"Natürlich habe ich meiner Familie geholfen, besser zu leben"
Als Ben Ali von Bord aus seinen Premierminister und den Parlamentspräsidenten anruft und erfährt, dass Sicherheitskräfte sie mit Waffengewalt in den Palast geholt haben, "da hat mein Mann verstanden", dass er Opfer einer Verschwörung werden sollte. Wenig später verliest der Premierminister eine Erklärung, wonach er interimsmäßig die Aufgaben des Präsidenten übernimmt. In Saudi-Arabien geht Ben Ali mit seiner Familie von Bord. Bevor er wieder einsteigen kann, ist das Flugzeug erneut gestartet – ohne ihn. "Präsident Ben Ali ist aus Tunesien abgeschoben worden", beschwert sich Trabelsi. "Der Staatsstreich war lange vor dem 14. Januar geplant", ist sie sich sicher. Auch der Premierminister versichert Ben Ali angeblich am Telefon: "Wir wissen nicht, wer die Order gegeben hat, Sie außer Landes zu bringen. Wir haben auch keine Ahnung, wer uns in den Präsidentenpalast hat bringen lassen zur Verkündung der Übernahme der Amtsgeschäfte."
Seriati, der selbst sofort nach dem Abflug Ben Alis wegen seines eigenmächtigen Handelns von der Armee festgenommen wurde, behauptet, der Präsident habe ausreisen wollen. Allerdings gibt es zahlreiche Hinweise darauf, dass er dem Präsidenten Bedrohungen schilderte, die es objektiv nicht gab – womöglich um ihn zur Flucht zu treiben. Aber in wessen Auftrag? Hatte der Chef der inneren Sicherheit selbst einen Staatsstreich vor? Dafür würde sprechen, dass überraschenderweise sein Stellvertreter die Leiter der Verfassungsorgane nach dem Abflug Ben Alis in den Präsidentenpalast bringen ließ, damit der Premier die interimsmäßige Übernahme der Amtsgeschäfte verkündete. Auch soll Seriati Wochen vorher zum Unmut des Verteidigungsministers die Koordination zwischen Armee und Polizei an sich gerissen haben.
Leila Trabelsi gelobt Besserung
In einer anderen Aktion hat Oberst Samir Tarhouni, der Leiter der Anti-Terror-Brigade, am Nachmittag des 14. Januar eigenmächtig etwa 30 Mitglieder des Trabelsi-Clans im Flughafen festgenommen, um ihre Flucht ins französische Lyon zu verhindern. Das hat die renommierte Internetpublikation mediapart rekonstruiert. Die Ehefrau des Oberst, die im Kontrollturm arbeitete, verzögerte demnach den Start der Maschine, bis die Einheit ihres Mannes eingetroffen war. All dies geschah, noch bevor Präsident Ben Ali das Land verlassen hatte.
In ihrem Buch geht die aus einfachen Verhältnissen stammende Leila Trabelsi auch auf die Geschäfte ihres Familienclans ein. Die neun Geschwister sowie Neffen, Onkel und Schwager waren in Tunesien als unfassbar geldgierig und korrupt verhasst, weil sie sich alle wichtigen Importmonopole sicherten und durch Drohungen Beteiligungen an allen gut gehenden Geschäften erzwangen. "Natürlich habe ich meiner Familie geholfen, besser zu leben", beginnt Trabelsi, um dann aber doch zuzugeben: "Einige von uns haben übertrieben, oft die Jungen, die sich grenzenlos von ihrer Profitgier haben treiben lassen." Sie habe ihren Unmut darüber gezeigt, "aber ich konnte nicht alles kontrollieren", verteidigt sie sich.
