Bürgerkrieg : Syriens geflohenen Premier zieht es nach Katar

Syriens bisheriger Premier Hidschab hat nach seiner Flucht bekannt gegeben, nach Katar zu wollen. Das Scheichtum gilt als einer der Waffenlieferanten der Aufständischen.
Riad Hidschab (Archivbild von 2008) © Louai Beshara/AFP/GettyImages

Der zur Opposition übergelaufene ehemalige syrische Regierungschef Riad Hidschab will von Jordanien nach Katar weiterreisen. Hidschab werde womöglich bereits am Dienstag oder in den folgenden Tagen nach Doha reisen. Die offizielle Begründung seines Sprechers: Der Ex-Premier reise nach Katar, weil dort "die internationalen Medien ansässig sind". Mit Hidschabs Weiterreise nach Doha sollten Jordanien angesichts der "bereits angespannten Beziehungen" weitere diplomatische Komplikationen mit Syrien erspart werden. Es handle sich um eine sensible Angelegenheit für Jordanien. Sieben Begleiter Hidschabs würden in Jordanien bleiben, sagte der Oppositionelle, der Hidschab nach eigener Darstellung bei der Flucht aus Syrien geholfen hatte. Ein Vertreter des oppositionellen Syrischen Nationalrats sagte, Hidschab habe sich mit seiner Familie, zwei Ministern und drei Armeeoffizieren abgesetzt.

Hidschabs Sprecher nannte "Kriegsverbrechen und den Völkermord" in seiner Heimat als Grund für die Flucht Hidschabs. "Ich verkünde meinen Austritt aus dem mörderischen und terroristischen Regime, um mich der Opposition anzuschließen, deren Soldat ich werde", erklärte Hidschab laut Otri. Der Regierungschef setzte sich nach Oppositionsangaben in der Nacht zu Montag nach Jordanien ab. Seine Flucht wurde demnach von der Rebellentruppe Freie Syrische Armee (FSA) koordiniert. Wie sein Sprecher sagte, plante Hidschab seine Flucht bereits seit mehr als zwei Monaten.

Nach Katar haben sich bereits mehrere übergelaufene Mitglieder der syrischen Führung abgesetzt, so etwa der bisherige Botschafter des Landes im Irak , Nawaf Fares. Katar gilt neben Saudi-Arabien zu den Unterstützern und Waffenlieferanten des Aufstandes gegen Syriens Präsident Baschar al-Assad. Wie die Saudis stört sich auch das Emirat am Einfluss des schiitischen Irans in Syrien.

Das syrische Staatsfernsehen hatte berichtet, Hidschab sei entlassen worden. Zu seinem Nachfolger sei der bisherige Vize-Ministerpräsident Omar Galawandschi bestimmt worden.

Nach Angaben von Oppositionellen setzte sich nun auch Syriens einziger Kosmonaut Mohammed Achmed Faris in die Türkei ab. Der aus Aleppo stammende Luftwaffenpilot habe sich den Oppositionskräften angeschlossen, hieß es. Faris war 1987 mit sowjetischen Kosmonauten ins All geflogen.

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Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

In Katar kann der Herr je seine Kenntnisse in Demokratie und

Freiheitsrechten erweitern- ein gut gewählter Ort und der Emir, der seinen Vater weggeputscht hatte, wird ihm sicher dabei helfen können.
Dass die Demaskierung so schnell kommen würde, hatte ich gar nicht erwartet. Wahrscheinlich ist damit meine frühere Frage nach den Finanziers des so plötzlich wiederentdeckten Gewissens auch beantwortet.

Geld stinkt nicht...

Das die Kataris als generöse Spender gelten, ist seit der WM-Vergabe doch allgemein bekannt. Und da sich nun ein Minister hat kaufen lassen, steht die Regierung vor dem Zerfall. Ich würde gerne mal wissen, wie viele unserer lieben Politiker sich für katarisches Geld aus dem Amt kaufen lassen würden? Gell, Guido der sich als Repräsentant der 5%-Partei als legitimierter Ausenminister sieht...

Damaskus befreit, Kriegsvebrechen werden bekannt

"Ich habe die Erschiessungen vom Balkon aus gesehen. Man bemerkte mich, sie brachen bei mir ein, zogen mir einen Sack über den Kopf und brachten mich in ein Haus, wo ich verhört wurde. Ich habe gesagt, ich sei nur ein kleines Licht und wüßte von nichts.
Frau aus dem Auto:
Ich habe es selbst gesehen, wie die Menschen an den Rand der Grube gebracht, erschossen und die Leichen hinabgeworfen wurden. Ich weiß nicht, weshalb man sie umbrachte – wahrscheinlich haben sie es abgelehnt, mit denen – den Oppositionellen von der Freien Syrischen Armee – gemeinsame Sache zu machen.
...
Die Verwandten haben indes schon die Leiche eines der Bewohner identifiziert. Er war entführt worden, man forderte für ihn ein Lösegeld oder 10 Maschinengewehre. Hier wurden ebenso die Leichen von drei Lehrerinnen der hiesigen Schule gefunden. Insgesamt wurden in unserem Beisein 9 Leichen aus der Baugrube hervorgeholt - damit ist die Arbeit aber noch nicht beendet. Auch das Militär verlässt diesen Stadtteil von Damaskus noch nicht. Die Panzer stehen nach wie vor auf den Strassen."
http://apxwn.blogspot.de/...