US-WahlkampfVergewaltigungsäußerungen machen Republikaner nervös

Frauen werden nach einer "wirklichen Vergewaltigung" nicht schwanger – mit diesem Satz hat ein Abgeordneter die USA aufgebracht. Die Republikaner wollen ihn loswerden.

Der US-Republikaner Todd Akin (Archiv)

Der US-Republikaner Todd Akin (Archiv)

In der Woche vor ihrem Parteitag geraten die US-Republikaner wegen der Äußerungen des Abgeordneten Todd Akin zu Vergewaltigungen in Turbulenzen. Der Senatsbewerber hatte dem Sender KTVI-TV gesagt, nach dem, was er von Ärzten höre, seien Schwangerschaften nach "echten Vergewaltigungen" selten. Wenn es eine wirkliche Vergewaltigung sei, dann verfüge der weibliche Körper über Wege, "zu versuchen, die ganze Sache außer Betrieb zu nehmen". Er lehne einen Schwangerschaftsabbruch daher grundsätzlich ab, auch bei Vergewaltigungsopfern.

Der designierte republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney und dessen Vize Paul Ryan distanzierten sich umgehend von Akin. In einer Mitteilung hieß es: "Eine Regierung unter Romney und Ryan wäre nicht gegen Abtreibungen nach Vergewaltigungen." Romney legte später in einem Interview mit der konservativen Website National Review Online nach. Die Äußerungen von Akin seien "beleidigend, unentschuldbar und, offen gesagt, falsch", sagte er. "Wie Millionen anderer Amerikaner finden wir sie anstößig."

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Nur Stunden nach seinen Äußerungen am Sonntagabend entschuldigte sich Akin für einen Teil seiner Äußerungen. Er habe sich falsch ausgedrückt, bleibe aber bei seiner strikten Ablehnung von Abtreibungen.

Akins Definition irritiert

Offen blieb zunächst, welche Unterscheidung Akin mit seiner Aussage "legitimate rape" treffen wollte. Im Deutschen kann legitimate mit "echt" oder "wirklich" sowie "legitim" übersetzt werden. Zum einen könnte Akin also zwischen tatsächlichen und vorgetäuschten Vergewaltigungen unterscheiden wollen. Eine Unterscheidung, die angebliche Vergewaltigungen als Vorwand für Abtreibungen unterstellt.

Zum anderen könnte Akin aber sogar eine noch gravierendere Definition gemeint haben, auf die etwa der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch hinweist: "Legitimate rape" im Sinne einer archaischen Definition, die von einer Vergewaltigung im rechtlichen Sinn nur dann spricht, wenn ein Mann eine ihm "fremde, sittlich bekleidete Frau" überfällt und sie mit physischer Gewalt zum Geschlechtsverkehr zwingt.

Akin selbst sagte dazu nach Angaben des Magazins Slate in einem Radiointerview, er habe sich versprochen und "forcible rape" gemeint. Das ist eine auch in den USA umstrittene Abgrenzung der Republikaner, die erzwungenen Geschlechtsverkehr unter expliziter Anwendung von körperlicher Gewalt meint.

Akin verliert Unterstützung

Das National Republican Senatorial Committee, das die Wahl der Republikaner in den US-Senat betreut, hat Akin nach Angaben des Nachrichtensenders CNN trotz seines Bedauerns die Unterstützung entzogen. Allerdings scheint Akin selbst weiterhin kandidieren zu wollen. Am Montagnachmittag schrieb er über Twitter, er sei in dem Wahlkampf, um zu gewinnen. Gleichzeitig bat er um Spenden. Zu einem Interview mit CNN erschien Akin trotz Zusage jedoch nicht.


US-Präsident Barack Obama nannte die Äußerungen widerwärtig. "Vergewaltigung ist Vergewaltigung", sagte er vor Journalisten. Akins Anmerkungen unterstrichen einmal mehr, "warum wir keinen Haufen von Politikern haben sollten, in der Mehrheit Männer, die über die Gesundheitsfürsorge für Frauen entscheiden". Claire McCaskill, derzeitige demokratische Senatorin aus Missouri, gegen die Akin antreten will, kritisierte dessen Worte als "beleidigend" und "ignorant". Zugleich warb sie auf ihrer Internetseite um Spenden für ihren eigenen Wahlkampf, um Akin zu verhindern.

