WahlparteitagUS-Republikaner drängen auf radikales Abtreibungsverbot

Amerikas Konservative in der Klemme: Abtreibungen wollen sie ausnahmslos verbieten. Sie wollen aber auch Senatskandidat Akin wegen dessen Äußerungen dazu loswerden. von afp und dpa

Die US-Republikaner wollen ein vollständiges Abtreibungsverbot in ihren politischen Leitlinien für die kommenden vier Jahre festschreiben. Eine Kommission aus 110 Mitgliedern beschloss, auch Abtreibungen in Vergewaltigungs- oder Inzestfällen verbieten zu wollen. Zum Wahlparteitag für Präsidentschaftskandidat Mitt Romney in der kommenden Woche in Florida ist dazu ein formeller Beschluss der Delegierten vorgesehen.

Zu dem Parteitag wird vermutlich auch der Senatskandidat Todd Akin anreisen, obwohl führende Republikaner dies wegen seiner Äußerungen zum Thema Abtreibung verhindern wollen. Akin hatte gesagt, Schwangerschaften seien nach Vergewaltigungen "eher selten", weil sich der Körper einer Frau nach einer "wirklichen Vergewaltigung" gegen eine Schwangerschaft wehre.

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Romney forderte ihn daraufhin auf, seine Kandidatur für einen Senatssitz im Bundesstaat Missouri zurückzuziehen. Der Parteichef der Republikaner, Reince Priebus, verlangte zudem, dass Akin nicht zum Parteitag kommt. Weitere führende Parteikollegen sagten, eine Entschuldigung reiche nicht aus. Auch die Demokraten von Präsident Barack Obama äußerten sich entrüstet.

Republikanische Krönungsmesse

Akin ließ die Kritik jedoch bisher an sich abperlen. Er entschuldigte sich zwar, sagte aber zugleich, er habe sich lediglich falsch ausgedrückt – und das sei kein Grund, auszusteigen. In einer Radiosendung warf er Romney sogar vor, das Thema unnötig aufzublasen.

Die republikanische Krönungsmesse in Tampa beginnt am Montag. Vier Tage lang dürfen bei der Politshow jeden Abend Parteigrößen zur besten Sendezeit Romney und seinen designierten Vizekandidaten Paul Ryan als Alternative zur Obama-Regierung preisen.

In landesweiten Umfragen liegt Obama laut realclearpolitics.com derzeit im Schnitt 2,7 Prozentpunkte vor Romney. Der Vorsprung ist knapp, gemessen an der schwierigen Wirtschaftslage müsste der Herausforderer aber deutlich besser dastehen, um erfolgreich zu sein.

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Leserkommentare
  1. Nun ja, bei solcher Art geistiger Ergüsse kann man sich ja auch nicht unbedingt der Herkunft dieser "Damen und Herren" sicher sein...

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    ... fernab jeder Religion gibt es eines, was uns alle verbindet - das Leben. Ganz gleich wie schlecht oder grausam die Welt zu sein scheint; keine Möglichkeit zu haben, Zeuge dieses Lebens zu werden, zeugt von Unmenschlichkeit und Egoismus.

  2. wahnsinn-ich habe vor ca 20 jahren einige zeit dort gelebt.
    wie kann ein land sich so zurück entwickeln?
    und wenn auch obama wahrscheinlich die wahlen gewinnen wird-die usa haben die tendenz zur religiösen diktatur bekommen.

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    Was die offenkundige Beschränktheit von Herrn Akin nun schon wieder mit "religiöser Diktatur" zu tun? Auch die Ablehnung von Abtreibung an sich sollten Sie etwas differenzierter analysieren, anstatt sie reflexhaft als fundamentalisitische - oder noch schlimmere - Position zu brandmarken. Denn Abtreibung abzulehnen ist ja an sich nicht verwerflich - wenn man aber einen solchen Stuss erzählt wie Akin, ist das entweder respektlos gegenüber Abtreibungsopfern oder zeugt von geringem Intellekt. Ersteres ist zu kritisieren, letzteres nich unbedingt, disqualifiziert aber dennoch für ein solches Amt.

  3. Irgendwie verstehe ich das nicht ganz: Auf der einen Seite rügen die Republikaner und Romney diesen Akin wegen seinen Aussagen, zum anderen beschließen sie diese auf ihrem Parteitag.
    Also müssen sie die Äusserungen gestört haben...Ich würde gerne mal wissen mit welchen Argumenten der Rest der Republikaner ihre Haltung begründet...

