Merkel und MontiWarme Worte, angeknackstes Verhältnis

Beim Staatsbesuch in Berlin fand Italiens Premier Monti warme Worte für die wirtschaftliche Disziplin der Deutschen. Doch Merkel vertraut ihm nicht mehr.

Kanzlerin Angela Merkel und Italiens Regierungschef Mario Monti im Kanzleramt

Kanzlerin Angela Merkel und Italiens Regierungschef Mario Monti im Kanzleramt

Es ist nicht mal neun Monate her, dass Mario Monti zum ersten Mal gemeinsam mit Angela Merkel an einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt teilnahm. Damals war Monti erst seit zwei Monaten im Amt und hatte bereits einen ehrgeizigen Reformplan gestartet. Die beiden Regierungschefs traten lächelnd vor die Journalisten und entschuldigten sich, dass sie sich wegen eines Gesprächs unter vier Augen leicht verspätet hatten.

Als Monti und Merkel am Mittwochnachmittag erneut zur gemeinsamen Pressekonferenz im Bundeskanzleramt erschienen, merkte man den beiden an, dass sie unter starkem Zeitdruck stehen. Angela Merkel fing gleich an zu sprechen, während ein verdutzter Monti noch mit den Kopfhörern fummelte.

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Unterschiedliche Ansichten

Die Bundeskanzlerin wies mehrmals auf die "engen Kontakte" zwischen der deutschen und der italienischen Regierung hin. Die Kooperationsfähigkeiten in der Euro-Zone – sagt Merkel – sollen allerdings verbessert werden.

Monti bezog sich auf die erste gemeinsame Pressekonferenz mit der Kanzlerin und beteuerte, dass seitdem in vielen europäischen Ländern in kurzer Zeit große Erfolge erzielt wurden. Außerdem verwies er darauf, dass die wirtschaftspolitische Disziplin der Deutschen Vorbild für Europa und auch eine stärkere europäische Union sei.

Trotz des freundlichen Umgangstons spürte man aber eine gewisse Distanz zwischen den beiden. Anders als bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt, schauten sich die zwei Regierungschefs selten an. Schließlich waren sie in den vergangenen acht Monaten sehr oft unterschiedlicher Meinung. Auch am Mittwoch widersprachen sich die Kanzlerin und der italienische Premier bezüglich der Wünschbarkeit einer Banklizenz für den permanenten Euro-Rettungsschirm ESM.

Monti steht unter innenpolitischem Druck

Es ist außerdem erst zwei Monate her, dass der italienische Premierminister bei einem Euro-Gipfel in Brüssel mit einem Veto gegen den Wachstumspakt drohte, um die Bundeskanzlerin dazu zu zwingen, eine Intervention des europäischen Rettungsfonds auf den Anleihemärkten anzunehmen. Als die Bundeskanzlerin darauf hinwies, dass es Länder wie die Niederlande und Finnland gibt, die dieser Entscheidung nicht zustimmen würden, reagierte Monti offensichtlich enttäuscht.

Dann kam das umstrittene Interview mit dem Spiegel, in dem Monti den zu starken Einfluss der Parlamente auf die Europapolitik beklagte. Die deutschen Politiker reagierten empört und Monti musste sich entschuldigen.

Die größten Schwierigkeiten hat aber der italienische Premierminister mit dem eigenen Parlament. Er steht unter starkem Zeitdruck, da in den kommenden Monaten die Wahlkampagne für die Parlamentswahl 2013 beginnen wird. Bis zu dem Zeitpunkt sollen die wichtigsten Punkte seines in der Bevölkerung unbeliebten Reformprogramms bereits umgesetzt werden.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

    Eine Leserempfehlung
    • sudek
    • 29.08.2012 um 21:32 Uhr

    kann man Merkel überhaupt vertrauen? Was bedeutet, wenn Merkel jemandem vertraut bzw vertrauen kann?

    5 Leserempfehlungen
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    für Sie? Für wen oder zu welchem Nutzen ist
    "Die Patin" geschrieben worden?
    Doch sicher nicht zu Erkenntnisgewinnung! Oder?
    Cui bono!(s.z.B. Energiewirtschaftskreise!)

    für Sie? Für wen oder zu welchem Nutzen ist
    "Die Patin" geschrieben worden?
    Doch sicher nicht zu Erkenntnisgewinnung! Oder?
    Cui bono!(s.z.B. Energiewirtschaftskreise!)

  2. für Sie? Für wen oder zu welchem Nutzen ist
    "Die Patin" geschrieben worden?
    Doch sicher nicht zu Erkenntnisgewinnung! Oder?
    Cui bono!(s.z.B. Energiewirtschaftskreise!)

    3 Leserempfehlungen
  3. jedoch bleibt es dabei, der Euro-Raum ist nach meiner Überzeugung nicht überlebensfähig.

    Wie denn auch, wenn die einen das Geld verpulvern, das die anderen erwirtschaften sollen?

    So eine "Union" war in der Geschichte nie erfolgreich!
    EU Zusammenarbeit - sehr gerne!
    Gemeinsame EU Wirtschafts-, Finanz- und Steuerpolitik wäre kontraproduktiv! Es geht jedoch auch ohne zerstörerische "Wettbewerbspolitik".

    Dazu gehört allerdings weit mehr als eine gemeinsame Währung und ein zahnloses EU-Parlament/EU-Regierung.

    ...

    2 Leserempfehlungen
  4. Wieso sollte das irgendjemand in Europa interessieren, was diese ehemalige FDJ-Sekretärin angeblich glaubt oder denkt?!

    3 Leserempfehlungen
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    mehr Grips zwischen den Ohren hat als die anderen Regierungschefs alle zusammen.

