtsgebäude wurden am Morgen zwei Demonstranten von der Polizei festgenommen. "Dieser Prozess ist im voraus entschieden", rief einer der Demonstranten.

Journalisten sind zu dem Prozess, der ursprünglich zwei Tage dauern sollte, nicht zugelassen. Das Sicherheitsaufgebot vor dem Gebäude war groß. Das Verfahren gegen Gu, die einer Familie von Partei-Aristokraten entstammt, erregt großes Aufsehen in China, obwohl die staatlichen Medien wenig darüber berichten.

Viel diskutiert wird aber im Mikroblog Sina Weibo über den Prozess. Der Anwalt Li Fangping schreibt darin: "Das Gericht in Hefei ist definitiv das sicherste der Welt, aber ob es einen gerechten Prozess sicherstellen kann, ist eine andere Frage."

 
Leserkommentare
  1. Egal was sie tun, die chinesische Justiz wird wohl kaum am Ende besser dastehen...Es wissen doch allesamt nicht ob sie ihn umgebracht hat oder nicht - und dennoch hat der Westen sich für das Ergebniss schon den Vorwurf "politischer Prozess" auf den bereit gelegt. Gesetzt den Fall es wird bewiesen sie ist schuldig müsste die Justiz sie wohl trotzdem gehen lassen, damit westliche Medien sich nicht beklagen können. Eine wunderbare Situation - die kommende Berichterstattung sollte aber mit Vorsicht genossen werden.

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    "die chinesische Justiz wird wohl kaum am Ende besser dastehen"

    Sie steht ja heute schon nicht gut da. Mit den weltweit (mit Abstand) den meisten Hinrichtungen pro Jahr (2500 nach Schätzungen von Amnesty International), mit einem Straftatenkatalog, der jeden Deutschen nur an die DDR oder schlimmeres erinnert.

    Der Fade beigeschmack bei diesem speziellen Prozess, wie bei allen anderen gegen Dissidenten, ist doch der, dass sich unliebsamer Personen und Kritikern am "chinese way of life" entledigt werden soll.

    Da sollte lieber das Wort Gerichtsbarkeit mit Vorsicht genossen werden.

    • Afa81
    • 09.08.2012 um 12:37 Uhr

    ...also, für uns in Deutschland ist das aber so. Die Frau darf sich ihren Verteidiger nicht aussuchen und hier geht es immerhin um ihr Leben. Journalisten sind beim Prozess nicht zugelassen.
    Man muss das immer relativ sehen - für Deutschland ist das kein korrektes Verfahren. Für den Irak (2003) wäre das ein Traum.

    Natürlich legt der Westen hier auch gerne den Finger in die Wunde. China hat den Westen in vielerlei Hinsicht uneinholbar überholt. Wir haben ja nicht mehr viel, wo wir noch kritisieren können ...

    Und unterm Strich muss man auch sagen - wir kritisieren unsere Justiz ja auch sehr stark. Gerade vorgestern als diskutiert wurde, dass Oberst Klein befördert werden soll, gabe es unglaublich viele Kommentare, die die Verhandlungen zum Fall Kunduz nicht als korrekt ansahen.

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten un verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/kvk

    "die chinesische Justiz wird wohl kaum am Ende besser dastehen"

    Sie steht ja heute schon nicht gut da. Mit den weltweit (mit Abstand) den meisten Hinrichtungen pro Jahr (2500 nach Schätzungen von Amnesty International), mit einem Straftatenkatalog, der jeden Deutschen nur an die DDR oder schlimmeres erinnert.

    Der Fade beigeschmack bei diesem speziellen Prozess, wie bei allen anderen gegen Dissidenten, ist doch der, dass sich unliebsamer Personen und Kritikern am "chinese way of life" entledigt werden soll.

    Da sollte lieber das Wort Gerichtsbarkeit mit Vorsicht genossen werden.

