In der muslimischen Welt toben gewaltsame Proteste wegen des anti-islamischen Schmähfilms – dennoch kündigt das französische Satiremagazin Charlie Hebdo an, in seiner heutigen Ausgabe neue Mohammed-Karikaturen zu veröffentlichen.

Auf der Titelseite der Ausgabe ist der Ankündigung auf der Website zufolge ein gebrechlicher Mann mit Turban in einem Rollstuhl zu sehen, der von einem Mann jüdischen Aussehens geschoben wird. "Man darf sich nicht lustig machen", wird den beiden Figuren in einer Sprechblase in den Mund gelegt. Darüber prangt der Titel Intouchables 2 ( Die Unantastbaren 2 ), in Anlehnung an den Titel eines beliebten Films, der in Deutschland als Ziemlich beste Freunde in die Kinos kam.

Die Zeichnungen würden "jene schockieren, die schockiert werden wollen, wenn sie eine Zeitschrift lesen, die sie sonst nie lesen", sagte Chefredakteur Stephane Charbonnier, der als Zeichner unter dem Künstlernamen Charb bekannt ist, dem Fernsehsender iTélé. "Ist die Pressefreiheit eine Provokation?", fragte Charb. "Ich rufe strenggläubige Muslime ebensowenig auf, Charlie Hebdo zu lesen, wie ich in eine Moschee gehe, um einen Diskurs anzuhören, der meinen Überzeugungen widerspricht."

Regierung appelliert an Verantwortungsbewusstsein

Die französische Regierung äußerte sich besorgt über die Ankündigung. Alles, was in der gegenwärtigen Lage provoziere, müsse verurteilt werden, sagte Außenminister Laurent Fabius. Premierminister Jean-Marc Ayrault teilte seine "Missbilligung jeder Zügellosigkeit" angesichts der aktuellen Ereignisse mit. Er appellierte an ein verantwortungsbewusstes Verhalten aller. Der französische Rat der Muslime teilte seine "tiefe Bestürztheit" angesichts der "beleidigenden Zeichnungen" mit. Der Rat sei besorgt, dieser "unverantwortliche Akt" könne neue Spannungen schüren.

Der Chefredakteur rechtfertigte den Abdruck: "Wir veröffentlichen Karikaturen über jeden und alles jede Woche. Wenn wir es aber mit dem Propheten machen, wird es Provokation genannt", sagte Charb. Als Vorsichtsmaßnahme begann die französische Polizei damit, das Redaktionsgebäude in Paris abzusichern. Die Internetseite der Zeitung war aber bereits betroffen – sie ist derzeit nicht erreichbar.

Es ist nicht das erste Mal das Charlie Hebdo eine Mohammed-Karikatur veröffentlicht. Im November 2011 war es zu massiven Protesten vor der Redaktion gekommen, nachdem das Wochenblatt eine Sonderausgabe dem islamischen Recht, der Scharia, gewidmet hatte und diese Charia Hebdo genannt hatte. Dazu war der Prophet Mohammed als außerordentlicher Chefredakteur "eingeladen" gewesen. Demonstranten hatten damals das Gebäude in Brand gesetzt.

Wegen eines islamfeindlichen Videos aus den USA gibt es seit vergangener Woche in mehreren muslimischen Ländern teils gewaltsame Proteste vor US-Einrichtungen und anderen westlichen Vertretungen. Dabei wurden mehrere Menschen getötet, unter ihnen der US-Botschafter in Libyen . Die US-Regierung hat deshalb "aggressive Schritte" zum Schutz ihrer diplomatischen Vertretungen angekündigt. Die Sicherheitsvorkehrungen müssten die Bedrohungen für das Botschaftspersonal der Vereinigten Staaten in der Welt widerspiegeln, sagte Außenministerin Hillary Clinton .