Pussy-Riot-ProzessMerkel kritisiert Pussy-Riot-Urteil

Weltweit haben Tausende Menschen gegen die Verurteilung der russischen Punkband Pussy Riot protestiert. Deutsche Politiker machen Russlands Präsidenten Vorwürfe.

Unterstützer der Punkband Pussy Riot während einer Kundgebung in Berlin

Unterstützer der Punkband Pussy Riot während einer Kundgebung in Berlin

Das Urteil gegen die russische Punkband Pussy Riot hat in Deutschland und weltweit Empörung und Bedauern ausgelöst. In Berlin, New York, Paris, London und vielen anderen Metropolen protestierten Tausende Menschen gegen die Verurteilung der Musikerinnen und gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ eine kritische Stellungnahme veröffentlichen: "Den Prozess gegen Mitglieder der Band Pussy Riot habe ich mit Besorgnis verfolgt. Das unverhältnismäßig harte Urteil steht nicht im Einklang mit den europäischen Werten von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie, zu denen sich Russland u.a. als Mitglied des Europarates bekannt hat." Weiter hieß es, eine lebendige Zivilgesellschaft und politisch aktive Bürger seien Voraussetzung und keine Bedrohung für Russlands Modernisierung.

Anzeige

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), machte Kreml-Chef Putin persönlich für das Urteil verantwortlich . "Das ist Putins Prozess gewesen. Es ist Putins Urteil. Und es ist ein Urteil, das jeder Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit hohnspricht", sagte Polenz.

Polenz wertete die jeweils zweijährigen Haftstrafen für die drei Musikerinnen auch als Beweis dafür, "dass Putins Russland verunsichert ist". Mit dem Urteil solle die Opposition abgeschreckt werden. Diese Rechnung werde aber nicht aufgehen. Für alle, die sich über Putin noch Illusionen gemacht hätten, bedeute dies eine "Ernüchterung". "Das wird auch auf das Bild, das sich die Deutschen von Putin machen, wie ein realistischer Schock wirken."

"Schande über Kirill, Schande über Putin"

Auch Außenminister Guido Westerwelle (FDP) kritisierte den Richterspruch scharf. "Das harte Urteil steht in meinen Augen in keinem Verhältnis zur Aktion der Musikgruppe", sagte Westerwelle dem Tagesspiegel. Er sei "besorgt darüber, welche Auswirkungen die Strafe gegen die drei Musikerinnen für die Entwicklung und Freiheit der russischen Zivilgesellschaft insgesamt hat". Die Freiheit von engagierten Künstlern, sich zu artikulieren, sollte Teil jeder lebendigen demokratischen Gesellschaft sein.

Diesen Status als Demokratie sprach Grünen-Fraktionschefin Renate Künast Russland ab. Das Land sei "kein demokratisches Land", denn Demokratien würden künstlerische Provokationen aushalten. Für den Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), ist Russland "ein Land auf dem Weg, immer unfairer zu werden". Es sei kein Zeichen von Stärke, Menschen einzusperren.

Rund um das Gerichtsgebäude in Moskau hatten Hunderte Menschen protestiert, mehr als 20 wurden laut der britischen Nachrichtenseite BBC festgenommen, darunter der ehemalige Schachweltmeister Garry Kasparov und der oppositionelle Politiker Sergej Udaltsov. Bevor er festgenommen wurde, sagte Udaltsov dem arabischen Sender Al Jazeera zufolge: "Schande über (den russisch-orthodoxen Patriarchen, d. Red.) Kirill, Schande über Putin!".

"Was immer Putin will, bekommt Putin"

Im Gerichtssaal hatte ein Mann während der Urteilsverkündung aus Protest "Schande" gerufen. Pjotr Verzilov, der Ehemann einer der Sängerinnen, sagte dem britischen Guardian beim Verlassen des Gebäudes: "Was immer Putin will, bekommt Putin. Das ist das einzige, was es zu sagen gibt."