    • Afa81
    • 09.08.2012 um 12:37 Uhr

    ...also, für uns in Deutschland ist das aber so. Die Frau darf sich ihren Verteidiger nicht aussuchen und hier geht es immerhin um ihr Leben. Journalisten sind beim Prozess nicht zugelassen.
    Man muss das immer relativ sehen - für Deutschland ist das kein korrektes Verfahren. Für den Irak (2003) wäre das ein Traum.

    Natürlich legt der Westen hier auch gerne den Finger in die Wunde. China hat den Westen in vielerlei Hinsicht uneinholbar überholt. Wir haben ja nicht mehr viel, wo wir noch kritisieren können ...

    Und unterm Strich muss man auch sagen - wir kritisieren unsere Justiz ja auch sehr stark. Gerade vorgestern als diskutiert wurde, dass Oberst Klein befördert werden soll, gabe es unglaublich viele Kommentare, die die Verhandlungen zum Fall Kunduz nicht als korrekt ansahen.

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten un verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/kvk

    • gorgo
    • 09.08.2012 um 9:48 Uhr

    Inwiefern kann eine Person als Testfall gelten, die bis zu Ihrer Verstoßung selbst aktives Mitglied eben jenes Staatsapparats (und der mit ihm verbundenen Cliquen) war, der hier so großzügig "getestet" werden soll?

    Ein Prozess gegen eine echte Dissidentin, ja, das wäre ein echter Testfall - hier kann man bestenfalls interne Machtverhältnisse entziffern.

    Doch wer hier Recht hat bzw. Recht bekommt, wird doch für Außenstehende immer uneinsehbar bleiben.

    4 Leserempfehlungen
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    "Inwiefern kann eine Person als Testfall gelten"

    Die Frage ist berechtigt. Ähnliche Prozesse gab es ja in jüngster und auch längerer Vergangenheit zu Hauf.
    Und ob diese Frau nun Verurteilt wird, weil sie eine "echte Dissidentin" ist oder nur eine "schnöde Interne, die den Obrigen nicht mehr passt" ist doch völlig egal.

    Gerade ein solcher Prozess sollte Transparenter gestaltet werden und vor allem nicht in zwei Tagen abgehandelt werden.
    Da kann man doch nur einen Schauprozess wie in Russland, der DDR oder schlimmeren deutschen Diktaturen vermuten.

    • joG
    • 09.08.2012 um 10:18 Uhr

    ....und war mit etwas dem Äquivalent eines Ministerpäsidenten hier verheiratet. Alleine ein Mord auf dieser Ebene ist pikant. Ihn vor der Welt auszubreiten wirft erhebliche Fragen auf. Denken Sie doch wie schwierig es war mit Wulff und der hat mutmaßlich nur kleine Verbrechen perpetuiert.

    "Inwiefern kann eine Person als Testfall gelten"

    Die Frage ist berechtigt. Ähnliche Prozesse gab es ja in jüngster und auch längerer Vergangenheit zu Hauf.
    Und ob diese Frau nun Verurteilt wird, weil sie eine "echte Dissidentin" ist oder nur eine "schnöde Interne, die den Obrigen nicht mehr passt" ist doch völlig egal.

    Gerade ein solcher Prozess sollte Transparenter gestaltet werden und vor allem nicht in zwei Tagen abgehandelt werden.
    Da kann man doch nur einen Schauprozess wie in Russland, der DDR oder schlimmeren deutschen Diktaturen vermuten.

    • joG
    • 09.08.2012 um 10:18 Uhr

    ....und war mit etwas dem Äquivalent eines Ministerpäsidenten hier verheiratet. Alleine ein Mord auf dieser Ebene ist pikant. Ihn vor der Welt auszubreiten wirft erhebliche Fragen auf. Denken Sie doch wie schwierig es war mit Wulff und der hat mutmaßlich nur kleine Verbrechen perpetuiert.

  2. "die chinesische Justiz wird wohl kaum am Ende besser dastehen"

    Sie steht ja heute schon nicht gut da. Mit den weltweit (mit Abstand) den meisten Hinrichtungen pro Jahr (2500 nach Schätzungen von Amnesty International), mit einem Straftatenkatalog, der jeden Deutschen nur an die DDR oder schlimmeres erinnert.

