Ägyptischer PräsidentMursi brüskiert Iran und Syrien

Erstmals seit Jahrzehnten reist ein ägyptischer Präsident nach Teheran. Auf der Tagung der blockfreien Staaten kam es dann zum Eklat. von afp und dpa

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi  |  © Reuters

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi hat öffentlich gesagt, was er von der iranischen Führung hält und sie damit öffentlich brüskiert. In einer Rede zur Eröffnung des Gipfels der Blockfreien Staaten (NAM) in Teheran konstatierte er, die Unterstützung der Revolution in Syrien sei "eine moralische Pflicht sowie eine politische und strategische Notwendigkeit". Die syrische Führung , deren engster Verbündeter der Iran ist, bezeichnete er als "Unterdrückerregime", das jede Legitimität verloren habe.

Die Rede übertrugen arabische TV-Sender. Die iranische und die syrische Delegation unter Außenminister Walid al-Muallim hörten Mursi mit versteinerten Gesichern zu. AFP meldete, die syrische Delegation habe das Gipfeltreffen verlassen. Lediglich aus den Reihen der tunesischen Delegation kam zustimmendes Nicken.

Anzeige

Mursi verglich den Aufstand der syrischen Regimegegner gegen Präsident Baschar al-Assad mit der Intifada der Palästinenser. "Das Blutvergießen in Syrien ist eine Last und eine Verantwortung, die wir auf unseren Schultern tragen und wir müssen erkennen, dass es nicht enden wird, wenn wir nicht alle gemeinsam etwas dagegen unternehmen", sagte er.

Chamenei bezeichnet UN als "Diktatur"

Mit Mursi besucht erstmals seit der islamischen Revolution von 1979 wieder ein ägyptischer Präsident den Iran . Die beiden Staaten unterhalten keine diplomatischen Beziehungen. Die Regierung in Teheran hatte sie wegen des ägyptischen Friedensvertrags mit Israel abgebrochen.

Bei dem zweitägigen Gipfeltreffen in Teheran soll Mursi die rotierende Präsidentschaft der Blockfreien Staaten an den Iran übergeben. Den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad bezeichnete Mursi als "meinen lieben Bruder", als er den NAM-Vorsitz an ihn übergab.

An dem zweitägigen Treffen nehmen etwa 30 Staats- und Regierungschefs teil. Iran erhofft sich Unterstützung gegen die vom Westen verhängten Strafmaßnahmen wegen seines Atomprogramms. Der Iran wird verdächtigt, heimlich Atombomben zu bauen , was die Führung in Teheran bestreitet.

Zur Eröffnung des Gipfeltreffens hatte der oberste Geistliche des Irans, Ayatollah Ali Chamenei, in Anwesenheit von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon den UN-Sicherheitsrat scharf kritisiert. Dieser übe eine "offensichtliche Diktatur" aus. Das Gremium habe eine "irrationale, ungerechte und vollkommen antidemokratische Struktur". Zugleich versicherte Chamenei, der Iran werde "niemals nach einer Atomwaffe streben".

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. die länder im nahen osten müssen ihre konflikte in erster linie selber lösen und könnte es auch schaffen. aber es gibt halt sehr viel öl in dieser gegend.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • DIELOGE
    • 30. August 2012 14:44 Uhr

    es gibt weder in syrien, noch in ägypten, und schon gar nicht in israel/palästina sehr viel öl. es geht um etwas ganz anderes. aber interventionen lohnen sich nur, wenn die versorgung mit öl gewährleistet ist.

  2. Schließlich ist er selbst durch einen Aufstand an die Macht gekommen. Ist die iranische führung ja schließlich auch - eben nur vor 33 Jahren.

    Es wäre tatsächlich schön, wenn eine Lösung ohne die "Hilfe" des Westens gefunden werden würde, die das weitere Blutvergissen beendet.

  3. ...Entweder ist Mursi ein diplomatischer Esel oder sehr tollkühn. Beides gehört schon irgendwie zusammen, wenn man sich aus dem Fenster lehnt

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • TDU
    • 30. August 2012 13:19 Uhr

    Endlich am ein Kommentar, der Verständnis hat mit den beiden letzten Bundeskanzlern im Umgang mit China und Russland bezüglich Demokratie und Menschenrechten. Es droht zwar kein Krieg aber gestörte Handelsbeziehugen würden die Deutschen auch hart treffen.

    Aber vielleicht weiss der Ägypter um die Solidarität einiger Länder, während man sich in Europa gar nicht sicher sein kann, wenn man sich aus dem Fenster hängt.

