Der islamfeindliche Film Innocence of Muslims provoziert auch nach Tagen des Protestes neue heftige Reaktionen: Die libanesische Hisbollah hat nun zu einer Woche der Demonstration gegen den Film aufgerufen. Der Führer der radikal-islamischen Miliz, Scheich Hassan Nasrallah , forderte seine Anhänger auf, nicht nur ihren Ärger auf US-Botschaften zu richten, sondern ihre Regierungen zum Handeln aufzurufen. Diese müssten darauf dringen, dass der Prophet Mohammed und der Koran auf der ganzen Welt respektiert würden.

Er machte die USA für den Film verantwortlich, der in den vergangenen Tagen zu Angriffen auf westliche Einrichtungen in muslimischen Ländern geführt hat. "Diejenigen, die zur Verantwortung gezogen und boykottiert werden sollten, sind diejenigen, die die Produzenten unterstützen und beschützen, nämlich die US-Regierung", sagte Nasrallah in einer Fernsehrede.

Nasrallah kündigte an, die Hisbollah werde die ganze Woche über Demonstrationen im gesamten Libanon organisieren. Außerdem forderte er eine internationale Vereinbarung, die Angriffe auf Religionen verbietet .

Papst fordert Ende der Gewalt

Kurz zuvor hatte Papst Benedikt XVI . einen Besuch im Libanon beendet, bei dem er sich für den Weltfrieden eingesetzt hatte. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche rief bei einem Gottesdienst in Beirut für ein Ende der Gewalt in Nahost auf.

Seit knapp einer Woche gibt es in muslimisch geprägten Ländern immer wieder von kleinen Gruppen organisierte, teils gewalttätige Proteste gegen den in den USA von koptischen und evangelikalen Christen produzierten Amateurfilm . Darin wird der Prophet Mohammed als Kinderschänder, Schürzenjäger und Homosexueller verunglimpft. In Libyen starben am Jahrestag der Anschläge des 11. Septembers 2001 der US-Botschafter und drei Botschaftsmitarbeiter während eines Angriffs auf die US-Vertretung von Bengasi. Bisher nicht bekannt ist, ob diese Attacke nicht lange vor Bekanntwerden des Filmes geplant wurde. Nach dem Freitagsgebet griff im sudanesischen Khartum eine aufgebrachte Menge auch die deutsche Botschaft an und steckte sie teilweise in Brand .

In Afghanistan beriefen sich die radikalislamischen Taliban nach einem Angriff auf ein Militärlager auf den Schmähfilm. Zwei Soldaten starben. In der pakistanischen Stadt Karachi skandierten 5.000 Menschen anti-amerikanische Slogans. In der türkischen Hauptstadt Ankara verbrannte eine kleine Gruppe Demonstrierender eine amerikanische Flagge vor der US-Botschaft.

Insgesamt allerdings war am Wochenende zu beobachten, dass die Proteste an Intensität verloren. In Kairo , wo die Massendemonstrationen am Dienstag ihren Anfang genommen hatten, räumten Sicherheitskräfte den zentralen Tahrir-Platz.