SyrienRebellen planen Gegenoffensive in Aleppo

Trotz ihres Rückzugs geben die Aufständischen den Kampf um Aleppo nicht verloren. Einer ihrer Kommandeure dirigiert seine Einheit aus dem Rollstuhl. von dpa und reuters

Ein zerstörter Straßenzug nach Kämpfen im Stadtteil Salaheddin

Ein zerstörter Straßenzug nach Kämpfen im Stadtteil Salaheddin  |  © Zohra Bensemra/Reuters

Die syrischen Rebellen haben nach Rückschlägen im Kampf um die Stadt Aleppo eine Gegenoffensive angekündigt. "Wir haben uns im benachbarten Stadtteil Sukkari neu gesammelt und bereiten einen Angriff vor", sagte der örtliche FSA-Kommandeur Abu Omar al-Halebi. Die Einheiten der Rebellen-Armee FSA mussten sich am Donnerstag nach heftigen Gefechten aus dem südwestlichen Stadtviertel Salaheddin zurückziehen.

Das syrische Militär hatte einen Angriff gestartet, um die Aufständischen aus der seit fast drei Wochen umkämpften Millionenstadt zurückzuschlagen. Beide Konfliktparteien sehen im Ausgang der Schlacht um Aleppo eine Vorentscheidung über das Schicksal des Regimes von Präsident Baschar al-Assad .

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Die Rebellen geben sich entschlossen, selbst wenn ihnen nach eigenen Angaben die Munition auszugehen droht. "Wir sind hier, um zu Märtyrern zu werden", sagte Abu Ali, ein Kommandeur der Aufständischen. Er habe 400 Mann zusammengezogen, um auf die Großoffensive der Regierungstruppen zu reagieren. Abu Ali koordinierte seine Kämpfer über ein Funkgerät, er selbst saß wegen einer Verletzung im Rollstuhl.

"Wir haben es nicht mehr ausgehalten"

Am Donnerstag meldeten die Rebellen zunächst leichte Bodengewinne im südwestlichen Stadtteil Salaheddin . Doch wenig später räumten die Aufständischen nach heftigen Bombardements ein, zwei Straßenzüge aufgegeben zu haben, die sich als eine Front in dem weitgehend in Schutt und Asche liegenden Stadtteil herausgebildet hatten. Die Armee nahm nach Angaben staatlicher Medien die Aufständischen auch im Osten und im Südosten unweit vom Flughafen sowie in einem nordwestlich gelegenen Vorort unter Beschuss.

Angesichts der anhaltenden Kämpfe flohen weiter Tausende Menschen aus der Stadt. Die türkischen Behörden teilten mit, dass inzwischen mehr als 50.000 Flüchtlinge über die Grenze in das Nachbarland gekommen seien. Vor der Küste Süditaliens wurde ein Fischerboot mit 124 Syrern an Bord abgefangen. Sie kamen in einem Auffanglager unter.

"Wir haben es nicht mehr ausgehalten", sagte der Gemüsehändler Ahmed Schaaban aus Salaheddin, während er sich mit anderen Flüchtlingen durch einen Grenzzaun zwängte. Türkische Soldaten versuchten, für Ordnung zu sorgen. "Uns wurde alles genommen. Sie haben unsere Häuser verbrannt und uns unsere Existenz geraubt."

Das Rote Kreuz hat erstmals seit der Eskalation der Kämpfe vor einigen Wochen Nahrungsmittel und Medikamente nach Aleppo geliefert. Die Lastwagenkolonne hatte Lebensmittel für 12.500 Menschen und Verbandsmaterial für 1.000 Verletzte geladen, sagte ein Sprecher in Genf . Die Hilfsgüter sollen vom Roten Halbmond verteilt werden.

Luftangriff auf Dorfbewohner

In Tel Rifaat wurden Reuters-Reporter Zeugen eines Angriffs der syrischen Luftwaffe auf das 35 Kilometer nördlich von Aleppo liegende Dorf. Ein Kampfjet feuerte im Sturzflug Raketen ab, Bewohner flohen panisch. Aus einem Olivenhain stieg schwarzer Rauch auf, ein Lastwagen stand in Flammen.