Die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) kritisierte den Schuldspruch ebenfalls. "Vorwürfe wie Rowdytum und religiöser Hass sollten nicht dafür benutzt werden, um die Meinungsfreiheit einzuschränken", teilte eine OSZE-Sprecherin mit. Freie Meinungsäußerung sollte nicht beschränkt oder unterdrückt werden, egal wie provokativ, satirisch oder heikel sie auch sei: "Unter keinen Umständen darf sie zu Gefangenschaft führen." Russland gehört zu den 56 OSZE-Staaten.

 
Leserkommentare
  1. muss ich Merkel loben und vehement zustimmen. Sie hätte sich früher schon äußern müssen und zwar ganz klar und unverblümt. Aber besser spät als Nie. Keine Raktion auf diesen prozessausgang wäre ein Desaster für ihre ohnehin nicht sehr große Glaubwürdigkeit.

    Der Prozessverlauf, die U-Haft und das Urteil sind nicht mit den Werten eines Rechtstaates zu vereinbaren. Völlig irrelevant was manche Kommentatoren da für Vergehen gegenrechnen wollen, völlig egal was Amerika in Guantanmo oder mit Manning oder Assange macht, völlig egal was sonst so noch diese Aufmerksamkeit bekommen sollte (und da wüsste ich vieles, sehr euch mein Profil an), diese Frauen wurden in ihren Menschenrechten beschnitten. Der Grüne der sagte, sie Russland beginge Freiheitsberaubung hat genau so Recht wie Amnesty International, wenn die Menschenrechtsorganisation sagt: Pussy Riot sind politische Gefangene.

    13 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Da die Wenigsten den Text des Songs kennen, hatte ich eine Kommentar dazu gegeben. Damit können nämlich auch Christen das Urteil als ungerecht erkennen:
    http://www.zeit.de/politi...

    „Vielleicht hat die dpa als Dienstleister der Presse einen glaubhaften Übersetzer beauftragt. Der Liedtext in voller Länge:
    http://www.augsburger-all...

    Man kann das Lied auch als Fürbitte lesen. Gut, bei politischen Fürbitten gibt es natürlich in den Kirchen unterschiedliche Meinungen. In der BRD hätte die evangelische Kirche es wahrscheinlich als private Fürbitte heruntergespielt. Die kath. Kirche hätte vielleicht geklagt. Aber eine Verurteilung halte ich für unwahrscheinlich.

    So ein Happening kann missraten und Konventionen verletzen, wenn man nicht regelmäßig in die Kirche geht. Aber wenn ein Sünder sich an den Herrn oder die Jungfrau wendet, dann muss man doch Milde walten lassen. Schließlich freut sich der Herr über ein verlorenes Schaf mehr als über 1000 Gerechte.“

    Glücklicherweise äußerte sich Nobelpreisträgerin Herta Müller in der Kulturzeit auf 3-Sat in ähnlicher Weise. Das könnte Merkel für die CxU ebenfalls erklären.

    Merkel hat - im Gegensatz zu ihrem Vorgänger, der eine widerliche Männerfreundschaft und Kumpanei mit Putin betrieb - sich stets klar und unverblümt ggü Putin und anderen in Menschenrechtsfragen positioniert.

    Das war im Fall Anna Politkowskaja so, oder auch beim Dalai Lama.

    Oder gelten für Männerfreundschaften andere Maßstäbe?

    k.

    Da die Wenigsten den Text des Songs kennen, hatte ich eine Kommentar dazu gegeben. Damit können nämlich auch Christen das Urteil als ungerecht erkennen:
    http://www.zeit.de/politi...

    „Vielleicht hat die dpa als Dienstleister der Presse einen glaubhaften Übersetzer beauftragt. Der Liedtext in voller Länge:
    http://www.augsburger-all...

