Seitdem die konservative Partei Partido Popular (PP) wieder die politische Führung in Spanien übernommen hat, sind regierungskritische Berichte fast vollständig aus dem staatlichen Fernsehen verschwunden. Viele politisch interessierte Spanier haben das Gefühl, nicht mehr richtig über die Geschehnisse im eigenen Land informiert zu werden. Sie trauen nur noch dem, was sie anhand von Augenzeugenberichten und über das Internet erfahren.

So erfahren sie unter anderem von der zunehmenden Polizeigewalt. Vor Kurzem wurde zum Beispiel bekannt, dass mehrere Polizisten einen katalanischen Familienvater verprügelten und beschimpften, der zwei Eier auf das Parteigebäude der PP geworfen hatte. Danach zerrten die Beamten ihn in ihren Einsatzwagen und brachten ihn auf eine Wache, wo sie ihn über Nacht festhielten, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, seine Familie zu informieren. Häufig kleben spanische Polizisten während solcher Einsätze ihre Identifikationsnummern ab, damit sie später nicht zur Verantwortung gezogen werden können. 

Auch die Polizisten sind von den Sparprogrammen der spanischen Regierung betroffen. Trotzdem gehen die meisten von ihnen weiterhin gegen Demonstranten vor, statt sich auf deren Seite zu stellen. Vor einigen Tagen haben sich aber Teile der spanischen Polizei den Indignados angeschlossen. Viele Einsatzkräfte der Feuerwehr sind bereits zu Anhängern der Empörten geworden. Und auch das Militär hat zugesagt, Bürgerinitiativen bei der Verteidigung wichtiger bürgerlicher Rechte zu unterstützen.  

Auch in anderen Bereichen der spanischen Gesellschaft wächst der Unmut über die Politiker. Als vor Kurzem Minenarbeiter nach Madrid marschierten, erhielten sie viel Zustimmung aus der Bevölkerung. Sie wurden von Tausenden begeisterten Menschen in der Hauptstadt empfangen. "Endlich kämpft jemand gegen diese Ungerechtigkeit", schienen viele Spanier zu denken.

Einer der beliebtesten Schlachtrufe bei Demonstrationen ist: "No nos representan" – Uns repräsentiert ihr nicht! Fast niemand glaubt, dass Politik und Bürger in naher Zukunft wieder zusammenfinden.