Der algerische Krisendiplomat Lakhdar Brahimi © AFP/Getty Images

Die Vereinten Nationen haben offenbar einen neuen Sondervermittler im Syrien-Konflikt gefunden. Nach langen Verhandlungen soll der algerische Krisendiplomat Lakhdar Brahimi den scheidenden Vermittler Kofi Annan zum 1. September ablösen. Das meldete die russische Agentur Interfax unter Berufung auf Diplomatenkreise. Der 78-jährige Brahimi war einst einer der engsten Mitarbeiter des ehemaligen UN-Generalsekretärs Annan.

Hundertprozentig ist die Personalie indes noch nicht. Aus westlichen Diplomatenkreisen hieß es, dass Brahimi grundsätzlich zugesagt habe, aber noch mit dem UN-Sekretariat über Einzelheiten seines Mandats spreche. Allerdings verlange er einen veränderten Titel und ein anderes Mandat als Annan, der im Auftrag der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga tätig war.

Schon kurz nach Annans Rückzug am 2. August hatte die UN angekündigt, "sehr bald" einen Nachfolger vorstellen zu wollen. Zwei Wochen später gab es aber immer noch keine Mitteilung und auch keine offizielle Bestätigung der UN über Brahimis Zusage .

Insider: Brahimi wird neue Strategie verfolgen

Der ehemalige UN-Generalsekretär Annan hatte Anfang August seinen Rückzug für Ende des Monats angekündigt. Zur Begründung nannte er die mangelnde Friedensbereitschaft der Konfliktparteien in Syrien und die Uneinigkeit der Vetomächte im Weltsicherheitsrat . Dort hatten Russland , ein enger Verbündeter des Assad-Regimes, und China drei kritische Syrien-Resolutionen scheitern lassen.

Ein Insider sagte, Brahimi werde Annans "gescheiterten Ansatz" nicht weiter verfolgen, sondern eine neue Strategie wählen. Brahimi war Außenminister in Algerien und als UN-Sondergesandter unter anderem in Afghanistan und im Irak tätig. Zu den Ländern, in denen er sich für die Vereinten Nationen einsetzte, zählen auch Südafrika , Haiti , Libanon, Liberia , Jemen , Kongo und Sudan .

Der UN-Sicherheitsrat hatte am Donnerstag das endgültige Ende der Beobachtermission in Syrien (Unsmis) besiegelt. Das Mandat läuft damit an diesem Sonntag um Mitternacht aus und wird nicht verlängert. Anstelle dessen soll es ein Verbindungsbüro in Damaskus geben. UN-Vertreter kündigten an, die verbliebenen Mitglieder des Teams würden aus der Hauptstadt Damaskus bis Freitag kommender Woche abgezogen. "Es ist klar, dass beide Seiten den Weg des Krieges gewählt haben, einen offenen Konflikt", sagte der stellvertretende Chef für UN-Friedenseinsätze, Edmond Mulet. "Der Raum für politischen Dialog und ein Ende der Kampfhandlungen und Schlichtung ist an dieser Stelle sehr, sehr reduziert."

Der französische UN-Botschafter Gérard Araud sagte nach Beratungen des Weltsicherheitsrats: "Wir alle hatten das Gefühl, dass die Bedingungen für eine Verlängerung nicht gegeben sind." Russland hatte ein Treffen der Syrien-Aktionsgruppe – bestehend aus den Veto-Mächten im Sicherheitsrat und arabischen Ländern – für diesen Freitag angekündigt.