US-WahlkampfAnn Romney und Michelle Obama trennen Welten

Die Ehefrauen der Präsidentschaftskandidaten spielen eine große Rolle im US-Wahlkampf. Sie sind beliebter als ihre Männer und sollen die weiblichen Wähler umgarnen.

Ann Romney und Michelle Obama auf der Women's Conference 2007 in Long Beach, Kalifornien

Ann Romney und Michelle Obama auf der Women's Conference 2007 in Long Beach, Kalifornien

Dieser Abend soll ihr großer Moment werden. Und sie will ihn nutzen, "alle Reißverschlüsse zu öffnen und den wahren Mitt Romney herauszulassen". Niemand kennt diesen Mitt Romney, den Mann, der zuerst die Republikaner von sich überzeugt hat und den nun die ganze Nation zum Präsidenten wählen soll, so gut wie Ann Romney. Noch immer fragen sich viele Amerikaner, warum sie den oft hölzern und unnahbar wirkenden Kandidaten wählen sollen. Seine Frau weiß es.

Die Präsidentenwahl im November wird von Frauen entschieden. Seit langem war Ann Romney als Hauptrednerin am Eröffnungstag der Republican Convention in Tampa, Florida, eingeplant. In dem Moment, da das Land auf den Krönungsparteitag der Republikaner blicken würde, wollte sie allen zeigen, was ihr Mitt für ein Kerl ist. Wer könnte eine bessere Kronzeugin sein als die Frau, die seit 42 Jahren mit ihm verheiratet ist? Ann würde einmal mehr erzählen, warum der öffentliche Eindruck täuscht. Dass Mitt in Wahrheit ein wilder, spontaner und humorvoller Mensch ist. Und dennoch ein verlässlicher Partner und Familienvater. Einer, so will sie vor allem den Frauen vermitteln, dem man auch ein Land anvertrauen könne.

Anzeige

Doch wie schon so oft im Leben der 63-Jährigen haben sich ungeahnte und von ihr unverschuldete Hindernisse vor ihr aufgebaut. Seit Tagen zieht Tropensturm Isaac an der Küste von Florida entlang, lädt sich über den warmen Wassern des Golfs von Mexiko mit Energie auf, droht zu einem Hurrikan anzuwachsen und wirft jetzt schon den Verlauf des Nominierungsparteitags über den Haufen. Der erste Tag wurde gestrichen – und Anns Auftritt auf den heutigen Dienstag verlegt.

Rückgrat aus Stahl

Im Kampf um das Weiße Haus sind die Ehefrauen diesmal ein strategischer Faktor. Zwischen Ann Romney und Michelle Obama liegen Welten. Obwohl beide aus der alten Industrieregion um die Großen Seen stammen, verkörpern sie zwei verschiedene Generationen, zwei fast gegensätzliche Rollenbilder, zwei unterschiedliche Modestile. Beide kämpfen sie um die größte Wählergruppe, die Frauen. Die wählen überwiegend die Demokraten, während Männer eher den Republikanern näherstehen. Romney muss wenigstens einen Teil der weiblichen Wähler für sich gewinnen, damit Obamas Vorsprung unter ihnen nicht zu groß wird. Das ist Anns Aufgabe.

Auf den ersten Blick wirkt Ann Romney weich, warm und fast ein bisschen zerbrechlich. Freunde der Familie sagen jedoch, sie habe ihren eigenen Kopf, wisse genau, was sie wolle, und verfüge über ein Rückgrat aus Stahl. Eine Fehlgeburt im siebten Monat musste sie verkraften, sie litt unter Brustkrebs und Multipler Sklerose.

Äußerlich entspricht sie dem klassischen Bild der Politikergattin, der Frau an seiner Seite, die als Zeugin von Charakter ein paar nette Worte über den Charakter ihres Mannes verliert, ihn anhimmelt und sich aus der Sachpolitik heraushält.

Leserkommentare
    • kael
    • 28.08.2012 um 13:01 Uhr

    Mit Dollar-Millionen der Reichen, mit religiöser und familiärer Heuchelei, mit der Farbe der Krawatte und mit ihren braven Frauen werden in den USA Präsidentschafts-Wahlen gewonnen.
    Trotz mancher Mängel ist es doch wohltuend, dass wir in Deutschland ganz so weit noch nicht sind.

