Es waren Proteste gegen westliche Einrichtungen nach dem Freitagsgebet erwartet worden – dies war allzu berechtigt: Denn in etlichen muslimischen Ländern brach der Sturm los. In der sudanesischen Hauptstadt Khartum hat es die deutsche Botschaft getroffen. Angestachelt von einem bekannten muslimischen Geistlichen, der zu Protesten aufgerufen hatte, entlud sich der Unmut der Menge über einen umstrittenen Mohammed-Streifen.

Aufgebrachte Männer stürmten das Botschaftsgelände am Ufer des Nils, schlugen Scheiben ein, hissten statt der deutschen eine islamistische Flagge und steckten das Gebäude in Brand. Um die Feuerwehr von dem brennenden Botschaftsgelände fernzuhalten, blockierten die Demonstranten die Zufahrtsstraßen. Die sudanesische Polizei setzte Tränengas ein. Wie viele Demonstranten das Gebäude stürmten, ist unklar. Die Angaben schwankten zwischen einigen hundert bis zu 5.000. Auch gegen die benachbarte britische Botschaft ging der Mob vor.

Dann zogen tausende Demonstranten durch die Straßen in Richtung Stadtrand – zur US-Botschaft. Viele wurden auch in Bussen dorthin gebracht. Der Polizei gelang es trotz Tränengas-Einsatz nicht, das Gebäude der Amerikaner zu halten. Die Angreifer sprangen über die Mauer. Zeugen berichteten, dass die Polizei das Feuer auf die Demonstranten eröffnete. Mindestens drei Personen seien verletzt worden und regungslos am Boden gelegen. Arabische Medien berichteten, dass es einen Toten gegeben habe.

Außenminister Guido Westerwelle sagte in Berlin , die Mitarbeiter in der deutschen Botschaft seien rechtzeitig in Sicherheit gebracht, niemand sei verletzt worden. Westerwelle verurteilte die Angriffe und forderte ein Ende der Attacken auf westliche Botschaften in arabischen Ländern. Von der sudanesischen Regierung verlangte er die sofortige Wiederherstellung der vollen Sicherheit des Botschaftsgeländes, wie es internationalem Recht entspreche. Gleichzeitig verstehe er "die Empörung in der islamischen Welt über dieses anti-islamische Hassvideo" und verurteile es mit allem Nachdruck. Es sei aber keine Rechtfertigung für Gewalt, für die Erstürmung von Botschaften, für die Gefährdung von Leib und Leben, für die Tötung von Menschen.

Die sudanesische Regierung hatte den anti-islamischen Film nach einem Bericht der Zeitung Sudan Tribune am Donnerstag verurteilt. Daraufhin wurde in staatlichen Islamschulen zu Massenprotesten nach dem Freitagsgebet aufgerufen. Gefordert wurde zudem die Ausweisung des amerikanischen und deutschen Botschafters. Bereits am Mittwoch hatten Hunderte aufgebrachte Muslime vor der US-Botschaft in Khartum protestiert.

Zum Marsch auf die deutsche Botschaft hatte der bekannte Scheich Mohammed Dschisuli aufgerufen. So sollten die Demonstranten gegen mutmaßlich anti-islamische Graffiti an Berliner Moscheen demonstrieren und anschließend vor der US-Vertretung gegen das im Internet aufgetauchte islamfeindliche Schmähvideo. " Amerika ist seit langem ein Feind des Islam und des Sudans ", sagte Dschisuli im staatlichen Rundfunk. Das sudanesische Außenministerium hatte Deutschland auch dafür kritisiert, dass Islamgegner im August Mohammed-Karikaturen zeigen durften . Zudem hielt Bundeskanzlerin Angela Merkel die Laudatio , als Mohammed-Karikaturist Kurt Westergaard vor wenigen Tagen mit dem Potsdamer Medienpreis geehrt wurde.

Sudans Präsident Omar Hassan al-Baschir steht innenpolitisch selbst unter Druck der Islamisten. Sie werfen ihm vor, seit seiner Amtsübernahme 1989 religiöse Werte verraten zu haben.

Botschaften weiter in Alarmbereitschaft

Das Auswärtige Amt hatte bereits damit gerechnet, dass es in vielen arabischen Ländern zu neuer Gewalt kommen könnte. Westerwelle hatte angeordnet, die Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken. In mehreren muslimischen Ländern wurde das Sicherheitspersonal vor den Botschaften verstärkt. Manche deutsche Botschaften waren bereits vor dem Angriff im Sudan geschlossen worden, darunter diplomatische Vertretungen in nordafrikanischen Staaten sowie in Afghanistan und Pakistan .

Weltweit sind Botschaften in Alarmbereitschaft . In zahlreichen muslimischen Ländern kommt es seit Dienstag zu Protesten gegen den umstrittenen Film Innocence of Muslims , in dem der Prophet Mohammed als Kinderschänder, Schürzenjäger und Homosexueller geschmäht wird. Ziel waren in den vergangenen Tagen vor allem die Einrichtungen der USA , weil der Film vermutlich dort entstanden ist.