Atomkonflikt : Israel erwägt Militärschlag gegen Iran vor November

Israels Regierungschef Netanjahu will die Atomforschungen des Erzfeindes in Teheran möglichst noch vor der US-Wahl stoppen. Doch Generalstab und Geheimdienst zaudern.
Verteidigungsminister Ehud Barak und sein US-Amtskollege Leon Panetta (l.) bei Ihrem Treffen am 1. August © Mark Wilson/Pool/Reuters

Israel erwägt einem Bericht zufolge einen Militärschlag gegen den Iran noch vor der US-Präsidentenwahl im November. Mehrere israelische Zeitungen berichten dies unmittelbar nach zwei geheimen Beratungen von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak mit der Armeespitze. "Netanjahu und Barak sind entschlossen, den Iran im Herbst anzugreifen", titelte Israels meistverkaufte Zeitung Jedioth Ahronoth . Den Grund liefert die Gratiszeitung Israel Hajom ebenfalls auf der Titelseite: "Der Iran hat das Fortschrittstempo für eine Bombe bedeutend verschärft."

Allerdings fehle beiden Politikern für einen Militärschlag die entscheidende Unterstützung sowohl im Militär als auch im Sicherheitskabinett, hieß es. Die Generäle hätten ihre kritische Haltung zu einem Angriff nicht geändert – zumindest im Hinblick auf eine Aktion zu gegenwärtiger Zeit.

Sowohl Generalstab als auch die Geheimdienstchefs wollen zudem keine Attacke ohne ausdrückliche Zustimmung der USA . Internen Informationen zufolge verweisen sie auch auf die unabsehbaren Folgen eines solchen Angriffs: Der Zivilschutz könne vor gewaltigen Aufgaben stehen, sollte der Iran mit Mittelstreckenraketen zurückschlagen. Ebenso sehen sie die Gefahr, dass Irans libanesischer Verbündeter Hisbollah aus dem Südlibanon und der palästinensische Partner Hamas aus dem Gazastreifen Tausende Raketen und Granaten abfeuern könnten.

Weitere Optionenneben der diplomatischen

Israel droht dem Iran seit Langem mit einem Militärschlag, da es in dessen Atomprogramm eine Bedrohung seiner Existenz sieht. Iran selbst beharrt darauf, seine Kernforschung nur zu zivilen Zwecken zu betreiben.

Die USA drängten Israel erst vor wenigen Tagen , zunächst noch einmal eine diplomatische Lösung zu suchen und verbanden das mit einer Drohung gegenüber dem Iran. Verteidigungsminister Leon Panetta sagte, es gebe "weitere Möglichkeiten einschließlich der militärischen, sollten die diplomatischen Bemühungen nicht fruchten".

13 Tonnen schwere Bombe

Israel dürfte bei einem Vorgehen gegen iranische Nuklearanlagen auf die USA angewiesen sein. Denn die teils in Dutzenden Metern Tiefe errichteten Anlagen lassen sich nur mit bunkerbrechenden Bomben zerstören. Dazu gehört auch die von Steinmassiven geschützte Anlage in Fordow bei Ghom, in der Uran höher angereichert wird als in der Fabrik in Natans.

Um sie zu sprengen, müsste das Militär den größten Bunkerbrecher im US-Arsenal einsetzen , der MOP (Massive Ordnance Penetrator). Dieser Sprengkörper ist 13 Tonnen schwer, durchschlägt 60 Meter Stahlbeton. Aber kein israelisches Flugzeug kann ihn tragen.

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Kommentare

381 Kommentare Seite 1 von 37 Kommentieren

Vielleicht sollte Netanjahu einfach einmal

auf die hochrangigen (Ex-) Militärs und Geheimdienstler hören, die seit langem vor einem Militärschlag gegen den Iran warnen? Unsere Amerikanischen Freunde werden sicherlich nicht eben begeistert sein, wenn ihr engster Verbündeter im Nahen Osten mitten in der Wahl eines neuen Präsidenten / einer neuen Administration ohne Not einen neuen Krieg im Nahen Osten vom Zaun bricht.

