Senkaku-Diaoyu-Archipel : Taiwan schaltet sich in Inselstreit ein

Im Konflikt um die Inselgruppe im Ostasiatischen Meer hat nun auch Taiwan Schiffe geschickt. Japan und China kommen unterdessen ins Gespräch.
Japanische Patrouillenboote und taiwanesische Fischerboote vor dem Senkaku-Diaoyu-Archipel im Ostasiatischen Meer © Kyodo/Reuters

Im Territorialstreit im Ostchinesischen Meer haben sich japanische und taiwanische Schiffe nahe der umstrittenen Inselgruppe Gefechte mit Wasserwerfern geliefert. Rund 40 taiwanesische Fischerboote waren nach Angaben der japanischen Regierung zuvor von acht taiwanesischen Patrouillenbooten eskortiert in japanische Gewässer vorgedrungen. Der japanische Fernsehsender NHK zeigte Bilder, auf denen zu sehen war, wie die japanische Küstenwache aus kurzer Entfernung mit Wasserwerfern auf die taiwanesischen Schiffe schoss. Die Patrouillenboote feuerten ihrerseits mit Wasser zurück.

Die taiwanesische Küstenwache teilte mit, dass fast 60 Boote in die Nähe der Inseln vorgedrungen seien, einige davon bis in die Sperrzone. Der japanische Regierungssprecher Osamu Fujimura sagte, Taiwan sei zuvor gewarnt worden, Japans Hoheitszone nicht zu verletzen. Die Schiffe hätten sich nach dem Beschuss durch Wasserwerfer zurückgezogen. Am Vortag waren auch erneut chinesische Schiffe nahe der in Japan Senkaku und in China Diaoyu genannten Inseln aufgetaucht. Alle drei Länder beanspruchen die Felseninselgruppe für sich.

Unterdessen begann der japanische Vize-Außenminister Chikao Kawai in Peking Gespräche mit der chinesischen Seite. Im Mittelpunkt soll das stark belastete Verhältnis der beiden Länder stehen. Der neu entflammte Streit hatte in China zu massiven anti-japanischen Protesten geführt. Auch japanische Fabriken und Einrichtungen wurden dabei angegriffen.

In dem Gebiet des Senkaku-Diaoyu-Archipels gibt es reiche Fischgründe. Auch werden große Öl- und Gasvorkommen vermutet. Ausgelöst wurde die Krise durch den Kauf von drei der Inseln durch Japans Regierung. Tokio hatte damit verhindern wollen, dass die Inseln von japanischen Nationalisten erworben werden.

China nannte diesen Kauf jedoch illegal. Denn das Land erhebt ebenfalls Anspruch auf die unbewohnten Eilande. Daher werde China Japan auffordern, seine Fehler zu korrigieren und sich für bessere Beziehungen einzusetzen, teilte das chinesische Außenamt mit.

Verlagsangebot

Der Kult ums gesunde Essen

Nahrung soll Energie und Freude bringen. Doch immer mehr Lebensmittel werden zum Problem gemacht: Vom Salz bis zum Fleisch. Warum eigentlich? Jetzt in der neuen ZEIT.

Hier lesen

Kommentare

13 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Kalter Krieg um Ressourcen

Wie gleichen sich die Bilder - sie erinnern an die vieleb Varianten des Katz-und-Maus-Spiels zwischen Schiffen der Nato und des Warschauer Pakts.

Diese Aktionen sind ein Vorgeschmack auf die Konflikte um die letzten Ressourcen der Erde, die uns in den nächsten Jahrzehnten in Atem halten werden. Das Drehbuch ist schlicht und beginnt mit vorgeschobenen, frei erfundenen, skurril begründeten Ansprüchen auf die Ressourcen eines Gebiets, das nicht durch ein anderes Land verwaltet wird oder einem Land gehört, das einer Großmacht nichts entgegensetzen kann, gefolgt von immer weiter gehenden Übergriffen.

Die Verlierer werden vor allem kleinere, wehrlose Länder in der 3. Welt sein. Ich wette, daß man in China bereits an der Legende einer chinesischen Seemacht bastelt, der zufolge lange vor den westlichen Kolonialmächten irgendein chinesischer Kaiser Afrika in Besitz genommen hat - da haben wir also noch eine abtrünnige Provinz, noch dazu besiedelt von Menschen, die von den chinesischen Rassisten als Untermenschen angesehen werden. Ausschreitungen gegen schwarze Studenten gab es in China schon in den achtziger Jahren. Über Rassismus in China berichtet auch dieser Leserartikel:

http://community.zeit.de/...

Rassismus, Großmachtdenken und die Gier nach Ressourcen ergeben zusammen eine explosive Mischung. Japan hat diese Entwicklungsstufe hinter sich. China sollte schnell erkennen, auf welchen gefährlichen Irrweg es sich begibt.

Hitzköpfe haben längst verloren I

Japanische Nationalisten haben den ganzen Konflikt ausgelöst und später weiter angeheizt, warum ich folgende Aussage von Ihnen stark bezweifen muss: "Rassismus, Großmachtdenken und die Gier nach Ressourcen ergeben zusammen eine explosive Mischung. Japan hat diese Entwicklungsstufe hinter sich."

