Krieg in Syrien Bei den Islamisten von Aleppo

Eine islamistische Gruppierung weckt Befürchtungen über die Radikalisierung des Aufstandes in Syrien. Ihr werden Verbindungen zu Al-Kaida nachgesagt.

Rebellen in Aleppo

Rebellen in Aleppo

Im Schatten der staubigen Bäume vor einer Moschee sitzen die Männer, vor denen sich der Westen fürchtet. Sie führen gelangweilte Unterhaltungen und warten auf die nächste Schlacht in Aleppo, wenn es mit Kalaschnikovs gegen Kampfflugzeuge geht. Es sind Soldaten von Jabhat al-Nusra, eine der radikalsten islamistischen Gruppen, die sich im Zuge des Aufstandes und des Bürgerkrieges in Syrien gebildet hat.

"Wir kämpfen und wir beten, aber wir sind keine Extremisten", sagt Abu Ibrahim. Er ist der Anführer der Einheit, die in der Moschee Basis bezogen hat. Rund 50 Mann führt er in den Kampf. Abu Ibrahim ist ein unauffälliger, drahtiger Mann, hohe Stirn, 32 Jahre alt. Vor dem Aufstand war er Steinmetz. Er spricht leise, fast emotionslos.

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Neben dem Eingang der Moschee hängt eine schwarze Flagge mit weißer, arabischer Aufschrift: Es gibt keinen Gott außer Gott und Mohammed ist sein Prophet. Es ist eine Flagge, wie man sie inzwischen oft sieht in Syrien. Im Westen weckt sie Befürchtungen, denn sie wird mit Al-Kaida assoziiert. Abu Ibrahim sagt: "Die Flagge ist eine islamische Ikone." Und tatsächlich gab es sie schon lange vor Al-Kaida; sie ist eher Bekenntnis zum Islam als Loyalitätsbekundung zu einer spezifischen Organisation.

Bombenattentate in Aleppo

Anfang des Jahres ist Jabhat al-Nusra zum ersten Mal prominent in Erscheinung getreten. Auf einer Dschihadisten-Webseite übernahm die Gruppe die Verantwortung für eine Reihe von Bombenanschlägen in Syrien. Bei einem der Anschläge in Aleppo wurden damals 26 Menschen getötet. Amerikanische Geheimdienste hatten zunächst Al-Kaida im Irak hinter den Anschlägen vermutet.

Jabhat al-Nusra wird nachgesagt, Auffangbecken für unterbeschäftigte Al-Kaida-Kämpfer aus dem Irak zu sein. Lange war der Irak das Ziel für syrische Dschihadis. Seit Beginn des Bürgerkrieges kommen sie zurück in ihr Heimatland. Laut Berichten westlicher Geheimdienste soll es bis zu 1.500 Al-Kaida Kämpfer in Syrien geben. Falls das stimmt, halten sie sich jedenfalls sehr bedeckt. Einheiten wie Jabal al-Nusra bemühen sich um Distanz.

"Ständig wird uns vorgeworfen, wir seien Al-Kaida", klagt Abu Ibrahim. Doch gebe es keine Verbindung zur Terrororganisation. Allerdings gibt er zu, dass unter ihm ausländische Dschihadisten aus dem Libanon, Tunesien oder Marokko kämpfen – und auch ein Syrer, der im Irak gegen die Amerikaner gekämpft hat.

Abu Ibrahim führt uns zu einem Arzt in einem Krankenhaus, nahe der Moschee: Abu Muhammed, 44 Jahre alt, Herzchirurg, ausgebildet in Deutschland. Bevor er sich den Rebellen in Syrien angeschlossen hat, war auch er im Irak und hat den Aufständischen dort geholfen. "Ich bin dorthin gegangen, um als Araber, als Muslim zu kämpfen", sagt er.

Leser-Kommentare
  1. Das konnte ja nun wahrlich kein Geheimdienst ahnen, daß es ähnlich wie in Libyen zum Auftauchen von Leuten kommt, die bereits reichlich Kampferfahrung gegen die Amerikaner gesammelt haben. Der Spruch " Der Feind meines Feindes ist mein Freund" hat in dieser Sphäre eine Halbwertzeit von 3 Tagen maximal. Die Amerikaner werden sich noch wünschen, die jetzige Regierung anstelle der islamistischen "Freiheitskämpfer" unterstützt zu haben...und dann ist es zu spät

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    Die Amerikaner werden sich noch wünschen, die jetzige Regierung anstelle der islamistischen "Freiheitskämpfer" unterstützt zu haben...und dann ist es zu spät

    Nein, WIR werden es uns wünschen. Die Amerikaner haben noch den großen Teich zwischen diesen Leuten und sich. Wir haben das direkt vor unserer Haustür. Wie weit sind die Islamisten denn weg im Kaukasus oder in Libyen? Wer hat den großen Anteil an muslimischen Mitbürgern in seinen Gemeinden?

