Demonstration in Tel Aviv: "Kein Angriff gegen Iran", steht auf dem Schild. © Nir Elias/Reuters

Israels Vize-Außenminster Danny Ayalon will die diplomatischen Bemühungen zur Beilegung des Atom-Konflikts mit dem Iran international für gescheitert erklären lassen. Die fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats und Deutschland "müssten offiziell eingestehen, dass die Gespräche gescheitert sind", sagte Ayalon dem Sender Israel Radio. Wenn Iran sein Atom-Programm nicht einstelle, sei nach einer solchen internationalen Erklärung klar, dass "alle Optionen auf den Tisch" lägen.

Vor dem Wochenende war bekannt geworden, dass Israel laut Medienberichten einen Militärschlag gegen den Iran noch vor der US-Präsidentenwahl im November erwägt. Mehrere israelische Zeitungen berichteten dies unmittelbar nach zwei geheimen Beratungen von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak mit der Armeespitze.

In Reaktion auf diese Meldung demonstrierten am Sonntagabend in Tel Aviv Hunderte Israelis, um die Regierung von einem möglichen Angriff auf den Iran abzuhalten. Sie versammelten sich dazu vor einem Gebäude, in dem auch Verteidigungsminister Barak wohnt.

Entwicklung eines atomaren Sprengkopfes

Die Demonstranten riefen Barak und Netanjahu auf, eher zurückzutreten, als das Leben israelischer Bürger zu gefährden. Ein Mann, der ein Bild mit Barak in SS-Uniform hochhielt, wurde von den Organisatoren der Kundgebung fortgeschickt.

Israelischen Presseberichten zufolge treibt der Iran die Entwicklung eines atomaren Sprengkopfes voran. Die liberale und regierungskritische Zeitung Haaretz berichtete am Sonntag, der jüngste Lagebericht der US-Geheimdienste sei "in letzter Minute" um Informationen über Fortschritte beim Bau eines Sprengkopfes ergänzt worden. Die neuen Erkenntnisse gingen weit über die der Internationalen Atomenergieagentur hinaus.

Die regierungsnahe Israel Hajom berichtete, die Führung in Teheran habe auch die Arbeiten für den Bau einer Trägerrakete forciert. Beide Zeitungen beriefen sich auf Informationen aus Regierungskreisen und durchgesickerte Geheimdienst-Erkenntnisse, nannten aber keine Details.

USA sieht Iran Jahre entfernt von Atomwaffe

Regierungssprecher Zwi Hauser lehnte eine Stellungnahme zu den Berichten ab. Die US-Regierung wollte die Existenz eines von den Zeitungen zitierten Lageberichts nicht bestätigen. Regierungsvertreter wiederholten aber die Einschätzung, dass der Iran Jahre entfernt vom Besitz einsatzfähiger Atomwaffen sei. Gleichwohl dürften die Veröffentlichungen die Debatte über einen israelischen Militäreinsatz gegen die iranischen Atomanlagen intensivieren, den US-Präsident Barack Obama in Wahljahr vermeiden will.

Israel, das als einziges Land im Nahen Osten vermutlich über Kernwaffen verfügt, fühlt sich durch das iranische Atomprogramm bedroht und schließt eine Militäraktion nicht aus. Die Führung in Teheran hat wiederholt erklärt, ihr umstrittenes Atomprogramm diene ausschließlich zivilen Zielen.