Euro-KriseMillionen Katalanen wollen nicht mehr für Spanien zahlen

In der Schuldenkrise wird in der wohlhabenden Region Katalonien der Ruf nach Autonomie von Spanien lauter. In Barcelona kam es zur größten Protestaktion der Geschichte. von dpa und reuters

Demonstranten in Barcelona

Demonstranten in Barcelona  |  © David Ramos/Getty Images

Weit mehr als eine Million Menschen haben am Dienstag in Barcelona für einen unabhängigen katalanischen Staat demonstriert. Die im März gegründete Unabhängigkeitsbewegung Katalanische Nationalversammlung ( ANC ) hatte zu der Demonstration am Nationalfeiertag Kataloniens aufgerufen. Die Zahl der Teilnehmer war weit höher als erwartet. Die ANC sprach von zwei Millionen Teilnehmern. Die Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten auf eineinhalb Millionen.

Die Demonstranten warfen der Zentralregierung in Madrid vor, aus Geldnot Milliarden aus der nordöstlichen Region abzuziehen. "Die Regierung hält uns zum Narren", sagte eine Demonstrantin. Rot-gelbe Fahnen schwenkend sangen die Demonstranten die katalanische Hymne.

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Die Großkundgebung im Zentrum Barcelonas unter dem Motto " Katalonien , ein neuer Staat Europas" war die größte in der Geschichte der Region. Bis zu 1.000 Reisebusse mit Demonstranten waren nach Angaben der Zeitung La Vanguardia aus allen Teilen der Region nach Barcelona gefahren.

51 Prozent wollen die Unabhängigkeit

Catalonia is not Spain (Katalonien ist nicht Spanien ), stand auf Englisch auf vielen Plakaten der Demonstranten. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts CEO befürworten 51 Prozent der Katalanen die Unabhängigkeit. Diese Zahl sei in den vergangenen Jahren wegen der gravierenden Wirtschaftskrise in Spanien ständig gewachsen.

BARCELONA, SPAIN - SEPTEMBER 11: People hold up green ballot cards for in favour of Catalonia's independence during a demonstration calling for independence during the Catalonia's National Day on September 11, 2012 in Barcelona, Spain. Thousands of Catalans took to the streets of Barcelona demanding a split from Spain and control of their own economy under the slogan 'Catalonia: New European State' on Catalonia's National Day. The Diada Nacional is held every September 11 to remember the defeat of the Catalan troops in 1714. (Photo by David Ramos/Getty Images)

Der Regierungschef der autonomen Region Katalonien, Artur Mas, warnte die Zentralregierung in Madrid, dass "Kataloniens Weg in die Freiheit sich öffnen wird", wenn Madrid und Barcelona keine Einigung über einen Fiskalpakt erzielten. Die Regierung in Barcelona klagt seit Längerem darüber, dass Katalonien mehr als 16 Milliarden Euro jährlich zur Entwicklung der restlichen Regionen Spaniens beisteuere, ohne dass davon etwas zurückfließe. Nach Schätzungen von Wirtschaftsexperten zahlt Katalonien pro Jahr mindestens zwölf Milliarden mehr an Steuern, als es an Leistungen – etwa über Schulen und Krankenhäusern – wieder erhält.

Katalonien ist hoch verschuldet

Katalonien ist mit 7,5 Millionen Einwohnern die wirtschaftlich stärkste Region Spaniens. Nach Angaben der separatistischen Bewegung würde ein unabhängiges Katalonien zu den wichtigsten Wirtschaftsmächten Europas gehören. Mit 42 Milliarden Euro ist Katalonien aber auch die am meisten verschuldete Region Spaniens. Die Schulden belaufen sich auf 21 Prozent des regionalen Bruttosozialprodukts. Die Regierung hatte im August bei der Regierung in Madrid Nothilfe im Umfang von gut fünf Milliarden Euro beantragt .

Katalonien strebt seit Längerem nach Autonomie, der Ruf hat sich aber in der Krise verschärft. Die Krise hat die Arbeitslosigkeit in die Höhe schnellen lassen, obwohl sie mit 22 Prozent noch unter dem Landesdurchschnitt von 24 Prozent liegt. Die Regionalregierung kann sich, wie andere Regionen auch, an den Finanzmärkten faktisch kein Geld mehr leihen.

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Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf aufwiegelnde Polemik. Danke, die Redaktion/ds

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  2. Ich hoffe es bleibt alles friedlich, und dass Katalonien bald unabhängig wird!

    • _bla_
    • 12. September 2012 9:16 Uhr
    3. Europa

    Entsprechende Abspaltungsbemühungen könnten in Zukunft immer populärer werden. Wenn die für die Menschen vor Ort relevanten politischen Entscheidungen immer häufiger entweder in Brüssel oder regional getroffen werden, nimmt die Bedeutung großer Nationalstaaten ab.

    In Brüssel könnte ein kleiner Staat Katalonien die Interessen seiner Bürger möglicherweise wirkungsvoller einbringen, als der spanische Staat die Interessen seiner Regionen in Brüssel vertreten kann. Die Mitgliedschaft in der Europäischen Union kann zunehmend die Bedürfnisse stillen, die früher nur dadurch erreichbar waren, Mitglied eines großen Staates zu sein.

    • noatron
    • 12. September 2012 10:00 Uhr
    4. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/se

    • Ferran
    • 12. September 2012 10:09 Uhr

    "DIE" Katalanen, eher die Menschen die in Katalunien leben und arbeiten sind, wie alle Bürger Spaniens, gereizt auf die Regierung Rajoy´s und dessen Sparmassnahmen. Die Mitmenschen wollen keinen eigenständigen Staat, sondern mehr Gerechtigkeit und Autonomie in der Verteilung des Steuergeldes.
    Es sind eher die Patrioten, die an vorderster Front im Eigeninteresse die Fahnen schwenken und die Medien interpretieren es als Volkswille und reissen entsprechend ihre Titel auf. Den wenigen Maulhelden, die wirklich an einen unabhängigen Staat Kataluniens glauben sind äusserst zufrieden und werden weiter schwadronieren...den meisten (stillen Katalanen) wollen einfach nur Ruhe...

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    • Ferran
    • 12. September 2012 10:21 Uhr

    Entfernt. Bitte führen Sie für Ihre Thesen Argumente an. Danke, die Redaktion/ds

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/kreditwuerdigkeit-sund...

    ein bißchen wie ein pubertierender der gerne alleine wohnen will, aber wenns dann auf hart kommt doch die eltern nach geld anpumpt.

    bayern, katalonien etc., werdet erwachsen!

    • Ferran
    • 12. September 2012 10:21 Uhr
    7. [...]

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  4. http://www.handelsblatt.com/politik/international/kreditwuerdigkeit-sund...

    ein bißchen wie ein pubertierender der gerne alleine wohnen will, aber wenns dann auf hart kommt doch die eltern nach geld anpumpt.

    bayern, katalonien etc., werdet erwachsen!

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    • Mortain
    • 12. September 2012 11:17 Uhr

    Ich verstehe immer noch nicht die deutsche Abneigung gegen die sogenannte Kleinstaaterei. Als Deutschland aus vielen kleinen Staaten bestand, war es das sympathische Deutschland. Groessenwahn, Militarismus und aggressiver Nationalismus entstanden nachdem Deutschland die Kleinstaaterei ueberwunden hatte.

    Ueberlegen Sie, ob "Kleinstaaterei" als Kampfbegriff eine glueckliche Wortwahl ist.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte Spanien | ANC | Autonomie | Euro | Finanzmarkt | Region
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