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    sind zweierlei Dinge. Und Herr Akin hat wohl Dinge zu offen ausgesprochen, welche die TP zwar gerne umsetzen möchte, aber dies nicht ganz so offen augesprochen haben wollte...

    Fakt ist leider, dass er (und seine Parteigenossen) mit Differenzierung zwischen "wirklicher" Vergewaltigung und (ja, was ist eigentlich die Alternative dazu?) Opfer diffamieren und im Falle eines Wahlerfolges abtreibungswillige Frauen kriminalisieren und in die Arme von illegalen Abtreibungshelfern (mit allen bekannten Konsequenzen) treiben.

    Sie wollen, dass Abtreibungen rigoros verboten werden, wissen jedoch, dass das bei einem guten Teil der Wähler schlecht ankommt und ziehen es deshalb vor, diese damit nach der evtl. gewonnenen Wahl zu überraschen.
    Alleine die Tatsache, dass sie es versuchen, deutet darauf hin, dass ein Gutteil amerikanischer Wähler wahrscheinlich dämlich genug ist, darauf herein zu fallen. In diesem Land driften die Intelligenz und die dumpfe tiefreligiöse Masse immer weiter auseinander. Der Herbst wird spannend.

    • edgar
    • 22. August 2012 9:09 Uhr

    ... wenige Wochen alter Fötus ähnliche Menschenrechte zugeschrieben werden können/müssen wie der es austragenden Frau eine reine Glaubensfrage.

    Thomas HOBBES hat aus gutem Grunde Glaubensfrage jenseits der staatlichen Verfügungsgewalt gestellt.
    Dies ist das Paradigma moderner Verfassungen geworden.
    Will man solcherlei Ansichten, die mindestens von einer breiten Minderheit abgelehnt werden, zum Gesetz machen, macht sich der Gesetzgeber, i.e. der Staat, zum Büttel der Mehrheit und sorgt für einen tiefen Graben in der Bevölkerung.
    Man hört und liest ja auch immer wieder über den tiefen Graben in der amerikanischen Gesellschaft.

    Von nichts kommt nichts.

    Eine Regelung, wie hier in D, die über Jahrzehnte von Diskurs über dieses Thema gewachsen ist, scheint mir da für die meisten akzeptabel.

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    • _bla_
    • 22. August 2012 10:05 Uhr

    Aus meiner Perspektive ist die Frage, inwieweit einem wenige Wochen alter Fötus ähnliche Menschenrechte zugeschrieben werden können/müssen wie der es austragenden Frau eine reine Glaubensfrage.
    Ist es selbstverständlich. Aber auch die Frage, ob man einem gerade geborenen Baby volle Rechte zuschreibt oder nicht ist ebenso eine Glaubensfrage. Peter Singer ist da bspw. anderer Auffassung und sieht als Vorraussetzung für die Rechte einen Personenstatus, den er mangels kognitiver Fähigkeiten erst Kleinkindern aber noch nicht Babys zuschreibt. Gesetze setzen auch grundsätzlich immer "Glaubensfragen" um, denn sie beschäftigen sich damit, was sein soll und nicht was ist. Was aber sein soll, das ist eine Frage der Weltanschauung und eben keine von neutraler und objektiver Naturwissenschaft. Die kann immer nur klären und neutral beschreiben, was ist, nicht aber was sein sollte.

    Der entscheidende Unterschied ist nicht, ob etwas eine "Glaubensfrage" ist, sondern besteht darin, dass die Gesellschaft in der einen Frage stark gespalten ist, während über die Ablehnung von Singers Position weitgehender Konsens herrscht, auch dann wenn er durchaus sehr nachvollziehbar und konsistent argumentiert.

  4. Was die offenkundige Beschränktheit von Herrn Akin nun schon wieder mit "religiöser Diktatur" zu tun? Auch die Ablehnung von Abtreibung an sich sollten Sie etwas differenzierter analysieren, anstatt sie reflexhaft als fundamentalisitische - oder noch schlimmere - Position zu brandmarken. Denn Abtreibung abzulehnen ist ja an sich nicht verwerflich - wenn man aber einen solchen Stuss erzählt wie Akin, ist das entweder respektlos gegenüber Abtreibungsopfern oder zeugt von geringem Intellekt. Ersteres ist zu kritisieren, letzteres nich unbedingt, disqualifiziert aber dennoch für ein solches Amt.

