Mohammed-Video : Die größtmögliche Beleidigung für Muslime

In Nahost werden die Ausschreitungen wegen eines anstößigen Films wohl noch zunehmen. Wer steckt dahinter? Und was zeigt das Video eigentlich?
Ausschreitungen vor der US-Botschaft in Sanaa © Reuters

Unschuld der Muslime lautet der Titel des Films, dessen Trailer eine Welle der Wut und Aggression in der muslimischen Welt ausgelöst hat. In zahlreichen Staaten gab es antiamerikanische Ausschreitungen , in Libyen wurden der US-Botschafter und drei Mitarbeiter getötet. Befürchtet wird ein Gewaltausbruch wie 2006 im Zuge der Mohammed-Karikaturen. Der 15-minütige Trailer schlägt so hohe Wellen, weil er den Propheten Mohammed in ungewöhnlich herabsetzender Weise beleidigt.

In konservativen Gesellschaften, beispielsweise der ägyptischen, steht der Islam für viele Menschen über allem anderen. Eine Beleidigung des Propheten kommt damit für sie einer Beleidigung ihrer selbst gleich. Der Film versucht alles, um genau dies zu erreichen. Es handelt sich um eine geschickt zusammengestellte Kombination größtmöglicher Beleidigungen für die Gefühle konservativer Muslime.

Gleich zu Beginn des Videos brennt ein mit Schwertern bewaffneter muslimischer Mob ein christliches Viertel nieder und schneidet einer Christin die Kehle durch. Ein entkommener christlicher Arzt versucht daraufhin, Familienangehörigen auf einer Schreibtafel in einer absurden mathematischen Gleichung vorzurechnen, dass Islam mit Terror gleichzusetzen sei.

Video war bereits Anfang Juli im Internet

In einer Nachstellung der Geschichte des Propheten wird Mohammed als elternloser "Bastard" dargestellt, der kurz nach der Offenbarung Allahs ängstlich zu seiner Frau rennt. Diese hält ihn für verrückt und befiehlt ihm, seinen Kopf zwischen ihre nackten Schenkel zu pressen und sagt: "Siehst Du immer noch den Teufel?" In religiös konservativen Gesellschaften, in denen Sexualität noch dazu ein Tabuthema ist, ist diese Darstellung eine unfassbare Erniedrigung des Propheten. Hinzu kommt, dass die bildliche Darstellung Mohammeds von den meisten sunnitischen Muslimen ohnehin als verboten angesehen wird.

Schließlich wendet sich Mohammeds Frau an einen verwandten Geistlichen. Dieser verspricht ihr, ein Buch (den Koran) zu schreiben, indem er Verse der jüdischen Tora und der Bibel zu neuen "falschen Versen" zusammenmischt. Damit sagt der Film im Grunde, dass der Islam eine einzige Lüge sei. Doch es kommt noch schlimmer: Die nächsten Minuten zeigen den Propheten als blutrünstigen und plündernden Verbrecher, der bei seinen Feldzügen den sexuellen Missbrauch von Kindern und Sklaverei erlaubt. Gegen Ende äußert einer seiner Begleiter gar, dass Mohammed homosexuell sei.

Das Video ist bereits Anfang Juli ins Internet gestellt worden und fand erst kaum Beachtung. Doch als ein gewisser Morris Sadek es am 5. September auf seinem arabischsprachigen Blog verlinkte, wurde es auch in der muslimischen Welt wahrgenommen. Sadek ist ein in den USA lebender, fundamentalistischer koptischer Christ. Auf seinem Blog bewarb er gleichzeitig eine Veranstaltung von Terry Jones, auf der dem Propheten symbolisch der Prozess gemacht werden und auch besagtes Video gezeigt werden sollte. Terry Jones wurde vergangenes Jahr durch seine breit angekündigte Koran-Verbrennung bekannt, die in Afghanistan und Pakistan zu Aufständen geführt hatte. Am 9. September erschien dann eine Arabisch-synchronisierte Version des Videos auf YouTube, wodurch es der arabischsprachigen Bevölkerung zugänglich wurde.