    21 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    hier hat man sich von jedweden farbigen Krawatten verabschiedet. und gibt Parolen raus , wie doof doch Griechenland sei.

    in diese Richtung. Immer mehr zählt nicht was ein Politiker tut, sondern welche PR er macht, was Merkel sehr gut zeigt. Auch die Liebe zu Leuten wie Guttenberg zeigt, dass Äußerlichkeiten und Adel ein Wahlargument sein können. Manche aus der Union,. zb der Hardliner Friedrich, der gut zu den Republikanern passen würde, tragen auch seit einiger Zeit Deutschland-Fahnen am Rever. Als wüssten wir nicht, zu welchem Land sie gehören.

    In Deutschland ist es lange nicht so schlimm wie in den USA, aber das letzte Jahrzehnt hat gezeigt, dass wir immer mehr dahin gehen. SO wie wir den Neoliberalsimsu aus Amerika aufgesogen haben, wird unsere politische Kultur auch immer mehr amerikanisiert.

    • ludna
    • 28.08.2012 um 15:50 Uhr

    hier ist es egal, wer Bundeskanzler oder Bundespräsident ist.
    Die wichtigen Posten, werden mit den Adel besetzt:
    einige Ministerposten,
    Kirchen
    Bundesverfassungsgericht, Bundesgerichthof
    Militär
    Unternehmensvorstände

    Vielleicht greift der Adel auch bald nach der absoluten politischen Macht (Guttenberg), aber um seine Interessen durchszusetzten braucht er das nicht.

    hier hat man sich von jedweden farbigen Krawatten verabschiedet. und gibt Parolen raus , wie doof doch Griechenland sei.

    in diese Richtung. Immer mehr zählt nicht was ein Politiker tut, sondern welche PR er macht, was Merkel sehr gut zeigt. Auch die Liebe zu Leuten wie Guttenberg zeigt, dass Äußerlichkeiten und Adel ein Wahlargument sein können. Manche aus der Union,. zb der Hardliner Friedrich, der gut zu den Republikanern passen würde, tragen auch seit einiger Zeit Deutschland-Fahnen am Rever. Als wüssten wir nicht, zu welchem Land sie gehören.

    In Deutschland ist es lange nicht so schlimm wie in den USA, aber das letzte Jahrzehnt hat gezeigt, dass wir immer mehr dahin gehen. SO wie wir den Neoliberalsimsu aus Amerika aufgesogen haben, wird unsere politische Kultur auch immer mehr amerikanisiert.

    • ludna
    • 28.08.2012 um 15:50 Uhr

    hier ist es egal, wer Bundeskanzler oder Bundespräsident ist.
    Die wichtigen Posten, werden mit den Adel besetzt:
    einige Ministerposten,
    Kirchen
    Bundesverfassungsgericht, Bundesgerichthof
    Militär
    Unternehmensvorstände

    Vielleicht greift der Adel auch bald nach der absoluten politischen Macht (Guttenberg), aber um seine Interessen durchszusetzten braucht er das nicht.

    • ThorHa
    • 28.08.2012 um 13:01 Uhr

    In denen das Privatleben, die Ehefrauen (oder -männer) und die Sympathiewerte von Kandidaten darüber entscheiden, ob wir ihnen das höchste Regierungsamt zutrauen? In denen grossartige Politiker der Vergangenheit nicht einmal mehr als Kreitagskandidaten aufgestellt werden könnten, weil einer der oben aufgeführten Faktoren nicht passt? Und in denen Menschen einen wichtigen Einfluss auf die Wählbarkeit haben, denen wir in unserer Nachbarschaft nicht einmal "Guten Tag" wünschen würden - professionelle Rufvernichter, Imageverbieger und Kandidatenmodellierer?
    Ist das die Zukunft des freien Westens? In der das Glück eines Kandidaten, einen öffentlich präsentablen Partner zu haben, für die Wahlentscheidung ebenso wichtig oder wichtiger ist, als ihre Politik, ihre professionelle Bilanz, ihre Fähigkeiten? Dann hat er wohl nicht viel Zukunft, der freie Westen.