    Die Amerikaner? Nein, wir! Hier in Europa.

    WIR sind diejenigen, die von einer Islamisierung der muslimischen Welt Angst haben sollten. WIR sollten unsere Aussenpolitik nicht mehr länger von US-Generälen dominieren lassen. WIR hier in Europa sind die Leitragenden dieser desaströsen Politik. WIR leiden unter den über den Iran und Syrien verhängten Sanktionen.

    Nicht die USA. Nur WIR!

    Mir kommen da Zweifel.

    Zitat aus dem Artikel:

    Dafür, dass Al-Kaida eine wesentliche Rolle in Syrien spielt, gibt es keine stichhaltigen Beweise. Noch weniger dafür, dass die Organisation den Aufstand effektiv für ihre Zwecke nutzen kann.

    Wo also ist da die wesentliche Rolle von Al Qaida?

    Außerdem gibt es derzeit keine belastbaren Hinweise darauf, dass die USA vor Ort irgendwelche Rebellen direkt mit Waffen unterstütze würden, auch wenn Sie das ohne Nennung von glaubhaften Quellen einfach so behaupten.

    Im Artikel wird auch noch darauf hingewiesen, dass die islamistischen Kräfte wohl überwiegend kein Interesse daran haben, ihre Ziele über die Grenzen Syriens hinweg zu verfolgen.

    Insofern betrachte ich Ihren Artikel als überwiegend substanzlos.

    ...aber das Problem ist, dass weder die Amerikaner noch ihre Nato-Verbündeten wenig lernfähig sind. Also wird der Zirkus ewig weitergehen - leider!

    Die Amerikaner werden sich noch wünschen, die jetzige Regierung anstelle der islamistischen "Freiheitskämpfer" unterstützt zu haben...und dann ist es zu spät

    Nein, WIR werden es uns wünschen. Die Amerikaner haben noch den großen Teich zwischen diesen Leuten und sich. Wir haben das direkt vor unserer Haustür. Wie weit sind die Islamisten denn weg im Kaukasus oder in Libyen? Wer hat den großen Anteil an muslimischen Mitbürgern in seinen Gemeinden?

    Die Amerikaner? Nein, wir! Hier in Europa.

    WIR sind diejenigen, die von einer Islamisierung der muslimischen Welt Angst haben sollten. WIR sollten unsere Aussenpolitik nicht mehr länger von US-Generälen dominieren lassen. WIR hier in Europa sind die Leitragenden dieser desaströsen Politik. WIR leiden unter den über den Iran und Syrien verhängten Sanktionen.

    Nicht die USA. Nur WIR!

    Mir kommen da Zweifel.

    Zitat aus dem Artikel:

    Dafür, dass Al-Kaida eine wesentliche Rolle in Syrien spielt, gibt es keine stichhaltigen Beweise. Noch weniger dafür, dass die Organisation den Aufstand effektiv für ihre Zwecke nutzen kann.

    Wo also ist da die wesentliche Rolle von Al Qaida?

    Außerdem gibt es derzeit keine belastbaren Hinweise darauf, dass die USA vor Ort irgendwelche Rebellen direkt mit Waffen unterstütze würden, auch wenn Sie das ohne Nennung von glaubhaften Quellen einfach so behaupten.

    Im Artikel wird auch noch darauf hingewiesen, dass die islamistischen Kräfte wohl überwiegend kein Interesse daran haben, ihre Ziele über die Grenzen Syriens hinweg zu verfolgen.

    Insofern betrachte ich Ihren Artikel als überwiegend substanzlos.

    ...aber das Problem ist, dass weder die Amerikaner noch ihre Nato-Verbündeten wenig lernfähig sind. Also wird der Zirkus ewig weitergehen - leider!

  2. "Wir kämpfen und wir beten, aber wir sind keine Extremisten" - ist halt alles eine Frage der Definition. Sind "normale" Dschihadisten, die unter ihm kämpfen, keine Extremisten, nur weil sie nicht Al-Kaida angehören?

    "(...) und warten auf die nächste Schlacht in Aleppo, wenn es mit Kalaschnikovs gegen Kampfflugzeuge geht."

    Werden die Kalaschnikovs nicht ausschließlich im Häuserkampf eingesetzt? Gegen Kampfflugzeuge doch wohl kaum?