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Kommentare

317 Kommentare Seite 1 von 28 Kommentieren

Treffer...

"Video war bereits Anfang Juli im Internet" mehr braucht man nicht sagen und am 11.09 brechen unruhen aus! Wenn das kein Zufall ist.

"islamfeindlichen Film" ein billiger Trash-Film (obwohl das wohl eine Beleidgung für einen Trash-Film wäre) interessant wäre wieviel er den gekostet hat (5 Millionen werden es nicht sein).

Jetzt die Frage der Fragen wer organisiert die Proteste in der arabischen Welt?

Noop...

allein der Trailer in Englisch hätte ja schon aufsehen unter islamkritischen Publikum finden können und viele dieser würden selbst so einen Trash-Film ablehnen.

Es erinnert so stark an den Karikaturenstreit. Die Karikaturen wurden auch Monate vorher veröffentlicht, erst als mehrere hinzugefügt wurden (unter anderen Mohammed mit Schweinekopf) erlangten sie in der islamischen Welt für aufsehen!

P.s. die Zeichner der hinzugefügten Karikaturen aus dem islamischen Raum haben sich bis heute nicht geoutet.

Proteste in der arabischen Welt

Wie einige Vorredner sagten: Die Proteste verweisen auf einen tieferen schwelenden Konflikt, das Video war nur der sprichwörtliche Tropfen.

Es geht darum, dass die Menschen in den arabischen Ländern jahrelang mit US-Kriegen oder Diktaturen-unter-Washingtons-Gnaden gebeutelt wurden, trotz ihres unglaublichen Öl-Reichtums sind die Menschen bettelarm (wie kommt das?) und nun schließlich zieht man das letze bischen Würde, dass ihnen verblieben ist - ihre Religion - auch noch in den Dreck.
Ja, da würde wir aber auch der Kragen platzen.

Nebenbei bemerkt: Wenn alle Muslime nur wegen des Films austicken würden, müsste auch in Deutschland kräftig etwas los sein. Und? Ist mucksmäuschenstill hier.

Das ist nicht zu Ende gedacht!

Würde das Volk in Arabien nicht so religiös sein, sondern statt dessen gebildet, hätte es seine Unterdrücker schon in die Wüste geschickt. Es wird gern verdrängt, daß es hier in Europa auch erst besser wurde, als wir die Macht der Kirchen einschränkten, den "von Gott eingesetzten" Adel stutzten und uns auf die eigene Würde besannen.
Das haben die da unten noch vor sich.....

Ihre Frage ist ähnlich provokant wie der "Film" selbst,

es geht (natürlich..) nicht darum, wer wo "Proteste organisiert",

die aus der Sicht dieser Leute übrigens unabdingbar sind, denn diese Leute sind, auch wenn das Vorstellungsvermögen mancher damit überfordert ist, tatsächlich beleidigt, und, wer sich ein wenig mit arabischer Kultur auskennt weiß, dass eine Beleidigung für einen Araber eine unverzeihliche Sache ist, er hat sein Gesicht verloren, schlimmer noch, der Prophet hat sein Gesicht verloren, und für den geht er buchstäblich durchs Feuer.

(so abwegig ist das gar nicht, auch bei Bewohnern des deutschen Hinterlandes können Beleidigungen leicht zu Exzessen führen)

Ob das jetzt "fehlende Aufklärung" oder "Rückständigkeit" oder was auch immer für Gründe hat, ist doch völlig egal, fest steht, es wird hier keine Rücksicht auf die besondere Situation der Muslime genommen, oder besser, es wird bewusst beleidigt und provoziert, wahrscheinlich aus Gehässigkeit, Unbildung, Minderwertigkeitskomplexen und Langeweile, und damit, bewusst oder leichtfertig, zu Hass und Gewalt aufgestachelt,

um dann Ursache und Wirkung umzukehren und die Schuld am entstandenen Chaos den Provozierten zuzuschieben. Derjenige, der die Karrikaturen hochhält oder den Koran verbrennt, kann nichts dafür. Und das glauben die sogar!