Akin ist Abgeordneter im Repräsentantenhaus aus Missouri, Kandidat der Republikaner für den Senatssitz des Bundesstaates. In dem Interview sagte Akin, dass der Täter nach einer Vergewaltigung bestraft werden müsse, nicht aber das ungeborene Kind. Einer Studie aus dem Jahr 1996 zufolge gibt es in den USA jedes Jahr mehr als 32.000 Schwangerschaften als Folge von Vergewaltigungen.

 
Leserkommentare
  1. 1. [...]

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    19 Leserempfehlungen
  2. wenn man sich die äußerungen von herrn ryan anhört-denkt man, die entwicklung geht hundert jahre zurück.
    das medizinische hilfsprogramm u.a. für "ärmere" frauen -verhütung etc- soll in größten teilen abgeschafft werden.
    da paßt dann auch solch ein weltbild über vergewaltigung von einem anderen vertreter dieser partei.

    wir streiten uns hier über die "quote" für frauen und in den usa kommen die "salem hexenjäger" wieder.

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    Die Republikaner sind existenziell auf die Stimmen der religiösen Rechten sowie der Weißen Rassisten angewiesen. Vermutlich werden das auch die einzigen sein, die Romney und seine Leute am Ende wählen werden.

    Mich erinnert der Wahlkampf 2012 sehr sehr stark an den von 1964. Damals haben sich die Republikaner mit ihrem Kandidaten Barry Goldwater durch viele Unbeherrschtheiten und Radikale Sprüche - wie etwa Goldwaters Vorschlag in Vietnam Atombomben als Entlaubungsmittel einzusetzen - selbst ins Aus geschossen. Nicht einmal seine eigenen Leute haben ihn gewählt.

    Aber: auch Goldwater war Favorit der Wall Street

    Die Republikaner sind existenziell auf die Stimmen der religiösen Rechten sowie der Weißen Rassisten angewiesen. Vermutlich werden das auch die einzigen sein, die Romney und seine Leute am Ende wählen werden.

    Mich erinnert der Wahlkampf 2012 sehr sehr stark an den von 1964. Damals haben sich die Republikaner mit ihrem Kandidaten Barry Goldwater durch viele Unbeherrschtheiten und Radikale Sprüche - wie etwa Goldwaters Vorschlag in Vietnam Atombomben als Entlaubungsmittel einzusetzen - selbst ins Aus geschossen. Nicht einmal seine eigenen Leute haben ihn gewählt.

    Aber: auch Goldwater war Favorit der Wall Street

  3. dass sich die Vo..id..ten unter den Republikanern so stetig selbst entlarven, indem sie jede sich bietende öffentliche Situation dazu nutzen, solchen Blödsinn von sich zu geben. Die Kommentare dazu auf der Website der NYT sind so heftig, dass ich glatt noch Hoffnung bekomme, dass bei der Wahl alles gut ausgeht.

    Allerdings gibt es selbst dort Kommentatoren, die mit den üblichen "Rape-Myths" ankommen.
    "Viele Frauen geben an vergewaltigt worden zu sein, um die Abtreibung bezahlt zu bekommen."
    "In einer Ehe gibt es keine Vergewaltigung."
    und (gleich 2 auf einmal)
    "Wenn sich die Frau wehrt, also wirklich vergewaltigt wird, dann steht der Körper unter Stress und unter Stress kann eine Frau nicht schwanger werden."

    So. Und jetzt alle einmal ganz laut: Vergewaltigungsmythen sind MIST. Und viel zu Präsent in den Köpfen der Menschen, vor allem in den Köpfen bestimmter Machthaber/Richter/Polizisten. Sie sind auch viel zu Präsent in den Köpfen von Frauen, die sich damit schützen und denken SIE könnten ja kein Opfer werden, weil so was nur "bestimmten" Frauen passiert, die mit den "falschen" Männern verkehren.

    Es ist einfach traurig zu sehen, dass solche Worte überhaupt Zustimmung finden und mir tut jedes schwangere Opfer in den USA leid, das von Richtern und Geschworenen nicht ernst genommen wird, weil der Glaube wohl tatsächlich besteht, dass Schwangerschaft eine "echte Vergewaltigung" ausschließt, weil Frau ja einen magischen Anti-Rape-Baby-Mechanismus im Uterus versteckt.