Eine weinende Frau und sechs Kinder flüchteten aus ihrem Haus, eine andere Frau hielt einen Koran über ihren Kopf und küsste ihn. Mehrere Männer reckten verzweifelt ihre Arme in den Himmel. Ein Kämpfer sagte, die Luftwaffe nehme Rebellenstützpunkte in der Region ins Visier. "Vier unserer Basen in und um Tel Rifaat wurden bislang getroffen", sagte er. Drei Rebellen erwiderten vergebens das Feuer des Kampfjets.

Seit Beginn der Demonstrationen gegen das Assad-Regime vor 17 Monaten sind nach UN-Schätzungen etwa 17.000 Menschen ums Leben gekommen, die meisten Zivilisten. Die Zahl der Vertriebenen liegt laut UN bei 1,5 Millionen Syrern.

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Leserkommentare
    • Marobod
    • 10. August 2012 10:21 Uhr

    von Alepo und dann soll man zu Traenen geruehrt werden, weil diese ausgemerzt werden. An Stelle der syrischen Armee wuerde ich das gleiche machen und diese Nester ausraeuchern. Scheinbar ging es diesmal sogar ohne die Dorfbewohner zu verletzen.Es ist ziemlich feige sich hinter zivilisten zu verschanzen und dann zu hoffen durch diese Kollateralschaeden der Armee sich Sympathiepunkte einzuheimsen.

    Ein Buergerkrieg mag schlimm fuer die Bevoelkerung sein, diese hat die Wahl zwischen Flucht oder dableiben und auf da beste hoffen, oder auch sich einer der parteien anzuschließen um dazu beizutragen, daß der Konflikt schnell vorrueber ist. Sich aber gen Himmel zu wenden und nach Flugverbotszonen und gezielten NATO-Bombardements zu rufen wie in Lybien, ist daemlich - dieser Krieg ist ein inner syrischer Konflikt und hat uns außer humanitaere Hilfe zu leisten nichts anzugehen.

    7 Leserempfehlungen
  1. amerikanischer Aussenpolitik. Und Deutschland redet dem Ami dabei permanent nach dem Maul. Genauso wie die Amerikanener diese Blutbad angezettelt haben genauso zynisch und naiv ist deren gesamte Aussenpolitik. Ghaddafi wurde gelyncht weil er eine Afrikanische Zentralbank gründen wollte und Telefonieren von Afrika nach Afrika mit einem Satelittenprojekt auf Ventbeträge reduzierte. Vorher hat das Telefonat von Kongo nach Zimbabwe 3 Euro die Minute gekostet und lief üder die ehemaligen Kolonien. Er hat Öl in Euro gehandelt und das Great Man Made River Projekt umgesetzt hat, das ganz Lybien nachhaltig mit trinkwasser versorgt auch wenn dann Coca Cola weniger verdient.[...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf hetzerische Kommentare. Danke. Die Redaktion/ag

    10 Leserempfehlungen
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    • Mardi12
    • 10. August 2012 14:00 Uhr

    Verstehe ich nicht. Konflikte um Telefongebühren und die Aussicht auf verminderte Gewinnmargen der Firma Coca-Cola führten zu Lynchjustiz gegen Ghaddafi?
    Also nochmal im Klartext, Forist westbonze: Die USA sind dementsprechend gegen Assad, weil Assad die Handygebühren für Mittelost senken will? Oder wie oder was ....?

    • Kiira
    • 10. August 2012 10:24 Uhr

    ""Wir sind hier, um zu Märtyrern zu werden", sagte Abu Ali, ein Kommandeur der Aufständischen."

    Wer ist Abu Ali? Ist das ein Kampfname? Die Wortwahl erinnert doch sehr an die Al-Kaida-Rhetorik.

    6 Leserempfehlungen
  2. In Israel gibt es meines Wissens ab und zu demokratische Wahlen, dass sagt doch alles.

    Was soll das bedeuten? Sobald man Okkupation, Vertreibung, Landmord, Folter und Mord demokratisch wählen lässt ist es in Ordnung?

    Sie waren noch nie in israel? Aber in syrien oder was?

    Falls Sie es nicht gemerkt haben...ich möchte hinaus auf Ihre völlig einseitige Betrachtungsweise.

    Sie verlangen hier in Syrien einzumarschieren und ein Regime zu stürzen auf Grund eines Amnesty Berichtes. Israel füllt halbe Jahrbücher bei Amnesty. Warum rücken wir nicht dort ein?

