AfghanistanUSA setzen Ausbildung afghanischer Polizisten vorläufig aus

Die USA wollen 27.000 afghanische Soldaten einer Sicherheitsprüfung unterziehen, um Verbindungen zu Aufständischen aufzudecken. Die Polizisten-Ausbildung wird ausgesetzt. von dpa und dapd

Zwei afghanische Polizisten während einer Schießübung der US-Marine in Camp Leatherneck in der Provinz Helmand

Zwei afghanische Polizisten während einer Schießübung der US-Marine in Camp Leatherneck in der Provinz Helmand  |  © Adek Berry /AFP/Getty Images

Aufgrund der vermehrten Angriffe afghanischer Soldaten auf Nato-Truppen haben die USA die Ausbildung lokaler Polizisten in Afghanistan für einen oder zwei Monate ausgesetzt. Von der Entscheidung seien etwa 1.000 angehende afghanische Sicherheitskräfte betroffen, sagte der Militärsprecher John Harrell.

Etwa 27.000 afghanische Soldaten sollen zunächst neuen Sicherheitsprüfungen unterzogen werden, um mögliche Verbindungen zu Aufständischen aufzudecken, erst danach werde die Ausbildung wieder aufgenommen. Der Einsatz bereits ausgebildeter Sicherheitskräfte und die Rekrutierung weiterer Soldaten und Polizisten werde Harrell zufolge nicht unterbrochen.

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2012 wurden mindestens 45 Soldaten von Kollegen getötet

Seit Januar wurden bei Angriffen von Bewaffneten in afghanischen Uniformen mindestens 45 Nato-Soldaten getötet. Erst am Mittwoch wurden drei australische Soldaten von einem Angreifer erschossen. Der US-Zeitung Washington Post zufolge hätten einige Angriffe verhindert werden können, wenn die Sicherheitsmaßnahmen eingehalten worden wären. Bei bisherigen Prüfungen wurden demnach auf afghanischer, aber auch auf US-Seite viele Vorschriften nicht beachtet, um den Aufbau der heimischen Sicherheitskräfte nicht zu verlangsamen. So wurde etwa darauf verzichtet, wie vorgeschrieben von den afghanischen Soldaten Empfehlungsschreiben zu verlangen, während sie stationiert waren.

Ein hochrangiger US-Militärangehöriger sagte der Zeitung, die Mechanismen zur Überprüfung seien zwar "sehr gut", griffen aber nicht in allen Fällen und müssten daher noch verbessert werden. Die Washington Post berichtet, dass es nach der Rekrutierung keine weiteren Überprüfungen gibt. So könnten afghanische Soldaten, die in den Einfluss der Aufständischen kommen oder desillusioniert werden, in der Armee bleiben. Dem Militärangehörigen zufolge müsse es weitere Überprüfungsmechanismen geben, während die Soldaten stationiert sind.

Die Nato ist derzeit noch mit etwa 130.000 Soldaten in Afghanistan vertreten. Bis Ende 2014 soll jedoch der Großteil von ihnen abgezogen werden. Für die Sicherheit im Land sollen dann möglichst flächendeckend heimische Sicherheitskräfte zuständig sein. Bislang übernahm die afghanische Seite die Verantwortung bereits für etwa die Hälfte der Bevölkerung.
 

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Leserkommentare
  1. Polizisten-Ausbildung ausgesetzt.Afghanistan wird weder sicher noch frei von Korruption, Fundamentalismus,Drogenhandel sein.Mal sehen wie der Bau der TAPI Pipeline vorankommt.

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    • Obscuro
    • 02. September 2012 15:23 Uhr

    Ich wage auch zu bezweifeln das sich der Krieg wegen dieser Pipeline gelohnt hat.
    Allerdings wenn man den Drogenanbau mit hinzu zieht......
    Nicht das ich hier andeuten will das es Menschen gibt die so "gemein" sind das mit ein Kalkuliert haben.
    Aber der langfristige Drogen verkauf könnte irgendwann die Kosten wieder reinholen.

    Aber im Grunde haben wir Afghanistan nur eins Gebracht. Wir haben den Menschen dort gezeigt das der Glaube ans Geld den an Gott ersetzen kann.

