JustizFlüchtiger irakischer Vizepräsident zum Tode verurteilt

Tarik al-Haschimi soll Terroristen finanziell unterstützt haben. Dafür soll der irakische Vizepräsident hingerichtet werden. Er hält sich derzeit vermutlich in Katar auf. von afp

Iraks Vizepräsident Tarik al-Haschimi

Iraks Vizepräsident Tarik al-Haschimi  |  © dpa

Der irakische Vizepräsident Tarik al-Haschimi ist in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. Richter in der Hauptstadt Bagdad befanden, al-Haschimi sei für den Tod eines Anwalts und eines Generals verantwortlich. Der Privatsekretär und Schwiegersohn des sunnitischen Politikers, Ahmed Kahtan, wurde ebenfalls zum Tode verurteilt. Der seit Mai laufende Prozess verschärfte den innenpolitischen Machtkampf zwischen Sunniten und Schiiten im Irak kurz nach dem Abzug der US-Truppen .

Al-Haschimi wird wegen Verdachts auf "Führung und Finanzierung terroristischer Anschläge" per internationalem Haftbefehl gesucht. Er war Ende 2011 in die autonomen Kurdengebiete im Nordirak geflohen, nachdem der schiitische Ministerpräsident Nuri al-Maliki seine Strafverfolgung veranlasst hatte . Laut einer Erklärung auf seiner Internetseite vom 10. August hält sich al-Haschimi in Katar auf.

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Al-Maliki wirft dem Vizepräsidenten vor, Leibwächter finanziell unterstützt zu haben, die in Anschläge verwickelt waren. Der Politiker und seine Anwälte hatten die Vorwürfe stets bestritten. Das Verfahren war in ihren Augen vom Ministerpräsidenten gesteuert, der auf diesem Wege einen politischen Gegner aus dem Weg räumen wolle. Al-Maliki regiert im Irak an der Spitze einer schiitisch-kurdischen Koalition. Beobachter werfen ihm einen zunehmend autoritären Regierungsstil vor. Der flüchtige al-Haschimi, der aus der sunnitischen Irakischen Islam-Partei (IIP) kommt, ist neben dem Schiiten Chudair al-Chusai Stellvertreter des irakischen Präsidenten Dschalal Talabani , der ein Kurde ist.

Das Verhältnis zwischen der schiitischen Bevölkerungsmehrheit (rund 60 Prozent) und der sunnitischen Minderheit (rund 20 Prozent) ist immer noch sehr angespannt. Sunnitische Extremisten verüben im Land wiederholt Terroranschläge.

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Leserkommentare
    • lxththf
    • 09. September 2012 14:59 Uhr

    fast 10Jahre Krieg geführt, haben hunderttausende ihre Leben verloren, wurden Millionen vertrieben, damit am Ende wieder wenige Mächtige um die Macht kämpfen? Das wird ein langer Weg für den Irak hin zur Stabilitiät.

    • M.Ammar
    • 09. September 2012 15:03 Uhr

    Warum wird betont, dass es sich bei dem einen um einen Schiiten, bei dem anderen um einen Sunniten handelt? Um Religion geht es schon lange nicht mehr, ..., ich habe es satt, mir von sogenannten Experten und Beobachtern einen Religionskrieg verkaufen zu lassen.

    Die ganze Sache stinkt zum Himmel, man will die gesamte Region aufspalten. Was geteilt ist, kann bekanntermaßen besser beherrscht werden. Von wem nur?

    • M.Ammar
    • 09. September 2012 15:17 Uhr

    Noch im März hat Hashemi behauptet, er werde das Land nicht verlassen (Interview hier mit der ZEIT http://www.zeit.de/2012/0...), jetzt befindet er sich in Katar? In dem Land der Menschenrechte, welches auch Menschenrechte in Syrien fordert?

  1. Man mag von der Todesstrafe halten, was man will, aber hier wird deutlich, dass im Irak niemand über dem Gesetz steht, selbst hohe Politiker nicht. Für die junge Demokratie ist es äusserst wichtig, dass Recht und Gesetz uneingeschränkt herrschen können.
    Das irakische Volk ist Herrn Bush und seinen zum Helfen entschlossenen Partnern in der Regierung der Vereinigten Staaten dankbar für diese positiven Entwicklungen. Gut Ding will Weile haben, und nun sehen wir bereits die Vorboten einer goldenen Zukunft dieses Landes.

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    • lxththf
    • 09. September 2012 15:35 Uhr

    meinen Sie doch ironisch oder? "Das irakische Volk ist Herrn Bush und seinen zum Helfen entschlossenen Partnern in der Regierung der Vereinigten Staaten dankbar für diese positiven Entwicklungen." Das macht mich dann doch schon ein wenig sprachlos. Es zeugt nicht von Demokratie wenn jemand in Abwesenheit ohne Verteidigung zum Tode verurteilt wird.