    Der Fade beigeschmack bei diesem speziellen Prozess, wie bei allen anderen gegen Dissidenten, ist doch der, dass sich unliebsamer Personen und Kritikern am "chinese way of life" entledigt werden soll.

    Da sollte lieber das Wort Gerichtsbarkeit mit Vorsicht genossen werden.

    7 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Na toll"
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    hat nichts mit Rechtssicherheit zu tun, wenn es eine harte Gesetzgebung braucht um ein Land zu organisieren, das 15x so groß ist wie Dtld. glaube ich nicht, dass man das von Deutschland aus wirklich so einfach be- und verurteilen kann. Hinrichtungen gehören zu dieser Art Gesetzgebung und spielen für diesen Prozess erstmal kaum eine Rolle, zumindest ihre Anzahl nicht. Die Grenzen sind übrigens offen, sodass die meisten Chinesen wohl kein ausreichendes Problem damit haben...sonst würden sich die Nachbarländer in anderem Ausmass mit Chinesen füllen.

    Die eigentliche Frage war die, ob die Frau einen gerechten Prozess erhält. Und mein Kommentar zielte lediglich darauf ab, das man im Westen China schon im vornherein abgeurteilt hat, und ihm somit kaum eine Chance lässt - und dass deshalb auch die kommende Berichterstattung tendentiell Aussagenlos bleiben wird...

    Da spricht wohl eher Ihr generelles Vorurteil gegen China, als Kenntnis der Lage. Ich kanns wirklich nicht mehr hören – sobald jemand in China angeklagt wird, ob Steuerhinterziehung oder Mord, immer ist es sofort ein Dissident und politisch Verfolgter. Wie lächerlich.

    hat nichts mit Rechtssicherheit zu tun, wenn es eine harte Gesetzgebung braucht um ein Land zu organisieren, das 15x so groß ist wie Dtld. glaube ich nicht, dass man das von Deutschland aus wirklich so einfach be- und verurteilen kann. Hinrichtungen gehören zu dieser Art Gesetzgebung und spielen für diesen Prozess erstmal kaum eine Rolle, zumindest ihre Anzahl nicht. Die Grenzen sind übrigens offen, sodass die meisten Chinesen wohl kein ausreichendes Problem damit haben...sonst würden sich die Nachbarländer in anderem Ausmass mit Chinesen füllen.

    Die eigentliche Frage war die, ob die Frau einen gerechten Prozess erhält. Und mein Kommentar zielte lediglich darauf ab, das man im Westen China schon im vornherein abgeurteilt hat, und ihm somit kaum eine Chance lässt - und dass deshalb auch die kommende Berichterstattung tendentiell Aussagenlos bleiben wird...

    Da spricht wohl eher Ihr generelles Vorurteil gegen China, als Kenntnis der Lage. Ich kanns wirklich nicht mehr hören – sobald jemand in China angeklagt wird, ob Steuerhinterziehung oder Mord, immer ist es sofort ein Dissident und politisch Verfolgter. Wie lächerlich.

  3. "Inwiefern kann eine Person als Testfall gelten"

    Die Frage ist berechtigt. Ähnliche Prozesse gab es ja in jüngster und auch längerer Vergangenheit zu Hauf.
    Und ob diese Frau nun Verurteilt wird, weil sie eine "echte Dissidentin" ist oder nur eine "schnöde Interne, die den Obrigen nicht mehr passt" ist doch völlig egal.

    Gerade ein solcher Prozess sollte Transparenter gestaltet werden und vor allem nicht in zwei Tagen abgehandelt werden.
    Da kann man doch nur einen Schauprozess wie in Russland, der DDR oder schlimmeren deutschen Diktaturen vermuten.