    Man kann das Lied auch als Fürbitte lesen. Gut, bei politischen Fürbitten gibt es natürlich in den Kirchen unterschiedliche Meinungen. In der BRD hätte die evangelische Kirche es wahrscheinlich als private Fürbitte heruntergespielt. Die kath. Kirche hätte vielleicht geklagt. Aber eine Verurteilung halte ich für unwahrscheinlich.

    So ein Happening kann missraten und Konventionen verletzen, wenn man nicht regelmäßig in die Kirche geht. Aber wenn ein Sünder sich an den Herrn oder die Jungfrau wendet, dann muss man doch Milde walten lassen. Schließlich freut sich der Herr über ein verlorenes Schaf mehr als über 1000 Gerechte.“

    Glücklicherweise äußerte sich Nobelpreisträgerin Herta Müller in der Kulturzeit auf 3-Sat in ähnlicher Weise. Das könnte Merkel für die CxU ebenfalls erklären.

    Merkel hat - im Gegensatz zu ihrem Vorgänger, der eine widerliche Männerfreundschaft und Kumpanei mit Putin betrieb - sich stets klar und unverblümt ggü Putin und anderen in Menschenrechtsfragen positioniert.

    Das war im Fall Anna Politkowskaja so, oder auch beim Dalai Lama.

    Oder gelten für Männerfreundschaften andere Maßstäbe?

    k.

  2. hätte ich mir nicht gedacht.

    Es bleibt dennoch ein fishing for compliments.

    10 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    scheint mir doch eher ehrlich schockiert. Auf solch ein Urteil so zu regieren bedarf letztendlich keine Mitgliedschaft in einer bestimmten Partei. Dazu reicht reiner Menschenverstand!

    scheint mir doch eher ehrlich schockiert. Auf solch ein Urteil so zu regieren bedarf letztendlich keine Mitgliedschaft in einer bestimmten Partei. Dazu reicht reiner Menschenverstand!

  3. Dann dürfte ja demnaechst auch eine wesentlich Eindringlichere Intervention im Bezug auf Guantanamo zu erwarten sein...!
    Ich gratuliere den Girls zu ihrer PR und hoffe das es die Russische Opposition staerkt!
    Auch wenn die so gut wie keinen Einfluss hat- beneidenswert denn in Deutschland gibt es ja keine Opposition mehr !

    11 Leserempfehlungen
  4. Genauso gut könnte Merkel verkünden, dass sie gegen das Töten von süßen Dackelwelpen ist. Wie wär's denn mal, wenn sich Frau Merkel kritisch und besorgt zu Scheinprozessen gegen die Meinungsfreiheit in Saudi-Arabien äußert? Ach so, geht ja nicht, Arbeitsplätze bei Krauss Maffei stünden auf dem Spiel.

    20 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    wenn man nicht sädnig das eine gegen das andere aufrechen würde? Hier geht es weder um Dackel noch um Saudi-Arabien und diese Frauen haben verdient, dass man sich um ihre Menschenrechte sorgt. Russland ist eng mit Europa verflochten, es ist MItgleid des europarates, es ist ist ein enger Handelspatner. Wir sollten uns an die Seite der Menschenrechtsorganisationen stellen und diesen Prozess unds einen Ausgang kritiseren. Auch wenn Merkels Rede jetzt billig ist, nachdem sie den ganzen Prozess über egschwiegen hat und sich auch sonst eher zögerlich um Menschenrechte bei all ihren Macht-Patnern bemüht, liegt sie hier richtig.

    Ich forder daher ein dass Rollbrettfahren zu lassen. Dieser Prozess ist wichtig für die russische Opposition und Pussy-Riot haben etwas großes für ihre Heimat geleistet. Sie haben deutlich gemacht, was Putin für ein Kerl ist und wie groß die Macht der Kirche in Russland ist. Ausserdem zeigten sie mir auf, wie viele Menschen immernoch meinen, das die Werte der Inquisition im Grunde ja richtig waren.

    Es gibt viel zu tun. Wir sollten die Ärmel hoch krempeln und zusammen halten, anstatt und gegenseitig zu bombarideren.

