In Afghanistan ist am Samstag ein amerikanischer Nato-Soldat von einem afghanischen Soldaten getötet worden. Bei dem Anschlag im Osten des Landes sei auch ein ziviler Mitarbeiter ums Leben gekommen, teilte die Nato mit. Ein Sprecher der Provinzregierung sagte, der Zwischenfall habe sich an einem Kontrollposten der Nationalarmee in der Provinz Wardak ereignet. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden auch drei afghanische Soldaten getötet. Unklar blieb, ob der Täter unter ihnen war.

Bei Anschlägen von Mitgliedern der afghanischen Armee und Polizei sind in diesem Jahr 52 Soldaten der Isaf-Schutztruppe getötet worden. Daher schränkte die Isaf gemeinsame Einsätze mit Afghanen vorübergehend stark ein. Der Anschlag ereignete sich, kurz nachdem die USA erklärt hatten, diese Einsätze würden nun wieder auf das frühere Niveau ausgedehnt.

Solche Innentäter-Vorfälle gelten als eine der größten Herausforderungen für die Nato-Mission. Die Angriffe afghanischer Soldaten beziehungsweise von Extremisten, die sich als solche ausgeben, vergrößern das Misstrauen gegenüber den heimischen Sicherheitskräften. Welche Auswirkungen der neuerliche Anschlag auf das Partnerschaftsprogramm der Isaf mit den afghanischen Streitkräften hat, ist nach den Worten eines Isaf-Sprechers noch offen.

BND ist pessimistisch

Der Bundesnachrichtendienst ( BND ) beurteilt die Lage in Afghanistan wesentlich negativer als die Bundesregierung . Der Geheimdienst erwarte noch mehr Anschläge von einheimischen Sicherheitskräften auf westliche Soldaten, berichtet der Spiegel . Nach dem internen BND-Bericht mit dem Titel "Afghanistan bis zum Jahr 2014 – eine Prognose" bleibe die Sicherheitslage kritisch. Auch das Wiedereingliederungsprogramm für reumütige Taliban-Kämpfer habe keine Auswirkungen auf einen Friedensprozess.

Auch nach dem offiziellen Abzug der westlichen Truppen Ende 2014 würden laut BND-Analyse bis zu 35.000 ausländische Soldaten gebraucht, um das Land zu stabilisieren. Dabei handele es sich zumeist um Ausbilder für die afghanische Armee, Kampftruppen für deren Schutz und möglichst viele Spezialkräfte für die Suche nach Terroristen.

Besonders vernichtend falle das Urteil über die Regierung des afghanischen Präsidenten Hamid Karsai aus. "Korruptionsanfälligkeit, persönliche Vorteilsnahme Einzelner und Nepotismus werden sich fortsetzen", heiße es in der als "Verschlusssache – vertraulich" eingestuften Analyse.