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    Antwort auf "Testfall?"
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    Wieso sollte die chinesische Justiz jedem westlichen Agitator gegenüber transparent sein? Setzen wir uns mal lieber dafür ein, dass Politiker hierzulande transparent agieren, keine Waffendeals mit Diktaturen machen und ihre Entscheidungen und den Einfluss von Lobbyisten offenlegen. Des weiteren könnte man ja auch ohne weiteres das Bankgeheimnis abschaffen, dass lediglich Korruption, Steuerhinterziehung und organisiertem Verbrechen dient. Da wären Transparenzforderungen wohl eher angebracht.

    Wieso sollte die chinesische Justiz jedem westlichen Agitator gegenüber transparent sein? Setzen wir uns mal lieber dafür ein, dass Politiker hierzulande transparent agieren, keine Waffendeals mit Diktaturen machen und ihre Entscheidungen und den Einfluss von Lobbyisten offenlegen. Des weiteren könnte man ja auch ohne weiteres das Bankgeheimnis abschaffen, dass lediglich Korruption, Steuerhinterziehung und organisiertem Verbrechen dient. Da wären Transparenzforderungen wohl eher angebracht.

    • joG
    • 09.08.2012 um 10:18 Uhr

    ....und war mit etwas dem Äquivalent eines Ministerpäsidenten hier verheiratet. Alleine ein Mord auf dieser Ebene ist pikant. Ihn vor der Welt auszubreiten wirft erhebliche Fragen auf. Denken Sie doch wie schwierig es war mit Wulff und der hat mutmaßlich nur kleine Verbrechen perpetuiert.

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  4. hat nichts mit Rechtssicherheit zu tun, wenn es eine harte Gesetzgebung braucht um ein Land zu organisieren, das 15x so groß ist wie Dtld. glaube ich nicht, dass man das von Deutschland aus wirklich so einfach be- und verurteilen kann. Hinrichtungen gehören zu dieser Art Gesetzgebung und spielen für diesen Prozess erstmal kaum eine Rolle, zumindest ihre Anzahl nicht. Die Grenzen sind übrigens offen, sodass die meisten Chinesen wohl kein ausreichendes Problem damit haben...sonst würden sich die Nachbarländer in anderem Ausmass mit Chinesen füllen.

    Die eigentliche Frage war die, ob die Frau einen gerechten Prozess erhält. Und mein Kommentar zielte lediglich darauf ab, das man im Westen China schon im vornherein abgeurteilt hat, und ihm somit kaum eine Chance lässt - und dass deshalb auch die kommende Berichterstattung tendentiell Aussagenlos bleiben wird...

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    Antwort auf "genau..na toll..."
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    "Die Gesetzgebung

    hat nichts mit Rechtssicherheit zu tun, wenn es eine harte Gesetzgebung braucht um ein Land zu organisieren"

    So gesehen und bitte verzeihen sie mir meine harten Worte, hatte auch das dritte Reich Rechtssicherheit. Denn eins war sicher, wer schlecht über den Führer sprach kam an den Strick. Da konnte man sich drauf verlassen.
    Oder in den Königreichen vor 300 Jahren, wer da Majestätsbeleidigung begang wurde geköpft. Wer vor 2000 Jahren Gott lästerte wurde gesteinigt.
    Das hat aber nichts mit einer Rechtsstaatlichkeit im Sinne einer aufgeklärten Demokratie zu tun. Und kommen sie mir nicht mit, den Anspruch stellen die Chinesen nicht an sich.
    Die Anzahl der Hinrichtungen spielt zumindest insofern eine Rolle, als es den Argwohn der westlichen Nationen steigert (auch die USA dürfen mit ihren (im Vergleich) lächerlichen 49 Hinrichtungen pro Jahr mit Recht argwöhnisch sein!).

    Stimmt, die Grenzen sind offen. Aber die einen profitieren zu sehr von dem System (wie immer wenige), die anderen können es sich kaum leisten zur Grenze zu reisen ohne dabei zu verhungern (leider viele Wanderarbeiter).

    "sonst würden sich die Nachbarländer in anderem Ausmass mit Chinesen füllen."