Wir hatten die Aufklärung, die Muslime nicht, trotzdem sind diese durchgeknallten Filmproduzenten und Karrikaturenprovokateure doch mindestens so rückständig, wie sie die Provozierten gerne darstellen.

ab einer bestimmten intensität

hab ich mit gewalttätigkeit generell ein problem. mir gings nur darum, ihren beitrag um die blutigen anteile zu ergänzen, weil ich glaube, dass das die aktuellen vorkommnisse im arabischen raum etwas nachvollziehbarer macht. womit ich nichts entschuldigen möchte. mir fällt bloß kein grund ein, warum araber bzw. muslime sich im ringen um gesellschaftlichen einfluss weniger gewalttätiger mittel bedienen sollten als "wir" bzw. unsere europäischen ahnen in entsprechenden historischen phasen

Global durchgeknallt?

Aha. Die arnmen Araber, die gehen für ihren Propheten durchs Feuer. Was für ein Mumpitz. Klar, wenn ich mich neben die Kaaba stelle (oder so dicht wie's geht halt) und auf arabisch verkünden würde, Mohammed sei ein Homo, dann müsste ich mich nicht wundern, wenn ich geteert und gefedert werden würde (oder dergleichen), man könnte also sagen: selbst Schuld. So wie Theo van Gogh halt.
Bloß, bei aller Dämlichkeit der US-Friedensbomben auf Tripolis - welche Schuld hat denn die US-Botschft in Libyen, welche Schuld hat die USA als Staat? Die Araber sind wütend, okay, haben wir Verständnis, die sind halt so archaisch und hatten keine Aufklärung - aber dass die in ihrer Wut einfach irgendwelche Unschuldigen massakrieren, weil sie die gleiche Nationalität haben wie der Betreiber der Website, auf der das Video erschienen ist - sicher, da sind NUR die Idioten dran schuld, die den Film ins Netz gestellt haben. Die armen Araber sind nur Opfer einer Provokation. Geht's noch?

Auge um Auge

Muslimischer Frühling - Dass ich nicht lache. Solange die Menschen auf diese Weise auf eine Provokation reagieren, wird in diesen Ländern niemals Frieden einkehren!

Eines kann man sich sicher sein - Wenn ein Hund einen Haufen hinsetzt, ist die nächste Fliege nicht weit. Ähnlich verhält es sich mit genannter Gesinnung - legt man ihnen einen Braten vor, springen sie sofort drauf an - Nur dass bei denen dann gleich Köpfe rollen...

Solange man nicht bereit ist, seine eigene Einstellung auf Kritik hin zu hinterfragen - auch wenn die Kritik unangebracht scharf sein mag - wird man den mittelalterlichen Fehden nicht entkommen. Auge um Auge...

Da geht es doch schon los,

Sie reden von "Den Arabern" in diesem Kontext. Ein kleiner Vergleich um Ihnen den Unsinn davon zu zeigen. Stellen Sie sich ein arabisches Nachrichtenforum vor, wie dieses, in dem über Ausschreitung bei einer NaziDemo berichtet wird und die Foristen beginnen dann mit "die Deutschen". Das ist falsch. Der Mord ist zu verurteilen und zu bestrafen und es ist wichtig die Täter zu ermitteln, denn dafür gibt es keine Rechtfertigung (im übrigen glaube ich, dass da der Film nur Vorwand ist) nur bitte verzichten Sie auf solche Verallgemeinerungen, denn diese werden der Situation nicht im Ansatz gerecht.

@ 111- rublu79- Sie schreiben ja zu Recht:

"Solange man nicht bereit ist, seine eigene Einstellung auf Kritik hin zu hinterfragen"

Sie wollen diesen Film also als "Kritik" bezeichnen ?

Kritik ist sachlich und bedient sich Argumenten.
Sie stellt dem Gegenüber Fragen, die dieses beantworten kann -
so habe ich es zumindest gelernt.

Genau das fehlt: Ein kritischer Dialog auf gleicher (!) Augenhöhe, wobei diese nicht allein von uns definiert werden kann.
Die Anmaßung einer ungleiche Augenhöhe ist auch einem großem Teil der Kommentaren zu entnehmen.

