Assad-RegimeSyriens Regierungschef ins Ausland geflohen

Das Assad-Regime muss einen politischen Rückschlag hinnehmen: Syriens Premier Hidschab hat sich abgesetzt. Laut der Regierung in Amman ist er nach Jordanien geflohen.

Riad Hidschab (Foto von 2011)

Riad Hidschab (Foto von 2011)

Der syrische Regierungschef Riad Hidschab ist zur Opposition übergelaufen. Hidschab und seine Familie befänden sich an einem sicheren Ort, sagte sein Sprecher einem Fernsehsender. Damit bestätigte er die Angaben der oppositionellen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, derzufolge Hidschab zur Opposition übergelaufen sei.

Hidschab begründete seine Entscheidung mit den "Kriegsverbrechen und dem Völkermord" in seinem Heimatland. "Ich verkünde meinen Austritt aus dem mörderischen und terroristischen Regime, um mich der Opposition anzuschließen, deren Soldat ich werde", sagte der Sprecher in Hidschabs Namen.

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Unklar war zunächst, wo sich der Politiker derzeit aufhält. Nach Angaben offizieller Stellen in Jordanien ist er in das Nachbarland geflohen. Die Nachrichtenagentur Reuters zitierte entsprechende Informanten, die BBC nannte die jordanische Regierung als Quelle.

Mit Hidschab seien mehrere Minister und drei Armeeoffiziere gegangen, berichtete Al-Jazeera. Hidschab war erst seit Anfang Juni im Amt, zuvor hatte Syrien eine Parlamentswahl abgehalten. Das Staatsfernsehen berichtete, der bisherige Regierungsvize Omar Ghalawnji werde das Kabinett vorübergehend leiten.

Der bislang Assad-treue Politiker Hidschab ist seit 1989 Mitglied der Führung der herrschenden Baath-Partei. Als im Frühjahr 2011 die Proteste gegen Präsident Baschar al-Assad begannen, war er Gouverneur der Mittelmeerprovinz Latakia, aus der die Assad-Familie stammt.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle sprach in Zusammenhang mit Hidschabs Flucht von einem weiteren Zeichen für den Zerfall des syrischen Regimes. "Diese Nachrichten zeigen, wie weit der Erosionsprozess des Assad-Regimes vorangeschritten ist. Die Ereignisse belegen auch, wie notwendig ein sofortiges Ende der Gewalt und die Bildung einer Übergangsregierung ohne Assad sind", sagte Westerwelle.

Sprengsatz explodiert

Armee und Staatsapparat erodieren seit Monaten. Befehlshaber liefen zu den Kämpfern der Opposition über, die das Regime von Assad stürzen wollen. Auch innerhalb der Regierung schmilzt der Rückhalt Assads.

Fast täglich beschießen Armee und Miliz die Regimegegner; infolge der Gefechte mit den Oppositionellen liegen Städte wie Homs in Schutt und Asche. Am Montag explodierte im Gebäude des Staatsfernsehens ein Sprengsatz und verletzte mehrere Menschen.

In der heftig umkämpften Stadt Aleppo zog das Regime unterdessen neue Truppen zusammen, Staatsmedien sprachen von einer bevorstehenden Entscheidungsschlacht in der nördlichen Geschäftsmetropole. Angeblich sollen 25.000 Soldaten Stellung bezogen haben, berichtete der Rebellenkommandeur Abu Omar al-Halebi. Die Aufständischen sprachen von schwerem Artilleriebeschuss des südwestlichen Bezirks Salaheddin durch Regimetruppen.

 
Leserkommentare
  1. Herr Assad wird sich wohl langsam einsam fühlen.

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    Ich glaube nicht dass er geflüchtet ist, er wurde entlassen.
    Und hat sich in Jordanien abgesetzt. Jeder Mensch in Syrien ohne Waffen ist frei und darf seine Meinung äußern!

    Davon abgesehen ist er Bedeutungslos und war keine 3 Monate im Amt.