  4. 4. Nun...

    was die Struktur des Sicherheitsrates angeht, hat der Herr Chamenei sicher nicht völlig unrecht.

    Aber bei solchen Bemerkungen ist es wie mit allen Äußerungen von Politikern (den Ayatollah ordne ich in diese Kategorie ein, da Iran ja offiziell ein Gottesstaat ist): Erstmal an die eigene Nase fassen. Wenn bspw. Frau Merkel demnächst mal wieder in Richtung Russland moniert, dass dort die demokratische Opposition nicht frei arbeiten kann, dann sollte sie sich fragen, ob eine Beobachtung der Spitzenpolitiker der Linken durch den VerfSchutz nicht in die gleiche Kerbe schlägt.
    Ähnliche Beispiele von Dissonanz zwischen Sagen nach Außen und Handeln nach Innen, lassen sich zu Hauf finden.

    Und Herr Mursi wird sich auch daran messen lassen müssen, wie er mit der Opposition in Ägypten umgeht und ob es ihm gelingt, die Macht des Militärs einzuschränken. In dieser Beziehung sind sich nämlich Ägypten und der Iran recht ähnlich: In beiden Ländern gibt es neben der offiziellen Regierung Parallestrukturen (im Iran die Revolutionsgarde), die aufgrund ihrer wirtschaftlichen Macht der Politik enge Fesseln anlegen können.

    Um es zusammenzufassen: Bevor man sich als Politiker dazu aufschwingt, Mahnung in Richtung anderer Länder zu äußern, sollte man sich erst mal an die eigene Nase fassen.

  5. Die meisten Leute in Europa und Israel glauben, dass alle vom Islam geprägten Staaten Verbündete sind.

    Ich hoffe dass die Leute anfangen zu verstehen dass es in der islamischen Welt neben Israel noch drei weitere Blöcke gibt.

    - Saudi Arabien (die religiösen Sunniten)
    - Iran (die Religiösen schiiten)
    - Panarabisten (alle Staten die unter der Führung Ägyptens für die Trennung von Staat und Religion sind)

    Das einzige was diese Feine miteinander verbinder ist der Konflikt mit Israel.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ..., dass die Israelis nicht wissen, was die Unterschiede zwischen Schiiten und Sunniten sind?

    "Die meisten Leute in Europa und Israel glauben, dass alle vom Islam geprägten Staaten Verbündete sind."

    • Mike M.
    • 30. August 2012 13:59 Uhr

    ...sich radikal-religiöse Schiiten (Iran, Hisbollah im Libanon) eher mit sakülaren Schiiten (Assad in Syrien, Taliban-Gegner in Afghanistan) als mit radikalen Sunniten (Taliban, Al-Kaida). Das religiös-sunnitische Saudi-Arabien stützt im Libanon auch eher die säkularen Sunniten, in Ägypten aber die sunnitischen Muslimbrüder. Und die arabischen Christen stehen zwischen allen Fronten und können nur hoffen, dass es sie bald noch gibt.

    "- Panarabisten (alle Staten die unter der Führung Ägyptens für die Trennung von Staat und Religion sind)"

    Vielen Dank für die Erklärungen, aber Ihnen ist ein Fehler unterlaufen. Es ist keineswegs mehr so, wie Sie sagen, denn der arabische Frühling hat die Karten neu gemischt. Heute gehört Ägypten zu den Staaten auf der Suche nach Gott im saudischen Sinn, ebenso wie Libyen und Tunesien. Der Militärrat ist in Ägypten das letzte Überbleibsel des Panarabismus und international politisch unbedeutend. Syrien ist der letzte Staat, welcher weiterhin am gottlosen Panarabismus festhält.
    Der Konflikt zwischen Mursi und der iranischen Regierung läuft also zwischen Sunnis und Schiiten.

    • zappp
    • 30. August 2012 16:35 Uhr

    Die grössten Empfänger von USAID sind Irak, Afghanistan, Pakistan, Jordanien und Ägypten. Fürs faktische Stillhalten werden sie gut bezahlt. Für autokratisch-islamische Diktatoren ist Israel vor allem dankbarer Anlass, von der eigenen Innen- und Wirtschaftspolitik abzulenken.

    Das Wohlstandsgefälle zwischen Ölscheichs und übervölkerten Habenichtsen ist zu gross für einen gemeinsamen Standpunkt. Und die vermeintlich gemeinsame Religion scheint eher zu trennen als zu einen.