  2. 2. na ja

    ich denke voller erfolg.
    vor dem einmarsch lag die produktion der rauschmittelgrund-stoffe bei 200 tonnen im jahr.
    jetzt sind es 6000 tonnen im jahr.

    also ich meine der schutz dieser mohnfelder funktioniert, da wird echt was gutes an polizei und armee ausgebildet.

    4 Leserempfehlungen
  3. „Zwei afghanische Polizisten während einer Schießübung der US-Marine“

    Afghanen haben die Briten, Sowjets und - de facto - auch die NATO besiegt. Wenn die afghanische Bevölkerung irgendetwas definitiv nicht braucht, dann ist es Schießtraining.

    3 Leserempfehlungen
  4. Also ehrlich die Ueberpruefung ist zwar gut gemeint, aber warum soll die USA die Polizistenausbildung aussetzen, wenn sie mit Karsai einen Vertrag hat und diesen erfuellen muss?
    Wahrscheinlicher ist wohl eher, dass die Ausbildung zu mehr Selbststaendigkeit ansteht und dadurch ganz normale Ausbildungspruefungen gemacht werden, aber sicher nicht um 'Verbindungen zu Terrornetzen' zu ueberpruefen! Warum sollte so ein absolut unsinniger logistischer Aufwand gemacht werden? Zudem ist die Frage, warum Deutschland solche Ueberpruefungen nicht macht! Vielleicht weil Deutschland sich etwas verschaetzt hat und die USA nicht mehr bei jedem Problem laufen und 'Lueckenbuesser' spielen?! Es ist sehr interessant, wie Deutschland versucht in den USA Wahlkampf zu machen und sei es nur indirekt ueber bad images! Schade, dass Deutschland seine europaeische Abgrenzungspolitik in Bezug auf andere Grossmaechte immer noch nicht aufgibt und dadurch sich einfach nur noch mehr blamiert! Es waere gut zu verstehen, dass keine anderen Laender mehr als Filmkulissen herhalten!!

    • Obscuro
    • 02. September 2012 15:23 Uhr

    Ich wage auch zu bezweifeln das sich der Krieg wegen dieser Pipeline gelohnt hat.
    Allerdings wenn man den Drogenanbau mit hinzu zieht......
    Nicht das ich hier andeuten will das es Menschen gibt die so "gemein" sind das mit ein Kalkuliert haben.
    Aber der langfristige Drogen verkauf könnte irgendwann die Kosten wieder reinholen.

    Aber im Grunde haben wir Afghanistan nur eins Gebracht. Wir haben den Menschen dort gezeigt das der Glaube ans Geld den an Gott ersetzen kann.

    Antwort auf "Mission gescheitert"
    • bigbull
    • 02. September 2012 15:43 Uhr

    Seriöse Polizei müsste sofort 90 Prozent der amerikanischen
    Soldaten und einige Politiker des amerikanischen Außen-
    ministeriums verhaften.
    Dies würde der Gerechtigkeit dienlich sein.
    Keine weitere Korruption, keine weiteren Lieferungen von
    Drogen und keine weitere Waffenlieferungen von oder nach
    Afghanistan.
    Dann könnte dieses Volk nach jahrzehntelander Besatzung
    wieder zu sich selbst finden.

    • keibe
    • 02. September 2012 17:40 Uhr

    "Aufgrund der vermehrten Angriffe afghanischer Soldaten auf Nato-Truppen haben die USA die Ausbildung lokaler Polizisten in Afghanistan für einen oder zwei Monate ausgesetzt."

    Soldaten greifen also an und die Polizistenausbildung wird ausgesetzt. Sind Soldaten in Afghanistan dasselbe wie Polizisten? Haben sie gleiche Aufgaben?

    Ansonsten: was soll das?

  5. Die afgh. Soldaten erschießen die ausländischen Soldaten und Kollegen, warum?
    Wahrscheinlich bekommen sie zu wenig Geld, oder?
    Ohne Dollars schwenken sie alle wieder zurück zum Islam und den Talian.
    Bundeswehr sofort raus aus Afghanistan!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dapd, dpa
  • Schlagworte Nato | Bevölkerung | Washington Post | Ausbildung | Soldat | Afghanistan
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