Der ehemalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi (Archiv) © Filippo Monteforte/AFP/Getty Images

Silvio Berlusconi ist am Dienstag zum ersten Mal mit dem Zug von Mailand nach Rom gefahren. Der italienische Ex-Premier hatte auf dem römischen Flughafen keine Landeerlaubnis für seinen Privatjet bekommen. Die Zugfahrt sei bequem gewesen, sagte Berlusconi später, "aber doch etwas anderes als das Flugzeug." Für Mailand-Rom auf Schienen braucht man drei Stunden, der Flieger ist nur wenig schneller. Berlusconi hat dennoch erstmals seit Jahrzehnten wieder etwas getan, das lange außerhalb seiner Welt lag. Er hat ein öffentliches Verkehrsmittel genutzt, wie ein normaler Bürger.

Der Steuerzahler kam für vulgäre Partys auf

Ein Zeichen der Zeit? In Rom ist soeben mit Schimpf und Schande die Regierung der Region Latium zurückgetreten, größter Koalitionspartner war die Berlusconi-Partei PDL . Eine gigantische Skandalwelle hatte die Rechtskoalition weggeschwemmt, die zwei Jahre lang derart ungeniert Steuergeld verschwendete, dass sie zum Schluss sogar der Parteigründer verurteilte und noch auf dem Bahnsteig in Rom eine Reform der Parteienfinanzierung forderte.

Während die örtlichen Politiker in Saus und Braus lebten, verfielen in der Fünf-Millionen-Einwohner-Region Latium Krankenhäuser und Schulen. Es ist ein Stück wie aus dem Lehrbuch des Berlusconismus: Eigeninteresse steht über Gemeinwohl. Wobei der Meister selbst seine berüchtigten Partys immerhin aus eigener Tasche zahlte – für die vulgären Gelage, die Berlusconis Fußvolk in der Provinz kostümiert als Nero und Caligula oder auch passenderweise mit Schweinemasken veranstaltete, mussten hingegen die Steuerzahler aufkommen. Denn das Geld reichte nie, trotz des Abgeordnetenlohns von rund 200.000 Euro jährlich.

Ein eigener Hoffotograf und eigene Krankenschwestern

Zwar tagte das Regionalparlament nur hin und wieder, doch die Erhöhungen der Diäten für die 71 Abgeordneten kamen mit schöner Regelmäßigkeit. Zuletzt bewilligten sich die Parlamentarier 14 Millionen Euro jährlich. Der PDL-Fraktionschef soll 1,3 Millionen eingesteckt haben. Wer jetzt immer noch nicht über die Runden kam, fälschte Rechnungen und übergab sie der Partei, die alle möglichen Spesen übernahm, von Hotelübernachtungen bis zu luxuriösen Abendessen mit Austern und Champagner.

Am Ende kostete eine Volksvertretung, die noch nicht einmal in der Lage war, eine ordnungsgemäße Abfallentsorgung der Region zu organisieren, die Bürger 140 Millionen Euro im Jahr. Doppelt soviel wie das Parlament der größten Region Lombardei. Allein der Hoffotograf der nun abgetreten Regionalpräsidentin kostete jährlich 75.000 Euro. So viel wie zwei Krankenschwestern in der römischen Uniklinik.

Der Skandal in Latium offenbart das ganze ideologische und personelle Vakuum einer rechten Mitte, die einzig und allein das Ziel verfolgte, in die eigene Tasche zu wirtschaften. Jahrelang funktionierte das, ohne in der Öffentlichkeit einen Aufschrei zu produzieren, gewissermaßen im Windschatten von Berlusconi. Weil der Ex-Premier selbst Skandale am laufenden Band produzierte, konnte sein Gefolge nahezu unbeachtet und weitgehend unbehelligt agieren.