Ja, genau...

... das zeigt wie respektlos wir mit anderen Ansichten umgehen...
Was natürlich nicht die Gewalt rechtfertigt.
Aber: Wir wissen doch, wie schlimm Muslime solche Beleidigungen finden. Warum provozieren wir dann erst recht, anstatt zu respektieren, dass man sich über Mohammed nicht lustig macht? Nur weil wir es anscheinend nicht schlimm finden, sich über den Papst oder Jesus lustig zu machen, muss das nicht heissen, dass Muslime das mit Mohammed genau so sehen. Es geht um die Verletzung tiefer religiöser Gefühle, und wir hauen da immer wieder schön in dieselbe Kerbe, obwohl wir genau wissen, dass das für Muslime abartig sein muss. Wieso akzeptieren wir nicht einfach dies besser nicht zu tun.
Und damit meine ich ausdrücklich NICHT, dass man nicht über den Islam diskutieren soll, aber man sollte halt auch Grenzen akzeptieren.
Aber nochmals: Die Gewalt rechtfertig das auf keinster Weise!

Falschinterpretation: Nicht alles vermengen,

Also alles kann nun wirklich keine Beleidigung sein,

wenn eine islamische oder islamistische Gruppe unschuldige Christen im Namen der Religion massakriert, ist das ja eine auch im 21. Jahrhundert vielfach vorkommende Tatsache, keine Beleidigung, das Darstellen von Morden als Beleidigung einzustufen grenzt wirklich an Realitätsbeleidigung,

höchstens ist es eine Beschämung, wo bleibt eigentlich die Entschuldigung für diese Tatsache? Oder was wird überhaupt dagegen getan?

spricht die Gleichung mit X doch von Terroristen, seit wann wollen wir denn alle Moslems mit den Terroristen gleichsetzen? Einfach unmöglich solche Interpretationen

als nichtfundamentalistischer Moslem muss man sich sehr gut überlegen, ob man sich da zu den Tätern rechnen und angesprochen fühlen will oder ob man sich nicht besser von diesen abgrenzen sollte,

dann wäre eine Kritik an islamistischer Gewalt zu teilen statt zu verwerfen,

ja wenn man so unaufgeregt an die Sache herangehen könnte …

Zitate

"Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes."

"Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewußtsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben oder schon wieder verloren hat."

Karl Marx

Marxilein

Marx ist auch Religion, also keineswegs geeignet, um diese 'Zustände' in ihrer Gesamtheit wenigstens annähernd zu erfassen. Für mich brächte schon die Formel 'gedankenloser Mob' einiges auf den Punkt. Übrigens hat gerade das gewöhnliche, streng-gläubige, religiöser Wörtlichkeit verfallene Volk verhindert, dass dem Islam, der einst Arabisch zur Weltsprache machte vor vielen hundert Jahren, zum Schluss doch keine großen philosophischen Errungenschaften zu verdanken sind. Mehr als ein bisschen kommentieren, was Platon und Aristoteles schrieben, gestattete man nicht den durchaus klugen Köpfen, den er einst hervorbrachte.

Eurozentrismus-Ticker

1) Marx ist nicht Religion, Marx ist Person, und deswegen theoretisch genauso geeignet wie jede andere Person um Zustaende zu erfassen. Zur Ideologie wurden die Auslegungen manchmal, das spricht aber nur wenig ueber Marx, und umso mehr ueber die Ausleger...

2) Schonmal von Ibn Khaldun gehoert?

3) Woher die Gewissheit dass es sich um die "einfachen" Leute handelt? Die unteren Klassen haben wenig Zeit sich um religioese Resentiments zu kuemmern, die sind mit Ueberleben beschaeftigen, in einem durch neoliberale Reformen auf westlichen Druck verarmten Land. Im Gegensatz zu vielen christlichen Laendern, kommen die religioesen Fundamentalisten meist aus der gebildeten Mittelklasse, fuer die der Islamismus ein Gedankengebilde darstellt, das ihre Marginalisierung scheinbar erklaert. Genannte Reformen draengten dann auch den Staat zurueck und schafften Platz fuer die Islamisierung der nahoestlichen Gesellschaften. Voila.

