Konflikt mit JapanChina versucht Proteste im Inselstreit einzudämmen

Die anti-japanischen Proteste in China gehen weiter. Die Regierung in Peking versucht, die teils gewaltsamen Demonstrationen gegen japanische Einrichtungen zu verhindern. von dapd

Anti-japanische Proteste in Hong Kong

Anti-japanische Proteste in Hong Kong  |  © Bobby Yip/Reuters

Etwa 60 Demonstranten versammelten sich am Morgen vor der japanischen Botschaft in Peking . Ihnen standen etwa 1.000 Sicherheitsbeamte gegenüber. Nach den Erfahrungen vom Wochenende versuchen die Behörden nun, den Protest im Keim zu ersticken. Sie drohen damit, Demonstranten festzunehmen, sollten sie gegen Gesetze verstoßen. Zudem ließ die Regierung Fotos und Einträge zu den Protesten von mehreren Websites  entfernen. Für Dienstag werden allerdings weitere Protestaktionen erwartet.

Der Streit mit Japan um eine Inselgruppe im Ostchinesischen Meer hatte bereits am Wochenende massive Proteste in zahlreichen chinesischen Städten ausgelöst. Tausende demonstrierten in Peking und in mehr als zwei Dutzend anderen Städten gegen die japanische Politik. Vor der japanischen Botschaft in Peking schlugen die Proteste in Gewalt um. Demonstranten warfen Steine auf die Botschaft, japanische Flaggen wurden verbrannt. Als einige Teilnehmer der Kundgebung versuchten, die Absperrungen um die Botschaft zu durchbrechen, wurden sie von der Bereitschaftspolizei zurückgedrängt.

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In der Hafenstadt Qingdao steckten Demonstranten eine Fabrik des Elektronikkonzerns Panasonic sowie eine Vertretung des Autobauers Toyota in Brand. In Changsha wurde ein Warenhaus der Firma Heiwado geplündert.

In Shenzhen nahe Hongkong gab es die heftigsten Zusammenstöße. Demonstranten plünderten einen japanischen Supermarkt und entrissen Polizisten Schilde und Helme. Mindestens ein Beamter wurde von einem Blumentopf getroffen. Ein Demonstrant hatte ein blutverschmiertes Gesicht. In Peking ging die Polizei in sechs Reihen vor der japanischen Botschaft in Stellung, um die diplomatische Vertretung zu schützen. Wütende Demonstranten warfen Wasserflaschen und skandierten anti-japanische Parolen. "Wenn Japan nicht zurückweicht, müssen wir in den Krieg ziehen", sagte ein Demonstrant. Viele trugen Bilder des Revolutionsführers Mao Zedong , was auch als Kritik an der heutigen Regierung verstanden werden kann.

In Chengdu versuchten 2.000 Menschen das US-Konsulat zu stürmen. Die Demonstranten erklärten, man wolle sich bei der amerikanischen Regierung Gehör verschaffen. In den USA protestierten einige Hundert Menschen im Viertel Chinatown in San Francisco .

China will wirtschaftlich Druck ausüben

Die Spannungen zwischen Japan und China wegen der Inseln nehmen schon seit Wochen zu . Auslöser der Proteste war jetzt der Kauf der umstrittenen Inseln durch die japanische Regierung, was in China als Affront betrachtet wurde. Die Regierung in Peking hatte Japan gewarnt, ein Kauf der Inseln, die in Japan Senkaku-Inseln und in China Diaoyu-Inseln genannt werden, von privaten japanischen Besitzern werde Konsequenzen haben. Nun versucht China, wirtschaftlichen Druck auf Japan auszuüben.

Japans Ministerpräsident Yoshihiko Noda rief die chinesische Regierung auf, die Sicherheit seiner Landsleute und der japanischen Fabriken zu gewährleisten.

Japan kontrolliert die Inseln seit 40 Jahren, nachdem sie von den USA, die sie im Zweiten Weltkrieg erobert hatten, aufgegeben worden waren. Beansprucht werden die Inseln aber auch von China und Taiwan .

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Leserkommentare
  1. Demonstrationen haben so ihre Tücken. Wie endete das "Genie der Karpaten"?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dapd,
  • Schlagworte China | Japan | Toyota | Botschaft | Brand | Fabrik
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