    9 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    In den USA ticken die Leute grundlegend anders, als in Europa: in den USA ist man sehr viel emotionaler und sentimentaler, als hierzulande. Im Grunde ist in den USA alles stets ein bisschen Disneyland: alles stets komplett auf Familien - und natürlich auf die Evangelikalen und andere sehr fromme Gruppierugen zugeschnitten. Das Beste, was einem Kandidaten in den USA passieren kann, wäre ein "Nippelgate" des politischen Gegners. In Europa wäre das eine Lappalie - in den USA ist es eine Katastrophe.

    In den USA ticken die Leute grundlegend anders, als in Europa: in den USA ist man sehr viel emotionaler und sentimentaler, als hierzulande. Im Grunde ist in den USA alles stets ein bisschen Disneyland: alles stets komplett auf Familien - und natürlich auf die Evangelikalen und andere sehr fromme Gruppierugen zugeschnitten. Das Beste, was einem Kandidaten in den USA passieren kann, wäre ein "Nippelgate" des politischen Gegners. In Europa wäre das eine Lappalie - in den USA ist es eine Katastrophe.

  1. Man sieht's mal wieder: Ohne die Muttis an ihrer Seite sind die Kerle einfach nicht gut genug für den Job. Das war schon bei John F. Kennedy so, dem seine Jackie erst den Glamour beibrachte. Gruselig zu denken, dass möglicherweise - außer den Dollarmillionen in den Wahlkampfkassen - der Preis einer Bluse oder der Tages-Charme einer amtierenden First Lady darüber entscheiden könnte, welcher Kandidat gewinnt. Aber so ist das in Amerika, wo sowieso nur noch jeder zweite zur Wahl geht. Für 2013 würde ich mir mal wünschen, dass Merkels stille Reserve, Professor Sauer in der ARD oder RTL2 gegen Frau Gabriel/Steinbrück/Steinheuer antreten muss. Und eine gnadenlose Jury testet, mit welchen Talenten er die Kompetenz und die Strahlkraft seiner mächtigen Ehefrau stabilisert. Das schafft ein Jauch nicht, da müsste Gottschalk noch mal alles geben. Aber die Einschaltquote wäre sicher geil!

    8 Leserempfehlungen
  2. Es ist inhaltlich für den Artikel nicht entscheidend, aber egal mit wieviel Geld und mit welcher Therapie, Multiple Sklerose ist bisher nicht heilbar - auch wenn in dem Artikel der Eindruck erweckt wird, dass Frau Romney geheilt ist.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der folgende Artikel befasst sich auch mit Ann Romney, bietet aber auch ganz gute Informationen über Multiple Sklerose.

    http://www.welt.de/gesund...

    @Redaktion:

    Nur damit keine Verwirrung entsteht und keine Gerüchte in die Welt gesetzt werden: vielleicht könnte der Text von Herrn von Marschall dahingehend korrigiert werden. Dort heisst es, Ms. Romney "litt" an MS und "überwand" die Krankheit.

    Der folgende Artikel befasst sich auch mit Ann Romney, bietet aber auch ganz gute Informationen über Multiple Sklerose.

    http://www.welt.de/gesund...

    @Redaktion:

    Nur damit keine Verwirrung entsteht und keine Gerüchte in die Welt gesetzt werden: vielleicht könnte der Text von Herrn von Marschall dahingehend korrigiert werden. Dort heisst es, Ms. Romney "litt" an MS und "überwand" die Krankheit.

  3. 5. Gemach

    Ich bin zwar auch dagegen, dass das Privat- und Familienleben darüber entscheiden soll, wen man zum Präsidenten wählt. Trotzdem darf man nicht vergessen, dass Präsidenten auch Privatmenschen sind und ihre privaten Lebensweisen und Überzeugungen und Lebensweisen Einfluss haben darauf, wie sie als Staatenlenker wirken. Man darf nicht vergessen, dass z.B. Margot Honecker wesentlich Einfluss genommen hat auf die Politik ihres Gatten.

