US-Präsident Barack Obama hat bestätigt, dass Botschafter Chris Stevens zu den vier Menschen gehört, die beim Angriff auf das US- Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi getötet wurden. Obama verurteilte die "empörenden Attacken" und ordnete erhöhte Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz amerikanischer Diplomaten in der ganzen Welt an.

Der 52-jährige Stevens hatte bereits während des Bürgerkriegs die US-Vertretung in Bengasi geleitet und wurde erst in diesem Jahr vom Senat in Washington als Botschafter in Libyen bestätigt. Bis zum gestrigen Dienstag waren erst fünf US-Botschafter im Dienst getötet worden – der letzte war Adolph Dubs im Jahr 1979 in Afghanistan .

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters ist noch nicht klar, ob der Botschafter sich zum Zeitpunkt des Attentats in seinem Auto befand oder im US-Konsulat . Am Dienstagabend hatte es heftige Ausschreitungen vor der amerikanischen Vertretung in Tripolis gegeben. Die Demonstranten feuerten nach Angaben von Augenzeugen mit automatischen Waffen und Granaten auf das Konsulat. Angesichts der zahlreichen Demonstranten zogen sich die libyschen Wachleute zurück. Ein Großteil des Gebäudes brannte nieder. Die Ausschreitungen hätten etwa drei Stunden gedauert, danach habe sich die Lage beruhigt, sagte ein Mitarbeiter des libyschen Innenministeriums.

US-Außenministerin Hillary Clinton verurteilte den Angriff und sagte, sie habe mit dem libyschen Präsidenten Mohammed el Megarif telefoniert, um den Schutz von Amerikanern in Libyen zu koordinieren. Clinton zeigte sich besorgt, dass die Proteste sich auf andere Länder ausweiten könnten. Die USA arbeiteten mit Partnern in der ganzen Welt zusammen, "um unsere Mitarbeiter, unsere Missionen und amerikanische Bürger weltweit zu schützen".

Der Präsident der libyschen Nationalversammlung Mohammed Magarief entschuldigte sich in einer von Al-Dschasira übertragenen Erklärung: "Wir entschuldigen uns bei den USA, dem Volk und bei der ganzen Welt für das, was geschehen ist."

Ausgelöst wurden die Proteste durch einen in den USA produzierten Film, in dem nach Ansicht der Demonstranten der Prophet Mohammed verunglimpft wird.

Demonstranten in Kairo hissen schwarze Flagge

Stunden zuvor waren Hunderte Demonstranten vor die US-Botschaft in Kairo gezogen. Die meisten Mitarbeiter hatten das Gebäude bereits verlassen, weil es zuvor Warnungen gegeben hatte. Die Demonstranten, bei denen es sich mehrheitlich um Islamisten handelte, holten die amerikanische Flagge ein und zerrissen sie. Sie hissten eine schwarze Fahne mit einer islamischen Inschrift. Die Menge wuchs im Verlauf des Abends an, bis schließlich Tausende vor der Botschaft versammelt waren. Die Behörden schickten zusätzliche Sicherheitskräfte, um die Menge von der Erstürmung der Botschaft abzuhalten. Das Außenministerium sagte in einer Stellungnahme zu, es werde die diplomatischen Vertretungen sichern. Die Sicherheitsabsperrungen auf den Straßen rund um die US-Botschaft in der ägyptischen Hauptstadt waren erst kürzlich entfernt worden, nachdem örtliche Händler dies vor Gericht durchgesetzt hatten.

US-Außenamtssprecherin Victoria Nuland sagte, die Botschaft arbeite mit ägyptischen Stellen zusammen, "um die Ordnung wiederherzustellen und die Lage wieder unter Kontrolle zu bringen". Die Botschaft hatte zuvor in einer Erklärung "die fortgesetzten Bemühungen fehlgeleiteter Individuen, die religiösen Gefühle der Muslime zu verletzen", verurteilt. Nuland rief dazu auf, aus dem Vorfall keine Rückschlüsse auf das amerikanisch-ägyptische Verhältnis zu ziehen. Sie wies darauf hin, dass Fortschritte bei Kontakten zur zivilen Gesellschaft erzielt worden seien.

YouTube will Video nicht entfernen

Sam Bacile, der Drehbuchautor, Produzent und Regisseur des Films, gegen den sich der Protest richtete, sagte, er habe mit solch einer Reaktion nicht gerechnet. "Es tut mir leid für die Botschaft", sagte er. "Ich bin wütend." Er sei Jude und kenne die Region. Der Film zeige, wie koptische Christen in Ägypten unterdrückt werden. Der vollständige Film sei noch nicht gezeigt worden, Angebote für einen Vertrieb habe er bisher abgelehnt. Ägyptischen Medien hatten seit mehreren Tagen über den Film berichtet und zeigten Ausschnitte. Konservative Geistliche verurteilten das Video.

Der Film ist auch auf YouTube zu sehen. Ein Sprecher des Unternehmens sagte, die Website werde das Video nicht entfernen.