Aleppo, 25. August © ARIS MESSINIS/AFP/GettyImages

Syrien ist einzigartig, begehrt aufgrund seiner geopolitisch bedeutsamen Lage. Viele internationale Kräfte verfolgen ihre eigenen Interessen in Syrien. Eine Revolution in diesem so wichtigen Land? Sie war eine Überraschung für alle, denn man glaubte, dass Baschar al-Assad und sein Vater einen unüberwindbaren Sicherheitsstaat errichtet hätten. Die wenigsten hätten erwartet, dass der Aufstand in Syrien länger als einige Wochen anhalten würde. Aber das syrische Volk hat sie eines Besseren belehrt.

Die Proteste in Syrien begannen friedlich und blieben es trotz der brutalen Gewalt von Regimetruppen und Schabiha-Banden – zumindest für fast ein Jahr. Dann gründeten Offiziere und Soldaten – Deserteure, die sich weigerten, ihr eigenes Volk zu töten – die Freie Syrische Armee (FSA). Der bewaffneten Revolution schlossen sich auch viele Zivilisten an. Die FSA schützt Kinder, Frauen und alte Menschen – und doch führte ihre Existenz dazu, dass die friedliche Revolution sich allmählich in einen bewaffneten Konflikt verwandelte. Der Kampf bleibt jedoch ungleich. Baschar al-Assad erhält unbegrenzte Unterstützung aus Moskau und Teheran, während sich die FSA und andere Freiheitskämpfer mit leeren Versprechungen und hohlen Reden sympathisierender Länder begnügen müssen.

Syrien steht vor gewaltigen Herausforderungen, die weitaus größte davon ist die humanitäre Krise: Menschen werden getötet, verletzt, verhaftet, vergewaltigt, vertrieben, verlieren ihr Dach über dem Kopf, fliehen zu Hunderttausenden aus dem Land in Flüchtlingslager. Eines der größten Hindernisse bei der Bewältigung der Krise ist die Uneinigkeit der internationalen Gemeinschaft. Gelingt es nicht, sie zu überwinden, könnte sie am Ende dazu führen, dass Syrien zu einem zerrütteten und geteilten Land wird.

Der schlechte Fall: Eine Teilung des Landes

Doch nicht nur die dramatischen humanitären Probleme gilt es zu lösen. Die Liste der weiteren Herausforderungen ist lang: vom Wiederaufbau des Landes, der Überwindung der Kriegsfolgen, dem Umgang mit den Offizieren und Soldaten der Armee und Geheimdienstmitgliedern über den Aufbau staatlicher Institutionen bis hin zur Wiederbelebung von Wirtschaft und Industrie, dem Ausbau des Bildungswesen und der Pflege der internationalen Beziehungen.

Wie es in Syrien weitergeht, weiß keiner. Zu vielfältig sind die inneren und äußeren Einflussfaktoren. Doch am Ende zeichnen sich zwei Szenarien ab. Entweder läuft es auf die Bildung eines freien, geeinten und demokratischen Staates hinaus, in dem alle Bürger gleiche Rechte und Pflichten haben – ohne jegliche Diskriminierung. Oder aber es kommt zur Teilung des Landes mit fortgesetzten Konflikten zwischen den einzelnen Gruppen und Fraktionen.

Es ist im Interesse aller – die internationale Gemeinschaft und die regionalen Akteure eingeschlossen – dafür zu sorgen, dass das erste Szenario Realität wird. Zu diesem Ziel führen nur zwei Wege: eine Zusammenarbeit mit alawitischen Offizieren, um Baschar al-Assad zum Rücktritt zu zwingen, oder eine Intervention, um ihn militärisch zu besiegen. Gelingt es nicht, Assad auf irgendeine Weise zu bezwingen, ist die Teilung Syriens unvermeidbar.