Syrische Regierungstruppen und Aufständische haben sich am Donnerstag erneut heftige Kämpfe um die nördliche Metropole Aleppo geliefert. Die Aufständischen zogen sich nach eigenen Angaben vollständig aus dem umkämpften Viertel Salaheddin zurück. "Wir haben einen taktischen Abzug aus Salaheddin vollzogen", sagte ein Kommandeur der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) der Nachrichtenagentur AFP . Die Truppen von Präsident Baschar al-Assad rückten nun in das Viertel vor, das bisher als Rückzugsort der Aufständischen galt.

Die Regimetruppen hatten am Vortag einen neuen Anlauf gestartet, die Aufständischen aus der Millionenstadt zu verdrängen. Dabei setzten sie auch schwere Artillerie und Kampfflugzeuge ein. In den vorangegangenen Tagen hatte die Armee an die 20.000 Soldaten um Aleppo zusammengezogen, denen etwa 6.000 bis 8.000 Rebellen gegenüberstehen. Aleppo gilt als entscheidende Stadt im Kampf zwischen den beiden Konfliktparteien. In ihr könnte sich das Schicksal der Führung um Baschar al-Assad entscheiden.

Assad hat dem staatlichen Fernsehen zufolge am Donnerstag einen neuen Ministerpräsidenten ernannt. Der bisherige Gesundheitsminister Wael al-Halki soll auf Riad Hidschab folgen, der sich vor einigen Tagen auf die Seite der Aufständischen geschlagen und das Land verlassen hatte. Der 1964 geborene Halki stammt aus der Provinz Daraa im Süden Syriens , wo der Aufstand gegen Assad vor 17 Monaten ausgebrochen war.

Assads Protokollchef dementiert Flucht-Berichte

Assads Protokollchef Moheddin Muslimani hat bestritten, zu den Aufständischen übergelaufen zu sein. "Diese Berichte sind ohne Grundlage, ich erfüllen meine Pflicht im Präsidentenpalast", zitierte ihn die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana. Der saudische Nachrichtensender Al-Arabija hatte berichtet, Muslimani habe sich zu den Rebellen abgesetzt.

Auf Einladung der iranischen Führung wollten am Donnerstag in Teheran mehrere Staaten über die Lage in Syrien beraten. Eingeladen waren Außenminister von Staaten, die nach Einschätzung des Iran eine "realistische Einstellung" zur Krise in Syrien haben, praktisch aber das Assad-Regime in Damaskus unterstützen. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad bezeichnete das Treffen im Vorfeld als "neue Chance für Frieden in Syrien". Von den politisch maßgebenden Protagonisten in der Syrien-Krise hatte zunächst nur Russland zugesagt. Es wollte seinen Botschafter in Teheran schicken.

Die Zahl der syrischen Flüchtlinge im Nachbarland Türkei ist nach offiziellen Angaben auf mehr als 50.000 gestiegen. Allein in den vergangenen beiden Tagen hätten mindestens 2.000 Syrer wegen der anhaltenden Kämpfe ihre Heimat verlassen, teilte die türkische Katastrophenschutz-Behörde mit. Es werde befürchtet, dass die Zahl der Flüchtlinge insbesondere aus Aleppo weiter ansteigen werde. In dem 17-monatigen Aufstand gegen Assad sind nach Angaben der Opposition mindestens 18.000 Menschen umgekommen. Nachbarländer wie die Türkei befürchten eine Flüchtlingskrise.