Ausschreitungen vor der US-Botschaft in Sanaa © Reuters

Unschuld der Muslime lautet der Titel des Films, dessen Trailer eine Welle der Wut und Aggression in der muslimischen Welt ausgelöst hat. In zahlreichen Staaten gab es antiamerikanische Ausschreitungen , in Libyen wurden der US-Botschafter und drei Mitarbeiter getötet. Befürchtet wird ein Gewaltausbruch wie 2006 im Zuge der Mohammed-Karikaturen. Der 15-minütige Trailer schlägt so hohe Wellen, weil er den Propheten Mohammed in ungewöhnlich herabsetzender Weise beleidigt.

In konservativen Gesellschaften, beispielsweise der ägyptischen, steht der Islam für viele Menschen über allem anderen. Eine Beleidigung des Propheten kommt damit für sie einer Beleidigung ihrer selbst gleich. Der Film versucht alles, um genau dies zu erreichen. Es handelt sich um eine geschickt zusammengestellte Kombination größtmöglicher Beleidigungen für die Gefühle konservativer Muslime.

Gleich zu Beginn des Videos brennt ein mit Schwertern bewaffneter muslimischer Mob ein christliches Viertel nieder und schneidet einer Christin die Kehle durch. Ein entkommener christlicher Arzt versucht daraufhin, Familienangehörigen auf einer Schreibtafel in einer absurden mathematischen Gleichung vorzurechnen, dass Islam mit Terror gleichzusetzen sei.

Video war bereits Anfang Juli im Internet

In einer Nachstellung der Geschichte des Propheten wird Mohammed als elternloser "Bastard" dargestellt, der kurz nach der Offenbarung Allahs ängstlich zu seiner Frau rennt. Diese hält ihn für verrückt und befiehlt ihm, seinen Kopf zwischen ihre nackten Schenkel zu pressen und sagt: "Siehst Du immer noch den Teufel?" In religiös konservativen Gesellschaften, in denen Sexualität noch dazu ein Tabuthema ist, ist diese Darstellung eine unfassbare Erniedrigung des Propheten. Hinzu kommt, dass die bildliche Darstellung Mohammeds von den meisten sunnitischen Muslimen ohnehin als verboten angesehen wird.

Schließlich wendet sich Mohammeds Frau an einen verwandten Geistlichen. Dieser verspricht ihr, ein Buch (den Koran) zu schreiben, indem er Verse der jüdischen Tora und der Bibel zu neuen "falschen Versen" zusammenmischt. Damit sagt der Film im Grunde, dass der Islam eine einzige Lüge sei. Doch es kommt noch schlimmer: Die nächsten Minuten zeigen den Propheten als blutrünstigen und plündernden Verbrecher, der bei seinen Feldzügen den sexuellen Missbrauch von Kindern und Sklaverei erlaubt. Gegen Ende äußert einer seiner Begleiter gar, dass Mohammed homosexuell sei.

Das Video ist bereits Anfang Juli ins Internet gestellt worden und fand erst kaum Beachtung. Doch als ein gewisser Morris Sadek es am 5. September auf seinem arabischsprachigen Blog verlinkte, wurde es auch in der muslimischen Welt wahrgenommen. Sadek ist ein in den USA lebender, fundamentalistischer koptischer Christ. Auf seinem Blog bewarb er gleichzeitig eine Veranstaltung von Terry Jones, auf der dem Propheten symbolisch der Prozess gemacht werden und auch besagtes Video gezeigt werden sollte. Terry Jones wurde vergangenes Jahr durch seine breit angekündigte Koran-Verbrennung bekannt, die in Afghanistan und Pakistan zu Aufständen geführt hatte. Am 9. September erschien dann eine Arabisch-synchronisierte Version des Videos auf YouTube, wodurch es der arabischsprachigen Bevölkerung zugänglich wurde.