  6. Khamenei:

    “The UN Security Council has an illogical, unjust and completely undemocratic structure and mechanism. This is a flagrant form of dictatorship, which is antiquated and obsolete and whose expiry date has passed.”

    “The Islamic Republic of Iran considers the use of nuclear, chemical and similar weapons as a great and unforgivable sin. I stress that the Islamic Republic has never been after nuclear weapons and that it will never give up the right of its people to use nuclear energy for peaceful purposes. Our motto is: "Nuclear energy for all and nuclear weapons for none."

    “The US and its Western allies have armed the usurper Zionist regime with nuclear weapons and created a major threat for this sensitive region. Yet the same deceitful group does not tolerate the peaceful use of nuclear energy by independent countries, and even opposes, with all its strength, the production of nuclear fuel for radio-pharmaceuticals and other peaceful and humane purposes.”

    https://english.al-akhbar...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Khamenei:

    Er kritisierte die Struktur des Weltsicherheitsrates als unlogisch, ungerecht und ganz undemokratisch. Durch diesen falschen Mechanismus können die USA und ihre Verbündeten der Welt ihre Gewalt und Druck ausübende Politik mit wohlklingenden und großzügigen Begriffen aufzwingen. Sie sprechen von Menschenrechten, wobei sie die westlichen Interessen meinen. Sie sagen „Demokratie“, und an deren Stelle intervenieren sie militärisch in andere Länder. Sie behaupten den Terrorismus bekämpfen zu wollen, wobei sie jedoch die wehrlosen Zivilisten in den Dörfern und Städten mit Bomben angreifen.

    Die IR Iran bezeichnet die Nutzung von atomaren, chemischen und ähnlichen Waffen als eine große und unverzeihliche Sünde. "Wir haben das Motto eines atomwaffenfreien Nahen und Mittleren Ostens zur Sprache gebracht und fühlen uns dem verpflichtet", so das geehrte Revolutionsoberhaupt.

    Dies bedeutet aber nicht den Verzicht auf die friedliche Nutzung der Atomenergie und die Herstellung von atomaren Brennstoffen. Die Nutzung friedlicher Atomenergie auf der Grundlage internationaler Gesetze, ist das Recht aller Länder. Alle Länder und Völker müssen diese saubere Energie in verschiedenen lebenswichtigen Bereichen nutzen können und dürfen bei der Geltendmachung dieses Rechtes nicht von anderen abhängig sein.

    http://german.irib.ir/nac...

    dank für den beitrag!

    würde auch gern mal wissen, was die chinesen zu merkel gesagt haben!

    • ekbül
    • 30. August 2012 15:03 Uhr

    Hat der Mann jetzt auf Englisch gesprochen? Oder gar auf Deutsch? Der Deutsche Text ist auf jeden Fall nicht die Übersetzung des Englischen Beitrags was Sie ja irgendwie nahelegen.
    Wahrscheinlich hat Chamenei ja wohl Persisch gesprochen.

  7. Von der Zeit würde ich eine bisschen differenziertere Teil-Überschrift erwarten. Die Aussage „Chamenei bezeichnet UN als "Diktatur"“ stimmt so nicht, wie man im Abschnitt darunter lesen kann. Die Kritik am UN-Sicherheitsrat ist teilweise auch berechtigt:
    Antidemokratisch: Dadurch dass es ein paar ständige Mitglieder gibt, die nicht abgewählt werden können, kann man dieser Aussage zustimmen. Durch das Veto-Recht der ständigen Mitglieder kann man auch die Bezeichnung „ungerecht“ stehen lassen. Weitere Kritik s. http://de.wikipedia.org/w...

  8. Mursi:

    "Our solidarity with the struggle of the Syrian people against an oppressive regime that has lost its legitimacy is an ethical duty as it is a political and strategic necessity."

    "We all have to announce our full solidarity with the struggle of those seeking freedom and justice in Syria, and translate this sympathy into a clear political vision that supports a peaceful transition to a democratic system of rule that reflects the demands of the Syrian people for freedom."

    https://english.al-akhbar...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich danke Ihnen für diese Posts. Sie zeigen deutlich, wie selektiv berichtet wird.

    Mursi spricht von der Unterstützung des syrischen Volkes bei einem friedlichen Übergang zu einem demokratischen System in Syrien und die Medien schreiben, er ünterstütze die Rebellen(Terroristen) und deren "Revolution".

    Ich frage mich immer wieder, welches Ziel die Medien verfolgen oder in wessen Auftrag diese "Unabhängigen" handeln.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Iran | Mohammed Mursi | Präsident | Syrien | UN | Mahmud Ahmadinedschad
Service