Bürgerkrieg in SyrienAleppos historischer Altstadt droht die Zerstörung

Rund Tausend Geschäfte des alten Basars sind niedergebrannt. Die fünfte von sechs Weltkulturerbe-Stätten in Syrien ist damit vom Bürgerkrieg erfasst worden. von 

Der historische Al-Madina-Basar in Aleppo vor der Zerstörung (März 2011)

Der historische Al-Madina-Basar in Aleppo vor der Zerstörung (März 2011)  |  © Fabian Bimmer/Reuters

Das Feuer prasselt, die Flammen züngeln die Wände hoch, dicker Qualm wabert durch die berühmten Gewölbe, Schreie und Schüsse sind zu hören. Ein weiteres Video zeigt schwarze Rauchwolken über der Altstadt – seit Samstag brennt das historische Zentrum von Aleppo . Rund Tausend Geschäfte liegen nach Aussagen von Anwohnern bereits in Schutt und Asche. Zwölf Kilometer lang ist der historische Basar, der zu den am besten erhaltenen im gesamten Orient und zu den größten Touristenattraktionen zählte.

Seit Jahrhunderten wurden hier Lebensmittel, Stoffe, Lederwaren und Gewürze verkauft. Mittelalterliche Häuser und Koranschulen, Kawansereien und Paläste sowie eine Moschee aus der Omayyadenzeit bilden ein einmaliges urbanes Ensemble, das 1986 zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt wurde und dem jetzt die totale Vernichtung droht.

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Denn in dem Labyrinth aus Gassen fehlt es an Löschwasser, weil das Wassernetz Aleppos nach einem Bombentreffer auf eine Hauptleitung kaum noch funktioniert. Scharfschützen zielen auf Helfer, die sich mit Handfeuerlöschern dem Souk zu nähern versuchen. "Es ist ein Desaster. Das Feuer breitet sich aus und bedroht nun auch alle übrigen Geschäfte", sagte der Aktivist Ahmad al-Halabi gegenüber der BBC. "Die Lage ist extrem schwierig."

Mittelalterliche Zitadelle dient als Geschützstellung

Der Direktor des Unesco-Weltkulturerbezentrums, Kishore Rao, sprach von einem "großen Verlust und einer Tragödie". Nach Angaben der in London ansässigen "Beobachtungsstelle für Menschenrechte" beschuldigen sich Armee und Rebellen gegenseitig, die Katastrophe ausgelöst zu haben.

30.000 Menschenleben hat der Bürgerkrieg in Syrien mittlerweile gefordert. Drei Millionen Syrer sind auf der Flucht, unersetzbare Kulturdenkmäler werden geplündert oder zerstört, weil Armee und Rebellen sie als Geschützstellungen missbrauchen. In der mittelalterlichen Zitadelle von Aleppo haben sich Regierungssoldaten verschanzt, ebenso in der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Omayyaden-Moschee.

Die Zitadelle ist seit Wochen heftig umkämpft, hinter den Schießscharten liegen Scharfschützen des Regimes auf der Lauer. Der Torturm wurde von einer Rakete getroffen. Das historische Dampfbad in der Altstadt wiederum dient bewaffneten Assad-Gegnern als Depot und Schlaflager.

Vor drei Tagen erst hatten die Rebellen die Entscheidungsschlacht für Aleppo ausgerufen. Die heftigen Kämpfe jedoch brachten bisher kaum Bewegung in die Fronten, die sich quer durch die alte Handelsmetropole mit ihren 2,5 Millionen Einwohnern ziehen. Jede Seite kontrolliert etwa die Hälfte der Stadt. Mehr als 200.000 Menschen haben ihre Wohnviertel in den letzten beiden Monaten bereits verlassen.

Leserkommentare
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    • A_Loser
    • 30. September 2012 21:20 Uhr

    In Bangladesch haben wütende Muslime buddhistische Tempel zerstört und Wohnhäuser angezündet - die Musklime waren wütend, weil ihr Prophet beleidgt wurde. Die Zeit berichtet leider nicht mehr darüber.

    • A_Loser
    • 30. September 2012 21:20 Uhr

    Entfernt wegen Doppelposting. Die Redaktion/kvk

    • Pereos
    • 30. September 2012 20:33 Uhr

    Es ist traurig,wie hier Lebendige Geschichte vernichtet wird. Ob in Aleppo, dem antiken Palmyra oder der Kreuzfahrerburg Krak des Chevaliers. Natürlich ist es noch trauriger wie die Zivilisten zwischen 2 Armeen die sich nicht besiegen können, zerieben werden und Grauenhaftes erleben :(
    Als Geschichtsinteressierter blutet mir hier das Herz,
    aufgrund der Kulturschätze.
    Als Mensch blutet mir das Herz umso mehr wegen dem Schicksal der Menschen in Syrien.

