Das Feuer prasselt, die Flammen züngeln die Wände hoch, dicker Qualm wabert durch die berühmten Gewölbe, Schreie und Schüsse sind zu hören. Ein weiteres Video zeigt schwarze Rauchwolken über der Altstadt – seit Samstag brennt das historische Zentrum von Aleppo . Rund Tausend Geschäfte liegen nach Aussagen von Anwohnern bereits in Schutt und Asche. Zwölf Kilometer lang ist der historische Basar, der zu den am besten erhaltenen im gesamten Orient und zu den größten Touristenattraktionen zählte.

Seit Jahrhunderten wurden hier Lebensmittel, Stoffe, Lederwaren und Gewürze verkauft. Mittelalterliche Häuser und Koranschulen, Kawansereien und Paläste sowie eine Moschee aus der Omayyadenzeit bilden ein einmaliges urbanes Ensemble, das 1986 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt wurde und dem jetzt die totale Vernichtung droht.

Denn in dem Labyrinth aus Gassen fehlt es an Löschwasser, weil das Wassernetz Aleppos nach einem Bombentreffer auf eine Hauptleitung kaum noch funktioniert. Scharfschützen zielen auf Helfer, die sich mit Handfeuerlöschern dem Souk zu nähern versuchen. "Es ist ein Desaster. Das Feuer breitet sich aus und bedroht nun auch alle übrigen Geschäfte", sagte der Aktivist Ahmad al-Halabi gegenüber der BBC. "Die Lage ist extrem schwierig."

Mittelalterliche Zitadelle dient als Geschützstellung

Der Direktor des Unesco-Weltkulturerbezentrums, Kishore Rao, sprach von einem "großen Verlust und einer Tragödie". Nach Angaben der in London ansässigen "Beobachtungsstelle für Menschenrechte" beschuldigen sich Armee und Rebellen gegenseitig, die Katastrophe ausgelöst zu haben.

30.000 Menschenleben hat der Bürgerkrieg in Syrien mittlerweile gefordert. Drei Millionen Syrer sind auf der Flucht, unersetzbare Kulturdenkmäler werden geplündert oder zerstört, weil Armee und Rebellen sie als Geschützstellungen missbrauchen. In der mittelalterlichen Zitadelle von Aleppo haben sich Regierungssoldaten verschanzt, ebenso in der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Omayyaden-Moschee.

Die Zitadelle ist seit Wochen heftig umkämpft, hinter den Schießscharten liegen Scharfschützen des Regimes auf der Lauer. Der Torturm wurde von einer Rakete getroffen. Das historische Dampfbad in der Altstadt wiederum dient bewaffneten Assad-Gegnern als Depot und Schlaflager.

Vor drei Tagen erst hatten die Rebellen die Entscheidungsschlacht für Aleppo ausgerufen. Die heftigen Kämpfe jedoch brachten bisher kaum Bewegung in die Fronten, die sich quer durch die alte Handelsmetropole mit ihren 2,5 Millionen Einwohnern ziehen. Jede Seite kontrolliert etwa die Hälfte der Stadt. Mehr als 200.000 Menschen haben ihre Wohnviertel in den letzten beiden Monaten bereits verlassen.