Es ist eine Mammut-Aufgabe, die vor Lakhdar Brahimi liegt: Er soll die Syrien-Krise mit diplomatischen Mitteln lösen, doch viel Hoffnung hat der neue Sondergesandte der UN und der Arabischen Liga für Syrien selbst nicht:  "Ich weiß, wie schwer es ist, fast unmöglich" , sagte am Montag und dieser Realismus hat seine Berechtigung. In Syrien herrscht ein Krieg ohne Aussicht auf ein baldiges Ende, im Sicherheitsrat blockieren Russland und China schärfere UN-Sanktionen gegen das Regime von Baschar al-Assad.

Frankreich und Großbritannien sprechen bereits von Flugverbotszonen über Syrien , die Türkei fordert sie auch. Für Moskau und Peking sind das bekanntlich Tabus, sie fühlen sich bis heute von der Libyen-Abstimmung im März 2011 überrumpelt, die zum internationalen Militäreinsatz führte. Diese fehlende internationale Zusammenarbeit im Sicherheitsrat hatte Brahimis Vorgänger Kofi Annan zermürbt. Dass der Neue frei ist von Illusionen, ist insofern wohl die beste Voraussetzung, um in diesem komplexen Konflikt zu vermitteln. Seine Tiefstapelei darf man durchaus als Taktik verstehen.

Schon zu Beginn seiner Mission zeigen sich Unterschiede: Anders als Annan fordert Brahimi nicht offen den Rücktritt des syrischen Machthabers Baschar al-Assad, auch wenn er sagt, in Syrien seien politische Veränderungen nötig. Zudem macht er sich nicht mit den Rebellen gemein, sondern betont seine Aufgabe als UN-Vermittler. In dieser Funktion hat er bereits große Erfahrungen. Der 78-jährige Algerier leitete die UN-Missionen im Irak und Afghanistan und vermittelte erfolgreich am Ende des 15-jährigen Bürgerkrieges im Libanon .

Im Nahen Osten gut vernetzt

Im Syrien-Konflikt treffen zahlreiche gegensätzliche Interessen aufeinander. So wollen die USA jegliche iranische Einflussnahme verhindern, Saudi-Arabien meldet Interessen an, die Türkei sorgt sich um den Kurdenkonflikt an ihrer Grenze. Mit den Politikern dieser Staaten wird Brahimi bald sprechen. Es darf ihm nicht verwehrt werden, mit allen zu reden – also auch mit aus westlicher Sicht feindlichen Gesprächspartnern wie dem Regime in Teheran oder der Hisbollah im Libanon.

Doch wichtiger könnte es werden, dass der Algerier im Nahen Osten als bestens vernetzt gilt. Das ist in der Konsequenz möglicherweise hilfreicher als die großen Lösungen über den UN-Sicherheitsrat . Zähe Verhandlungen in kleinen Einheiten, nicht nur mit Regierungen, auch mit Milizen, Parteien oder Clanchefs, können dann mehr zur Befriedung des Konfliktes beitragen. Dazu passend betonte Brahimi zum Amtsantritt, mit niemandem das Gespräch zu verweigern, wenn es der Lösung dient. Konkret wird er beispielsweise auch versuchen müssen, Sprecher von Oppositionsmilizen zu erkennen und einzubeziehen. Oder herausbekommen, ob die syrische, weitgehend alawitische Elite noch mit einer Stimme spricht.

Zu befürchten ist, dass dieser Krieg irgendwann so endet wie jene im Libanon oder im Irak. Dass Syrien ein Land wird, welches sich entlang konfessioneller und ethnischer Linien fragmentiert. Möglicherweise gibt es aber mit einem Szenario in dieser Richtung am schnellsten Frieden. Durch seiner Erfahrungen in Nahost wäre Brahimi wohl auch für diesen Weg der richtige.