Israel erwägt einem Bericht zufolge einen Militärschlag gegen den Iran noch vor der US-Präsidentenwahl im November. Mehrere israelische Zeitungen berichten dies unmittelbar nach zwei geheimen Beratungen von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak mit der Armeespitze. "Netanjahu und Barak sind entschlossen, den Iran im Herbst anzugreifen", titelte Israels meistverkaufte Zeitung Jedioth Ahronoth . Den Grund liefert die Gratiszeitung Israel Hajom ebenfalls auf der Titelseite: "Der Iran hat das Fortschrittstempo für eine Bombe bedeutend verschärft."

Allerdings fehle beiden Politikern für einen Militärschlag die entscheidende Unterstützung sowohl im Militär als auch im Sicherheitskabinett, hieß es. Die Generäle hätten ihre kritische Haltung zu einem Angriff nicht geändert – zumindest im Hinblick auf eine Aktion zu gegenwärtiger Zeit.

Sowohl Generalstab als auch die Geheimdienstchefs wollen zudem keine Attacke ohne ausdrückliche Zustimmung der USA . Internen Informationen zufolge verweisen sie auch auf die unabsehbaren Folgen eines solchen Angriffs: Der Zivilschutz könne vor gewaltigen Aufgaben stehen, sollte der Iran mit Mittelstreckenraketen zurückschlagen. Ebenso sehen sie die Gefahr, dass Irans libanesischer Verbündeter Hisbollah aus dem Südlibanon und der palästinensische Partner Hamas aus dem Gazastreifen Tausende Raketen und Granaten abfeuern könnten.

Weitere Optionenneben der diplomatischen

Israel droht dem Iran seit Langem mit einem Militärschlag, da es in dessen Atomprogramm eine Bedrohung seiner Existenz sieht. Iran selbst beharrt darauf, seine Kernforschung nur zu zivilen Zwecken zu betreiben.

Die USA drängten Israel erst vor wenigen Tagen , zunächst noch einmal eine diplomatische Lösung zu suchen und verbanden das mit einer Drohung gegenüber dem Iran. Verteidigungsminister Leon Panetta sagte, es gebe "weitere Möglichkeiten einschließlich der militärischen, sollten die diplomatischen Bemühungen nicht fruchten".

13 Tonnen schwere Bombe

Israel dürfte bei einem Vorgehen gegen iranische Nuklearanlagen auf die USA angewiesen sein. Denn die teils in Dutzenden Metern Tiefe errichteten Anlagen lassen sich nur mit bunkerbrechenden Bomben zerstören. Dazu gehört auch die von Steinmassiven geschützte Anlage in Fordow bei Ghom, in der Uran höher angereichert wird als in der Fabrik in Natans.

Um sie zu sprengen, müsste das Militär den größten Bunkerbrecher im US-Arsenal einsetzen , der MOP (Massive Ordnance Penetrator). Dieser Sprengkörper ist 13 Tonnen schwer, durchschlägt 60 Meter Stahlbeton. Aber kein israelisches Flugzeug kann ihn tragen.