Mordfall HeywoodPolitiker Bo Xilai wegen Vertuschung unter Verdacht

Dem gestürzten chinesische Politiker Bo Xilai wird vermutlich der Prozess gemacht. Er soll versucht haben, die Tat seiner Frau zu decken, die einen Briten ermordet hatte. von dpa

Bo Xilai (Archivbild)

Bo Xilai (Archivbild)  |  © China-Bo/Wang Lijun/Reuters/Stringer

Dem gestürzten chinesischen Politiker Bo Xilai könnte nach der Verurteilung seiner Frau nun selbst der Prozess drohen. Er steht unter dem Verdacht, den Mord an dem britischen Geschäftsmann Neil Heywood durch seine Frau gedeckt zu haben, wie aus dem Gerichtsverfahren gegen seinen früheren Polizeichef Wang Lijun hervorgeht. "Ich denke, Bo Xilai wird angeklagt und vor Gericht gestellt, weil er den Mord vertuscht hat", sagte der Politikwissenschaftler Zhang Ming von der Volksuniversität in Peking.

Bo soll als früherer Parteichef von Chongqing schon im Januar von Ermittlungen gegen seine Frau gewusst haben. Der Polizeichef habe Bo damals über den dringenden Verdacht unterrichtet, dass seine Frau Gu Kailai den befreundeten Heywood ermordet hat. Daraufhin sei Bo wütend geworden und habe ihn mit einer Ohrfeige zurückgewiesen, sagte die Anwältin des ehemaligen Polizeichefs Wang Lijun unter Berufung auf Zeugenaussagen in dem Verfahren.

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Das Urteil gegen Wang werde am Montag verkündet, sagte die Anwältin. Dem früheren Polizeichef werden Fahnenflucht, Machtmissbrauch, Rechtsbeugung und Bestechlichkeit vorgeworfen. Da er mit seinen Aussagen den Skandal um Bo und seine Frau ausgelöst hatte, wird aber mit einem milden Urteil gerechnet.

Mord für Karriere ihres Mannes?

Heywood war im November 2011 in einem Luxushotel der zentralchinesischen Stadt Chongqing tot aufgefunden worden. Gu soll mit Heywoods Hilfe versucht haben, Geld ins Ausland zu schaffen. Als der Plan aufzufliegen drohte, soll sie den Briten vergiftet haben, um die Karriere ihres Mannes zu retten. Bo war damals Chef der Kommunistischen Partei in Chongqing und galt als aussichtsreicher Kandidat für einen Posten im ständigen Ausschuss des Politbüros – der engeren Führung der Kommunistischen Partei.

Als einer der wichtigsten Vertreter der Neuen Linken hatte er aber auch hochrangige Parteimitglieder mit einer populistischen Anti-Korruptionspolitik und seiner Berufung auf die Revolution gegen sich aufgebracht. Im Zuge des Skandals wurde er entmachtet . Bo Xilai wurde seit Monaten nicht mehr öffentlich gesehen. Er muss sich einer parteiinternen Untersuchung wegen "Verstößen gegen die Parteidisziplin" stellen. Seine Frau wurde im August wegen des Giftmordes an dem Briten zum Tode verurteilt, die Strafe ist zur Bewährung ausgesetzt.

Sohne eines "Unsterblichen"

Erst wenn die Ermittlungen der Partei gegen Bo abgeschlossen sind, kann der Fall an die Staatsanwaltschaft gegeben werden. Die Anklage könnte nicht nur auf Vertuschung lauten, sagte Experte Zhang Ming unter Hinweis auf mögliche Korruptionsvorwürfe. "Die Anklage könnte schwerer ausfallen, aber er könnte auch nur wegen Vertuschung des Mordfalls angeklagt werden", sagte er. "Er muss vor Gericht gestellt werden, sonst ist er eine Gefahr für die nächste Führungsspitze."

Wegen seiner Bedeutung als Sohn des Revolutionärs Bo Yibou, einem der sogenannten acht Unsterblichen der Partei, dürfte das Urteil aber milder ausfallen. "Ich denke, die Strafe könnte vielleicht zehn Jahre Haft sein", sagte Zhang.
 

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Leserkommentare
    • Hainuo
    • 20. September 2012 14:28 Uhr

    勃起來,勃起來,你是人民春夢的英雄~

    Und was von ihm bleibt, ist das einzigartige Bo-Xilai-Lied.

    http://www.youtube.com/watch?v=6QzSe6-m3Lg

  1. gab es (oder gibt es vielleicht noch immer) einen internationalen Haftbefehl wegen Verfolgung religiöser Minderheiten, Internierungen von Mitgliedern dieser Gruppe in KZ-ähnliche Lager etc.
    Wurde bei uns aber trotzdem mit Händedruck der Kanzlerin empfangen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Bo Xilai | Kommunistische Partei | Ermittlung | Gericht | Gerichtsverfahren | Karriere
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