Heute sieht Trabelsi ein, dass ihre eigene raffgierige und skrupellose Großfamilie die "Achillesferse" der Regentschaft von Ben Ali war. Doch weniger das Unrecht als die Folgen dieses Gebarens für Tunesiens damaligen Präsidenten schmerzen die Dame, die heute im Exil in Jeddah nach eigener Auskunft viel Zeit mit Beten verbringt: "Hätte ich gewusst, dass Ben Ali dafür bezahlen müsste, wäre ich konsequenter dagegen vorgegangen." Und dass Leila Trabelsi Besserung gelobt, macht die Rückseite des Buchcovers deutlich: Hier steht fettgedruckt, dass die Einnahmen aus dem Verkauf des Buches an eine gemeinnützige Einrichtung gehen.








aus Haiti nach Zentralafrika 2004 lässt sich in der Tat nicht leugnen
dass sie selbst ihre 10 (in Worten: zehn) Brüder in zentrale Schaltstellen der (Wirtschafts-)Macht katapultiert hat - ohne Rücksicht auf Qualifikation, Leumund oder kriminelle Energie?
Die ganze Sippe hat jahrelang den tunesischen Staat als Selbstbedienungsladen betrachtet, Kritiker eingesperrt und das Wirtschaftsleben durch die Abschöpfunge aller Gewinne lahmgelegt.
Sie darf jetzt ruhig beten, da schadet sie wenigstens niemandem mehr.
...die es ohne Probleme rausgeschafft haben und ihre Tage im Exil verbringen dürfen. Mubarak und Gadhaffi hatten da weit weniger Glück.
Das da jemand unter Umständen "geholfen" hat, scheint mir durchaus glaubwürdig.
Anbetracht der jüngsten Geschichte sollten sie Seriati dankbar sein...
Entfernt, bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/se
empfehlen sich die kleptokratischen, despotischen Oligarchen der Yellow Press, um fortan ihre Beute "harmlos" parlierend im internationalen Jetset zu verprassen, angehimmelt von den treuherzigen Hundeblicken kleinbürgerlicher Feudalisten.
so besagt sie vor allem, dass:
1. der BenAli-Trabelsi-Clan persönlich und endgültig noch an dem despotisch-kleptokratischen System gescheitert ist das er selbst installiert, das ihn selbst getragen hat;
2.der despotische Eisberg nur seiner Spitze effektiv entledigt wurde.
Das heißt aber nicht,
dass die despotische Oligarchie selbst eine Scheinrevolution initiert hätte,
dass der BenAli-Trabelsi Clan gerechter gewesen sei, als sein Herrschaftsapparat, nur weil der selbst ihn ausspuckte,
und schmälert vor allem nicht Eigeninitiative und Leistung der tunesischen Bürger in ihrem Aufstand für Selbstbestimmung und Gerechtigkeit.
Komplexes, sich vor einer dynastischen Beherrschungsperspektive zu verwahren.
Mit einem islamistischen Real-boogeyman - demokratisch - an der Seite, liesse es sich wohl besser an, vom Westen Hofierung und Finanzhilfe einzuwerben. Schließlich lebte bin Laden damals noch und Pakistan machte vor, wie es geht.
Auch gegen die bittere Aussicht eines herzlosen IWF-Regimes konnte eine cohabitation in 'Grün oder grüner ?' versprechen, die nachhaltigere Zahlungsbereitschaft auszulösen.
Das demokratische Spiel mit dem Islamismus hat für Dritte-Welt Eliten mit einschlägig glaubhafter Bevölkerung, der mann alles zutrauen darf den Vorteil, jederzeit demonstrieren zu können, dass 'die Einschläge näher kommen'.
Diese Story überzeugt mich wenig. Jemand wie Ben Ali, der sich immerhin ein Vierteljahrhundert an der Macht gehalten hat, verliert diese, weil er sich von seinem Leibwächter in ein Flugzeug schubsen läßt? Wie plausibel ist das denn ?
Vielleicht war Ben Ali einfach nur schlauer als Gadhafi, Mubarak und Assad. Man vergleiche: Ben Ali lebt heute in Freiheit im luxeriösen Exil.
Gadhafi wurde getötet, Mubarak stirbt im Gefängniskrankenhaus und
Assads Chancen auf ein für ihn glimpfliches Ende schrumpfen täglich.
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