Der Bürgerkrieg in Syrien wird in einem Ausmaß unübersichtlich, das an die Schrecken im Libanon der siebziger Jahre erinnert: Staatliche Sicherheitskräfte kämpfen gegen lokale Milizen der Freien Syrischen Armee (FSA), die Assad-Armee schießt mit ihren Panzern Wohngebiete in Schutt und Asche , die Bewohner der Städte und Vororte sind den Kämpfen hilflos ausgeliefert.

Noch ist die Armee des Regimes groß und vor allem ausgezeichnet bewaffnet: Sie verfügt über Hunderte Kampfjets und Tausende Panzer. Doch die FSA, 40.000 bis 50.000 Soldaten stark, wächst. Offiziere und Soldaten staatlicher Einheiten schließen sich ihr an, gleichzeitig werden ihre Waffen dank finanzieller Unterstützung aus den Golfstaaten besser.

Damit nicht genug steigt die Zahl der Dschihadisten, die aus dem Ausland nach Syrien einsickern; es gibt klare Anzeichen für Al-Kaida-Terror . Und auf Seiten des Regimes kämpfen offenbar auch Revolutionsgardisten des verbündeten Iran . Gleichzeitig verfolgen syrische Kurden im Norden ihre eigenen Ziele. All dies lässt eine Fragmentierung Syriens entlang ethnischer und religiöser Grenzen wahrscheinlicher werden. Dem Land droht ein Schicksal wie einst dem Libanon oder zuletzt dem Irak .

Iranische Initiative

Inmitten dieser diffusen Situation wird nun plötzlich der Iran diplomatisch aktiv . Am Dienstagabend traf Außenminister Ali Akbar Salehi bei seinem türkischen Amtskollegen Ahmet Davutoglu ein. Offiziell sollte über die mehr als 40 von syrischen Rebellen entführten Iraner gesprochen werden, doch dürfte dies nur ein vorgeschobener Anlass für den Besuch gewesen sein.

Der wahre Grund: Irans Regierung ist inzwischen ernsthaft in Bedrängnis. Die Atomsanktionen der USA und der EU treffen die Wirtschaft des Landes empfindlich. Gleichzeitig registriert man in Teheran mit Sorge, dass das syrische Regime bröckelt.

Zwar dürfte den Mullahs die Person Assad ziemlich egal sein, Syrien als wichtigen Verbündeten aber wollen sie keinesfalls verlieren. Genau dieses Szenario aber ist wahrscheinlich, sollte das Assad-Regime kollabieren: Syriens  sunnitische Mehrheit würde den Schiiten Irans nicht eben freundlich gegenüberstehen. Teherans Streben, eine ernsthafte Regionalmacht zu werden, bekäme einen erheblichen Schlag. Nur die schiitischen Teile Iraks, sowie die Hisbollah im Südlibanon stünden dann noch auf Irans Seite. Der direkte Zugang dorthin wäre ebenso dahin wie eine Verbindung zum Mittelmeer. Profitieren würde davon Irans Erzfeind Saudi-Arabien , ein wichtiger Finanzier der Rebellen in Syrien.