US-WahlkampfDie große Spielhalle Amerika und der Präsident als Hauptpreis

Sklavenhalter, Quäker, Schauspieler: In Amerika kann jeder Präsident werden. In Deutschland auch, aber hier hat man Angst davor, meint Kolumnist Eric T. Hansen.

War zur Förderung seiner politischen Laufbahn kurz im Ku Klux Klan: Harry S. Truman (1884 - 1972).

War zur Förderung seiner politischen Laufbahn kurz im Ku Klux Klan: Harry S. Truman (1884 - 1972).

Wir Amerikaner sagen: "Bei uns kann jeder Präsident werden." Damit unterscheiden wir uns ganz wesentlich von den Deutschen. Es ist nicht so, dass das auf Deutschland nicht zutrifft, im Gegenteil. Der Unterschied ist, dass kein Deutscher es zugeben mag.

Warum? Ich habe da so eine Theorie. Aber zuerst einmal: Stimmt der Spruch überhaupt für Amerika? Gibt es zum Beispiel Minderheiten, die noch nie US-Präsident geworden sind?

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Unter den 44 Menschen, die es bisher ins Weiße Haus geschafft haben, waren noch keine Frau und kein Latino, obwohl das zugegeben nur noch eine Frage der Zeit ist. Auch kein Indianer hat es geschafft, allerdings schon zwei Teil-Indianer: die Urgroßmutter von Calvin Coolidge hatte vermutlich Indianer als Vorfahren und Obamas Mutter Cherokee in ihrer Genealogie.

Eric T. Hansen

Eric T. Hansen ist Amerikaner, Buchautor (Planet Germany) und Satiriker, der sein halbes Leben in Deutschland lebte, heute in Berlin. Sein aktuelles Buch ist Die ängstliche Supermacht: Warum Deutschland endlich erwachsen werden muss. Auf ZEIT ONLINE erklärt er einmal in der Woche die Eigenheiten seiner Heimat – und der Deutschen.

Eine Minderheit, die tatsächlich ausgeschlossen zu sein scheint, sind hauptberufliche Prediger, auch wenn viele es versucht haben. Angesichts der starken Religiosität der Amerikaner ist das erstaunlich. Wir erwarten vielleicht von unserem Oberhaupt, dass es eine starke spirituelle Ader hat, aber eine richtige Theokratie wollen wir dann doch nicht sein, da sei Gott vor.

Zwölf Präsidenten waren Sklavenhalter

Auch Juden, Muslime oder Buddhisten sind bisher nicht ins Weiße Haus gezogen, dafür sind religiöse Minderheiten nicht grundsätzlich ausgeschlossen: Nixon war Quäker und der deutschstämmige Eisenhower wurde als Zeuge Jehovas erzogen, auch wenn er jener Kirche nie direkt angehörte. Obwohl es noch keinen bekennenden Atheisten gab, hatte fast ein Dutzend keinerlei erkennbare Bindung zu einer Kirche und vierzehn waren Freimaurer.

Zyniker behaupten gern, dass nur Megareiche Präsident werden können. Nach meiner Zählung allerdings war mindestens ein Drittel der Präsidenten, einschließlich Nixon, Eisenhower, Truman, Clinton und Lincoln, entweder arm oder stammte aus sehr bescheidenen Verhältnissen. Andere sind erst als Präsidenten arm geworden und mehr als einer musste in der Rente von staatlichen Zuwendungen leben.

Vor Kurzem erst wurde bekannt, dass Obama mütterlicherseits der erste Nachkomme eines Sklaven im Weißen Haus sein könnte, theoretisch zumindest. Auf jeden Fall ist da noch Nachholbedarf, denn es hat bereits zwölf Sklavenhalter unter den Präsidenten gegeben und Harry S. Truman, der später als Präsident die Atombombe auf Hiroshima warf, war sogar kurze Zeit Ku-Klux-Klan-Mitglied, um – ganz pragmatisch  – in Missouri den Beginn seiner politischen Laufbahn zu fördern.

Leserkommentare
    • TeaRex
    • 08.08.2012 um 5:17 Uhr

    Reagan war geschieden.

    Und Thomas Jefferson hat aus seiner Abneigung gegen das Kirchenchristentum jeder Couleur kein Geheimnis gemacht.

    • TeaRex
    • 08.08.2012 um 5:43 Uhr

    Charles Curtis, ein drei-achtel-Indianer, war immerhin Vizepräsident und damit nur einen Herzstillstand vom Präsidentenamt entfernt. Übrigens schon 1928.

    Antwort auf "Indianer"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Charles Curtis, ein drei-achtel-Indianer, war immerhin Vizepräsident und damit nur einen Herzstillstand vom Präsidentenamt entfernt. Übrigens schon 1928."

    weder Indianer noch Präsident.

