Atomstreit : Europäische Staaten erhöhen Druck auf Iran

Neue Sanktionen sollen das Regime in Teheran zum Einlenken im Atomstreit bewegen. Präsident Ahmadinedschad gibt sich im Zusammenhang mit dem Mohammed-Schmähvideo moderat.

Deutschland, Frankreich und Großbritannien sprechen sich für neue europäische Sanktionen gegen den Iran aus. Entsprechend hätten sich die Außenminister Westerwelle, Fabius und Hague in einem Schreiben Ende vergangener Woche an die EU-Außenbeauftragte Ashton geäußert, sagte ein EU-Diplomat. Details der möglichen neuen Strafmaßnahmen würden noch ausgearbeitet.

Ein zweiter westlicher Diplomat ergänzte, es sei notwendig, im Atomstreit mit dem Iran die Sanktionen zu verschärfen. Es sei aber "immer noch Zeit für eine politische Lösung, eine diplomatische Lösung".

Der überwiegende Teil der Weltgemeinschaft verdächtigt den Iran, an Kernwaffen zu arbeiten. Iran spricht von friedlicher Nutzung der Atomkraft. Die Atombehörde des Landes hatte jüngst selbst eingeräumt, westliche Geheimdienste getäuscht zu haben. Die EU-Außenminister sollten bei ihrem Treffen in Brüssel am 15. Oktober über das Thema beraten.

Extremismus kritisiert

Neben dem Bürgerkrieg in Syrien wird der Atomstreit mit dem Iran ein Schwerpunkt der kommenden Generaldebatte der Vereinten Nationen sein. Dazu werden in der kommenden Woche am UN-Sitz Delegationen aller 193 Staaten erwartet.

Der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad tritt dort am Mittwoch ans Mikrofon. Sein Besuch dürfte überlagert sein durch das in den USA produzierte Mohammed-Schmähvideo. Der Film hatte in der islamischen Welt gewalttätigen Protest nach sich gezogen. Dutzende Menschen starben.

"Missbrauch der Freiheit"

Ahmadinedschad kritisierte das Video, ebenso aber auch seine Folgen: "Grundsätzlich und zuallererst verurteilen wir jede Aktion, die provokativ ist und die religiösen Ansichten und Gefühle der Menschen verletzt", sagte er dem US-Sender CNN . "Ebenso verurteilen wir jede Form von Extremismus."

Den Propheten zu verunglimpfen, sei "sehr schlimm". Das habe sehr wenig mit Freiheit und freier Meinungsäußerung zu tun. "Es handelt sich um eine Schwäche und einen Missbrauch der Freiheit, und an vielen Orten ist es ein Verbrechen", sagte Ahmadinedschad. "Wir mögen es nicht, wenn jemand sein Leben verliert oder – aus welchen Gründen auch immer – getötet wird, nirgendwo auf der Welt."

Das islamfeindliche Video und Mohammed-Karikaturen in einem französischen Satire-Magazin haben in den vergangenen eineinhalb Wochen in vielen islamischen Ländern zu teils gewalttätigen Protesten geführt.

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Kommentare

45 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Verdacht

"Der überwiegende Teil der Weltgemeinschaft verdächtigt den Iran, an Kernwaffen zu arbeiten."
Man beachte die Betonung 'verdächtigt'... Und all das wegen eines Verdachts?!
Was bin ich es leid mir irgendwelche Vorwände anzuhören weshalb man den Nahen Osten oder andere Länder unbedingt angreifen muss. Vorwürfe die sich hinterher ja doch als haltlos und dreiste Lüge erweisen.
http://www.youtube.com/wa...
Ich bin mir nicht mehr so sicher ob wir in diesem makabren Spiel noch 'die Guten' sind.

weltgemeinschaft

mittlerweile haben andere leser - wohl weniger gehässig und ohne bitte um aussagekräftige belege - darauf hingewiesen:

das reden vom "überwiegende[n] Teil der Weltgemeinschaft" ist reiner tarnsprech. der gouverneursrat des iaea hat 35 sitze. ein blick in die liste der dort aktuell vertretenen mitgliedsländer lässt erkennen, welche teile "der weltgemeinschaft" dort in welchem maße repräsentiert werden und welche nicht.
http://www.iaea.org/About...

darüber hinaus kann sich jeder einigermaßen nüchterne zeitgenosse ausmalen, welchen politischen einflüssen die jeweiligen delegierten in diesem gremium ausgesetzt sind.
http://www.spiegel.de/pol...

Naja.

Wie lange gibt es denn noch die EU?

Iran hat China und Russland und noch tausend andere Tricks sich den Sanktionen zu entziehen. Von daher sind die wahren Verlierer am Ende die EU-Staaten.

Und ein Angriff auf Iran wird immer unwahrscheinlicher wenn man sich die bevorstehende US-Wahl näher anschaut. Obama ist ganz klar gegen einen Angriff. Israel alleine hat dazu nicht die nötige Schlagkraft, es sei denn sie nutzen ihre A-Bomben. Wovon aber zu 99,9 % nicht auszugehen ist.

Von daher liebe Zeit-Online-Leser aufatmen! Die Welt wird noch nicht untergehen.