Und...

von welchen anderen, hehren Idealen träumen Sie sonst noch nachts?
Hier gilt ausschließlich das Gesetz der Macht!
Und dafür sind die Entscheidungsträger eines Landes, das sich nach offizieller Lesart unserem westlichen Kulturkreis angehörig fühlt und von uns als "einzige Demokratie im Nahen Osten" gerühmt wird, bereit, rücksichtslos über Leichen zu gehen. Und zwar im eigenen Land ebenso wie im Iran oder in anderen Ländern.
Und werden uns in Europa - besonders in Deutschland - auch mit reinziehen!
Etwa zur Herstellung des Prinzips "Fairness"??

@044josefine

> Israel wird niemanden angreifen, der sich Israel
> gegenueber fair und friedlich verhaelt.

Wie friedlich sich Israel verhält, zeigt sich regelmäßig im Gazastreifen und Westjordanland. Vorwände dafür lassen sich immer finden:

- mal sind es Übersetzungsfehler: "Wer die Vernichtung Israels auf seine Fahnen schreibt.."

- mal der berüchtigte "Anti-Terrorkampf"

- oder die "Selbstverteidigung[s]"-Strategie (statt 'Angriffskrieg')

Alles Verzerrungen und Verdrehungen der Realität, kurz: Propaganda, mehr nicht!

Josefine hat Recht, Israel wird nie jemanden angreifen

Israel hat sich bisher immer nur verteidigt, wieso sollte Israel diesmal von seiner Linie des Friedens, der Völkerverständigung und der Humanität abweichen?

Man muss sich doch nur im Nahen Osten umschauen, überall Misstrauen, Gewalt und Unvernunft. Einzig Israel hebt sich hervor als strahlender Hort des menschlichen Miteinanders, der Gewaltlosigkeit, des Friedens und der Gerechtigkeit. Es muss jeden, auch jeden Westler, eigentlich beschämen, wie gütig und nachsichtig Israel mit seinen Nachbarn umgeht, auch wenn diese das friedliche Israel angreifen: Israels THW besetzt die Umgebung nur, um dringend nötige Reparaturen an Kanalisation, Wasserversorgung, Strassen und Infrastruktur durchzuführen. Israel tut alles, um den Palästinenser deren Wasser zu erhalten, Israel pflegt die Olivenbäume, dieGesundheitsversorgung und die Ausbildung, die Nahrungsmittelversorgung, etc., etc.

Jeder weiss, dass es in der Geschichte der Menschheit keinen friedfertigeren und verantwortungsvolleren Staat als Israel gegeben hat, da muss man der Kommentatorin Josefine einfach Recht geben.

Friede ist fuer Netanjau nicht nur ein Wort.

Auch ich bedanke mich bei Foristin Josefine fuer ihren Mut, den falschen Behauptungen ueber die israelische Regierung entgegenzutreten.

Josefines Kommentare duerften zweifellos die letzten Besorgnisse des Herrn Grass zerstreuen, und ihre Worte haben auch meinen Glauben an die friedenserhaltene Bedeutung der drei deutschen U-Boote gefestigt.

Voellig unverstaendlich, wie gerade Herr Obama den Shalom-Praesidenten Netanjau wegen dessen Besiedlungspolitik kritisieren konnte.

Waltz with bashir

heißt der Film (lief auch schon auf ARTE). Obwohl die darin reflektierten Ereignisse (der Libanon-Krieg von 1982) inzwischen dreißig Jahre zurück liegen, ist dessen Inhalt und Aussage immer noch absolut Aktuell. Besonders die Schlusssequenz mit realen Bilder von überlebenden des Massakers in Sabra und Schatila bildet einen sehr deutlichen Kontrast zu dem Bild von Israel, welches Sie präferenzieren.
Die Politik von Netanjahu ist eindeutig konfrontativ, besonders in der Auseinandersetzung mit dem Iran. Eine sehr unsichere Faktenlage wird zum Grund für einen Präventivschlag hochstilisiert wohl wissend, dass dies sehr leicht in einen neuen Krieg in der Region münden kann. Wenn der ehemalige Leiter des Mossad, Meir Dagan ausdrücklich vor einem Waffengang gegen den Iran warnt, dann sollte man dies durchaus ernst nehmen.
Über die Gründe für Netanjahus Handeln lässt sich vielfältig spekulieren. Fakt ist, seine Zustimmungswerte sinken und dies ist dem Umstand geschuldet, dass die sozialen Folgen seiner Politik für immer mehr Israelis spürbar werden. Geld welches in den Siedlungsbau oder in weitere Aufrüstung fließt, fehlt offensichtlich für Bildung, Soziales Netz, Medizinische Versorgung - und ganz besonders für "bezahlbaren" Wohnraum außerhalb der besetzten Gebiete.