    Ich glaub was hier missverstanden wrid. Eine minderheit als president muesste die kulturelle identitaet dieser minderheit vertreten um als solcher zu gelten. Eine genetischer hintergrund alleine haet keinen grossen einfluss. Und ich glaube darum gehts, kann eine minderheit, e.g. native Americans native, Hawaiians and native Alaskans president werden, wenn diese minderheit ihren kulturellen standpunkt vertritt, genauso wie ein weisser, christlicehr president seinen kulturellen standpunkt/identitaet vertritt. Ich glaube dass das nicht moeglich ist in den USA und auch nicht in anderen laendern.

    "Charles Curtis, ein drei-achtel-Indianer, war immerhin Vizepräsident und damit nur einen Herzstillstand vom Präsidentenamt entfernt. Übrigens schon 1928."

    weder Indianer noch Präsident.

    Ich glaub was hier missverstanden wrid. Eine minderheit als president muesste die kulturelle identitaet dieser minderheit vertreten um als solcher zu gelten. Eine genetischer hintergrund alleine haet keinen grossen einfluss. Und ich glaube darum gehts, kann eine minderheit, e.g. native Americans native, Hawaiians and native Alaskans president werden, wenn diese minderheit ihren kulturellen standpunkt vertritt, genauso wie ein weisser, christlicehr president seinen kulturellen standpunkt/identitaet vertritt. Ich glaube dass das nicht moeglich ist in den USA und auch nicht in anderen laendern.

    • wozie
    • 08.08.2012 um 8:39 Uhr

    "Vor Kurzem erst wurde bekannt, dass Obama mütterlicherseits der erste Nachkomme eines Sklaven im Weißen Haus sein könnte"

    Na und?? Soll das heißen, dass Obama als Präsident sowas wie "Sklavenwurzeln" hat?
    Der Artikel ist kulturwissenschaftlich nicht haltbar!

    Eine Leserempfehlung
  1. da sich in der philosophischen debatte einst kein adäquater begriff für "angst" im angloamerikanischen finden ließ.

    auf die deutschen verweist der begriff mithin nur aus etymologischen gründen, was später verwechselt wurde.

    genauso könnte man aus der entlehnung "kindergarten" ein "german kindergarten" machen - irgendeine us-zeitung würde dann das schlagwort aufgreifen und "german kindergarten" als inbegriff deutscher politik einführen.

    dies nur als anmerkung zu ihrem kommentar, dem ansonsten zustimme.

  2. Antwort auf "Jackson"
  3. Patrioten lieben das eigene Land, Nationalisten verachten die Herkunft anderer. Das ist ein himmelweiter Unterschied. Ich würde ihn als patriotisch beschreiben, sympathisch ist er mir aber auch nicht.

    Vielleicht, weil seine Schlussfolgerung nicht total abwegig ist und mich nervt, das er Recht haben könnte...?!

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Zyniker"
  4. Vielleicht sollte man den Artikel einmal so lesen: Erstens stellt Autor Hansen das Kuriositätenkabinett der eigenen US-Präsidenten vor in einer Mischung aus Abscheu, Bewunderung und vielleicht auch Stolz - was für ein Land, das diese Reihe von Präsidenten überlebt hat!

    Und zweitens stellt er fest, dass es in Deutschland führende Politiker gibt, die, wären sie führende Politiker in den USA, Stürme von Ablehnung und Selbstbeweihräucherung hervorrufen würden (gleichzeitig): unsere offen homosexuellen Bürgermeister und Außenminister z.B. oder unsere Bundeskanzler*in*. Gäbe es die in den USA, fände die konservative Rechte das gräulich, während die politisch Korrekten unentwegt Meilensteine der "Inklusivität" abfeiern würden. Und in Deutschland passiert - gar nichts. US-Bürger Hansen fragt sich implizit, warum die Deutschen nicht mal ein klein bisschen stolz darauf sind.

    Ob Autor Hansens Antwort, dass es sich um ein weiteres Beispiel der deutschen Angst vor Unordnung (die es ja nun wirklich! gibt) handelt, richtig ist, bezweifle ich. Vielleicht ist es uns einfach nicht so wichtig. Viele in den USA ewig ungeklärte, immer wieder hochkochende hochemotionale Themen sind in Deutschland ja eher low key, etwa die Abtreibung, die Homosexuellenehe, die Evolution... So vielleicht auch die Herkunft unserer Politiker. (Er (sie) muss sich aber standesgemäß benehmen können! - siehe Wulff.)

    Autor Hansens Artikel sind eben mit US-Humor, nicht mit deutschem Humor geschrieben.

    2 Leserempfehlungen
  5. Wir Deutsche brauchen unsere Angst, denn wenn es uns gut geht, sind wir traurig, dass wir nichts zu Jammern haben. Wir haben keine Ahnung was wir wollen, aber das wollen wir mit Sicherheit.

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