Ausgangslage: Das Gebiet ist umstritten, Japan übt die Polizeigewalt aus, aber chin. Fischer dürfen dort agieren. In Verträgen wurde entschieden dies so beizubehalten und ggf. Rohstoffe gemeinsam auszubeuten, sowie keine hoheitlichen Ansprüche zu zementieren oder einseitig Fakten zu schaffen.

1.) Japanische Nationalisten wollten das Gebiet kaufen und symbolisch befestigen. Nun hat die jap. Regierung hat (vorsorglich) eingegriffen und die Inseln gekauft. Dieses Vorgehen ist gut gemeint und auch in D üblich um Nazizentren zu verhindern. China hat auch lediglich mit einer kurzen Protestnote (schriftlich) reagiert, da es dies als Fakten schaffen verstanden hat (Luxenburg würde bei Kauf meines Grundstücks auch keine Glückwunschkarte, sondern ne Menge Steuern erwarten).
2.) Aus Hongkong sind dann Nationalisten zur Insel gestartet, allerdings von der japanischen Marine aufgehalten und zurückgeschickt worden (wohlgemerkt nicht verhaftet). Auch hier ein sehr defensives Vorgehen.
3.) Nun sind Nationalisten aus Japan gestartet, welche aber nicht aufgehalten wurden. Das fand in China natürlich wenig Anklang, war aber eher in der Anwesenheit von jap. Politikern begründet.

Ansprüche eben nicht "frei erfunden" I

Ich übersetze Ihnen gerne einmal die Argumente beider Seiten (aus: http://en.wikipedia.org/w...), wobei die Karten nur einen Grund darstellen, der Allerdings in dem Abgleich der Argumente entscheidend ist:

China:
1.) Entdeckung und frühe Aufnahme in Karten und Reisebeschreibungen
2.) Die Inseln waren Chinas Grenze off-shore Verteidigung gegen wokou (japanischen Piraten) während der Ming-und Qing-Dynastie (1368-1911). Eine chinesische Karte von Asien, sowie eine Karte von einem japanischen Kartographen im 18. Jahrhundert zeigt die Inseln als Teil Chinas.
3.) Japan übernahm die Kontrolle über die Inseln während des Ersten Sino-Japanischen Krieg 1894-1895, an welche sie wurden offiziell durch den Vertrag von Shimonoseki abgetreten wurden. Ein Brief des japanischen Außenministers (1885) warnt vor Annexion der Insel wegen der Besorgnis über Chinas Reaktion. Dies zeigt, dass Japan wusste, waren die Inseln nicht terra nullius waren.
4.) Die Potsdamer Erklärung legt fest, dass "japanische Souveränität der Inseln Honshū, Hokkaidō, Kyushu, Shikoku und solche kleineren Inseln beschränkt werden, wie wir bestimmen", und "wir" zu den Siegern des Zweiten Weltkrieges, die in Potsdam trafen bezeichnen, die USA, das Vereinigte Königreich und die Republik China. Japan akzeptiert die Bedingungen der Erklärung.
5.) China legte offiziell Protest ein gegen die 1971 erfolgte Übergabe der Kontrolle von den US an Japan

Sie sollten nicht mehr in die Geschichte hineininterpretieren

als da eh schon drin ist, CM.

Es dreht sich hier um eine Inselgruppe mit einem umstrittenen Besitzstatus - da waren sich Japan und China seit Unterzeichnung des Friedensvertrages 1978 eigentlich einig.

Dieser Status ist nun durch Japan einseitig verändert worden, und deshalb gibt es jetzt Streit in der Gegend.

Ihre Rassismusvorwürfe können Sie da getrost erst mal wieder einpacken.

Hitzköpfe haben längst verloren II

4.) Es gab passend zum Jahrestag des jap. Überfalls auf China zum 2.WK längst angemeldete Proteste (jedes Jahr wieder), die durch die gegenwärtige Entwicklung auch Radikale anzogen. Die chin. Regierung hatte offensichtlich Mühe diese Proteste in den Griff zu kriegen.
5.) China schickt zur Fischfangsaison (jedes Jahr) verstärkt Überwachungsboote (keine Kriegsflotte) an die Grenze! des umstrittenen Bereichs, dringt aber nicht in das selbst beanspruchte Gebiet ein. Umfang und Typ der Boote lassen eher auf eine Überwachung der eigenen Fischerflotte und Abwehr von innerchinesischen Extremisten schließen.
6.) Japan protestiert, Chinas Überwachungsboote hätten doch die Grenze kurzzeitig überschritten. Daraufhin entscheidet sich China Überwachungsdrohnen in das Gebiet zu entsenden.
7.) Es gibt nun Gespräche bzw Verhandlungen zwischen Japan und China diesen Streit beizulegen. Taiwan (das sich als eigentlicher Nachfolger Chinas versteht) beharrt ebenfalls auf Fischfangrechte in der Region und möchte offensichtlich einbezogen werden in die Verhandlungen.

Kurz: von einer Drohung oder einem Krieg sind wir noch weit entfernt. Nationalisten, die einfache Parolen bevorzugen scheinen weiter in der Minderheit zu sein (wenn auch mal wieder am lautesten). Alle Regierungen handeln bisher sehr nachvollziehbar und eher defensiv / deeskalierend.