In einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus, 21. Juli © Reuters

Die Lage in Syrien ist unübersichtlich. So unübersichtlich, dass es beinahe unmöglich erscheint, Wege zu finden, um dem Töten und der Gewalt ein Ende zu setzen. Die syrische Krise ist festgefahren, und angesichts des andauernden Konflikts nehmen Brutalität und Gräueltaten immer grauenhaftere Formen an. Ein fruchtbarer Boden für noch mehr Unterdrückung, Vergeltung, Radikalisierung und Rechtlosigkeit.

Die regionale und internationale Unterstützung für die einzelnen Konfliktparteien hat das Kräfteverhältnis auf dem Schlachtfeld verändert. Sie hat die Fragmentierung des Rebellenlagers befördert und radikalen Islamisten Auftrieb gegeben. In letzter Zeit wurde häufig über eine Unterwanderung der syrischen Revolution durch Al-Kaida und über zunehmende Umtriebe des Terrornetzwerks in Syrien berichtet. Es gibt sie – das ist nicht zu leugnen. Doch alles in allem sollte man die Präsenz von Al-Kaida nicht überbewerten.

Die politische Opposition ebenso wie die friedlichen Demonstranten und die Freie Syrische Armee haben sich in aller Deutlichkeit und Schärfe gegen Al-Kaida gewandt. Aus ihrer Sicht ist die Präsenz der Terrororganisation eine reale Bedrohung für die Revolution. Denn am Ende spielen übertriebene Diskussionen über die Präsenz von Al-Kaida in Syrien dem Regime in die Hände: Sie untermauern dessen Behauptung, dass es kämpfende Islamisten und terroristische Gruppen sind, die die staatliche Ordnung bedrohen. Auch wenn die Sorge vor einem Erstarken des Terrornetzwerks in Syrien berechtigt ist, lässt sich seine tatsächliche Stärke im Land nur sehr schwer einschätzen.

Politische und diplomatische Mittel sind ausgeschöpft

Inmitten all der Zerstörung und der verzweifelten Versuche, Assad zu stürzen, könnte jedoch der Einfluss der Dschihadisten zunehmen. Ein willkommener Vorwand für das Regime, noch mehr Gräueltaten zu begehen und sein eigenes Überleben durch ein weiteres unerhörtes Massaker zu sichern.

Die politischen und diplomatischen Mittel sind ausgeschöpft. Sie haben nicht nur in einen Teufelskreis geführt, sondern auch im ganzen Land eine humanitäre Katastrophe ausgelöst. Nach jüngsten Angaben gehen die Vereinten Nationen davon aus, dass zehn Millionen Syrer von dem Konflikt betroffen sind und bis zu 1,5 Millionen Menschen dringend jedwede Form humanitärer Unterstützung benötigen. In den Nachbarländern sind bereits rund 124.000 syrische Flüchtlinge registriert, eine Million Menschen wurden innerhalb des Landes vertrieben. Unabhängig davon, ob Assad gestürzt wird oder an der Macht bleibt: Das Leiden der Menschen kann ebenso wenig beziffert werden wie die finanziellen Kosten für den Wiederaufbau des Landes und die Rückkehr zum Vorkriegsniveau.