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    Ich stimme Ihnen in beiden Punkten ungeteilt zu. Darüber hinaus sollten wir einmal kurz reflektieren, dass es schon unheimlich ist, mit wieviel Sprengkraft unsere moderne Zivilisation Zeugnisse anderer Epochen auslöschen kann und Hundertschaften von Zivilisten in den Tod zu reißen vermag. In was für einer absurden Welt leben wir? Wohin hat uns soviel technischer Fortschritt gebracht, den wir uns in unsere eigenen steinzeitlichen Hände gelegt haben? Wann beginnt der ethische und mitmenschliche Fortschritt? Dieser Krieg ist ein weiterer Moment, an dem mir all diese Fragen wieder durch den Kopf gehen...

    denke ich auch permanent nach.

  2. ohne Ausnahme nur die Menschen dort leit. Was mit irgendwelchen Kulturschätzen zu tun hat geht mir vollkommen ab. Alles andere ist einfach nur zynisch.

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    • europeo
    • 30. September 2012 23:39 Uhr

    naja auch mir tun die menschen LEID, und zwar sehr, aber zynisch sind die westlichen und islamischen regierungen, die sich zu wenig um die zivilisten kümmern und nicht jene gebildete und kulturliebende menschen denen auch kultutgüter LEID tun.
    aber um kultur zu schätzen, muss man sich auch damit befassen.

    dort wo Kultur (insbesondere von solchem Stellenwert) derartig zerstört wird, kann man auch in Zukunft keine lebenswerten oder menschenwürdige Zustände erwarten. Daher sollte es uns immer leid tun, wenn wir von derartigen Aktionen erfahren.

  3. ist unendlich viel mehr wert, als alle Kulturschätze der Welt zusammen.

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    Zur Menschlichkeit gehört auch das Bewahren des Erbes.
    Aber der Mensch scheint immun gegen Gewalt gegen Artgenossen und Kulturgüter zu sein.
    Wie kann man einen Nachbarn töten und dazu dessen Haus abreißen?

    Zitat: " ein einziges Leben
    ist unendlich viel mehr wert, als alle Kulturschätze der Welt zusammen."

    Was wollen Sie uns damit sagen? daß man über solche Zerstörungen von Kulturgut locker hinweg gehen sollte?

    Natürlich sind Menschenleben wichtige als Kulturgüter, deren Zerstörung ist aber Ausdruck der gleichen Haltung. Wer jahrtausendealte Gebäude kaputtmacht, macht auch Menschen kaputt. Allein deswegen muss auch darüber berichtet werden.

  4. Zur Menschlichkeit gehört auch das Bewahren des Erbes.
    Aber der Mensch scheint immun gegen Gewalt gegen Artgenossen und Kulturgüter zu sein.
    Wie kann man einen Nachbarn töten und dazu dessen Haus abreißen?

    Antwort auf "ein einziges Leben"
  5. 6. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

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    "Ein weiteres Beispiel
    für die grenzenlose Dummheit der Menschen. Eine solche Spezies ist doch geradezu dafür prädistiniert sich eines Tages selbst auszulöschen."

    Sehen sie, es gibt da ein Gesetz das wir nicht verstehen. Wenn wir etwas zerstören, entsteht hinterher viel mehr. Wir haben mehr Bomben auf südkoreanischem Gebiet abgeworfen, als im gesamten Weltkrieg alle zusammen, und dort steht hinterher Hochkultur. Wir haben das Ruhrgebiet praktisch ausradiert, und hinterher ist es das am dichtesten Besiedelte Gebiet Europas. Mao hat große Teile Chinas tasächlich zerstört, diese Gebiete sind heute Weltindustriezentren. Und Hiroshima ist übrigens eines der wohlhabendsten Städte der Welt.

    Machen sie sich keine sorgen um uns Menschen. Wir sind wie eine Plage. Ich mache mir nur Sorgen um die Natur.

    • A_Loser
    • 30. September 2012 21:20 Uhr

    In Bangladesch haben wütende Muslime buddhistische Tempel zerstört und Wohnhäuser angezündet - die Musklime waren wütend, weil ihr Prophet beleidgt wurde. Die Zeit berichtet leider nicht mehr darüber.

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    Weil man dieses Mal nicht einem westlichen Video die Schuld zuweisen kann?

    Bei SPON gibt es diesbezüglich einen Artikel.

    Aber ohne Kommentarfunktion ;o)

    • A_Loser
    • 30. September 2012 21:20 Uhr
    8. [...]

    Entfernt wegen Doppelposting. Die Redaktion/kvk

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bürgerkrieg | Syrien | Unesco-Weltkulturerbe | Video | Aleppo | Homs
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