    Rücktritte passieren hier bei uns auch, und man bedenke in Syrien sind Terror-banden am Werke die vor Druckmittel wie Erpressungen und Kidnapping nicht zurückschrecken werden.
    -------------
    Eng. Omar Ghalawanji, First Deputy Prime Minister, Designated as Caretaker Premier

    Eng. Omar Ghalawanji, former first deputy prime minister, on Monday was designated as a caretaker premier.

    Earlier, former Prime Minister Riyad Hijab was dismissed from his post.

    Ich glaube nicht dass er geflüchtet ist, er wurde entlassen.
    Und hat sich in Jordanien abgesetzt. Jeder Mensch in Syrien ohne Waffen ist frei und darf seine Meinung äußern!

    Davon abgesehen ist er Bedeutungslos und war keine 3 Monate im Amt.

    Rücktritte passieren hier bei uns auch, und man bedenke in Syrien sind Terror-banden am Werke die vor Druckmittel wie Erpressungen und Kidnapping nicht zurückschrecken werden.
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    Eng. Omar Ghalawanji, First Deputy Prime Minister, Designated as Caretaker Premier

    Eng. Omar Ghalawanji, former first deputy prime minister, on Monday was designated as a caretaker premier.

    Earlier, former Prime Minister Riyad Hijab was dismissed from his post.

  2. unübersehbar.

    Mir wird immer schleierhafter, was Assad mit seinem hartnäckigen Kleben am Amt noch bezwecken will. Sein Spiel ist ausgespielt

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  3. ..titelt n-tv zu dieser Meldung. Passender wäre, der Gesang wird bang und bänger.

    Wir sind gespannt zu hören, ob er nun entlassen wurde, oder geflohen ist, wenn er sich selbst zu Wort äußert.

    Beides macht aber eigentlich keinen Unterschied, denn wenn er entlassen wurde, gab es Gründe, die im Reiche Assad für ehemalige Regimeangehörige wegen der Repressionen immer auch gute Gründe sind, das Land zu verlassen.

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  4. ...man weiß es nicht so genau. ;-)

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  5. ...wie will jemand wie Assad, der nicht mal Herr "seines Landes" ist, Israel angreifen können? Hatte er nicht mal sowas wie eine 350.000-400.000 Mann starke Armee?

    • gquell
    • 06.08.2012 um 13:01 Uhr
    6. [...]

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  6. 7. [...]

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    Antwort auf "[...]"
  7. ...militärisch schaut es ja mal gar nicht so schlecht für die Regierung aus?
    Der "Vulkan" ist in Damaskus erloschen, über Aleppo wird nicht so recht berichtet (warum wohl?), und die Kurden gewähren der "FSA" keinen Zutritt zu ihren Gebieten.

    P.S. Ich glaube nicht, daß Assad jemals vorhatte Israel anzugreifen. Wenn es allerdings um "Angriffsdrohungen" geht...naja...

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    Aber einen Krieg kann man militärisch gewinnen und gleichwohl politisch verlieren.

    • Dakra
    • 06.08.2012 um 13:28 Uhr

    Natuerlich ist Israel vielen Syrern aufgrund der Vergangenheit und der Besetzung der Golanhoehen unsympathisch. Jedoch konnte diesen Umstand Assad auch in der Vergangenheit dazu nutzen, mehr Syrer auf seine Seite zu ziehen. Ein gemeinsamer "Feind" eint. Leider eine beliebte politisch Strategie, nicht nur in Syrien. Dies glauben zumindest einige Syrer.

    Aber einen Krieg kann man militärisch gewinnen und gleichwohl politisch verlieren.

    • Dakra
    • 06.08.2012 um 13:28 Uhr

    Natuerlich ist Israel vielen Syrern aufgrund der Vergangenheit und der Besetzung der Golanhoehen unsympathisch. Jedoch konnte diesen Umstand Assad auch in der Vergangenheit dazu nutzen, mehr Syrer auf seine Seite zu ziehen. Ein gemeinsamer "Feind" eint. Leider eine beliebte politisch Strategie, nicht nur in Syrien. Dies glauben zumindest einige Syrer.

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