Bitte mal Hass runter- und Hirn hochfahren

Wie bitte sollte der Iran Israel auslöschen? Mit einer zusammenfabulierten Atombombe, die selbst dann, wenn sie existierte Israel nicht auslöschen könnte, aber dafür eine garantierte Auslöschung des Iran zur Folge hätte? Und wie kommen Sie überhaupt auf die Idee, dass der Iran, der noch nie einen Angriffskrieg geführt hat, ausgerechnet Israel angreifen würde? Wegen ein paar markiger Sprüche? Na, dann hören Sie sich doch mal an, was die israelische Regierung so absondert. Beispielsweise ständige Drohungen mit völkerrechtswidrigen Angriffen.

Iran braucht die Bombe...

... sehe ich genauso!
Und insbesondere in Anbetracht der Tatsache, dass der Iran bei der Entwicklung von Raketen mit einer Reichtweite mit bis zu 10.000km beschäftigt ist. Die 2000km Grenze soll der Iran, laut seiner Propaganda, schon überschritten sein, aber das reicht noch nicht, denn Israel liegt ja soweit entfernt mit seinen 1500km.
Deutschland dagegen befindet sich in einer Entfernung von 3500km ausserhalb der Gefahrenzone.
Ein Raketenangriff mit einer Atombombe von Israel nach Deutschland oder Iran ist auch sehr viel wahrscheinlicher, als ein Iran der potentiell Berlin treffen kann....
/Ironie off

Danke, dass Sie Wahrscheinlichkeiten ansprechen

aus amerikanischer Sicht ist die Wahrscheinlichkeit von Israel angegriffen zu werden wesentlich höher als vom Iran angegriffen zu werden.

Das belegen folgende Zwischenfälle:

http://en.wikipedia.org/w...

http://en.wikipedia.org/w...

jedesmal waren das Angriffe unter falscher Flagge auf amerikanische Einrichtungen um Amerika in enen Krieg zu verwickeln.

Ersterer führte beinahe zum Atombombenabwurf über Kairo durch die Amerikaner. Das belegt folgnder arte Beitrag:

http://www.youtube.com/wa...

Manchmal sind die Dinge nicht ganz so wie sie ein Herr Netanjahu vorgibt zu sein.

@DDave

Eine schlechte Ironie obendrein ist es. Ihrem Mitforisten ging es ja nicht um "Schwanzlängenvergleiche" (wie sie es auslegen), sondern lediglich um die potenzielle Gefahr, wer wen zuerst angreift. Und das hat Israel im Gegensatz zum Iran schon öfter bewiesen.

Zudem würde Israel sogar Deutschland drohen, wenn es sein oberstes Ziel 'Eretz Israel' durch Deutschland gefährdet sähe.

Sicherheitsinteressen

Nun wenn wir jeden land zugestehen wollen das es seine eigene Bevölkerung absicher möchte .....

Bleibt dne Iran wohl wirklichnichts mehr anderes übrig.

Zivilen Atomestrom will man ihm nicht geben obwohl man es per Vertrag müsste, Amerikanischen Militärbasen befinden sich rund um das Land und aamerikanische Politiker sind nicht auf einen Diplomatischen Kurs.

Dazu kommt noch das Israel was die Bombe entgegen der intenatinalen Norm hat und den Sperrvertrag nuch nicht unterschrieben hat es vor macht wie wunderbar man mit ihre leben kann und in Ruhe gelassen wird.