    Antwort auf "not my usa "
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    • edgar
    • 22. August 2012 9:25 Uhr

    " ... Abtreibung abzulehnen ist ja an sich nicht verwerflich".

    Allerdings grenzt die Idee, diese Meinung einer Mehrheit oder einer großen Minderheit aufdrängen zu wollen, m.E. an religiösen Fanatismus.

    Da ist der Unterschied zu dem Feind den man vorgibt zu bekämpfen lediglich einer von Ausprägungen, kein Unterschied der Prinzipien.

  5. Akin hatte gesagt, Schwangerschaften seien nach Vergewaltigungen "eher selten", weil sich der Körper einer Frau nach einer "wirklichen Vergewaltigung" gegen eine Schwangerschaft wehre.

    Vielleicht bin ich komisch - aber ich verstehe nicht, wo bei dieser Aussage das Problem ist...

    mfg henry

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    • m7o
    • 22. August 2012 9:27 Uhr

    Das Problem dabei ist, dass er damit impliziert, Frauen, die nach einer Vergewaltigung schwanger werden, seien möglicherweise nicht "wirklich" vergewaltigt worden.

    dass das zum einen nicht stimmt und zum anderen einer vergewaltigten Frau, die schwanger wurde, unterstellt, "sie habe es doch auch gewollt" und damit quasi den Tatbestand der Vergewaltigung negiert. Also aus dem Opfer einen Täter (Lügner) zu machen und den Täter reinzuwaschen.

    • pappel
    • 22. August 2012 9:50 Uhr

    Dies würde bedeuten, dass es sich bei einer Schwangerschaft durch Vergewaltigung um KEINE Vergewaltigung handelt, sondern um "normalen" Geschlechtsverkehr.

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/mk

    • edgar
    • 22. August 2012 9:25 Uhr

    " ... Abtreibung abzulehnen ist ja an sich nicht verwerflich".

    Allerdings grenzt die Idee, diese Meinung einer Mehrheit oder einer großen Minderheit aufdrängen zu wollen, m.E. an religiösen Fanatismus.

    Da ist der Unterschied zu dem Feind den man vorgibt zu bekämpfen lediglich einer von Ausprägungen, kein Unterschied der Prinzipien.

    Antwort auf "Zusammenhänge"
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    Ich sehe natürlich Ihren Punkt. Gerade derartige Grundsatzfragen, in denen es (auch) um den Wert menschlichen Lebens geht - und bei der Abtreibungsfrage zudem um das Selbstbestimmungsrecht - sind immer schwierig, da stehen sich oft unversöhnliche Fronten gegenüber. Aber wir sollten dennoch differenzierter damit umgehen:

    1. Nicht alle Abtreibungsgegener sind religiös motiviert. Der Kern der Debatte ist ja die Frage, ob der Fötus als menschliches Leben anzusehen sei. Gerade religiös geprägte Menschen bejahen dies zumeist und schließen daraus, dass Abtreibung moralisch falsch sei. Dennoch: um diese Position zu vertreten muss man keineswegs religiös sein.

    2. Ich verstehe nicht, wo diese Position fanatisch sein soll. Gut, Sie schrieben, das Aufzwingen-wollen der Position grenze an Fanatismus (nicht die Position selbst). Aber auch das sehe ich kritisch. Überlegen wir: In einer Demokratie sind Mehrheitsentscheide üblich. Soll ich jeden Ausgang einer Abstimmung, bei der sich meine Position nicht durchsetzt, als Ausfluss fanatischer Bestrebungen begreifen? Dann muss das demokratische Projekt scheitern, da wir die konkurrierende Position von Vornherein als illegitim begreifen. Nein, "Fanatismus", so gebraucht, ist ein politisches Todschlagargument - echter Fanatismus zeichnet sich durch ganz andere Merkmale aus: jene Leute, die Abtreibungsärzte erschießen, das sind (Anti-Abtreibungs)Fanatiker.

    • m7o
    • 22. August 2012 9:27 Uhr

    Das Problem dabei ist, dass er damit impliziert, Frauen, die nach einer Vergewaltigung schwanger werden, seien möglicherweise nicht "wirklich" vergewaltigt worden.

    Antwort auf "Wo ist das Problem?"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Barack Obama | Abtreibung | Körper | Mitt Romney | Parteitag | Präsidentschaftskandidat
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