Arabische Unruhen : Die Angst der Golfregime vor dem Volk

Auch in den Golfstaaten fürchtet man die arabische Aufstandsbewegung. Doch mit Geld, Gewalt und strategischem Geschick wird sie bislang unterdrückt.
Einkaufszentrum in Bahrain © Xurxo Lobato/Cover/Getty Images)

Der Krieg in Syrien und die Unruhen in Ägypten verdecken, dass auch in den Golfregimen die Folgen der Aufstände von 2011 weiterhin wirken. Ein Spaziergang durch Städte wie Dubai , Doha oder Manama lässt Besucher erst mal vergessen, wo sie eigentlich sind: nämlich nicht in den USA , sondern auf der arabischen Halbinsel. In den unzähligen Shoppingmalls gehen vollverschleierte Muslima neben langbeinigen Blondinen in Hotpants.

Das führt unter vielen Einheimischen nicht nur zu einer handfesten Identitätskrise. Der westliche Lebensstil steht auch im direkten Gegensatz zum Verhalten der Golfherrscher, die davor zurückschrecken, politische Freiheiten zu gewähren. Darüber können auch die Versuche beispielsweise der Vereinten Arabischen Emirate (VAE), durch Vereinbarungen mit westlichen Eliteuniversitäten wie der Sorbonne den Eindruck freien Denkens zu erwecken, nicht hinwegtäuschen. Im Gegenteil gibt es eine wachsende Tendenz, der Opposition aus Sorge vor dem arabischen Frühling durch Unterdrückung beizukommen.

Vergangene Woche erst wurden in Bahrain laut dem Bahrain Center for Human Rights mindestens 39 für mehr Demokratie demonstrierende Aktivisten verhaftet und zum Teil schwer misshandelt. In den VAE haben die Sicherheitsdienste laut Human Rights Watch inzwischen mindestens 50 Schriftsteller, Blogger und Anwälte festgenommen, davon allein 36 seit Mitte Juli: "Sie werden inhaftiert, nur weil sie ihre kritische Meinung über die Regierung der VAE geäußert haben oder weil sie einer friedlichen Oppositionsgruppe angehören."

Mit materiellen Wohltaten milde stimmen

Die Herrscher der VAE rechtfertigen ihr Vorgehen mit den angeblich die nationale Sicherheit gefährdenden Zielen dieser Gruppe, von der sie behaupten, vom Ausland gesteuert zu sein. Wie ernst die Golfregime die Bedrohung nehmen, zeigt auch das Rekrutieren ausländischer Söldner in die Sicherheitskräfte der VAE und Bahrains – Ausländer schrecken weniger davor zurück, gegen die einheimische Bevölkerung vorzugehen.

Die Einheimischen sollen, finanziert aus den Öl- und Gas-Einnahmen, mit materiellen Wohltaten milde gestimmt werden, zum Beispiel mit Staatsjobs oder kostenloser Gesundheitsversorgung. Doch es reicht oft nicht, und besonders die weniger ölreichen Staaten wie Oman und Bahrain plagt inzwischen eine hohe Jugendarbeitslosigkeit. In beiden Staaten kam es daher bereits im Februar 2011 zu großen Protesten. In Bahrain, wo der Aufstand von Sicherheitskräften blutig niedergeschlagen wurde, wird die Situation noch durch die Diskriminierung der schiitischen Mehrheitsbevölkerung verkompliziert.

In Saudi-Arabien , der Schutzmacht des Bahrainer Königshauses, wird ein weiteres Spannungsfeld sichtbar: Die im Königshaus weit verbreitete Verschwendungssucht und Korruption verträgt sich nicht mit dem Islamverständnis der konservativen Bevölkerung. Die saudische Herrscherfamilie hat sich zwar mit dem erzkonservativen Klerus arrangiert und gewährt ihm neben finanziellen Zuwendungen umfassende religiöse Freiheiten im Gegenzug für die bedingungslose Unterstützung der Herrscherfamilie. Doch der Widerspruch zwischen der Verfolgung von Auto fahrenden Frauen durch die Religionspolizei und in Saus und Braus lebenden jungen Prinzen, während Millionen in der Golfregion in Armut leben, bleibt für alle sichtbar.

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Kommentare

55 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Und dann??

Der nahe und mittlere Osten ist ein Pulverfass und war es schon immer. Saudi Arabien & Co. haben nie lokal in Bildung investiert (und ich meine damit nicht diese Religion und deren Auslegung).

Ich bin kein 100% Fan des chinesischen Systems aber ich respektiere es, weil sie schon einige Erfolge vorweisen können (Industrie, Bildung, etc.)

Wir können froh sein wenn im nahen und mittleren Osten nicht der 3. Weltkrieg losbricht.

