Nichts anderes als eine neue Weltordnung hat Mahmud Ahmadinedschad in seiner Rede vor der UN-Vollversammlung gefordert. Die traditionellen Mächte würden in diesem System eine geringere Rolle spielen. Jedes Land sei gleichwertig, sagte er. Diese Ordnung würde Fairness und Gerechtigkeit schaffen. Mit direkten Angriffen auf Israel oder den Westen hielt sich der iranische Präsident dabei zurück. Er beklagte vielmehr den Zustand der Welt, die Armut und das Leid vieler Menschen. Verantwortlich machte er dafür ganz allgemein "den Kapitalismus" und "bestimmte Nationen".

Dem Westen warf er vor, sein Land im Atomstreit zu bedrohen. Die Einschüchterung durch die westlichen Mächte mit Massenvernichtungswaffen sei vorherrschend geworden, sagte Ahmadinedschad. Ein klares Beispiel dafür seien die Angriffsdrohungen aus Israel im Streit um das iranische Atomprogramm. Er bezeichnete die Israelis in seinen langatmigen Ausführungen als "unzivilisierte Zionisten", verzichtete anders als in den Vorjahren aber auf Provokationen zum Holocaust.

Wann immer Ahmadinedschad bisher vor den Vereinten Nationen sprach, war der Eklat programmiert. Seine Krawall-Auftritte in New York sind fast schon ein böses Ritual. Und so erwartete die Diplomatenwelt auch heute den alljährlichen Eklat in der Vollversammlung. Zumal es das vorerst letzte Mal sein wird, dass Ahmadinedschad in New York sprechen wird. Im nächsten Jahr endet seine Amtszeit.

Das Simon Wiesenthal Center hatte "die US-Mission und alle zivilisierten Nationen" dazu aufgefordert, während Ahmadinedschads Rede einmal wieder demonstrativ den Saal zu verlassen . Es sei eine Schande, dass der Holocaustleugner ausgerechnet an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, sprechen dürfe, teilte die Menschenrechtsorganisation des 2005 gestorbenen Nazijägers mit.

Die US-Mission war dem Aufruf gefolgt." In den letzten Tagen hat Herr Ahmadinedschad seine Reise zu den UN wieder einmal nicht genutzt, um die berechtigten Forderungen des iranischen Volkes vorzubringen", hieß es vorab aus dem Außenministerium. "Stattdessen hat er erneut paranoide Theorien verbreitet und widerwärtige Beschimpfungen gegen Israel losgelassen."

Ahmadinedschad beleidigt eigenes Parlament

Auch das eigene Parlament hat Ahmadinedschad wegen seiner Reise nach New York gegen sich aufgebracht. Denn wie immer logiert der iranische Präsident auch diesmal mit großem Gefolge in einem der feinsten Hotels der Stadt. Fast eine Million Dollar kostet die Reise für die 140 Leute, die Ahmadinedschad für seinen achten Besuch bei den Vereinten Nationen mitgebracht hat. Das iranische Parlament hatte die hohen Kosten kritisiert. Ahmadinedschad habe darauf angesprochen angeblich nur gekontert: "Das geht die einen Scheißdreck an." Sein Präsidialamt in Teheran bestritt anschließend zwar, dass die Worte so gefallen waren. Ein Video, dass die Aussage belegen sollte, war schwer verständlich. Aber zugetraut wurde es ihm sofort – auch von iranischen Abgeordneten.

Ahmadinedschad ist seit dem Wochenende in New York und hatte westlichen Medien bereits einige Interviews gegeben. Neben der Hetze gegen Homosexuelle gab es die üblichen Schmähungen gegen Israel, unterlegt mit dem schon bekannten süffisanten Lächeln.