Korruption in Kärnten : Was vom Sonnenkönig Haider übrig bleibt

Die Partei des toten Rechtsaußen Haider versinkt im kriminellen Morast. Die Vorwürfe reichen von Bestechlichkeit bis hin zu illegaler Parteienfinanzierung.

Was waren das für Zeiten: Als ein braungebrannter Sonnenkönig im weißen Sonny-Crocket-Anzug feixend durch Kärnten raste, diesem kleinen, sonnengesegneten Fleckchen im äußersten Süden Österreichs , als er den Menschen strahlend die Hände schüttelte, im Wirtshaus, beim Fußball, beim Jägerstammtisch, und jedem suggerierte: Ich, der Jörgi, bin für euch da. Als er an die Bedürftigen weihevoll 100-Euro-Scheine austeilte. Als er die Politik zu einer Riesensause umfunktionierte und seinen Untertanen versprach: Mit mir seid ihr groß. Ganz groß.

In dieser zur Schau gestellten Gigantomanie schien nichts unmöglich. Da wurde in der 100.000-Einwohner-Stadt Klagenfurt für die EM 2008 ein Stadion gebaut, das so überdimensioniert ist, dass man heute nicht weiß, wie man die laufenden Kosten aufbringen soll. Da wurde eine Veranstaltungs-Bühne errichtet, die sich – wie vieles im Haider-Reich – später als Millionengrab für das Landesbudget erwies. Da wurde die Landesbank Hypo-Alpe-Adria trickreich in die Politik eingebunden – ein Selbstbedienungsladen für Politiker und Manager.

Und heute? Nicht nur, dass der Polit-Zampano nicht mehr unter den Lebenden weilt, weil er in einer 70er Zone mit mehr als 140 km/h in den Tod raste . Auch seine Wahlheimat, die heute mit dem Motto "Lust am Leben" um Touristen buhlt, vergeht oder besser: versinkt im kriminellen Morast.

Staatsbürgerschaft gegen Zahlung

Die große Haider-Show, die seine Erben bis zuletzt inszenierten – sie ist beendet. Und immer deutlicher wird, wie sehr die Freiheitlichen, die einst als "Saubermänner" den Aufstieg in der österreichischen Politik vollzogen, moralisch am Boden liegen. Kaum einer aus der politischen Führungsriege der Haider-Partei (heute die Freiheitlichen in Kärnten/FPK), der nicht im Visier der Justiz steht – oder nicht schon verurteilt ist. Die Vorwürfe reichen von Bestechlichkeit, Geldwäsche, Untreue bis hin zu illegaler Parteienfinanzierung.

Die bislang größte Bombe ließ jüngst der Villacher Steuerberater Dietrich Birnbacher platzen , der für seine Gutachtertätigkeit im Umfeld des Hypo-Alpe-Adria-Verkaufes an die Bayerische Landesbank wahnwitzige 6 Millionen Euro kassiert hatte. Im laufenden Untreueprozess gegen ihn gestand Birnbacher, dass es beim umstrittenen Deal geheime Absprachen gab. Seine Millionen sollten demnach zwischen ihm, der Haider-Partei und der Österreichischen Volkspartei ( ÖVP ) aufgeteilt werden. Zudem, so Birnbacher, hätten später zwei weitere Politiker aus der einstigen Entourage Haiders 500.000 Euro von ihm gefordert.

Mit dem Geständnis hat in Kärnten ein Köpferollen begonnen: ÖVP-Chef Martinz nahm angesichts der brisanten Enthüllungen seinen Hut: "Es tut mir leid, dass ich mich auf das System Haider eingelassen habe." Ein bemerkenswertes Statement für den Vertreter einer Partei, die sich in Österreich gerne als Hüterin konservativer Werte geriert.