    Ist es nicht so, dass auch die Rebellen schon seit einiger Zeit über schlagkräftigere Waffen als Kalaschnikovs verfügen? Und wenn ja, warum wird es dann auf die "romantische" Gegenüberstellung Kalaschnikov vs. Kampfflugzeuge heruntergespielt?

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  3. "Außerdem – und das ist vielleicht der größte Unterschied zu Al-Kaida – habe die Gruppe keine Ziele über Syrien hinaus..." und deswegen kämpfen Libanesen, Tunesier und Marokkaner für die gemeinsame syrische Sache!?!

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    • joG
    • 20.08.2012 um 17:52 Uhr

    ....Verbindungen haben auch zu Al Qaida. Hätte Roosevelt Deutschland nicht befreien sollen, weil Deutsche zu Kommunisten und Sozialisten Verbindungen unterhielten und Etliche sogar die Macht ergreifen wollten? Das ist die alte Geschichte der Prioritäten. Wenn man eine Freiheitliche Gesellschaft will, muss man sie herstellen, auch wenn man weiß, dass das schwierig ist und später neue Hindernisse, die größer wurden, weil man die Freiheit durchsetzen musste, genommen werden müssen.

    • joG
    • 20.08.2012 um 17:52 Uhr

    ....Verbindungen haben auch zu Al Qaida. Hätte Roosevelt Deutschland nicht befreien sollen, weil Deutsche zu Kommunisten und Sozialisten Verbindungen unterhielten und Etliche sogar die Macht ergreifen wollten? Das ist die alte Geschichte der Prioritäten. Wenn man eine Freiheitliche Gesellschaft will, muss man sie herstellen, auch wenn man weiß, dass das schwierig ist und später neue Hindernisse, die größer wurden, weil man die Freiheit durchsetzen musste, genommen werden müssen.

  4. "Wenn wir eine Autobombe zünden, denken wir, dass es gerechtfertigt ist", sagt er. Schließlich töte das Regime Zivilisten mit Kampfflugzeugen.

    Aha, weil Zivilisten als Kollateralschäden sterben wenn sich Milizen in Wohngebieten verschanzen, darf man also Autobomben zünden die wiederrum auch wieder Zivilisten töten? Ob sich der Prophet Mohammed das so gedacht hat?

    Es soll ein Land unter der Scharia werden: "Wir hoffen, dass die Regierung nach Gottes Recht regiert."

    DAS ist der Kern der Motivation. Nicht nur dieser islamistischen Gruppierung, sondern auch der syrischen Muslimbrüder sowie ihrer Unterstützer aus den Golfstaaten. Die sakuläre Regierung muss weg. Und weil die neue Verfassung religiöse Parteien verbietet (was zutiefst demokratisch ist), muss diese wohl auch neu geschrieben werden.

    Mit jedem Tag aber, an dem die syrische Bevölkerung in den aufständischen Gebieten dem Beschuss durch Assads Kampfjets, Panzer und Hubschrauber ausgesetzt wird, könnte der Einfluss von Gruppen wie Jabhat al-Nusra wachsen.

    Jaja, die berühmte Frage mit dem Huhn und dem Ei. Gäbe es diese Angriffe, wenn keine ausländischen Jihadisten in Syrien kämpfen würden? Ich gehe eher davon aus, dass sich von Tag zu Tag mehr Syrer auf die Seite von Assad schlagen, weil diese Gruppen und ihre Verbrechen sein handeln rechtfertigen.

    Diese aus dem Ausland eingesickerten und bewaffneten Gruppen geben Assad doch die Legitimation für sowas!

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  5. "Die Opposition rechnet nicht mehr mit westlicher Hilfe und wendet sich anderen Seiten zu."

    ? Der Westen gibt doch mittlerweile offen zu, die "Rebellen" zu unterstützen. Was soll daher so ein Satz?
    Wenn damit gemeint sein sollte, man rechne nicht mehr mit einer ausländischen Invasion, sollte das auch so formuliert werden. Sonst ist das realitätsverfälschend.