4) Wieso liest man hier eigentlich fast nie etwas ueber Armut und Leid in der arabischen Welt? Verursacht von aeusserem Druck. Oder Arbeiterstreiks? Der (widerliche und abzulehnende) Angriff auf U.S. Botschaften bekommt 11 Artikel in zwei Tagen; sind die Hungertoten in Aegypten nicht so viel wert wie ein U.S.-Botschafter? Nicht spannend genug?

@36 Keine anderen Ursachen?

Armut und Leid in der arabischen Welt - nur durch die westliche Welt verursacht?

Wieviel Reichtum ist in die Ölscheichtümer geflossen? Damit werden dort Paläste wie in 1001 Nächten gebaut. Wo ist deren Hilfe für die Infrastrukturfördeung in z.B. Ägypten?Und wie soll es weitergehen? Anfang 20Jh. hatte Ägypten 3Mio. Einwohner, jetzt ca. 80Mio. Wieviele in 20 Jahren?
Wie viele könnte dieser Wüstenstaat eignetlich ernähren?

@Ivold

2) ja, mehr als nur von ihm gehört.

1) zu Marx gibt das Forum hier sicher nicht genügend Platz her, oder? Darum stimme ich Ihnen weder zu, noch gebe Ihnen recht.

3) Wissen Sie was, mich interessiert ein Mensch nicht in erster Linie das, was gut an ihm ist, sondern das, was seine Worte und Handlungen bei anderen Menschen bewirken, wobei ich mich selbst natürlich nicht ausschließen darf. - Was das Leid dieser Bevölkerung angeht, kann ich nur eines sagen: nicht WIR regieren Arabien.

Und mein Statement war keineswegs 'eurozentrisch', was immer das bei Ihnen heißen mag.

Diese Antwort war kein Angriff.

Atheismus

Haben Sie die Zitate gelesen? Verstanden?
"Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes."

Nicht die Religion wird hier als Problem benannt, sondern die "herzlosen Zustände", in denen Religion eben, wie Alkohol oder "Opium" etwas Trost spenden.

"Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewußtsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben oder schon wieder verloren hat."

Hier wird als Problem benannt, das der Mensch seiner selbst entfremdet ist und Religion wird als falsche "Strategie" benannt.

Atheisten glauben per definitionem lediglich nicht an Gott, ansonsten werden Sie darunter auch herzlose, altruistische, egoistische, hilfsbereite, liebevolle, brutale....finde. Manche Atheisten "glauben" an das Gute im Menschen, an die Erklärbarkeit der Welt, an die Macht des Geldes, an die Veränderbarkeit gesellschaftlicher Zustände, an die Liebe, ....

"Religionen ablehnen heisst : daran glauben dass
nichts dahinter steckt ;" naja, zumindest kein übernatürliches Wesen, keine außermenschliche Kraft...das schließt nicht aus, das auch ein Atheist christliche (oder auch islamische) Werte teilen kann! Aber:

Es rettet uns kein höheres Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun, uns aus dem Elend zu erlösen können wir nur selber tun!

Sie verwechseln Atheisten mit Agnostikern

"Atheisten glauben per definitionem lediglich nicht an Gott,"

Das trifft eigentlich nicht zu, da Atheisten eben nicht nur nicht an etwas glauben, sondern ihren Atheismus aus einem Programm, eine Ideologie ableiten. So etwa der Dialektische Materialismus des Herrn Marx oder die Wissenschaftsgläubigkeit des Herrn Dawkins.
Das ist schon rein historisch eine eruierbare Tatsache - ebenso wie die wesentlich agressivere Übergriffigkeit des Atheismus angesichts der atheistischen Systeme unter Mao, Stalin, Kim Jong usw.

Im Sinne einer Machbarkeits-Ideologie auch Ihr Vers:
"Es rettet uns kein höheres Wesen, kein Gott, kein Kaiser noch Tribun, uns aus dem Elend zu erlösen können wir nur selber tun!"