    Was glauben Sie denn, warumm es noch keine Eurobonds gibt?
    Weil Estland und Finnland die nicht wollen?

    Oder hätten Sie lieber einen Cameron oder Berlusconi an der Stelle?

    k, jetzt echt wütend über so viel misogynes Kanzlerin-bashing

    • H.v.T.
    • 30.08.2012 um 5:57 Uhr

    " Ich gestehe, ich versteh's einfach nicht!

    Wieso sollte das irgendjemand in Europa interessieren, was diese ehemalige FDJ-Sekretärin angeblich glaubt oder denkt?!"
    -----

    Da es nicht nur in ganz Europa, sondern auch in den entscheidenden Ecken dieser Welt, vollkommen unabhängig der politischen Ausrichtung, jeden halbwegs Wichtigen interessiert, was die Bundeskanzlerin glaubt und denkt, und sie ganz sicher auch mehr als ernst genommen wird, dürften Sie recht allein sein mit Ihrem Unverständnis.

    mehr Grips zwischen den Ohren hat als die anderen Regierungschefs alle zusammen.

    Was glauben Sie denn, warumm es noch keine Eurobonds gibt?
    Weil Estland und Finnland die nicht wollen?

    Oder hätten Sie lieber einen Cameron oder Berlusconi an der Stelle?

    k, jetzt echt wütend über so viel misogynes Kanzlerin-bashing

    • H.v.T.
    • 30.08.2012 um 5:57 Uhr

    " Ich gestehe, ich versteh's einfach nicht!

    Wieso sollte das irgendjemand in Europa interessieren, was diese ehemalige FDJ-Sekretärin angeblich glaubt oder denkt?!"
    -----

    Da es nicht nur in ganz Europa, sondern auch in den entscheidenden Ecken dieser Welt, vollkommen unabhängig der politischen Ausrichtung, jeden halbwegs Wichtigen interessiert, was die Bundeskanzlerin glaubt und denkt, und sie ganz sicher auch mehr als ernst genommen wird, dürften Sie recht allein sein mit Ihrem Unverständnis.

  5. Welche deutsche Haushaltsdisziplin? Die fast 19 Milliarden Neuverschuldung, die Schüble jetzt schon vorschlägt?
    DIe vollkommen unsinnige Kürzung der Rentenbeiträge, die schon nächstes oder übernächstes Jahr doppelt bezahlt werden muss?
    Die zig Milliarden, die der Rettung der Vermögen der sehr Reichen und der Stabilität der "systemrelevanten" Investmentbanken gedient hat?
    Die nach wie vor pupsigen Investitionen in den Bildungsetat, die sich grundsätzlich nicht positiv auszahlen können?
    Die Herdprämie? BER?

    HaushaltsdisziplinVERSUCHE waren das, und die meisten sind gescheitert. Wer da wem vertraut, ist doch vollkommen nebensächlich, ihr Land ruinieren beide.

    2 Leserempfehlungen
  6. mehr Grips zwischen den Ohren hat als die anderen Regierungschefs alle zusammen.

    Was glauben Sie denn, warumm es noch keine Eurobonds gibt?
    Weil Estland und Finnland die nicht wollen?

    Oder hätten Sie lieber einen Cameron oder Berlusconi an der Stelle?

    k, jetzt echt wütend über so viel misogynes Kanzlerin-bashing

    3 Leserempfehlungen
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    ... nachdenken wäre halt besser. Ich gehe mal bis zum Beweis des Gegenteils davon aus, das Frau Merkel ihre Promotion nur unter Verwendung der dort angegebenen Hilfsmittel und Quellen erstellt hat, das ist eben bloß reichlich irrelevant, solange sie in der Politik nur das einsetzt, was sie von Kohl gelernt hat: wegbeißen und aussitzen. Daß ihr berüchtigter Sparkurs (den sie in Wirklichkeit selber nicht verfolgt, hierzulande will man bekanntlich lieber die Gunst der Stunde ausnutzen, Rentenbeiträge zu kürzen, als die Staatsverschuldung zurückzufahren) Länder wie Griechenland nur noch beschleunigter in den Orkus schickt, ist ja wohl offensichtlich. Wenn man denn sehen will. Diesen Willen vermisse ich bei Ihnen schmerzlich.

    ... nachdenken wäre halt besser. Ich gehe mal bis zum Beweis des Gegenteils davon aus, das Frau Merkel ihre Promotion nur unter Verwendung der dort angegebenen Hilfsmittel und Quellen erstellt hat, das ist eben bloß reichlich irrelevant, solange sie in der Politik nur das einsetzt, was sie von Kohl gelernt hat: wegbeißen und aussitzen. Daß ihr berüchtigter Sparkurs (den sie in Wirklichkeit selber nicht verfolgt, hierzulande will man bekanntlich lieber die Gunst der Stunde ausnutzen, Rentenbeiträge zu kürzen, als die Staatsverschuldung zurückzufahren) Länder wie Griechenland nur noch beschleunigter in den Orkus schickt, ist ja wohl offensichtlich. Wenn man denn sehen will. Diesen Willen vermisse ich bei Ihnen schmerzlich.

  7. Habe nicht den Eindruck, dass auf europäischer Ebene irgendjemand irgendwem vertraut.

    Die Geschichte des Euro ist eine des fortgesetzten Lugs und Betrugs, die sich mit Eintritt der latenten Zahlungsunfähigkeit der Euro-Hasardeure und dem dann folgenden Geschehen auf unglaubliche Weise weiter zugespitzt haben.

    Das Vertrauen ist auf sämtlichen Ebenen, institutionell und personell, gründlich zerstört und im Rahmen der EWU auch nicht wieder herzustellen.

    Eine Leserempfehlung

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