Wenn man die iranischen bombe verhinder nöchte sollten man die Israelischen Bombe entfernen, und so den Staaten zeigen das sie sih beide nur noch mit normalen Waffen gegeüberstehen.

Die Idee das Israel einen Amerikanischen Bunkerbrecher braucht ist auch nur so lange richtig wie man nicht mitberechnet das Israel auch Nuklearwaffen gegen die Anlage einsetzen kann, da eine Bombadirung von nuklearanreicherungstätten eh zu einer verstrahluung der gegend führen würde.

Kleine Einschränkung

> Ich denke , es ist einfach nur
> gleichgeschaltete Dummheit
> zu glauben, irgendjemand brauche
> irgendeine Bombe. Das Perverse und
> tief schmerzhafte ist, daß an dieser
> gleichgeschalteten Dummheit dieser
> ganze wunderbare blaue Planet
> womöglich zerbrechen kann.

Sie haben sicher Recht. Mit der kleinen Einschränkung, dass es tatsächlich auf dieser Welt ein Land gibt, [...] das man weghaben will, nicht selten mitsamt seiner Bewohner. Und dieses Land kann, darf und muss die Atombombe haben, es hat als einziges Land bislang diese Bombe erkennbar nicht aufgrund hegemonialer oder aggressiver Absichten, sondern aus rein defensiven Gründen. Die Atombombe ist Folge Auschwitz' (Auschwitz ist Realität, auch wenn das iranische Regime und [...] das Gegenteil behaupten).

Gekürzt. Bitte achten Sie auf eine angemessene Wortwahl. Danke, die Redaktion/ls

Zwickmühle

Gegenwärtig ist ein Schlag nicht unbedingt sinnvoll. Sunnitische Fundamentalisten würden einen Schlag zwar insgeheim begrüßen, ohne ihn offiziell zu unterstützen. Die ohnehin in der Bevölkerung des sich neu konstituierenden arabischen Umfelds vebreitete antisemitische/antizionistische Stimmung könnte sich jedoch zu Lasten Israels verschärfen.

Auf der anderen Seite ist Warten noch gefährlicher, da der Iran hochoffiziell gewillt ist, den jüdischen Staat zu vernichten.

Der Zeitpunkt ist also eine Abwägungssache. Aber das Iranische Regime könnte auch einfach aufhören, mit dem Feuer zu spielen.

Israel den Iran vernichten

In Israel denkt niemand darüber nach, den Iran zu vernichten. Es geht selbst den israelischen Hardlinern "lediglich" um die Zerstörung nuklearer Einrichtungen.

Ein One-Bomb-Country zu sein gemeinsam mit der andauernder Hassrhetorik des Irans, der Hamas und anderer Akteure gepaart mit den Selbstmordanschlägen die während der zweiten Intifade an der Tagesordnung waren, kann die Angst Israels vor der Auslöschung verständlich machen. Auch zu nennen währen hier die Raketen, die immernoch aus Gaza auf Israelische Zivilisten geschossen werden, und den Verlust eines Verbündeten (Mubaraks). Ich nenne bewusst keine weiteren geschichtlichen Tatsachen.

Die Angst vor der Auslöschung muss der Iran nicht haben. Ja, die einige der Israelis wollen den Iran angreifen, aber niemand spricht davon die Iraner ins Meer zu jagen, so wie es den Juden schon vor dem Sechstagekrieg und seit dem immer wieder angedroht wurde.

Es ist gefährlich hier so zu tun, als währe dies ein ausbalancierter Konflikt. Trotz alledem hoffe ich, dass sich eine diplomatische Lösung finden wird. Friede im Nahen Osten ist eine wundervolle Utopie, für die zu arbeiten sich lohnt.

Wer braucht schon Diplomatie?

Wer braucht schon Diplomatie, wenn man auch Kriege führen kann?
Das wird ein Spaß für die USA, wenn die dort auch noch aushelfen müssen. Das treibt die Staatsschulden dann weiter in die Höhe.
Am aller meisten freue ich mich dann auf die Reden unseres Bundespräsidenten. Mal schauen, ob wir dann unser Marschgepäck packen müssen und uns in den Iran begeben müssen.