Der Verzicht darauf, ohne eigene Vergewisserung Glaubensätze zu übernehmen, und damit der Verzicht auf Autoritätshörigkeit zeichnet den Agnostiker aus -
bei Atheisten trifft eher das Gegenteil zu.

Marx Philosophie ist schon deshalb keine "Religion",

weil er im Gegensatz zu Religionen das Denken nicht einnebelt, sondern exakt in logische Bahnen lenkt und darüber hinaus zum Denken auffordert und es fördert! Jeder Leser kann seine Antithese entwickeln und verbreiten. Marx Lehre animiert keine Gewalt.

Es gab und gibt in allen Religionen große Denker. Aber die fundamentalistischen Machtinhaber u. Hassprediger waren und sind die Verderber. Jene, die diesen Film herstellten und verbreiteten und jene gemeinten, die prompt wie gewünscht antworten, schlagen sich aber nicht nur die eigenen engstirnigen Religionsschädel ein. Sie sterben in und für ihren Hass, den sie noch im Tod in ihren Herzen und Augen haben. Furchtbar. Aber sie begreifen es nicht.

@ameliebott

Doch, Marx ist Religion, weil gerade die Vorstellung, 'logische Bahnen' - was auch immer zum Teufel Sie damit meinen -, würden bedeuten, eine Theorie würde zugleich wahr, was zu hundert Prozent identisch ist mit christlicher Scholastik (und von ihr, über den Umweg Hegel, herrührt). Weiter ist die bis heut gern verschwiegene Poppersche Kritik aktuell, dass Marx die gleiche Machtfrage stellt wie Platon, sie nur anders beantwortet: Wer soll herrschen? - und es mit Volk beantwortet, Platon mit den Eliten. Doch im Denken bleibt Marx eben in Elite-Volk verhaftet. Und genau das ist besonders den Marxisten nicht bewusst. Sie merken nicht, dass sie, wenn sie die Religion kritisieren, selbst noch in religiösen Schemen und Fragen verweilen, und, wenn sie Platon bekämpfen, nur indirekt auf seine Frage gehen und sie anders beantworten - als einfach die Frage selbst als unzulänglich zu erkennen.

Gestatten Sie mir, dass ich es nicht mag, immer wieder diesen Marx rausgekramt zu sehen, wenn es Probleme gibt. Es gibt wesentlich bessere Philosophen - abgesehen davon, dass Marx auch nie wirklich ein ganzer Philosoph gewesen ist.

Marxzitat

„Der Koran und die auf ihm fußende muselmanische Gesetzgebung reduzieren Geographie und Ethnographie der verschiedenen Völker auf die einfache und bequeme Zweiteilung in Gläubige und Ungläubige. Der Ungläubige ist „harby”, d. h. der Feind. Der Islam ächtet die Nation der Ungläubigen und schafft einen Zustand permanenter Feindschaft zwischen Muselmanen und Ungläubigen. In diesem Sinne waren die Seeräuberschiffe der Berberstaaten die heilige Flotte des Islam.” (Marx-Engels-Werke, Band 10, S. 170).
Er würde nicht rotieren.

MEW Band 10

Nettes Zitat, aber Marx und Engels waren eher keine Experten in Islamkunde, denn es wird durchaus zwischen Juden und Christen, die eine "Buchreligion" haben, und anderen unterschieden. Im Übrigen würde mich wundern, wenn M. und E. andere "Seeräuberflotten", wie z.B. die englische, besser wegkommen ließen.

Solche Zitate sind wertlos, wenn sie aus dem Zusammenhang gerissen werden.

Religion spielt hier eine sehr untergeordnete Rolle

Mal ganz davon abgesehen, dass Marx selbst mit seinen extremen Ansichten so etwas àhnliches wie eine Religion installieren wollte, die vor allem darin bestand, die bereits bestehenden Religionen zu vernichten denke ich, dass Religion in diesem Fall hier eine sehr kleine Rolle spielt.
Im Mittelpunkt steht hier vielmehr der Hass eines Wahnsinnigen der vorgibt, religiös zu sein, denn weder das Christentum noch das Judentum noch der Islam legitimieren einen solch abartigen Schwachsinn wie diesen Film der kein anderes Ziel hat als andere zu beleidigen und Hass und Elend zu verbreiten.
Hier wird Religion aufs übelste mißbraucht, aber sie bildet für nicht Schwachsinnige keinerlei Grundlage für das Machwerk.