    Liebe Redaktion,
    an dieser Stelle verabschiede ich mich von der Lektüre Ihrer Syrien-Berichterstattung. Nach der kürzlich hier gezeigten Fotoserie von Reuters-Fotograf G. Tomsasevic und einigen Formulierungen hier im Artikel bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich in Zukunft auf Ihre Berichte zum Thema "Syrien" verzichten möchte.
    MfG leanders

    27 Leser-Empfehlungen
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    seit Monaten wird zu diesem Thema heiß diskutiert, die Artikel erweitert und kritisch hinterfragt durch Foristen. So falsch ich viele "Artikel" oder besser unbearbeitete Meldungen und Meinungen sind, so sehr regen sie die Leute auch an, sich den Kopf zu zerbrechen. Viele Formulierungen sind emotionsgeladen, spekulativ, ohne Quellen etc., also all das, wofür Foristenbeiträge zensiert werden, aber man hat die Möglichkeit auf die Fehler hinzuweisen und es ist gut, dass sich immer noch genügend Leute finden, die das auf einer sachlichen Basis machen.
    Zum Thema. Ab wann gilt man denn eigentlich als Extremist? Also Autobomben in Menschenmengen zünden finde ich persönlich schon recht extrem.

    Es "begann" mit der "Berichterstattung" über den Angriff auf Libyen - setzt sich bei Syrien unverfroren fort - und es wird beim Krieg gegen den Iran ein nicht enden wollendes "Crescendo" an platter "westlicher Propaganda" geben.

    Allerdings bin ich zu schwach, um den "Artikln" hier zu entsagen - fürchte ich?

    P.S. Wichtiger sind eh die Kommentare von "Freund und Feind" ;-)

    seit Monaten wird zu diesem Thema heiß diskutiert, die Artikel erweitert und kritisch hinterfragt durch Foristen. So falsch ich viele "Artikel" oder besser unbearbeitete Meldungen und Meinungen sind, so sehr regen sie die Leute auch an, sich den Kopf zu zerbrechen. Viele Formulierungen sind emotionsgeladen, spekulativ, ohne Quellen etc., also all das, wofür Foristenbeiträge zensiert werden, aber man hat die Möglichkeit auf die Fehler hinzuweisen und es ist gut, dass sich immer noch genügend Leute finden, die das auf einer sachlichen Basis machen.
    Zum Thema. Ab wann gilt man denn eigentlich als Extremist? Also Autobomben in Menschenmengen zünden finde ich persönlich schon recht extrem.

    Es "begann" mit der "Berichterstattung" über den Angriff auf Libyen - setzt sich bei Syrien unverfroren fort - und es wird beim Krieg gegen den Iran ein nicht enden wollendes "Crescendo" an platter "westlicher Propaganda" geben.

    Allerdings bin ich zu schwach, um den "Artikln" hier zu entsagen - fürchte ich?

    P.S. Wichtiger sind eh die Kommentare von "Freund und Feind" ;-)

  6. Die Amerikaner werden sich noch wünschen, die jetzige Regierung anstelle der islamistischen "Freiheitskämpfer" unterstützt zu haben...und dann ist es zu spät

    Nein, WIR werden es uns wünschen. Die Amerikaner haben noch den großen Teich zwischen diesen Leuten und sich. Wir haben das direkt vor unserer Haustür. Wie weit sind die Islamisten denn weg im Kaukasus oder in Libyen? Wer hat den großen Anteil an muslimischen Mitbürgern in seinen Gemeinden?

    Die Amerikaner? Nein, wir! Hier in Europa.

    WIR sind diejenigen, die von einer Islamisierung der muslimischen Welt Angst haben sollten. WIR sollten unsere Aussenpolitik nicht mehr länger von US-Generälen dominieren lassen. WIR hier in Europa sind die Leitragenden dieser desaströsen Politik. WIR leiden unter den über den Iran und Syrien verhängten Sanktionen.

    Nicht die USA. Nur WIR!

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  7. seit Monaten wird zu diesem Thema heiß diskutiert, die Artikel erweitert und kritisch hinterfragt durch Foristen. So falsch ich viele "Artikel" oder besser unbearbeitete Meldungen und Meinungen sind, so sehr regen sie die Leute auch an, sich den Kopf zu zerbrechen. Viele Formulierungen sind emotionsgeladen, spekulativ, ohne Quellen etc., also all das, wofür Foristenbeiträge zensiert werden, aber man hat die Möglichkeit auf die Fehler hinzuweisen und es ist gut, dass sich immer noch genügend Leute finden, die das auf einer sachlichen Basis machen.
    Zum Thema. Ab wann gilt man denn eigentlich als Extremist? Also Autobomben in Menschenmengen zünden finde ich persönlich schon recht extrem.

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  8. Es "begann" mit der "Berichterstattung" über den Angriff auf Libyen - setzt sich bei Syrien unverfroren fort - und es wird beim Krieg gegen den Iran ein nicht enden wollendes "Crescendo" an platter "westlicher Propaganda" geben.

    Allerdings bin ich zu schwach, um den "Artikln" hier zu entsagen - fürchte ich?

    P.S. Wichtiger sind eh die Kommentare von "Freund und Feind" ;-)

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