Vor dem Regierungsgebäude in Hongkong protestieren Lehrer, Schüler, Studenten und Eltern gegen das Fach "Moral und Nationale Erziehung". © Philippe Lopez/AFP/GettyImages

In der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong ist am Sonntag ein neues Parlament gewählt worden. Die Wahllokale öffneten um 7.30 Uhr Ortszeit und sollten um 22.30 Uhr schließen. Knapp 3,5 Millionen Menschen waren aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Mit Ergebnissen ist erst am Montag zu rechnen.

Bei der Wahl 2008 wurde nur die Hälfte der 60 Sitze direkt gewählt. Am Sonntag durften die Hongkonger erstmals über 40 der nun insgesamt 70 Sitze entscheiden. Im derzeitigen Parlament halten die Demokraten 23 Sitze. Um ein Vetorecht bei Verfassungsreformen zu erhalten, müssen sie mindestens einen Sitz hinzugewinnen.

In Hongkong gilt kein allgemeines Wahlrecht, obwohl dies den Bewohnern bei der Unabhängigkeit von Großbritannien 1997 in Aussicht gestellt worden war. Gegenwärtig werden nur 40 Abgeordnete für vier Jahre direkt gewählt, die anderen bestimmen Interessengruppen, die größtenteils Peking-treu sind. 2017 soll erstmals der Regierungschef direkt gewählt werden, 2020 dann auch das Parlament.

Hongkong war vor 15 Jahren von Großbritannien an die Volksrepublik übergeben worden.

In jüngster Zeit hatten Proteste gegen Peking zugenommen . So wurde auch die Parlamentswahl von Demonstrationen begleitet. Zehntausende Menschen hatten in den Wochen vor der Wahl gegen die Pläne der Regierung zur Einführung eines patriotischen Unterrichtsfachs protestiert. Die Peking-treue Regierung wollte die Patriotismusstunden in Hongkong mit dem neuen Schuljahr zunächst auf freiwilliger Basis einführen. Ab dem Jahr 2016 sollte das Fach, das offenbar einer zunehmend anti-chinesischen Stimmung entgegenwirken sollte, dann an den Schulen Pflicht werden. Laut einer Umfrage waren 69 Prozent der Schüler dagegen. Viele von ihnen traten in den Hungerstreik. Kritiker beklagten, die Kinder sollten mit chinesischer Propaganda infiltriert werden. Geschichtliche Ereignisse wie die Niederschlagung der Proteste des Jahres 1989 auf dem Tiananmen-Platz in Peking würden in dem Unterrichtsfach vertuscht.

In einer überraschenden Wendung zog die Regierung die Pläne jedoch am Samstagabend zurück. Es sei den Schulen nun gänzlich freigestellt, ob sie das Fach einführten oder nicht, sagte der Regierungschef des halbautonomen Gebiets, Leung Chun Ying.