War zur Förderung seiner politischen Laufbahn kurz im Ku Klux Klan: Harry S. Truman (1884 - 1972). © Keystone/Getty Images

Wir Amerikaner sagen: "Bei uns kann jeder Präsident werden ." Damit unterscheiden wir uns ganz wesentlich von den Deutschen. Es ist nicht so, dass das auf Deutschland nicht zutrifft, im Gegenteil. Der Unterschied ist, dass kein Deutscher es zugeben mag.

Warum? Ich habe da so eine Theorie. Aber zuerst einmal: Stimmt der Spruch überhaupt für Amerika ? Gibt es zum Beispiel Minderheiten, die noch nie US-Präsident geworden sind?

Unter den 44 Menschen, die es bisher ins Weiße Haus geschafft haben, waren noch keine Frau und kein Latino, obwohl das zugegeben nur noch eine Frage der Zeit ist. Auch kein Indianer hat es geschafft, allerdings schon zwei Teil-Indianer: die Urgroßmutter von Calvin Coolidge hatte vermutlich Indianer als Vorfahren und Obamas Mutter Cherokee in ihrer Genealogie.

Eine Minderheit, die tatsächlich ausgeschlossen zu sein scheint, sind hauptberufliche Prediger, auch wenn viele es versucht haben. Angesichts der starken Religiosität der Amerikaner ist das erstaunlich. Wir erwarten vielleicht von unserem Oberhaupt, dass es eine starke spirituelle Ader hat, aber eine richtige Theokratie wollen wir dann doch nicht sein, da sei Gott vor.

Zwölf Präsidenten waren Sklavenhalter

Auch Juden, Muslime oder Buddhisten sind bisher nicht ins Weiße Haus gezogen, dafür sind religiöse Minderheiten nicht grundsätzlich ausgeschlossen: Nixon war Quäker und der deutschstämmige Eisenhower wurde als Zeuge Jehovas erzogen, auch wenn er jener Kirche nie direkt angehörte. Obwohl es noch keinen bekennenden Atheisten gab, hatte fast ein Dutzend keinerlei erkennbare Bindung zu einer Kirche und vierzehn waren Freimaurer.

Zyniker behaupten gern, dass nur Megareiche Präsident werden können. Nach meiner Zählung allerdings war mindestens ein Drittel der Präsidenten, einschließlich Nixon, Eisenhower, Truman, Clinton und Lincoln , entweder arm oder stammte aus sehr bescheidenen Verhältnissen. Andere sind erst als Präsidenten arm geworden und mehr als einer musste in der Rente von staatlichen Zuwendungen leben.

Vor Kurzem erst wurde bekannt, dass Obama mütterlicherseits der erste Nachkomme eines Sklaven im Weißen Haus sein könnte, theoretisch zumindest. Auf jeden Fall ist da noch Nachholbedarf, denn es hat bereits zwölf Sklavenhalter unter den Präsidenten gegeben und Harry S. Truman , der später als Präsident die Atombombe auf Hiroshima warf, war sogar kurze Zeit Ku-Klux-Klan-Mitglied, um – ganz pragmatisch  – in Missouri den Beginn seiner politischen Laufbahn zu fördern.