Zugang zum Öl, Existenzrecht Israels

Die Scheichs am persischen Golf sowie die Familie Saud garantieren dem Westen den Zugang zum Erdöl. Gleichzeitig sind die sunnitischen Herrscher erklärter Feinde des schiitischen Irans. Die Scheichs und die Familie Saud stellen auch nicht wirklich die Existenz Israels in Frage - sondern pflegen mit Israel, wenn auch indirekt, gute Beziehungen.

Würden dagegen die Scheichs am Golf oder gar die Herrscherfamilie Saud stürzen, hätte der Westen und auch Israel ein gewaltiges Problem.

Warum ist der Nahe / Mittlere Osten ein Pulverfass?

Weil die NATO-Staaten diese Völker unbedingt ausrauben und militärisch besetzen müssen und dafür ständig neue verlogene Vorwände und Verleumdungen produzieren.

Grundvoraussetzung für eine friedliche Entwicklung in dieser Region ist die Anerkennung der Souveränität dieser Völker, dazu gehört insbesondere die freie Wahl der Währung zu der man sein Öl verkaufen möchte (die EIGENE GOLDGEDECKTE WÄHRUNG) und wie man dieses Geld anlegt und investiert, damit der Reichtum dieser Region endlich für die eigene Entwicklung genutzt werden kann.

Deutschland wäre übrigens eines der Länder, das von einer friedlichen Kooperation am meisten profitieren würde.

Waffen und Öl

Demokratie verpflichtet! Wir als Top-Waffenexporteur wissen worauf es ankommt, wenn ein autoritäres Regime unterstützt werden soll. Andererseits scheuen wir die Beteiligung und Gutheissung gewaltsamer Umstürze auch nicht, eben gerade weil wir darüber sinnieren, wann uns wer Nutzen stiftet. Um Menschenrechte machen wir uns weniger Sorgen, erst dann, wenn unsere Geschäfte gefährdet sind. So lange aber lächeln wir freundlich den Ölschaichs zu und protitieren. Waffen und Öl, eine fabehafte Kombination.

Aus dem arabischen Frühling blüht Öl und radikalisierung

Der Ursprüngliche Gedanke war mal eine anderer :D
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http://www.welt.de/print/...
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Der arabische Frühling ist abgedriftet und wird als Mittel zum Zweck benutzt heute. Kriege etc.

Interessant ist dass Saudi-Arabien ganz weit vorne steht wenn es dadrum geht andere Länder ins Mittelalter zu befördern. Noch Interessanter unsere Doppelmoral.

Findet man auch hier vermehrt Saudi-Fans die mit der selbigen glaubwürdigkeit von AL-Jazira hier mit gefakten Daten die die Saudische-Monarchie schön reden.

"Um Menschenrechte machen wir uns weniger Sorgen, erst dann,...

...wenn unsere Geschäfte gefährdet sind."

Der Dreh zur Zeit ist, die von den autokratischen Regierungen angebotenen Verhandlungen auszuschlagen (Syrien), die Aufständischen und Rebellen, die irgendwie alle für ihre Freiheit kämpfen (nur wenige für den Profit) zu unterstützen, damit sie ihrem verhassten Regenten ordentlich Dampf machen können (Assad), damit die anderen Autokraten noch mehr Angst kriegen (Katar, Saudis, Bahrain) und ihre Panzeranforderungen an Deutschland noch mal ordentlich aufstocken.

Kein Mensch hat je gesagt, dass es leicht wäre, eine der führenden Exportnationen zu sein, die nicht Konsumgüter sondern neben den Maschinen für Konsumgüter hauptsächlich Luxus- und Waffen-Technik verkauft.

Ich denke, Deutschlands Wirtschaft kann froh sein, dass sie eine liberal-konservative Regierung hat, die weiß, wo Deutschlands Prioritäten liegen (Luxusdedarf für Superreiche, Waffenbedarf zum Niederhalten der Benachteiligten).

Das ist nichts für die Sonntagspredigt, aber die Welt braucht Ausgebeutete und Unterdrückte, die zu Superreichen und zu Unruheherden führen, wenn wir unsere Wirtschaftsausrichtung beibehalten wollen.

Nicht jedes Land ist gleich arabischer Frühling :D

Syrien ist anders!
Die bewaffneten Gruppen in Syrien verteidigen nicht Demokratie, sie bekämpfen sie!

Stattdessen hätten die Vereinigten Staaten für alle Staaten, die nicht von den USA zu Vasallentum reduziert wurden und für ihre Presse eine Operation gegen Syrien gestartet, die von lange her geplant war. Zuerst durch ihren regionalen Verbündeten, und dann direkt, hätten sie nach dem Vorbild der Contras von Nicaragua bewaffnete Banden infiltriert, die das Land destabilisierten. Jedoch hätten sie dort nur eine sehr geringe interne Unterstützung gefunden und eine Niederlage erlitten, während die Russische Föderation und China die NATO verhindert hätten, die syrische Armee zu zerstören und das regionale Gleichgewicht zu brechen.