Und die Haider-Erben? Sie taumeln von einem Skandal zum nächsten: FPK-Chef Uwe Scheuch wurde bereits zwei mal wegen Geschenkannahme verurteilt, noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. 2010 war ein Telefonat von Scheuch mit einem russischen Investor aufgeflogen, in dem der Freiheitliche als Gegenleistung für eine Staatsbürgerschaft des Russen entsprechende Zahlungen vorschlug. Doch damit nicht genug: Nach den Birnbacher-Enthüllungen wird gegen Scheuch wegen versuchter Geldwäsche ermittelt. Flugs erklärte der Haider-Nachfolger seinen Abschied aus der Politik. "Passt mir auf mein Kärnten auf", erklärte er pathetisch. Ein Zitat, das einst auch Haider verwendete. Nicht nur der: Auch Kärntens NSDAP-Gauleiter Friedrich Rainer wählte kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs eben diese Worte.

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Kommentare

68 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Ich seh da anders

Seit vielen Jahren habe ich immer wieder meinen Urlaub in Kärnten verbracht. Dabei habe ich die Städte wie touristische
Sehenswürdigkeiten besucht, die Gegend durchwandert und ausgedehnte Radtouren unternommen. Von diesem österreichischen Bundesland können wir uns einige Scheiben abschneiden, gesellschaftlich, touristisch und organisatorisch. Sie mögen Haider und seine Kumpanen nicht,
für mich ist Kärnten "erste Sahne".

zum schmunzeln

Da irren sie leider, dadurch dass es in Europa so gut wie keine Wildnis mehr gibt, spiegelt sich in jeder kultivierten Landschaft auch immer ein großer Teil der Mentalität der dort ansässigen Bevölkerung wieder.

Ansonsten hätte es dem Artikel gut getan, sich auf die Fakten zu reduzieren und auf herablassende Polemik zu verzichten. Darüber hinaus verrät die Autorin an einigen Stellen durch fälschlich verwendete Begriffe (Ländle, Karneval...) offensichtliche Unkenntnis über jenes Land, dem der Artikel gewidmet ist.

Aber wie heisst es so schön, "was Peter über Paul sagt, sagt mehr über Peter als über Paul"

Wirklich aussagekräftig sind allerdings die Kommentare der meisten User. Kein Wunder, dass kaum einer mehr in Europa dieses befremdliche Land in seiner Mitte versteht.

ja,...

...da sieht man mal, die konservativen in old austria können eben auch spö und a bisserl brd. die spezies politicus scheint überall gleich, sobald sie eine weile an der macht ist. haider war mir zumindest als mensch sehr sympathisch, besonders nach dem ich anno dunnemals seinen auftritt bei böhme im deutschen fernsehen gesehen habe. da war nicht unbedingt abzusehen, dass er in die fußstapfen so vieler anderer politiker aller parteien tritt. irgendwie muss das wohl so sein bei dieser species, könnte man meinen...;-)

@ Exschreiner Es wird wohl so sein,...

...dass Sie ihn missverstanden haben. Sicher ist ihr Bild durch die Medien geprägt worden. Kommt vor.
Bei u tube können Sie die angesprochene Böhme Sendung nochmal ansehen.
Glos, Giordano (der äusserte am Schluss der Sendung, dass ihm Haider sehr symphatisch ist, ja, das personifizierte gute Gewissen der Deutschen, der Giordano !!! ) und irgendwelche Ösi Kadersozis waren zugegen. In der Tat, ein durchaus sympathischer Mensch. Ich finde viele Leute sympathisch, die ich persönlich nicht kenne, dass liegt an der Ausstrahlung der Leute. Jürgen Klopp finde ich z. B. auch sehr sympathisch. Aber dieses Empfinden ist nunmal ein persönliches. Und das sich "offener, rechter Stammtischdemagoge" über Jahre immer wiedergewählt wird kann ich mir nicht vorstellen. Lassen Sie es mich mal so ausdrücken, wenn ich schon von Politikern besch.... werde, dann doch lieber von einem eher sympathischen. Schade das wir in Deutschland so wenig davon haben.