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    glauben, durch diese Darstellung viel zustimmende Wählerschaft zu erhalten - und am besten, daß solches Denken sich zeigt; die US-Amerikaner haben die Wahl. -

    »Es ist doch wunderbar, dass sich die Vo..id..ten unter den Republikanern so stetig selbst entlarven, indem sie jede sich bietende öffentliche Situation dazu nutzen, solchen Blödsinn von sich zu geben.«
    Stimmt, und bei Parteien in Deutschland werden diese Vo..id..ten Politiker der Grünen auch noch Parteivorsitzende.
    http://www.spiegel.de/vid...

    glauben, durch diese Darstellung viel zustimmende Wählerschaft zu erhalten - und am besten, daß solches Denken sich zeigt; die US-Amerikaner haben die Wahl. -

    »Es ist doch wunderbar, dass sich die Vo..id..ten unter den Republikanern so stetig selbst entlarven, indem sie jede sich bietende öffentliche Situation dazu nutzen, solchen Blödsinn von sich zu geben.«
    Stimmt, und bei Parteien in Deutschland werden diese Vo..id..ten Politiker der Grünen auch noch Parteivorsitzende.
    http://www.spiegel.de/vid...

  4. das schlimme ist, dass Romney und Ryan sich aufgrund des wahlkampfes heute gegen solche erzkonservativen und -religiösen ansichten stellen und morgen (sollten sie an die macht kommen) sie befürworten werden.

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  5. "Wenn es eine wirkliche Vergewaltigung sei, dann verfüge der weibliche Körper über Wege, "zu versuchen, die ganze Sache außer Betrieb zu nehmen" "

    Der Song hat eigentlich einen anderen Kontext, aber fiel mir beim Lesen ein.

    The Cranberries: Zombie

    In your head, in your head,
    Zombie, zombie, zombie,
    Hey, hey, hey. What's in your head,
    In your head,
    Zombie, zombie, zombie?

    Was ist in Ihrem Kopf los, Mr. Akin?

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    Entfernt. Bitte achten Sie auf eine sachliche Wortwahl. Die Redaktion/sh

    Entfernt. Bitte achten Sie auf eine sachliche Wortwahl. Die Redaktion/sh

  6. ... oder doch eher Perverse und Erschreckende daran ist:
    dieser Republikaner GLAUBT DAS WIRKLICH !
    Es ist also keine "raffinierte Finte" oder dergleichen,
    keine Wählertäuschung oder was auch immer.
    Er und seinesgleichen (Ryan und Romney, etc.) sind
    wirklich von dem überzeugt, was sie da so von sich geben.
    Überzeugungstäter !!!

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  7. Der erfolglose Präsidentschaftskandidat Paul Huntsman hatte (ebenso erfolglos) davor gewarnt, die Republikaner sich zur anti-Wissenschaftspartei ("anti-science-party") entwickeln.

    Fundamentalisten, wie Todd Akin, die Evolution, Klimawandel und Schwangerschaft durch Vergewaltigung für linke Märchen halten, gewinnen an Macht (http://grist.org/politics...).

    Übrigens, Todd Akin vertritt die Republikaner im Wissenschaftskomitee des Repräsentantenhauses(http://www.salon.com/2012...).

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  8. ... und es handelt sich auch keineswegs um ein nebensächliches Feld der Sozialpolitik.

    Und doch signalisiert die Medienresonanz in allererster Linie Wahlkampf. Klar stürzen sich jetzt die Demokraten (wahlweise: Republikaner) auf die jeweils extremsten Köpfe der Republikaner (wahlweise: Demokraten).

    Suchkriterium:
    a) Ideales Feindbild für die jeweils eigenen Anhänger
    b) Möglichst Abschreckend für die politische Mitte / Wechselwähler.

    Da wird sich immer einer finden. Und zugegeben: Todd Akin ist der nahezu ideale Kandidat ... tief im Herzen werden die Demokraten ihm nicht zürnen, sondern dankbar sein ;-)

    Eine Leserempfehlung

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