    • joG
    • 17.08.2012 um 19:36 Uhr

    ...in Saudi Arabien? Machen die das? Warum?

    • joG
    • 17.08.2012 um 20:08 Uhr

    .... Talk is cheap. Daher sind die deutschen so sehr darauf spezialisiert. Es ersetzt Verantwortung in hiesigen Augen. Andern Orts nennte man das Verhalten Trittbrett fahren. Hier fühlt man sich, als besetze man damit die moralischen Höhen. Und das Schöne daran ist, man muss nicht ein Mal verstehen, worum es geht.

    wenn man nicht sädnig das eine gegen das andere aufrechen würde? Hier geht es weder um Dackel noch um Saudi-Arabien und diese Frauen haben verdient, dass man sich um ihre Menschenrechte sorgt. Russland ist eng mit Europa verflochten, es ist MItgleid des europarates, es ist ist ein enger Handelspatner. Wir sollten uns an die Seite der Menschenrechtsorganisationen stellen und diesen Prozess unds einen Ausgang kritiseren. Auch wenn Merkels Rede jetzt billig ist, nachdem sie den ganzen Prozess über egschwiegen hat und sich auch sonst eher zögerlich um Menschenrechte bei all ihren Macht-Patnern bemüht, liegt sie hier richtig.

    Ich forder daher ein dass Rollbrettfahren zu lassen. Dieser Prozess ist wichtig für die russische Opposition und Pussy-Riot haben etwas großes für ihre Heimat geleistet. Sie haben deutlich gemacht, was Putin für ein Kerl ist und wie groß die Macht der Kirche in Russland ist. Ausserdem zeigten sie mir auf, wie viele Menschen immernoch meinen, das die Werte der Inquisition im Grunde ja richtig waren.

    Es gibt viel zu tun. Wir sollten die Ärmel hoch krempeln und zusammen halten, anstatt und gegenseitig zu bombarideren.

    • joG
    • 17.08.2012 um 19:36 Uhr

    ...in Saudi Arabien? Machen die das? Warum?

    • joG
    • 17.08.2012 um 20:08 Uhr

    .... Talk is cheap. Daher sind die deutschen so sehr darauf spezialisiert. Es ersetzt Verantwortung in hiesigen Augen. Andern Orts nennte man das Verhalten Trittbrett fahren. Hier fühlt man sich, als besetze man damit die moralischen Höhen. Und das Schöne daran ist, man muss nicht ein Mal verstehen, worum es geht.

    • jagu
    • 17.08.2012 um 18:56 Uhr

    Wer das G8 Treffen in Ostdeutschland, die rechtswidrige Aktion der Bundesstaatsanwaltschaft gegen unbescholtene Bürger und die darauf folgenden Prozesse noch erinnert, wünscht sich, dass sie das zuerst hier verwirklicht, bevor sie in die Ferne schweift.

    Quelle: U.a. http://www.n-tv.de/politi...

    17 Leserempfehlungen
  5. 6. Merkel

    scheint mir doch eher ehrlich schockiert. Auf solch ein Urteil so zu regieren bedarf letztendlich keine Mitgliedschaft in einer bestimmten Partei. Dazu reicht reiner Menschenverstand!

    6 Leserempfehlungen
  6. 7. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

    2 Leserempfehlungen
  7. Das tu ich auch und zwar Merkels schlappe Europapolitik. Das ist für mich deutlich wichtiger als "Pussy Riot vs. Putin"

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Gibt es eigentlich ein Gesetz oder einen Vertrag, der von Merkel und ihren Helfershelfern im Zuge der sogenannten Euro Rettung noch nicht gebrochen wurde?

    Gibt es eigentlich ein Gesetz oder einen Vertrag, der von Merkel und ihren Helfershelfern im Zuge der sogenannten Euro Rettung noch nicht gebrochen wurde?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, dpa
  • Kommentare 108
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Wladimir Putin | Guido Westerwelle | FDP | BBC | Bundesregierung | CDU
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service