Wir Amis / US-Wahlkampf : Die große Spielhalle Amerika und der Präsident als Hauptpreis
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Demokratie als Risiko

Heute wäre es wohl unmöglich für einen Mörder, Präsident zu werden, es hat aber Zeiten gegeben, in denen wir bestimmte Killer vertrauenswürdig fanden. Abgesehen von den Präsidenten, die als Soldaten in Kriegen gedient haben, muss man zuerst den Südstaatler Andrew Jackson nennen. Der als White Trash geborene Hitzkopf wurde bekannt als leidenschaftlicher Duellant. Es hieß, er würde so viele Kugeln in sich tragen, dass er klackere wie ein Sack voll Murmeln. In mindestens einem dokumentierten Fall hat er seinen Gegner tatsächlich erschossen. 23 Jahre später wurde er Präsident.

Wahrscheinlich wäre es schwer für einen praktizierenden Hindu, einen Taubstummen, einen Zwerg oder einen Kandidaten der Grünen , das höchste Amt zu erreichen, aber im Großen und Ganzen stimmt der Spruch "Bei uns kann jeder Präsident werden" schon. Wir Amerikaner betrachten unser Land als eine große Spielhalle, in der jeder mit jedem konkurriert, und der erste Preis ist das Amt des Präsidenten. Dass an diesem Rennen wirklich jeder teilnehmen kann, halten wir für ur-amerikanisch. Wir sind stolz darauf und glauben tief im Herzen, dass so was in anderen Ländern nicht möglich ist.

Deutsche haben Angst

Damit liegen wir natürlich falsch. Gerade Angela Merkel hat es bewiesen. Erstens ist sie eine Frau, zweitens eine Quereinsteigerin aus der Wissenschaft und drittens ein, mit Verlaub, Ossi. Der pikante Unterschied: Die Deutschen geben es nicht gern zu. Selbst, als Merkel die erste Bundeskanzlerin Deutschlands wurde – ein historischer Moment –, hat jeder so getan, als ob das nichts Dolles sei.

Warum nur? Meine Vermutung: Es jagt den Deutschen Angst ein.

Denn wenn wirklich jeder Bundeskanzler werden kann, dann müssen wir uns möglicherweise auch von einem Kriminellen, einem Wahnsinnigen, einem hirnlosen Promi, einem Mitglied der FDP oder, wie in Amerika, einem Killer, einem Quäker, einem Schauspieler regieren lassen. Das wäre ja Demokratie ohne Kontrolle, ohne Garantien, ohne jede Sicherheit, Demokratie als Risiko. Auch Nixon, Bush Jr., Putin, und Berlusconi wurden demokratisch gewählt.

Demokratie geht aber nur so. Es gibt keine Garantie gegen Populisten, Demagogen, Marionetten, Opportunisten, Ku-Klux-Klan-Mitglieder, Schwarze, Frauen oder FDPler. Im Gegenteil: Eine Demokratie ohne Populisten, Demagogen, Marionetten, Opportunisten, Ku-Klux-Klan-Mitglieder, Schwarze, Frauen oder FDPler ist keine richtige Demokratie.

Den Deutschen macht das Angst. Uns Amis macht das an.

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Kommentare

56 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Definitionssache

Das mit der WM2006 habe ich mal gekonnt überlesen oder haben sie dafür Belege? Ich habe damals eher was anderes wahrgenommen und Ausnahmefälle gibt es immer, die eben zu solchen Ereignissen besonders markant leider herausstechen.

Patriotismus beinhaltet in seiner ursprünglichen Definition sicher nicht den Hass auf andere Staaten und Völker. Und genau so eine Debatte gab es eben 2003 bei Beginn des 3. Golfkrieges. Beide Seiten warfen sich vor, dass die jeweils andere Seite unpatriotisch sei. Wobei eine Seite die schwächere und undurchdachtere Definition auf ihrer Seite hatte... Die Grundfrage ist eben: für welche Aspekte des (Vater-)Landes eine patriotische Gefühlslage und Einstellung notwendig ist, um wirklich von Patriotismus zu sprechen. Im Endeffekt muss das jeder mit sich selbst vereinbaren.

Es stimmt natürlich vieles nicht.

Man kann nicht Präsident werden, wenn man nicht in den USA geboren wurde, selbst wenn man als Kleinkind eingewandert ist oder adoptiert wurde. Das hat sogar Verfassungsrang.

Unter den Minderheiten, die Herr Hansen vergessen hat: Geschiedene (in Deutschland schon lange kein Thema mehr), bekennende Homosexuelle (das war ein Artikel in der Time wert, als eine Lesbe Bürgermeisterin von Houston wurde) und ja, bekennende Atheisten.

typisch amerikanische weltsicht

leider kommt der autor nicht umhin die deutschen aus einer typisch amerikanischen position zu betrachten:
so muss selbst die deutsche unaufgeregtheit gegenüber einer KanzlerIN mit der berühmten "german angst" erklärt werden.
- lieber herr hansen, bitte erweitern sie ihr weltbild!
einseitig betrachtet könnte sich ihr artikel im übrigen auch so lesen:
sklavenhalter - klu klux klan - truman - hiroshima - amis macht das an.

"german angst" heißt so, weil das Wort "angst" entlehnt wurde,

da sich in der philosophischen debatte einst kein adäquater begriff für "angst" im angloamerikanischen finden ließ.

auf die deutschen verweist der begriff mithin nur aus etymologischen gründen, was später verwechselt wurde.

genauso könnte man aus der entlehnung "kindergarten" ein "german kindergarten" machen - irgendeine us-zeitung würde dann das schlagwort aufgreifen und "german kindergarten" als inbegriff deutscher politik einführen.

dies nur als anmerkung zu ihrem kommentar, dem ansonsten zustimme.

Amerika ist wunderbar

Vielen Dank für den Herzerwärmenden Artikel Mr. Hansen.
Es gut wenn in den USA jeder Präsident werden kann, aber mal ernsthaft, unterscheiden sich die Auswirkungen der Amtsführung von Mr.Teleprompter Obama groß ( außer einem smarten lächeln vielleicht, und der Krankenversicherung ), von Vorgänger G.W Bush? Das Gesetz H.R 1540 was Amerikaner eine unbegrenzte Inhaftierung ohne Anklageerhebung droht spricht Bände. Und ob das jetzt ein Dem oder Rep unterzeichnet ist doch nicht so wichtig. Barry Soetoro ist natürlich als Friedensnobelpreisträger und einer smarten Ehefrau an seiner Seite für die Medien vorzeigbar, und die Leute haben dann was zum nachdenken, aber ob das so entscheidend ist wer da die "Rolle" des Präsidenten spielt, ist doch eher sekundär nach meiner Einschätzung. Ich fand im übrigen G.W.Bush sympathischer
( wenn man die Politik mal komplett ausklammert ), weil er den Kampf gegen den Alkohol gewonnen hat, und sich für seine Ehefrau und gegen Jack Daniels entschieden hat.
In God we trust, mit besten Grüßen

http://www.aclu.org/blog/...

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