    • lxththf
    • 09. September 2012 15:38 Uhr

    in Ihren Kommentaren und dann wird deutlich, woher der Wind weht. Wenn jemand permanent von "Das Volk" spricht, zeigt dies das Demokratieverständnis, bzw. das sehr eingeschränkte.

    • lxththf
    • 09. September 2012 15:35 Uhr

    meinen Sie doch ironisch oder? "Das irakische Volk ist Herrn Bush und seinen zum Helfen entschlossenen Partnern in der Regierung der Vereinigten Staaten dankbar für diese positiven Entwicklungen." Das macht mich dann doch schon ein wenig sprachlos. Es zeugt nicht von Demokratie wenn jemand in Abwesenheit ohne Verteidigung zum Tode verurteilt wird.

    Antwort auf "Recht und Gesetz"
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    "Es zeugt nicht von Demokratie wenn jemand in Abwesenheit ohne Verteidigung zum Tode verurteilt wird." Andere Länder andere Sitten. Und auch andere Verfahren. Wir sollten uns (vor allem nachdem WIR uns so dezent zurück gehalten haben, als das irakische Volk nach Befreiung schrie) nicht anmassen, unsere Rechtsprinzipien als allein seligmachend anderen Völkern aufzudrücken.

    • lxththf
    • 09. September 2012 15:38 Uhr

    in Ihren Kommentaren und dann wird deutlich, woher der Wind weht. Wenn jemand permanent von "Das Volk" spricht, zeigt dies das Demokratieverständnis, bzw. das sehr eingeschränkte.

    Antwort auf "Recht und Gesetz"
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    Also, das bekomme ich jetzt nicht zusammen. Wenn jemand von "Volk" spricht, heisst das zuerst einmal gar nichts. Ich verstehe deshalb nicht, was Sie andeuten wollen. Zur Information: In Demokratien geht die Macht vom "Volk" aus. Nur hab ich jetzt schon wieder "Volk" gesagt und damit wohl bestätigt, "woher der Wind weht". Klären Sie mich bitte auf, wo das ist.

  2. Also, das bekomme ich jetzt nicht zusammen. Wenn jemand von "Volk" spricht, heisst das zuerst einmal gar nichts. Ich verstehe deshalb nicht, was Sie andeuten wollen. Zur Information: In Demokratien geht die Macht vom "Volk" aus. Nur hab ich jetzt schon wieder "Volk" gesagt und damit wohl bestätigt, "woher der Wind weht". Klären Sie mich bitte auf, wo das ist.

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    • lxththf
    • 09. September 2012 15:53 Uhr

    dass das Volk immer einen einzigen Willen hat, jedoch ist das falsch. Es besteht aus einem Pluralismus an Meinungen und daraus sollte sich in einer Demokratie eine Diskussionskultur entwickeln. Sie hingegen verallgemeinern mit das irakische Volk, das syrische Volk, das libysche Volk. Das ist kein demokratischer, sondern ein populistischer Ansatz. Am konkreten Beispiel."Das irakische Volk ist Herrn Bush und seinen zum Helfen entschlossenen Partnern in der Regierung der Vereinigten Staaten dankbar". Millionen vertriebene, huntertausende tote Zivilisten. Richtig müsste ihr Satz lauten "Ein Teil der Bevölkerung des Iraks ..." andernfalls postulieren Sie einen Absolutanspruch und dieser wird gern in populistischen Diktaturen verwendet. Anderes Beispiel. Rebellen sind genauso ein Teil der Bevölkerung, wie Regierungstruppen. Vielleicht versuchen Sie also in Zukunft Ihre Kommentare etwas differenzierter zu formulieren.

  3. "Es zeugt nicht von Demokratie wenn jemand in Abwesenheit ohne Verteidigung zum Tode verurteilt wird." Andere Länder andere Sitten. Und auch andere Verfahren. Wir sollten uns (vor allem nachdem WIR uns so dezent zurück gehalten haben, als das irakische Volk nach Befreiung schrie) nicht anmassen, unsere Rechtsprinzipien als allein seligmachend anderen Völkern aufzudrücken.

    Antwort auf "Ihren Kommentar "
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    • lxththf
    • 09. September 2012 15:55 Uhr

    und maßen sich an für das irakische Volk zu sprechen ;) Verstehen Sie worauf ich hinaus möchte?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP
  • Schlagworte Justiz | Nuri Al-Maliki | Anschlag | Dschalal Talabani | Strafverfolgung | Tod
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