Suprafluide nulldimensional

@243. Eindimensional (nigromontanus)

Die "atheistischen Bewegungen" Kommunismus und Faschismus haben die meisten Ihrer Opfer wohl kaum im Namen "des" Atheismus getötet.
Tatsächlich wurden aber "Abermillionen" im Namen der monotheistischen - Ihrer Meinung nach vor tristem Bashing zu schützenden - Religionen getötet.
Ihnen Reflektion über Ihr Geschriebenes unterstellend, stellt sich mir die Frage nach der Intention Ihres anti-atheistischen Beitrags.

Rhetorisch brillant - inhaltlich anmaßend

Was Karl Marx da in seiner Einleitung zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie schreibt, ist rhetorisch unglaublich brillant, aber inhaltlich unglaublich arrogant und anmaßend. Er setzt sich nicht mit dem Christentum oder Islam oder eine Naturreligion auseinander, die vielleicht noch von steinzeitähnlich lebenden Völkern in abgelegenen Regionen praktiziert wird. Sein Target ist "die Religion", also ein menschheitsgeschichtliches Phänomen, von dem selbst der gebildeste Religionsforscher maximal einen kleinen Ausschnitt kennt.

Gefährliche rassist. Entwicklung

"Die Rassisten verabscheuen die Araber jetzt nicht mehr wegen ihrer sonnenverbrannten Haut oder ihrer levantinischen Gesichtszüge, sondern weil sie - «machen wir uns doch nichts vor» - einer lächerlichen Religion anhängen, ihre Frauen schlecht behandeln, grausam oder einfach rückständig sind“ (Memmi, S. 101).[37]
Albert Memmi, Rassismus, Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1992

@elisRea (offTopic)

definieren nicht, aber ein paar Gedanken aufzählen, um zu versuchen, Gemeinsamkeiten deutlich zu machen:

Glaube an einen Ursprungs-Sinn oder einen in den Dingen oder der Menschheitsgeschichte liegender tiefer Sinn (was tun anderes die Muslime?), Glaube an Endziele im weiteren Sinn, zum Beispiel Glaube an eine Art Idealwelt mit Idealmenschen - was die Christen Himmel nennen, ziehen Marxisten lediglich ins Weltliche - aber sie bleiben doch eben dieser Kategorie verhaftet: darum auch neigen Marxisten wie philosophisch Verwandte (Frankfurter Schule?) dazu, dass sie Gesellschaftsbilder formulieren, die nicht ohne ein 'tabula rasa' auskommen; etwas muss weg, ehe Gutes gedeihen kann - eine im Grunde durchweg negative Philosophie; bei einem Adorno ist es das Falsche, in dem man seiner Auffassungnach nicht 'richtig' leben kann (was fortgeführt eigentlich eine erschreckende Sichtweise ist, auch wenn ich mir über ihren sehr menschlichen Grundgedanken im Klaren zu sein einbilde); nichts darf stückweise passieren; Geduld, Duldsamkeit, zum Teil sogar Gutmütigkeit sind schlecht, weil sie das Gute und Wahre aufhalten (hier zum Teil erstaunliche Schnittmengen mit islamischen Fanatikern)

Religionen machen sich aus fremden Gedankenkonstrukten eher selb

Stalins Charakterbildung kam aus seinem Elternhaus und seiner kath. Schulbildung. Soweit ich weiß, hatte er mit Hitler einen Nichtangriffspakt geschlossen. Woraus zu schließen ist, dass Marx für den Charakter eines Diktators verantwortlich ist, erschließt sich mir daraus nicht.

Es ist eine Sache, einer Ideologie eine andere gegenüber zu stellen und eine andere Sache, daraus Verbrechen abzuleiten. Und zu Marx gehört m. W. nicht, dass er den Himmel auf Erden versprach. Er begründete seine Vorstellung über die Gerechtigkeit auf Erden und setzte sein Denken dem Anspruch auf den Himmel auf Erden den Herrschenden entgegen.