    Naja, Tibet füllt sich ja doch schon ziemlich mit Chinesen, oder?! Aber das hat ja weniger mit Unmut zu tun als einer sehr cleveren Art von langsamen Genozid!

    • joG
    • 09.08.2012 um 15:25 Uhr

    ....Parteidiktatur nach Außen und nach Innen hat, ist ihre Glaubwürdigkeit. So lange dieses Problem die eigene Bevölkerung nicht genügend beunruhigt und sie die partielle Sicherheit vorzieht, geschieht kein arabischer Frühling.

    So lange Revolten klein und regionalisiert bleiben ist auch die Gefahr für die Herrscher nicht allzu groß. Mit wachsendem Misstrauen oder Unmut steigt die Zahl der Revolten sowie deren Häufigkeit und Ausdehnung. In China geschieht das seit einiger Zeit. Auf der Uni haben wir ein Seminar gemacht, das die Geschichte von Geheimbünden untersuchte. Eine der Dinge, die dabei sichtbar waren für China, dass man relativ viele, fast dauernd Revolten gehabt hat und diese wiederum relativ oft mit einer neuen Führung endeten. Wenn ich mich erinnere war die Periodik ungefähr alle 60 +/- Jahre.

    Noch dazu unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wenn es denn "unwiderlegbare Beweise" gibt (wie man lesen konnte), warum werden die dann nicht präsentiert? Zeugenaussagen, Sachverständige, Plädoyers... alles Fehlanzeige.

    "Die Gesetzgebung

    hat nichts mit Rechtssicherheit zu tun, wenn es eine harte Gesetzgebung braucht um ein Land zu organisieren"

    So gesehen und bitte verzeihen sie mir meine harten Worte, hatte auch das dritte Reich Rechtssicherheit. Denn eins war sicher, wer schlecht über den Führer sprach kam an den Strick. Da konnte man sich drauf verlassen.
    Oder in den Königreichen vor 300 Jahren, wer da Majestätsbeleidigung begang wurde geköpft. Wer vor 2000 Jahren Gott lästerte wurde gesteinigt.
    Das hat aber nichts mit einer Rechtsstaatlichkeit im Sinne einer aufgeklärten Demokratie zu tun. Und kommen sie mir nicht mit, den Anspruch stellen die Chinesen nicht an sich.
    Die Anzahl der Hinrichtungen spielt zumindest insofern eine Rolle, als es den Argwohn der westlichen Nationen steigert (auch die USA dürfen mit ihren (im Vergleich) lächerlichen 49 Hinrichtungen pro Jahr mit Recht argwöhnisch sein!).

    Stimmt, die Grenzen sind offen. Aber die einen profitieren zu sehr von dem System (wie immer wenige), die anderen können es sich kaum leisten zur Grenze zu reisen ohne dabei zu verhungern (leider viele Wanderarbeiter).

    "sonst würden sich die Nachbarländer in anderem Ausmass mit Chinesen füllen."

    Naja, Tibet füllt sich ja doch schon ziemlich mit Chinesen, oder?! Aber das hat ja weniger mit Unmut zu tun als einer sehr cleveren Art von langsamen Genozid!

    • joG
    • 09.08.2012 um 15:25 Uhr

    ....Parteidiktatur nach Außen und nach Innen hat, ist ihre Glaubwürdigkeit. So lange dieses Problem die eigene Bevölkerung nicht genügend beunruhigt und sie die partielle Sicherheit vorzieht, geschieht kein arabischer Frühling.

    So lange Revolten klein und regionalisiert bleiben ist auch die Gefahr für die Herrscher nicht allzu groß. Mit wachsendem Misstrauen oder Unmut steigt die Zahl der Revolten sowie deren Häufigkeit und Ausdehnung. In China geschieht das seit einiger Zeit. Auf der Uni haben wir ein Seminar gemacht, das die Geschichte von Geheimbünden untersuchte. Eine der Dinge, die dabei sichtbar waren für China, dass man relativ viele, fast dauernd Revolten gehabt hat und diese wiederum relativ oft mit einer neuen Führung endeten. Wenn ich mich erinnere war die Periodik ungefähr alle 60 +/- Jahre.