In Syrien gibt es keinen großen Volksaufstand.
Der Aufstand ist von aussen insziniert!
mehr hier...
http://www.voltairenet.or...

Saudi Arabien auch wenn das ein verbündeter der Amerikaner, Deutschen, Türken etc. ist, ist das Land Lichtjahre hinter Syrien. Demokratisch und Menschenrechtlich gesehen.
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Die Indonesierin Ruwayti Beth Sabutti Sarona wurde Berichten zufolge

am 18. Juni 2011 enthauptet.

Sie war für schuldig befunden worden, ihre Arbeitgeberin ermordet zu haben. Weder ihre Familie noch die indonesische Regierung wurden über die bevorstehende Hinrichtung in Kenntnis gesetzt.
http://www.amnesty.de/jah...
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Syrien - Vier Lügen der NATO
http://www.voltairenet.or...

Ich möchte mich bedanken

Das sind sehr interessante Links.

Insbesondere der Text Wer kämpft in Syrien war für mich sehr interessant zu lesen. Viele der teils konfusen Meldungen über die Unruhen der letzten eineinhalb Jahre in Syrien ergeben nun eher einen Sinn. Auch die einleitenden Erklärungen und Hintergründe zu Ägypten und Libyen fand ich sehr aufschlussreich.

Wer solche Zusatzinfos hat, kann die Agenturmeldungem, die mehr verschleiern, als sie aufklären, viel besser einordnen.

Das stimmt so nicht.

"Die bewaffneten Gruppen in Syrien verteidigen nicht Demokratie, sie bekämpfen sie!"
Die Assad Diktatur ist keine Demokratie und die Opposition kämpft auch für demokratie da sie keineswegs von Islamisten dominiert ist wie erst der BND feststellte!

http://www.rp-online.de/p...

"Der Widerstand werde keineswegs von Islamisten dominiert, betonte der Terrorexperte. "Sie sind in der Minderheit." Darunter seien radikale Gruppierungen wie die Al-Nusrah-Front. Es spreche viel dafür, dass es zwischen dieser und dem Terrornetzwerk Al Qaida Verbindungen gibt."

"In Syrien gibt es keinen großen Volksaufstand.
Der Aufstand ist von aussen insziniert!"
Es gab zahlreiche Demonstrationen gegen das regime zu beginn waren diese auch friedlich wovon nuneinmal meist nur Ausländische Medien berichteten da man es im Land versuchte Totzuschweigen. Sie können das auch als insziniert hinstellen da die Menschen ihrer meinung wohl nicht freiwillig aufgestanden sind. Sicher beteiligte sich daran nicht die Breite Mehrheit doch repressentierte diese Demokratiewünsche für ein ende der Diktatur eine Breite Zahl der Bevölkerung wenn nicht sogar die Mehrheit. Nur hat man diese eben mit gewalt unterdrückt.

Nach dem Frühling die Eisheiligen

Auch ich bekomme zugegebenermaßen manchmal Bauchschmerzen, wenn ich mir überlege, wer da so für die syrische Unabhängigkeit kämpft; das sind mit Sicherheit nicht durch die Bank überzeugte Demokraten (Ägypten lässt grüßen, jedenfalls solange bis Mursi endlich liefert). Dennoch ist das Assad-Regime, wie die meisten, nach sozialistischem Vorbild gegründeten Baath-Parteien der Nahoststaaten, meiner Meinung nach eine Diktatur, die zwar vordergründig westliche Prinzipien vertreten mag, von denen allerdings nur Leute im engsten Kreis des Diktators profitieren. Ich kann mir daher durchaus vorstellen, dass der Aufstand im Inneren begonnen hat, ohne ausländische Provokateure. Einfach eine Gegenreaktion auf jahrelange (geopolitisch-korrekte) Bevormundung von Außen und aus Frust über die verpassten Chancen, mit denen jeder Syrer leben muss, der sich Assads Hofstaat verweigert. Die (wirtschaftliche) Sicherheit des Westens ruht jedoch noch immer auf dem "alten" Syrien. (Daher: Welchen Gewinn hätten die USA aus einer Infiltrierung Syriens gezogen?!). Wie in Tunesien und Ägypten will das Volk nun eben endlich mal "selber machen", und ich zweifle stark daran, dass sich alle Syrer nach Assads Abgang einen Schariah-Staat wünschen. Iran 2009 hat gezeigt, dass selbst unabhängige islamistische Regime nicht auf die breite Unterstützung ihrer Bevölkerung zählen können. Daran konnten und können auch von Ahmadineschad bezahlte "Jubel-Perser" nichts ändern.