Der syrische Vize-Regierungschef Kadri Dschamil hat signalisiert, über einen Rücktritt von Staatschef Baschar al-Assad verhandeln zu wollen. "Wir sind sogar bereit, dieses Thema zu diskutieren", sagte Dschamil bei einem Besuch in Moskau .

Verhandlungen über einen Rücktritt Assads werde es aber nicht geben, wenn dies zur Bedingung für Gespräche gemacht würde, so wie es derzeit weite Teil der syrischen Opposition fordern. "Was seinen Rücktritt angeht: Diesen zu einer Bedingung für einen Dialog zu machen bedeutet, dass man niemals diesen Dialog erreichen wird", sagte Dschamil. Sollte es Verhandlungen über die Zukunft des Landes geben, könnten "alle Probleme" besprochen werden, auch ein möglicher Rückzug Assads.

Dass die Loyalität zu Präsident Assad in der syrischen Führung schwindet, könnte auch von europäischen Staaten vorangetrieben sein. Zusammen mit einigen Golfstaaten sollen EU-Länder Schmiergeld an hochrangige  Regimemitglieder gezahlt haben, damit diese sich von Assad lossagen. Das berichtet die Londoner Times unter Berufung auf Diplomatenkreise.

Russland fordert mehr Dialogbereitschaft

Es gilt als sicher, dass westliche Geheimdienste in Syrien mit verschiedenen Mitteln versuchen, dass Assad-Regime zu schwächen. Die Zahlung von Schmiergeld war schon in früheren Konflikten ein Mittel, um aus Regierungsbeamten Überläufer zu machen.

Der Westen fordert seit Langem den Abgang Assads. Allerdings machen viele europäische Staaten und die USA wie auch die syrischen Aufständischen seinen Machtverzicht zur Vorbedingung für Verhandlungen. Ein solches Szenario wies Vize-Premier Dschamil zurück.

Die USA reagierten zurückhaltend auf Dschamils Äußerungen. Der Regierung seien die Inhalte der Pressekonferenz in Moskau bekannt, teilte das US-Außenamt mit. Es gebe aber "nichts furchtbar Neues".

Der russische Außenminister Sergej Lawrow rief die internationale Gemeinschaft zum Einlenken auf. Die "ausländischen Akteure" sollten die Bedingungen für den Beginn eines Dialogs schaffen, forderte er.

Es war die zweite Reise des syrischen Vize-Regierungschefs binnen zwei Wochen nach Moskau. Sein Ziel war es, einen Rahmenvertrag über Treibstofflieferungen und russische Kredite für Syrien festzuzurren. Diesmal hätten jedoch die "politischen Angelegenheiten" im Vordergrund gestanden, sagte Dschamil. Russland ist ein Verbündeter Assads und beliefert dessen Führung auf Grundlage von langfristigen Verträgen auch seit dem Beginn der Gewalt weiter mit Waffen.