    Noch dazu unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Wenn es denn "unwiderlegbare Beweise" gibt (wie man lesen konnte), warum werden die dann nicht präsentiert? Zeugenaussagen, Sachverständige, Plädoyers... alles Fehlanzeige.

  5. Die Dame weiß vermutlich über so viele schmutzige Machenschaften in den obersten Rängen, dass sie sie nicht ziehen lassen werden, also auch keine Haftstrafe. Ein Buch, ein paar aus dem Knast geschmuggelte Schriften von ihr könnten alles mit einem Schlag bloßstellen. Das wollen die Parteibonzen sicher nicht. Lieber weiter Staatsgelder veruntreuen und schön ins Ausland karren. Xilai und Frau stehen doch stellvertretend für den Rest, Ausnahmen ausgenommen. In der UdSSR, DDR usw. war es doch auch so...

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    ich auf Ihren Kommentar schon gespannt, wenn sie dann nicht zum Tode verurteilt wird. Allerdings halte ich die Aussagen über mögliche Motive einer eventuell nicht auferlegten Todesstrafe (s. http://www.tagesschau.de/...) für reine Spekulation. Nicht alle Gewaltdelikte mit Todesfolge werden automatisch mit der Todesstrafe oder einer entsprechenden Höchststrafe belegt. Das gilt auch für die chinesische Gesetzgebung und Justiz. Da müßte man in den OECD-Staaten erst einmal differenziert berichten, um die Aussagen dann in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Das setzt allerdings die Recherche der berichtenden Journalisten voraus, eine harte Arbeit, die das Gros hartnäckig verweigert.

    ich auf Ihren Kommentar schon gespannt, wenn sie dann nicht zum Tode verurteilt wird. Allerdings halte ich die Aussagen über mögliche Motive einer eventuell nicht auferlegten Todesstrafe (s. http://www.tagesschau.de/...) für reine Spekulation. Nicht alle Gewaltdelikte mit Todesfolge werden automatisch mit der Todesstrafe oder einer entsprechenden Höchststrafe belegt. Das gilt auch für die chinesische Gesetzgebung und Justiz. Da müßte man in den OECD-Staaten erst einmal differenziert berichten, um die Aussagen dann in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Das setzt allerdings die Recherche der berichtenden Journalisten voraus, eine harte Arbeit, die das Gros hartnäckig verweigert.

  6. Da spricht wohl eher Ihr generelles Vorurteil gegen China, als Kenntnis der Lage. Ich kanns wirklich nicht mehr hören – sobald jemand in China angeklagt wird, ob Steuerhinterziehung oder Mord, immer ist es sofort ein Dissident und politisch Verfolgter. Wie lächerlich.

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    Man kann nicht beantworten, ob diese Dame eine Täterin ist oder abgeurteilt wird weil andere Mächtige sie bei Seite schieben wollen.
    Jedoch schrillen bei mir die Alarmglocken, wenn in so einem Fall angeblich nach einem halben Tag alles erledigt ist. Das wirkt für mich zu schnell für eine Vorlage der Fakten seitens der Anklage und der Verteidigung und der Prüfung des Gerichts bezüglich der Sachlage.

    Man kann nicht beantworten, ob diese Dame eine Täterin ist oder abgeurteilt wird weil andere Mächtige sie bei Seite schieben wollen.
    Jedoch schrillen bei mir die Alarmglocken, wenn in so einem Fall angeblich nach einem halben Tag alles erledigt ist. Das wirkt für mich zu schnell für eine Vorlage der Fakten seitens der Anklage und der Verteidigung und der Prüfung des Gerichts bezüglich der Sachlage.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters
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  • Schlagworte China | Justiz | Prozess | Kommunistische Partei | Medien | Gebäude
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