Beim Aufrechnen der Verbrechen, die es leider auf allen Seiten gibt, zieht der Kapitalismus u. Religionen den Kürzeren. Zusammen kann man sie als das rechte Lager sehen.

Deutlicher Unterschied

Ich sehe einen deutlichen Unterschied zwischen diesem Versuch einer nüchternen Analyse (der ich so nicht zustimme, da sie der Komplexität des Themas nicht gerecht wird) und einem Machwerk, wie es in Teilen im Artikel beschrieben wird.

Vielleicht macht dies den Unterschied von Kritik an einer Religion und blosser Hasspolemik gegen sie deutlich. Insofern war das Einbringen des Marx-Zitats doch sinnvoll.

Na ja, ich glaube auch an keinen Teufel.

Ich schrieb, dass "Marx das Denken...in logische Bahnen lenkte" und das Denken anstieß. Daraus kann niemand den Schluß ziehen, dass er seine Gedanken für unfehlbar hielt. Er mag dazu auch zu sehr Wissenschaftler gewesen sein, der Irrtum nicht ausschließt. Auch das trennt ihn von religiösen Gurus.

Jedenfalls entwickelte er bzgl. Verhältnissen u. Fakten Gedanken, die wir in unseren Gesellschaften nicht mehr wegdenken können. Und damit auch nicht Marx, sowenig wie andere große Denker.

Der Faschismus

deckt sich mit den Religionen.Der Kernsatz der Diktatur, Herrschafts- u. Untertanendenken, wird nicht einmal versteckt. Das ist in der augenblicklichen Beschneidungsdebatte nachvollziehbar, die unverblümt den Gläubigen ihre persönliche Glaubensfreiheit verweigert, indem sie sanktioniert und vom Staat rücksichtslos die Freiheit zur institutionellen Doktrin der Menschenrechtsverletzung fordert!

Bemerkenswert, Christentum, Islam u. Judentum fordern in schönster Eintracht.

Auch unsere Politik kuscht vor den Religionen, wenn es gilt Flagge zu zeigen.

Jeder dürfte das Internet nicht haben,

denn darin werden Sachen verbreitet, die oft nicht stimmen oder auch nicht begriffen werden. Der Film scheint wohl unter aller Würde zu sein (ich habe ihn nicht gesehen). Wenn religiöse Eiferer das Internet benutzen, um andere Menschen aufzuhetzen, ist das ebenso verwerflich. Die getöteten Menschen, auch wenn es Amerikaner waren, hatten damit nichts zu tun.

@25 - Erstaunlich, erstaunlich - fehlende Empathie ?

man braucht natürlich nicht über "religiöse" Gefühle zu reden, sondern kann auch über andere starke Gefühle reden.
Empathie beruht darauf, dass man versteht, wenn andere Menschen über bestimmte starke Gefühle reden, da man selbst entsprechende Gefühle kennt oder zumindest in irgendeiner Weise nachempfinden kann.
Wenn dann noch ein wenig Intelligenz hinzukommt, ist es möglich von starken z.B. Liebesgefühlen auf z.B. starke religiöse zu schließen. Auch sollte es möglich sein, von weniger starken auf stärkere Gefühle zu projezieren.

Der Wille dazu muss natürlich schon da sein ...

Im Übrigen wird man heute im Rahmen der modernen Gehirnforschung solcherlei Gefühle sicherlich lokalisiren und deren Zusammenhang zumindest partiell analysieren können. Wäre - falls nicht bereits geschehen - ein interessantes Projekt.

Ansonsten gehen wir doch davon aus, dass wen njemand etwas behauptet es zunächst keine Lüge ist - wenn x Millionen dies behaupten ...

Soviel zu Ihrer szientistischen Behauptung:

"Wie äußern sich 'Religiöse Gefühle' denn nun?
Darauf gibt es bisher keine belastbare Antwort!Lediglich Tatsachenbehauptungen, und das ist doch ein bischen wenig, oder nicht?"