    12 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Demetrios udn Amnesie"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...Sie schreiben:

    "Sie verlangen hier in Syrien einzumarschieren und ein Regime zu stürzen auf Grund eines Amnesty Berichtes. Israel füllt halbe Jahrbücher bei Amnesty. Warum rücken wir nicht dort ein?"

    Wo habe ich denn das gesagt ? Ich sprach von Flugverbotszone und vor einigen Wochen von anderen Schutzzonen, schauen Sie es nach, soviel zu Amnesie und Medialist :)

    Wo habe ich denn das gesagt ? Ich sprach von Flugverbotszone und vor einigen Wochen von anderen Schutzzonen, schauen Sie es nach, soviel zu Amnesie und Medialist

    Als ob das einen Unterschied macht. "Den Weg freibomben" und "einrücken" ist doch am Ende des Tages das Gleiche.

    Sie wissen schon worauf ich hinaus will und drücken sich wie immer um eine Antwort...warum nicht in Israel?

    Es gibt auch für viele andere Länder erschreckende AI Berichte. Davon haben auch viele eine deutlich schwächere Luftabwehr. Können Sie meiner Argumentation folgen?

    • Mardi12
    • 10. August 2012 13:54 Uhr

    Was bitte sehr ist ein "Landmord"?

  3. uns die gute Frau Rovera doch nicht als glaubwürdige Instanz präsentieren, nachdem hier schon mehrfach festgestellt wurde, welch traurige Rolle AI und HRW nicht nur in diesem Konflikt spielen.

    [..]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/ls

    13 Leserempfehlungen
    • Kiira
    • 10. August 2012 10:27 Uhr

    "Die Zahl der Vertriebenen liegt laut UN bei 1,5 Millionen Syrern."

    Das sind nach allem was bisher bekannt geworden ist keine Vertriebenen sondern Flüchtlinge.

    9 Leserempfehlungen
    • Karl63
    • 10. August 2012 10:29 Uhr

    so wie der Rest der Arabischen Welt. Ganz selbstverständlich verfolgen die größten Verbraucher von Erdöl in dieser Region auch rein strategische Interessen. Einen direkten Zusammenhang mit dem Geschehnissen in Aleppo zu konstruieren, dies würde ich aber mehr in den Bereich des Abwegigen einordnen.
    Wenn hier in den Medien kommuniziert wird, dass die Gegner Assads von Saudi Arabien und Katar mit Waffen unterstützt werden, dann liegt der Schluss nahe: man will den Einfluss des Iran weiter reduzieren. Dies ist aber nur ein Aspekt des Ganzen, denn wenn man die Entwicklung des gesamten Afrikanischen Kontinents aus der Distanz betrachtet, dann ist das Staatsmodell "Kleptokratie" eindeutig auf dem Rückzug. Es geht zwar relativ langsam voran, aber die Demokratisierung schreitet selbst in Staaten voran, die lange Zeit von äußerst blutigen Konflikten beherrscht wurden.
    Es ist noch gar nicht solange her, da konnte sich hierzulande (auch) niemand vorstellen, dass die Herrschaft von Gadhafi über Libyen einmal damit enden würde, dass dieser aus einer Art Abflussrohr hervorkroch und um die Verschonung seines Lebens bitten musste.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    für das libysche Volk war, wie man dem nachstehenden Beitrag entnehmen kann:

    http://www.dailymail.co.u...

    DAS sollte dem syrischen Volk erspart werden, in Aleppo und anderswo ...

    Syrien liegt in (Vorder-)Asien.

    Ich stimme Ihnen zu, dass es mit Afrika langsam aber sicher vorangeht (vor allem wegen China), jedoch ist bei uns dafür die Klepto/Plutokratie stark auf dem Vormarsch!

  4. ...Sie schreiben:

    "Sie verlangen hier in Syrien einzumarschieren und ein Regime zu stürzen auf Grund eines Amnesty Berichtes. Israel füllt halbe Jahrbücher bei Amnesty. Warum rücken wir nicht dort ein?"

    Wo habe ich denn das gesagt ? Ich sprach von Flugverbotszone und vor einigen Wochen von anderen Schutzzonen, schauen Sie es nach, soviel zu Amnesie und Medialist :)

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte Syrien | UN | Flüchtling | Koran | Luftwaffe | Munition
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