    Es verrät auch viel über die gesellschaftlichen und moralischen Einstellungen, wenn die Wannabe-First Lady mit fünf Söhnen und achtzehn Enkelkindern prahlt, und sich das Ehepaar des Luxus rühmt, in dem sie leben. Ich persönlich würde niemanden wählen, der sein ganzes Leben im Wohlstand verbracht hat und gar keine Ahnung hat, was Armut und Benachteiligung heißt, ganz besonders in diesen Zeiten, und ganz besonders in den USA.

    Gleichzeitig würde ich mir aber nicht allzuviele Sorgen machen darüber, dass die Familiarisierung und "Trivialisierung" der Politik auch unsere Zukunft wäre. Wie viel wissen wir denn über die LebensgefährtInnen von Merkel und ihren potentiellen Herausforderern Steinmeier, Steinbrück und Gabriel? Also ich kenne nicht mal ihre Namen.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Dass wir nichts über die Lebenspartner unserer Regierenden bzw. Parteivorsitzenden wissen, ist auch gut so! Ich bin ein Gegner der Boulevardisierung und Disneyworldisierung der Politik. Dazu ist dieses Geschäft verdammt noch mal zu ernst. Herr Prof. Sauer muss also nicht zeigen, wie schnell er ein Hemd bügeln kann. Ich habe Respekt vor jemand, der bei all dem Trubel seine Contenance behält - und das über Jahre. Es kann sogar jemand ein guter Politiker sein und trotzdem ein schlechter Mensch. Das Gegenteil kommt häufiger vor.

    Dass wir nichts über die Lebenspartner unserer Regierenden bzw. Parteivorsitzenden wissen, ist auch gut so! Ich bin ein Gegner der Boulevardisierung und Disneyworldisierung der Politik. Dazu ist dieses Geschäft verdammt noch mal zu ernst. Herr Prof. Sauer muss also nicht zeigen, wie schnell er ein Hemd bügeln kann. Ich habe Respekt vor jemand, der bei all dem Trubel seine Contenance behält - und das über Jahre. Es kann sogar jemand ein guter Politiker sein und trotzdem ein schlechter Mensch. Das Gegenteil kommt häufiger vor.

    • TDU
    • 28.08.2012 um 13:25 Uhr

    Sie hat Arnmut nicht gekannt. Welcher aktuelle Politiker in Deutschland hat das? Man muss nicht arm gewesen sein. Aber man muss ein Gespür dafür haben, ws Armut bedeutet. Und dass hatten die Politiker bis Mitte der 1990iger Jahre und haben entsprechend gehandelt.

    Die Präsidentengattinnen verkörpern die weibliche Seite des Kandiaten, die zu zeigen, er sich selbst nicht leisten könnte.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Armut ist relative. Was wir hier als Armut betrachten würden andere Länder der Welt als Reichtum sehen. Wirkliche Armut ist wenn das Tageseinkommen unter 1,25$ liegt.

    http://seppg.blogspot.de/

    Armut ist relative. Was wir hier als Armut betrachten würden andere Länder der Welt als Reichtum sehen. Wirkliche Armut ist wenn das Tageseinkommen unter 1,25$ liegt.

    http://seppg.blogspot.de/

  4. Der folgende Artikel befasst sich auch mit Ann Romney, bietet aber auch ganz gute Informationen über Multiple Sklerose.

    http://www.welt.de/gesund...

    @Redaktion:

    Nur damit keine Verwirrung entsteht und keine Gerüchte in die Welt gesetzt werden: vielleicht könnte der Text von Herrn von Marschall dahingehend korrigiert werden. Dort heisst es, Ms. Romney "litt" an MS und "überwand" die Krankheit.

    Eine Leserempfehlung
  5. brauchen wir solche artikel wirklich?

    wir bereiten einen aggressions - krieg in syrien vor und beschäftigen und mit diesen damen.
    sollten diese damen ihren gatten nicht lieber sagen:
    los wir schaffen frieden und das ohne krieg und vernichtung auf der welt!

    2 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service